Die Münzen der Sedisvakanz
Münzsammler in aller Welt erwarten sie mit großer Spannung: die Sedisvakanz-Münze des Vatikanstaates. Erstmals wird sie mit einem Euro-Wert erscheinen. Von Ulrich Nersinger, Vatikanspezialist.
(kreuz.net) Einen besonderen Stellenwert im päpstlichen Münzwesen nehmen die Sedisvakanz-Münzen ein.
Sie werden nämlich nicht unter der Autorität des Papstes, sondern unter der des Kardinalskollegiums
herausgegeben. Dieses wahrt in der papstlosen Zeit, der Sedisvakanz – von „sede vacante“ = „während der
Stuhl leer ist“ –, die weltlichen Rechte des Heiligen Stuhls.Die Münzen der Sedisvakanz zeigen in der Regel den „Ombrellino“ (Schirm) mit den Schlüsseln Petri, das Wappen des Kardinalkämmerers und die Umschrift „Sede Vacante“ mit der jeweiligen Jahreszahl. Der Ombrellino ist das Hoheitszeichen der Kirche. Er gilt als Symbol für das Zelt Gottes unter den Menschen, das in den Schriften des Neuen Testaments mit der Kirche gleichgesetzt wird.
Während der langen Sedisvakanz von 1268-1271 wurden in Viterbo, nördlich von Rom, ein „grosso“ und ein „denaro paparino“ geprägt. Sie sind die ersten Exemplare dieses Münztyps. In Rom selber wurden die Sedisvakanzmünzen erst seit dem Jahre 1521 üblich.
Die höchste Anzahl von Sedisvakanz-Münzen wurde 1655 herausgegeben. Denn zwischen dem Tod Innozenz’ X. und der Wahl Alexanders VII. vergingen mehr als drei Monate. Im 17. und 18. Jahrhundert prägte man die Münzen in Gold, Silber und Kupfer sowie zu den verschiedensten Werten, während man sich später damit begnügte, nur noch ein Silbergeldstück zu ein oder zwei Werten in Umlauf zu bringen.
Zur Sedisvakanz von 1939 erschienen Münzen zu 5 und 10 Lire; danach – 1958, 1963 und 1978 – nur noch zu 500 Lire.
Nicht zu verwechseln mit den Sedisvakanz-Münzen sind die Medaillen, die der Konklavemarschall das Recht hatte, prägen zu lassen. Diesem hohen Laienwürdenträger aus einem römischen Adelsgeschlecht war bis zum Jahre 1963 der äußere, militärische Schutz des Konklaves – Papstwahlversammlung – anvertraut. Nach der Wahl eines neuen Papstes verteilte er Medaillen – die begehrter und wertvoller als die Münzen der Sedisvakanz waren – an all jene Personen, die geholfen hatten, das Konklave mit abzusichern.
Am 2. Juli 2001 gab Papst Johannes Paul II. als Souverän des Vatikansstaates seine Zustimmung zu einem Gesetz, kraft dessen der Euro mit Datum des 1. Januar 2002 als alleinige Währung im Kirchenstaat eingeführt wurde.
Die Gesamtmenge der Vatikan-Münzen wurde im Einvernehmen mit der Europäischen Zentralbank und der Republik Italien auf jährlich 670.000 Euro begrenzt. Beim Ableben des Papstes dürfen weitere vatikanische Münzen im Wert von 210.000 Euro geprägt werden.
Die Wirtschafts- und Finanzminister der Europäischen Union stimmten im Herbst 2003 einem Abkommen zu, wonach der Vatikan ab dem Jahr 2004 Euro-Münzen im Wert von einer Million Euro prägen lassen darf. Außerdem wurde dem Vatikan zugestanden, in drei besonderen Fällen weitere Euro-Münzen im Wert von 300.000 Euro herauszugeben. Dies soll gelten, wenn der Heilige Stuhl vakant ist, wenn ein Heiliges Jahr stattfindet oder wenn ein Konzil einberufen wird.
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Dienstag, 12. April 2005 18:21
Yersinia: weils thematisch in gewisser Weise passt:
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