16:16:45 | Mittwoch, 21. Oktober 2009
„Daß manche nur das Starke und vermeintlich Autonome für »lebenswert« und das Schwache und vermeintlich Abhängige für »lebensunwert« halten, hängt mit einer hedonistischen Lebenseinstellung und einem evolutionistischen Weltbild zusammen.“

Buchcover „Die Todesengel“ von Stefan Rehder
(kreuz.net) Wie weit die Menschenwürde ausgelegt werden muß, hat das deutsche Bundesverfassungsgericht
in einem seiner Abtreibungsurteile deutlich gemacht, als es formulierte: „Wo menschliches Leben existiert,
kommt ihm Würde zu“.
Das erklärte der katholische Journalist und Sachbuchautor Stefan Rehder (41) am
17. September in einem Interview mit der islamischen Webseite ‘Muslim-Markt’.
Rehder veröffentlicht
jüngst im Sankt Ulrich Verlag das Buch „Die Todesengel – Euthanasie auf dem Vormarsch“.
„Würde ist
das, was sich jeder Bewertung entzieht“ – definiert Rehder: „Weder andere noch ich selber können mir
die Würde rauben oder absprechen.“ Denn: „Würde hat man, ob man will oder nicht.“
Die Rede von „Sterbehilfe“
hält Rehder für „unerträglich euphemistisch“: „Denn hier wird Menschen ja nicht beim Sterben geholfen.
Sofern sie nicht getötet werden, wird ihnen allenfalls dabei geholfen, sich selber das Leben zu nehmen.“
Mit der Metapher des Todesengels im Titel seines Buches habe er die unglaubliche Anmaßung ausdrücken
wollen, „die hinter den Angeboten der Suizidbegleiter steht, aber auch die traurige Verlassenheit der
Abnehmer solcher Angebote.“
Rehder glaubt nicht, das die Geschäftsführer der Selbstmord-Firmen von
positiven Motiven geleitet sind: „Hier ist nicht nur zu viel Geld im Spiel, hier gibt es vor allem auch
viel zu wenig Transparenz, um glauben zu dürfen, daß es hier nur falsch verstandene Barmherzigkeit ginge.“
Der Grund für die Misere ist offensichtlichDie „Krise des Gesundheitssystems“ hält Rehder für weitgehend
selbstgemacht. Denn: „Die Idee eines solidarischen Gesundheitssystems hat als Teil des viel umfassenderen
Modells des Generationenvertrages in Deutschland solange funktioniert, wie die Menschen hierzulande in
ausreichender Zahl Kinder bekamen.“
In seinem Buch weist Rehder nach, daß die wachsende Lebenserwartung
und die Massen-Abtreibung, der Euthanasie den Weg ebnen: „Wenn das so weiter geht, wird Gesundheit tatsächlich
irgendwann unbezahlbar.“
Im Augenblick glaubt Rehder, daß eine menschenwürdige Begleitung von Sterbenden
in Deutschland durchaus finanzierbar wäre. Experten würden mit Mehrkosten von 600 bis 700 Millionen
Euro im Jahr rechnen: „Die Deutschen haben in den letzten acht Monaten für fünf Milliarden Euro neue
Autos gekauft.“
Dann warnt er: „Wenn das die Prioritäten in diesem Land bleiben sollten, dann darf sich
allerdings niemand wundern, wenn der Begriff der »Abwrackprämie« demnächst nicht nur im Zusammenhang
mit Alt-Autos verwandt wird.“
Früher nannte man diese Leute EgoistenRehder stellt fest, daß im reichen
Deutschland Begriffe wie Selbstverwirklichung und Lustmaximierung längst zu den entscheidenden „Werten“
stilisiert werden: „Vor dreißig Jahren noch hätte man solche Menschen noch einfach »Egoisten« genannt“.
„Daß manchen nur das Starke und vermeintlich Autonome für »lebenswert« und das Schwache und vermeintlich
Abhängige für »lebensunwert« halten, hängt mit einer hedonistischen Lebenseinstellung und einem evolutionistischen
Weltbild zusammen.“
„Das wiederum kann aber in einer Welt, die Gott zu vertreiben sucht, auch nicht wundern“ –
fügt Rehder hinzu.
Der Mensch spielt SchöpferAuf die Frage, ob er ein „Antikapitalist“ sei, erklärt
Rehder: „Ich bin ein Antikapitalist, wenn sie unter einem Kapitalisten jemanden verstehen, für den Geld
das höchste Gut darstellt, und der Moral und Ethik daran bemißt, inwieweit sie ihm helfen, dieses Gut
zu vermehren“.
Rehder stellt fest, „daß es uns als Menschen nicht gut tut, so zu leben, wie wir derzeit
leben – besonders in den westlichen Industrienationen.“
„Daß wir Kinder im Mutterleib töten und Kinder
im Labor zeugen, daß wir Kinder eigens als Zellspender für andere Kinder zeugen und daß wir – wie in
Großbritannien – menschliches Erbgut mit tierischem vermischen, ja daß wir ernsthaft versuchen, Menschen
zu klonen, all das tut uns nicht gut.“
„Es tut uns deshalb nicht gut, weil der Mensch hier jedesmal als
Mittel gebraucht, statt um seiner selbst willen gewollt wird.“
Mit seinen Büchern möchte Rehder einen
Beitrag dazu leisten, „daß meinen Kindern, potentiellen Enkelkindern und unserer ganzen Gesellschaft
ein Szenario erspart bleibt, in dem Menschen andere Menschen gewissermaßen als ihre Kreation und ihr
Eigentum betrachten.“
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rums 08:51:04 | Donnerstag, 22. Oktober 2009