Benedikt XVI.
Wie anders als durch die Setzung von Grenzen?
In der Sozialenzyklika des Papstes gibt es Forderungen, die zueinander offensichtlich in Widerspruch stehen. Von Universitäts-Dozent Friedrich Romig.
(kreuz.net) Im Paragraphen 32 erklärt die Sozialenzyklika ‘Caritas in veritate’ von Papst Benedikt XVI., daß „die Würde der Person und die Gerechtigkeit verlangen, daß – vor allem heute – bei wirtschaftlichen Entscheidungen“ als Priorität das Ziel verfolgt werde, „allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen“ – gemeint ist wohl: zur angemessen entlohnten Arbeit.

Ebenso sei es vorrangig, sich um den Erhalt der Arbeitsmöglichkeiten zu sorgen.

Zugleich fordert die Enzyklika in Paragraph 33, „Grenzzölle“ abzubauen und „Märkte zu öffnen“. Wird hier nicht die Verbindung von Feuer und Wasser verlangt?

Man denke an die inländischen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, in der Textil- und Autoindustrie und sogar in der hochentwickelten elektronischen Hard- und -Softwareproduktion sowie in der Kommunikationsindustrie.

Wie könnten Arbeitsplätze geschützt werden in einem „gemeinsamen“ oder globalisierten Markt ohne Grenzen?

Ist nicht ein gewisses Maß am abgelehnten „Protektionismus“ – Paragraph 42 verwendet das Wort – im Interesse des Gemeinwohls, der Menschenwürde und der auf Stabilität beruhenden Lebensplanung erforderlich?

Gehört es nicht – um Paragraph 37 zu zitieren – zur „Logik der Politik“ und zur „Logik der Wirtschaft“ anzuerkennen, daß Stabilität, Solidarität, Gerechtigkeit und Gemeinwohl sowie das von der Würde des Menschen her geforderte „Recht auf Arbeit“ nur in einem System gefunden werden kann, das einer der schärfsten politischen Denker, Johann Gottlieb Fichte († 1814), als „geschlossenen Handelsstaat“ vorgelegt hat?

Wie anders als durch Setzung von Grenzen kann dem epidemischen Anwachsen der Arbeitslosigkeit, der „Deregulierung der Arbeitswelt“, der „Reduzierung der Netze der sozialen Sicherheit“, dem „Wettstreit unter den Staaten“ um Standortvorteile durch Steuerbefreiungen oder der in Paragraph 25 beklagten „Machtlosigkeit“ gegenüber internationalen Finanzinstituten vorgebeugt werden?

In diesem Zusammenhang beklagt die Enzyklika im Paragraph 23 „Verzerrung“ in der wirtschaftlichen Entwicklung und fordert ein „ausgeglichenes Wachstum“.

Ist eine einigermaßen verzerrungsfreie, ausgeglichene Entwicklung eines Landes nicht an das Prinzip der weitgehenden Selbstversorgung oder „Autarkie“ gebunden?

Bedeutet das nicht, alle Wirtschaftszweige aufeinander abzustimmen und ihre „Entsprechung“ zueinander zu wahren?

Fordert die Wahrung der von der Enzyklika geforderten „Entsprechungsverhältnisse“ nicht die Abwehr von Störungseinflüssen von außen und von schnellen Gelegenheitsgeschäften der Abzocker.

Steht das nicht in Widerspruch zur vielfach geförderten Exportorientierung, der einseitigen Spezialisierung und Entwicklung von Monokulturen, der nicht im Interesse der Staaten erfolgenden Ausbeutung von Bodenschätzen, insbesondere Erdöl und Erdgas – wie Paragraph 49 schreibt?

Erfordert eine Politik des „ausgeglichenen Wachstums“ und der Abwehr von Entsprechungsstörungen nicht „geschlossene Grenzen“ des für das Gemeinwohl der Nation verantwortlichen Staates?

Wie kann in einer grenzenlosen universalen „Stadt des Menschen“ den Gefahren der „kulturellen Homogenisierung“, „Vereinheitlichung“ und „Verflachung“ oder dem Verlust der „tiefen Bedeutung der Kultur den verschiedenen Nationen und der Tradition der Völker“ vorgebeugt werden – wie sie in Paragraph 26 der Enzyklika beklagt werden?

Muß hier nicht ein umfassender, nationaler und staatlicher „Grenzschutz“, „Protektionismus“, eine „Diskriminierung“ des Unerwünschten – seien es Zuwanderer oder importierte Produkte – gefordert werden?

Der Autor lehrte politische Ökonomie in Wien, Graz und Aachen.

Nächstes Mal: Die unbedachte Rede der Enzyklika vom Teilen
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Keine Einmischung der Kirche in staatliche Belange? 2. Eine Soziallehre aus Bruchstücken? 3. Mehr als eine Erbauungsschrift? 4. Systemlosigkeit und Verschwommenheit 5. Vatikanische Tipps für einen folgenreichen Konkurs? 6. Nur der Tod ist Demokrat
7. Wie anders als durch die Setzung von Grenzen?
8. Fürchtet sich der Vatikan nicht vor dem „Bürgermeister“ der City of Man?
      
15 Lesermeinungen
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#15   hieronymus333   22:05:55 | Montag, 19. Oktober 2009
Widerspruch bei einem
senilen Teufelsanbeter, wo gibts denn so was: :-D
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#14   Elijahu †   20:31:58 | Montag, 19. Oktober 2009
Das sieht man wie fröhlich du bist, Alpenclown
Wenn du zufrieden wärst mit deiner verkrachten Existenz würdest du hier um Forum wohl nicht ständig gegen die Kirche ankläffen. Siehs ein, dein Faible für Muschis hat dir das Leben versaut.
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#13   Schalom   20:26:54 | Montag, 19. Oktober 2009
Zeternder Elijahu, es geht mir dank der Güte Gottes wunderbar
fröhlich, heiter, gesund, gelungenes Leben
Christus Sieger!!!
Elijahu, wie gehts so in deiner Gruft?-
Öde? Verbiestert? Ungesund?
Wie man sich bettet, so liegt man!
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#12   hass class †   20:24:57 | Montag, 19. Oktober 2009
Elijahu – Mund auf
Schlucken,
Schlafen,
und vor allem
Schnauze halten!
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#11   Elijahu †   20:21:41 | Montag, 19. Oktober 2009
Bald hat das Gezeter sein Ende.
Schamanenclown aus Ainring. Verkrachte Existenz vorm Herrn. Bald gehts hinab ins Feuer. Nur ein Frevler unter vielen. Christus verraten, Leben verpfuscht: der Alpenclown aus Ainring.
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#10   Schalom   20:09:04 | Montag, 19. Oktober 2009
Es ist unmenschlich, verantwortungslos und unsozial,
Priestern das recht auf Ehe und Familie zu verweigern.
Kein Wunder, wenn kaum noch ein junger Mann den Unsinn aus dem 12.Jahrhundert mitmacht.
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#9   Brandenburgis   18:56:09 | Montag, 19. Oktober 2009
Es ist die Pflicht der Regierung
Eigentum und Wohlstand der Staatsbürger zu schützen.
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#8   Sefirot   18:36:55 | Montag, 19. Oktober 2009
Sozial ist was Arbeit schafft…
… dieser Slogan wurde von einem bayerischen Politiker bei vielen Reden stets gern verwendet. Hätte der Politiker gewusst, was er da von sich gibt, hätte er
bestimmt nicht so laut mit dem Slogan herumgefuchtelt…
Wenn jetzt aber schon bemerkt wird, das sich „sozial“ nur national lösen lässt, ist die Entfernung zum
NatSoz… nicht mehr allzu groß…!
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#7   FXaver   18:29:52 | Montag, 19. Oktober 2009
sozial geht nur national (NPD-Slogan)
In dieselbe Kerbe haut Romig. Mit fragwürdiger Zitierpraxis.
Hier der zitierte Satz im Zusammenhang des §33
Der Papst fordert:
Wenn einige Regionen der Erde, die einst durch die Armut belastet waren, bemerkenswerte Änderungen im Sinn eines wirtschaftlichen Wachstums und einer Beteiligung an der Weltproduktion erfahren haben, so leben andere Zonen noch in einer Situation des Elends, die jener zur Zeit Papst Pauls VI. vergleichbar ist, ja, in einigen Fällen kann man sogar von einer Verschlechterung sprechen. Es ist bezeichnend, daß einige Ursachen dieser Situation bereits in Populorum progressio[Sozialenzyklika Paul IV] ausgemacht worden waren, wie zum Beispiel die von den wirtschaftlich entwickelten Ländern festgesetzten hohen Grenzzölle, welche die Produkte aus den armen Ländern immer noch daran hindern, auf die Märkte der reichen Länder zu gelangen.
Der Papst redet nicht einer unbegrenzten Öffnung der Märkte das Wort.
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#6   Sefirot   18:28:49 | Montag, 19. Oktober 2009
Arbeitsplätze schützen…?
Wie könnten Arbeitsplätze geschützt werden in einem „gemeinsamen“ oder globalisierten Markt ohne Grenzen?
…in dem man Priester, die sich zu ihren Kindern und Frauen offen bekennen nicht einfach in die Wüste schickt…, sondern ihre neuen Lebensumstände kirchlicherseits akzeptiert…
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#5   Tobit   18:24:01 | Montag, 19. Oktober 2009
Es gibt schon Antworten der neueren Ökonomie auf die Fragen:
Wie könnten Arbeitsplätze geschützt werden in einem „gemeinsamen“ oder globalisierten Markt ohne Grenzen?
Durch (Aus-)Bildung, weltweit steigenden Wohlstand und ein neues Konzept von Arbeit (es könnte z.B. staatliche sein), das eine schnellere Abfederung von Reaktionen der Arbeitsmärkte ermöglicht.
Gehört es nicht […]zur „Logik der Politik“ und zur „Logik der Wirtschaft“ anzuerkennen, daß Stabilität, Solidarität, Gerechtigkeit und Gemeinwohl sowie das von der Würde des Menschen her geforderte „Recht auf Arbeit“ nur in einem System gefunden werden kann, das einer der schärfsten politischen Denker, Johann Gottlieb Fichte († 1814), als „geschlossenen Handelsstaat“ vorgelegt hat?
Das ist ein Weg, aber einer von Vorgestern. Ein gewaltiger Wohlstandseinbruch durch den Wegfall von Exporten, steigende Arbeitslosigkeit und rasant ansteigende Rohstoffpreise wären die Folge, ich kann mir nicht vorstellen das so etwas durchsetzbar ist.
Wie anders als durch Setzung von Grenzen kann dem epidemischen Anwachsen der Arbeitslosigkeit, […]oder der in Paragraph 25 beklagten „Machtlosigkeit“ gegenüber internationalen Finanzinstituten vorgebeugt werden?
Durch einen Lernprozess in den Köpfen der Menschen, der zu einer verstärkten internationalen politischen Kooperation führt. Wenn ein Ausgleich gefunden werden kann, wofür es u.a. durch international veränderte Machtverhältnisse durchaus Anzeichen gibt (siehe WTO-Verhandlungen), können alle dabei gewinnen, und mit am meisten Deutschland.
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#4   Brandenburgis   18:01:49 | Montag, 19. Oktober 2009
Der Papst und seine HIntersassen
sind ent-grenzt, sprich verrückt!
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#3   SignumSalutis †   17:41:50 | Montag, 19. Oktober 2009
H. Romigs Auslassungen –
:-[ gääääääähn :-[ :-[ :-[ :-[ :-[ :-[ :-[
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#2   Brandenburgis   17:16:14 | Montag, 19. Oktober 2009
Dr. Romig
hat völlig recht. Die moderne Soziallehre des Pseudo-Papstes ist widersprüchoich und weitgehend sinnlos. „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“
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#1   IZAAC   16:37:39 | Montag, 19. Oktober 2009
Der liebe Papst sollte vielleicht doch…
über etwas schreiben, wovon Er wirklich Ahnung hat – über CHRISTUS – und nicht etwas über den „Mammon“.
Die Wirtschaft ist und bleibt ein „Mammon“, solange mit Geld bezahlt wird und spekuliert werden kann und vor allem Zinsen verlangt werden.
Würde man Waren gegen Waren tauschen, dann würden viele die jetzt nicht hart arbeiten weniger haben, und die, die jetzt hart arbeiten und weniger haben, würden dann mehr haben.
Die Rothschilds und Rockefellers würden am Hungertuch nagen (müssten sie selber anpacken)… Blutsauger!
Eigendlich ganz einfach… oder… :-$ o.O
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