15:53:04 | Montag, 19. Oktober 2009
Benedikt XVI.
In der Sozialenzyklika des Papstes gibt es Forderungen, die zueinander offensichtlich in Widerspruch stehen. Von Universitäts-Dozent Friedrich Romig.

(kreuz.net) Im Paragraphen 32 erklärt die Sozialenzyklika ‘Caritas in veritate’ von Papst Benedikt XVI.,
daß „die Würde der Person und die Gerechtigkeit verlangen, daß – vor allem heute – bei wirtschaftlichen
Entscheidungen“ als Priorität das Ziel verfolgt werde, „allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen“ – gemeint
ist wohl: zur angemessen entlohnten Arbeit.
Ebenso sei es vorrangig, sich um den Erhalt der Arbeitsmöglichkeiten
zu sorgen.
Zugleich fordert die Enzyklika in Paragraph 33, „Grenzzölle“ abzubauen und „Märkte zu öffnen“.
Wird hier nicht die Verbindung von Feuer und Wasser verlangt?
Man denke an die inländischen Arbeitsplätze
in der Landwirtschaft, in der Textil- und Autoindustrie und sogar in der hochentwickelten elektronischen
Hard- und -Softwareproduktion sowie in der Kommunikationsindustrie.
Wie könnten Arbeitsplätze geschützt
werden in einem „gemeinsamen“ oder globalisierten Markt ohne Grenzen?
Ist nicht ein gewisses Maß am
abgelehnten „Protektionismus“ – Paragraph 42 verwendet das Wort – im Interesse des Gemeinwohls, der Menschenwürde
und der auf Stabilität beruhenden Lebensplanung erforderlich?
Gehört es nicht – um Paragraph 37 zu
zitieren – zur „Logik der Politik“ und zur „Logik der Wirtschaft“ anzuerkennen, daß Stabilität, Solidarität,
Gerechtigkeit und Gemeinwohl sowie das von der Würde des Menschen her geforderte „Recht auf Arbeit“ nur
in einem System gefunden werden kann, das einer der schärfsten politischen Denker, Johann Gottlieb Fichte
(† 1814), als „geschlossenen Handelsstaat“ vorgelegt hat?
Wie anders als durch Setzung von Grenzen kann
dem epidemischen Anwachsen der Arbeitslosigkeit, der „Deregulierung der Arbeitswelt“, der „Reduzierung
der Netze der sozialen Sicherheit“, dem „Wettstreit unter den Staaten“ um Standortvorteile durch Steuerbefreiungen
oder der in Paragraph 25 beklagten „Machtlosigkeit“ gegenüber internationalen Finanzinstituten vorgebeugt
werden?
In diesem Zusammenhang beklagt die Enzyklika im Paragraph 23 „Verzerrung“ in der wirtschaftlichen
Entwicklung und fordert ein „ausgeglichenes Wachstum“.
Ist eine einigermaßen verzerrungsfreie, ausgeglichene
Entwicklung eines Landes nicht an das Prinzip der weitgehenden Selbstversorgung oder „Autarkie“ gebunden?
Bedeutet das nicht, alle Wirtschaftszweige aufeinander abzustimmen und ihre „Entsprechung“ zueinander
zu wahren?
Fordert die Wahrung der von der Enzyklika geforderten „Entsprechungsverhältnisse“ nicht die
Abwehr von Störungseinflüssen von außen und von schnellen Gelegenheitsgeschäften der Abzocker.
Steht
das nicht in Widerspruch zur vielfach geförderten Exportorientierung, der einseitigen Spezialisierung
und Entwicklung von Monokulturen, der nicht im Interesse der Staaten erfolgenden Ausbeutung von Bodenschätzen,
insbesondere Erdöl und Erdgas – wie Paragraph 49 schreibt?
Erfordert eine Politik des „ausgeglichenen
Wachstums“ und der Abwehr von Entsprechungsstörungen nicht „geschlossene Grenzen“ des für das Gemeinwohl
der Nation verantwortlichen Staates?
Wie kann in einer grenzenlosen universalen „Stadt des Menschen“
den Gefahren der „kulturellen Homogenisierung“, „Vereinheitlichung“ und „Verflachung“ oder dem Verlust
der „tiefen Bedeutung der Kultur den verschiedenen Nationen und der Tradition der Völker“ vorgebeugt
werden – wie sie in Paragraph 26 der Enzyklika beklagt werden?
Muß hier nicht ein umfassender, nationaler
und staatlicher „Grenzschutz“, „Protektionismus“, eine „Diskriminierung“ des Unerwünschten – seien es
Zuwanderer oder importierte Produkte – gefordert werden?
Der Autor lehrte politische Ökonomie in Wien,
Graz und Aachen.Nächstes Mal: Die unbedachte Rede der Enzyklika vom Teilen
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#15
hieronymus333 22:05:55 | Montag, 19. Oktober 2009
#14
Elijahu † 20:31:58 | Montag, 19. Oktober 2009
#13
Schalom 20:26:54 | Montag, 19. Oktober 2009
#12
hass class † 20:24:57 | Montag, 19. Oktober 2009
#11
Elijahu † 20:21:41 | Montag, 19. Oktober 2009
#10
Schalom 20:09:04 | Montag, 19. Oktober 2009
#9
Brandenburgis 18:56:09 | Montag, 19. Oktober 2009
#8
Sefirot 18:36:55 | Montag, 19. Oktober 2009
#7
FXaver 18:29:52 | Montag, 19. Oktober 2009
#6
Sefirot 18:28:49 | Montag, 19. Oktober 2009
#5
Tobit 18:24:01 | Montag, 19. Oktober 2009
#4
Brandenburgis 18:01:49 | Montag, 19. Oktober 2009
#3
SignumSalutis † 17:41:50 | Montag, 19. Oktober 2009
#2
Brandenburgis 17:16:14 | Montag, 19. Oktober 2009
#1
IZAAC 16:37:39 | Montag, 19. Oktober 2009