Da sind nicht nur ‘Engel’ (das Wort bedeutet in der Bibel wörtlich ‘Bote’), sondern auch noch sogenannte
Mächte, Gewalten, Fürsten (vgl. Römer 8,38; Epheser 3,10), Cherubim (Hesekiel 1 und 10,7) und Seraphim
(Jesaja 6,2).
Num 21,8 und Jes 14,29 beschreiben feurige Schlangenwesen. Kleinfunde (Stempelsiegel) aus
Israel/Palästina zeigen das weit verbreitete Motiv einfach oder zweifach geflügelter Schlangen (Diese
sog.
geflügelter Uräen üben eine Schutzfunktion aus). Nach Jes 6 tragen die Seraphim Flügel. Sie haben
aber auch menschliche Züge. Ein Seraph nimmt die Kohle zur Reinigung der Zunge des Propheten in seine
Hand. Deutlicher als die Gestalt der Seraphim nach Jes 6 ist ihre
Funktion. Der göttlichen Sphäre zugehörig,
etwas wie der Hofstaat des sich als König präsentierenden Gottes vermitteln sie zwischen ihm und dem
Propheten. Dass sie stehen, während der Herrscher sitzt, unterstreicht ihre dienende Funktion. Siehe
auch Jes.6,2ff.
Sonntag, 9. September 2007 05:53
Bokrug †: Über die Seraphim – „brennende Schlangen“ als Gottes Engel
Denn Er hat Seinen Engeln befohlen,
daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
daß sie dich auf den Händen tragen,
und du deinen Fuß nicht an einen Stein
stoßest.
– Psalm, 91,11-12
Mit seinem Fittich bedeckt er dich,
und unter seinen Flügeln findest Du
Zuflucht …
– Psalm 91,4
Lobet den Herrn, ihr seine Engel,
ihr starken Helden,
die ihr sein Wort vollführt.
– Palm 103,20
Mit seinem Fittich bedeckt er dich,
und unter seinen Flügeln findest Du
Zuflucht …
– Psalm 91,4
Preis sei euch, heilige Engel,
Hüter der Völker,
Deren Gebilde in eurem Antlitz sich spiegelt,
Erzengel, euch,
Die ihr die Seelen der Heiligen traget empor,
Euch, Kräfte und Mächte und Fürstentümer,
Herrschaften, Throne,
Die zum Geheimnis der Fünfzahl
Ihr schließet den heiligen Ring,
Und euch, die Siegel ihr seid der
Geheimnisse Gottes,
Leuchtende Cherubim, flammende Seraphim,
Lobpreis sei euch!
– Hildegard von Bingen
Num 21,8 und Jes 14,29 beschreiben feurige Schlangenwesen. Kleinfunde (Stempelsiegel) aus Israel/Palästina zeigen das weit verbreitete Motiv einfach oder zweifach geflügelter Schlangen (Diese sog.
geflügelter Uräen üben eine Schutzfunktion aus). Nach Jes 6 tragen die Seraphim Flügel. Sie haben aber auch menschliche Züge. Ein Seraph nimmt die Kohle zur Reinigung der Zunge des Propheten in seine Hand. Deutlicher als die Gestalt der Seraphim nach Jes 6 ist ihre
Funktion. Der göttlichen Sphäre zugehörig, etwas wie der Hofstaat des sich als König präsentierenden Gottes vermitteln sie zwischen ihm und dem Propheten. Dass sie stehen, während der Herrscher sitzt, unterstreicht ihre dienende Funktion.
Hilfreich ist die Wortbedeutung des hebräischen Seraph/Seraphim. Es ist verwandt mit dem
hebräischen saraph (‘brennen’). Manche Übersetzungen geben Seraph/Seraphim entsprechend wieder. So übersetzen Buber und Rosenzweig ‘Brandwesen’, die Übersetzung nach Tur Sinai, die gleichfalls eng am Wortlaut des hebräischen Textes bleibt, hat
‘Branddrachen’. Der Name der Seraphim entspricht ihrem Tun.
In Jes 14,29 und 30,6 ist von fliegenden Serafen die Rede. Vgl. Jes 6, 2.
Seraph /Seraphim – (hebräisch shirufa der Brennende, Erglühende, Flammende). 1. Himmlische Wesen, vorgestellt mit Angesicht, Händen und sechs Flügeln, die lobpreisend den Thron Jahwes umgeben und Mittler sind zwischen Gott und Mensch (Jesaja 6,2-7) – 2. Eine feurige Giftschlange (brennend!), die an einer Stange aufgehängt wurde. Daher bezieht sich noch Johannes auf dies. (Num 21,6-9; Deut 8,15; Joh 12,31). – 3. Ein fliegender Drache (Jes 14,29; 30,6)
Jesaja 6,2+6
2 Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße, und mit zwei flogen sie.
6 Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte.
Ezechiel 1,13
zwischen den Lebewesen war etwas zu sehen wie glühende Kohlen, etwas wie Fackeln, die zwischen den Lebewesen hin- und herzuckten. Das Feuer gab einen hellen Schein, und aus dem Feuer zuckten Blitze.
Numeri 21,4-9
4 Die Israeliten brachen vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut, 5 es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig. 6 Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben. 7 Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk. 8 Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange (wörtlich: Seraph), und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. 9 Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. Zurück
Joh 12,31-33
31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. 32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. 33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde. Zurück
Jes14:29 + 30,6
29 Freu dich nicht, Land der Philister, weil der Stock zerbrochen ist, der dich schlug; denn aus der Schlange geht wie aus einer Wurzel eine Natter hervor, und ihre Frucht ist ein fliegender Drache.
6 Ausspruch über die Tiere des Negeb: Durch ein Land der Ängste und Nöte, der jungen Löwen, der knurrenden Löwen, der Nattern und fliegenden Schlangen bringen sie ihren Reichtum auf dem Rücken der Esel, ihre Schätze auf dem Höcker der Kamele zu dem Volk, das nichts nützt.
Der Teufel, war ein gefallener Seraph!
Viele Engellehren finden sich außerhalb der kanonischen Bibelschriften. Ein typischer Vertreter dieser im strengen Sinne nichtbiblischen Schriften sind die Chroniken des Henoch, die vermutlich im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sind, sich jedoch aus älteren Quellen speisen. In diesen Chroniken wird ausführlich über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Henoch beschreibt in seinen Chroniken seine Reise in die zehn Himmel, wo er das Wirken der Engel sah und dokumentierte. Die Chroniken von Henoch wurden vom Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus zu Apokryphen erklärt und ihnen damit der Rang einer Heiligen Schrift aberkannt. Neueste Studien haben ergeben, dass viele Inhalte der Henoch-Texte sich im Neuen Testament wiederfinden.
Es wird sogar direkt darauf Bezug genommen!
1. Triade:
Seraphim sind vier bzw. sechsflügelige Symbole des Lichts, der Glut des göttlichen Feuers (Ez. 1,5 f; Jes 6,1 ff) und stehen Gott am Nächsten.
Cherubim sind Verbreiter der Erkenntnis, Ergießer der Weisheit, Beschützer des Garten Edens (Gen 3,24), werden beim Bau der Stiftshütte (Ex 25,18 ff) sowie beim Bau des Tempels Salomo (1Kön 6,23 ff) u.a. erwähnt.
Thronoi (griechisch in etwa: „erhabene Gestalten“) sind die unterste Stufe der 1. Triade und bezeichnen das Erhabene. Die Septuaginta gebraucht den Begriff auch für die Seraphim, Paulus spricht im Kolosserbrief von Thronen (Kol 1,16).
2. Triade: (Kol 1,16 sowie Eph 1,23)
Herrschaften (Dominationes) sind Beherrscher der Engel.
Mächte (Virtutes) vollziehen unerschütterlich den Willen Gottes.
Gewalten (Potestates) verkörpern die unzerstörbare Harmonie.
3. Triade:
Fürstentümer (Principates) verkörpern den himmlischen Führungscharakter.
Erzengel (göttliche Kohorte) fungieren vor allem als Verkünder göttlicher Offenbarung. Neben Gabriel, Michael und Raphael taucht Uriel nur in der Mosesapokalypse auf. Jakob kämpft mit Penuël (Gottesgesicht) in Gen 32,31.
Wie ich vermute hat Paulus mit „Gewalten des himmlischen Bereichs“ nicht die Engel gemeint, die ja schon ein Gott- und Himmelsglauben voraussetzen, sondern vielmehr die 4 Engel die Bartholomeus schriftlich festhielt im 1. JH: (Apokryphen)
4 „Engel“ die über die Winde gesetzt sind:
Chairum (Wind), Oertha (Feuer), Kerkutha (Erde) und Naoutha (Wasser)
So wage ich meine These:
Den Satz von Paulus könnte man so verstehen wie:
„So sollen jetzt die (weltlichen) Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs (die 4 Elemente) durch die Kirche Kenntnis erhalten von der vielfältigen Weisheit Gottes.“ (Eph. 3,10)
Engeln aus der Zeit bis ca. 100 nach Christus:
Aus Epistola Apostolorum:
– Gabriel
– Michael
– (S) Uriel (AT)
– Raphael
Bartholomeus nennt:
– Satanael, später Beliar (Teufel)
– Michael
– Gabriel
– Uriel
– Raphael
– Nathanael
Engeln aus der Zeit vor Christus: (Aus Buch: Henoch)
Es gibt die Engel des Angesichts: (Einer davon gab Mose den Auftrag seine Bücher zu schreiben)
– Michael, der Oberführer des Heers des Höchsten Führer
– Gabriel, der Oberführer der Cherubime
– Uriel
– Phanuel
Es gibt die 6 Erzengel:
– Uriel, der über das Engel-Heer und den Tartarus gesetzte Engel;
– Raphael, der über die Geister der Menschen gesetzt ist;
– Raguel, der Rache übt an der Welt der Lichter;
– Michael, der über den besten Teil der Menschen gesetzt, über das Volk Israel;
– Sariel, der über die Geister, die gegen den Geist sündigen,gesetzt ist;
– Gabriel, der über das Paradies, die Schlangen und die Kerube gesetzt ist.
Das Heer Gottes besteht aus:
– die Cherubim, Wächter des Paradieses
– die Seraphim, mit 6 Flügeln,
– die Ophanim
– Engel der Gewalt
– Engel der Herschaften
– Strafengel, die über die Kräfte des unterirdischen Wassers gesetzt sind.
Dazu gibt es 200 gefallene Engel, davon 21 Häupter (stehen für 21versch. Sünden), die auf die Erde kamen um sich mit Menschenfrauen zu vermählen, ihre Kinder waren Riesen die alle erdenkliche böse Eigenschaften verkörpern. Die Frauen der abgefallene Engel werden am Tage des grossen Gerichts zu Sirenen werden.
Mt 10,16 Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die schlangen und arglos wie die Tauben!
So beginnt der Schriftsteller Günter Kunert einen Aufsatz mit dem Titel: „Zur Apokalypse. Eine Strafpredigt“, erschienen in der „Neuen Rundschau“ 1990.[13] Der Aufsatz ist eine glänzend geschriebene Absage an die moderne Kultur und Zivilisation, in der sich der Mensch an die Stelle Gottes gesetzt hat und die darum auch Religion und Kirche nicht mehr nötig hat. Freilich führt diese vollständige Okkupation der Stelle Gottes durch den Menschen in die Katastrophe. Einen Hoffnungsschimmer sieht Kunert nirgends, es sei denn, man gebe sich der kindischen Hoffnung auf außerirdische Wesen hin, „daß wenigstens sie unmenschlich seien. Denn von Menschen,“ – und damit schließt der ganze Aufsatz – „egal von woher, ist nichts mehr zu erwarten.“
Diese Einsicht, die bei Günter Kunert am Schluß steht, ist für den Seher von Patmos sozusagen der Ausgangspunkt seiner Prophetie. Was soll er noch von Menschen erwarten? Selbst seinen Mitchristen muß er harte Vorwürfe machen: Die Christen in Sardes, so schreibt er, gelten als lebend und sind geistlich tot (3,1). Die Christen in Laodizea sind stolz auf ihren Reichtum, aber in ihrem ganzen Reichtum sind sie „arm, blind und nackt“ (3,17), weil ihr Glaube „weder kalt noch heiß“ ist. „Also, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund!“ (3,16) Der so spricht, ist der einzige, von dem der Seher noch etwas erwartet: Christus, der auch den vertritt, der von sich sagen kann: „Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt, der Allherrscher!“ (1,8)
Was erwartet der Seher von diesem „Allherrscher“ (Pantokrator)? Wozu soll er kommen? Zunächst einmal zum Gericht, und zwar bald. Denn nur das göttliche Gericht kann weltweit „reinen Tisch machen“, wie wir sagen, und so die Voraussetzung für einen Neuanfang schaffen. All die Schrecken und Katastrophen, die im letzten Buch der Bibel geschildert werden, sind Teil des großen Gerichts, das Gott hält; aber ohne dieses Gericht könnte er am Schluß nicht verkünden: „Siehe, ich mache alles neu!“ (21,5) Das Gericht ist also ein Vorletztes, aber ein notwendiges, unumgängliches Vorletztes.
Um diese Funktion des Gerichts deutlich zu machen, beginnt der Verfasser der Apokalypse gerade nicht mit der Schilderung des Gerichts und seiner Schrecken, sondern mit etwas ganz anderem. Auf die Eröffnung seines Buchs im 1. Kapitel folgen im 2. und 3. Kapitel Briefe oder „Sendschreiben“, wie sie gern genannt werden. Diese sieben Sendschreiben richten sich an sieben Stadtgemeinden in Kleinasien, um die dortigen Christen zu ermutigen und zu warnen; ich habe schon daraus zitiert. Jedes dieser Schreiben enthält gegen Ende einen „Überwinderspruch“,[14] z.B.: „Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens“ (2,7). Oder „Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden vom zweiten Tod“ (2,11). Oder: „Wer überwindet, wird in weiße Gewänder gekleidet werden und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens“ (3,5).
Auf die sieben Sendschreiben läßt der Seher immer noch nicht seine Schreckensvisionen folgen; stattdessen versetzt er seine Leser zuerst einmal in den Himmel. Denn alles Irdische hat letztlich himmlische Ursachen und muß vom Himmel her gesehen werden. Darum beginnt auch das Geschehen der Apokalypse im Himmel. Betrachten wir diese grandiose himmlische Szene etwas näher.
1. „Der war und der ist und der kommt“
Danach sah ich, und siehe eine Tür war geöffnet im Himmel, und es erscholl die erste Stimme, die ich wie eine Fanfare zu mir reden gehört hatte: „Steig hier herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen muß!“ Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen, und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer, und der auf ihm saß war dem Aussehen nach wie ein Jaspisstein und Sarder, und ein Regenbogen rings um den Thron, dem Aussehen nach wie ein Smaragd. Und rings um den Thron vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste in weißen Gewändern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze. Von dem Thron gehen Blitze, Stimmen und Donner aus, und sieben feurige Fackeln brennen vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes. Und vor dem Thron etwas wie ein gläsernes Meer, wie Kristall. Und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier Lebewesen voller Augen vorne und hinten. Und das erste Lebewesen wie ein Löwe, das zweite Lebewesen wie ein Stier, das dritte Lebewesen mit einem Gesicht wie ein Mensch, das vierte Lebewesen wie ein fliegender Adler. Und die vier Lebewesen haben jedes einzelne von ihnen sechs Flügel, ringsum und innen voller Augen, und ruhelos rufen sie Tag und Nacht: „Heilig, Heilig, Heilig, ist der Herr, Gott, der Allherrscher, der war und der ist und der kommt!“ (4,1-8)
Der Seher soll schauen, „was danach geschehen muß“.[15] Diese Formulierung finden wir schon im ersten Satz des Buches als Inhaltsangabe des Ganzen: „Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott geschenkt hat, um seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen muß“. Es gibt also Geschehnisse, die unumgänglich notwendig sind, damit die Geschichte an ihr Ziel kommen kann. Das ist die Überzeugung aller biblischen Autoren des Alten wie des Neuen Testaments.[16] Der Geschichtsprozeß ist vom planvollen Walten Gottes gesteuert und gelenkt – „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, wie es im Sprichwort heißt ‑, und allein dieses planvolle Walten, auch Vorsehung genannt, gibt dem Geschichtsprozeß seinen Sinn und seine Einheit. Aber bevor der Seher schaut, was noch „geschehen muß“, schaut er, was von jeher war und immer so sein wird: Gottes souveräne Herrschaft über alles.
Die Versinnlichung dieses Sachverhalts erfolgt mit Motiven und einem Anschauungsmaterial, das uns heute kaum noch vertraut ist; und doch macht diese Schilderung auch nach 2000 Jahren noch Eindruck, nicht zuletzt durch die Kunst, mit der sie gestaltet ist. Der Erzähler lenkt unseren geistigen Blick wie ein guter Kameramann, zuerst auf den Thron, dann auf den, der auf ihm sitzt. Und bei dieser feierlichen Umschreibung Gottes: „der auf dem Thron Sitzende“ bleibt er durchgehend. Auch die folgenden Angaben gehen immer von dem Thron als Bezugspunkt aus und werden von ihm her geortet. So befindet sich das „gläserne Meer“ „vor dem Thron“. Dieses Kristallmeer vermittelt einen Eindruck von der Majestät und Größe der geschilderten Welt ebenso wie die vom Thron ausgehenden „Blitze, Stimmen und Donner“, die zudem an die Gotteserscheinung am Sinai erinnern sollen (Ex 19,16). Dazu kommt noch der farbige Lichtglanz, gleichsam die „Ausstrahlung“ Gottes, die durch die Edelsteine angedeutet wird: die verschiedenen Farben des Jaspis, das Rotbraun des Sarders und das Grün des Smaragds, das den Thron einfaßt „wie ein Regenbogen“.
Rings um den himmlischen Thron gruppiert sich der himmlische Hofstaat. Zu ihm gehören die 24 Ältesten; sie haben die Aufgabe, Gott anzubeten und die Gebete der Heiligen vor ihn zu tragen (5,8). Die sieben Fackeln symbolisieren Geistwesen, die zur Aussendung bereitstehen (5,6). Geistwesen oder Engel sind auch die vier Lebewesen mit sechs Flügeln, wie sie nach Jes 6,2 die Seraphim haben. Der Gestalt nach gleicht eines der Lebewesen einem Löwen, eines einem Stier, eines einem Menschen und eines einem fliegenden Adler. Damit werden wir auf eine andere berühme Vision der göttlichen Macht verwiesen, die auch sonst auf Johannes eingewirkt hat: die Vision Ezechiels vom himmlischen Thronwagen, die der Prophet im 1. Kapitel seines Buches schildert. Ezechiel beschreibt hier vier gleichaussehende Wesen mit jeweils vier Gesichtern, einem Löwen‑, einem Stier‑, einem Menschen‑ und einem Adlergesicht. Sie fungieren als Thronträger Gottes. Bei Johannes dagegen sind daraus vier verschiedene Gestalten geworden, die den Thron nicht tragen, sondern umgeben und vor ihm niederfallen (5,8; 19,4). Die Augen, die sich nach Ezechiel an den Rädern des Thronwagens befinden (Ez 1,18), hat Johannes den Wesen selbst gegeben. Die spätere christliche Tradition hat diese Wesen zu den vier Evangelien in Beziehung gesetzt; daraus entstanden die bekannten Evangelistensymbole. Diese Ausdeutung ist höchst sinnvoll. Denn auf ihre Art tun die vier Evangelien dasselbe, was die vier Wesen tun: Sie singen ununterbrochen das Lob dessen, dem alles Lob gebührt.
Mit dem Lied der vier Lebewesen erreicht die Szene ihren Höhepunkt. Dieses Lied greift das Dreimal-Heilig auf, das nach Jes 6,3 die Seraphim singen und in das die christliche Gemeinde in jeder Meßfeier miteinstimmt. Im Judentum wie im Christentum gilt das Trishagion als der himmlische Lobpreis schlechthin.
Zunächst könnte man nun meinen, hier würde ein statisches Bild von Gott und seiner Welt gezeichnet, eine Welt, in der sich alles monoton wiederholt. Aber der Gott, dem das „ruhelos“ wiederholte Loblied gilt, wird in diesem Lied nicht nur als der gepriesen, der immer war und immer ist; er wird darin auch als „der Kommende“ bezeichnet. Was dieses „Kommen“ Gottes meint und wie es geschieht, das schildert der Seher im Hauptteil seines Buches, den Kapiteln 6-20. Es ist ein Kommen zum großen Gericht; in ihm wird Gott seine ewige Herrschaft gegen alle Widerstände auf Erden durchsetzen, damit endlich sein Wille geschieht „wie im Himmel, so auf Erden“ (Mt 6,10). Die unerschütterliche Gewißheit dieser Verheißung hat das christliche Weltbild und Weltgefühl von Anfang an grundlegend geprägt. Aus dieser Gewißheit heraus können Christen alle Schrecken dieser Welt ertragen und einordnen; sie wissen: Am Ende wird das Recht triumphieren, auch wenn es jetzt unterdrückt wird. Am Ende wird die Wahrheit ans Licht kommen und kein Widerspruch mehr möglich sein; am Ende wird die Lüge als Lüge erscheinen und damit in ihrer Nichtigkeit entlarvt werden. Die Manifestation der Wahrheit wird Urteil, Strafe und Gnade in einem sein.[17]
Allein diese Gewißheit des Sehers von Patmos kann die merkwürdige Fortsetzung jener Vision erklären, die wir bisher betrachtet haben. Auf das Dreimal-Heilig der vier Lebewesen folgt nämlich eine Szene, die ihren Ort eigentlich am Ende aller Schrecken hat, nach der Durchführung des großen Gerichts. Diese Szene schildert nämlich, was im Himmel geschehen wird, wenn all das, was der Seher in den Kapiteln 6‑20 seines Buches darstellt, vorbei und erledigt ist. Diese Schilderung nimmt also das Ende vorweg und ist somit der höchste Ausdruck für die Gewißheit der Überzeugung, daß schließlich „alles, alles gut“ wird, wie es ganz am Ende von Joseph von Eichendorffs „Taugenichts“ heißt:
Und wenn die Lebewesen Ruhm, Ehre und Dank darbringen werden dem, der auf dem Thron sitzt, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dann werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und sie werden ihre Kränze niederwerfen vor dem Thron und sprechen: „Würdig bist du, unser Herr und Gott, Ruhm, Ehre und Macht anzunehmen; denn du hast alles geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden geschaffen.“ (4,9‑11)
Stellvertretend für die ganze Erde unterwerfen sich die 24 Ältesten dem Allherrscher, mit einem Demutsakt, wie ihn etwa ein von Rom unterworfener König zu üben hatte; er mußte sein Diadem abnehmen und es vor dem Bild des Kaisers niederlegen.[18] Das Lied der Ältesten verkündet, daß Gott allein „Ruhm, Ehre und Macht“ zustehen. Bevor also die eschatologische Machtergreifung Gottes geschildert wird, beschreibt der Seher vorwegnehmend ihr erfolgreiches Ziel. Am Ende wird Gott nicht nur alle Macht besitzen – das war schon immer so ‑, am Ende wird ihm diese Macht auch zuerkannt und gelassen werden, und dies nicht nur im Himmel.
daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
daß sie dich auf den Händen tragen,
und du deinen Fuß nicht an einen Stein
stoßest.
– Psalm, 91,11-12
Mit seinem Fittich bedeckt er dich,
und unter seinen Flügeln findest Du
Zuflucht …
– Psalm 91,4
Lobet den Herrn, ihr seine Engel,
ihr starken Helden,
die ihr sein Wort vollführt.
– Palm 103,20
Mit seinem Fittich bedeckt er dich,
und unter seinen Flügeln findest Du
Zuflucht …
– Psalm 91,4
Preis sei euch, heilige Engel,
Hüter der Völker,
Deren Gebilde in eurem Antlitz sich spiegelt,
Erzengel, euch,
Die ihr die Seelen der Heiligen traget empor,
Euch, Kräfte und Mächte und Fürstentümer,
Herrschaften, Throne,
Die zum Geheimnis der Fünfzahl
Ihr schließet den heiligen Ring,
Und euch, die Siegel ihr seid der
Geheimnisse Gottes,
Leuchtende Cherubim, flammende Seraphim,
Lobpreis sei euch!
– Hildegard von Bingen
Num 21,8 und Jes 14,29 beschreiben feurige Schlangenwesen. Kleinfunde (Stempelsiegel) aus Israel/Palästina zeigen das weit verbreitete Motiv einfach oder zweifach geflügelter Schlangen (Diese sog.
geflügelter Uräen üben eine Schutzfunktion aus). Nach Jes 6 tragen die Seraphim Flügel. Sie haben aber auch menschliche Züge. Ein Seraph nimmt die Kohle zur Reinigung der Zunge des Propheten in seine Hand. Deutlicher als die Gestalt der Seraphim nach Jes 6 ist ihre
Funktion. Der göttlichen Sphäre zugehörig, etwas wie der Hofstaat des sich als König präsentierenden Gottes vermitteln sie zwischen ihm und dem Propheten. Dass sie stehen, während der Herrscher sitzt, unterstreicht ihre dienende Funktion.
Hilfreich ist die Wortbedeutung des hebräischen Seraph/Seraphim. Es ist verwandt mit dem
hebräischen saraph (‘brennen’). Manche Übersetzungen geben Seraph/Seraphim entsprechend wieder. So übersetzen Buber und Rosenzweig ‘Brandwesen’, die Übersetzung nach Tur Sinai, die gleichfalls eng am Wortlaut des hebräischen Textes bleibt, hat
‘Branddrachen’. Der Name der Seraphim entspricht ihrem Tun.
In Jes 14,29 und 30,6 ist von fliegenden Serafen die Rede. Vgl. Jes 6, 2.
Seraph /Seraphim – (hebräisch shirufa der Brennende, Erglühende, Flammende). 1. Himmlische Wesen, vorgestellt mit Angesicht, Händen und sechs Flügeln, die lobpreisend den Thron Jahwes umgeben und Mittler sind zwischen Gott und Mensch (Jesaja 6,2-7) – 2. Eine feurige Giftschlange (brennend!), die an einer Stange aufgehängt wurde. Daher bezieht sich noch Johannes auf dies. (Num 21,6-9; Deut 8,15; Joh 12,31). – 3. Ein fliegender Drache (Jes 14,29; 30,6)
Jesaja 6,2+6
2 Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße, und mit zwei flogen sie.
6 Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte.
Ezechiel 1,13
zwischen den Lebewesen war etwas zu sehen wie glühende Kohlen, etwas wie Fackeln, die zwischen den Lebewesen hin- und herzuckten. Das Feuer gab einen hellen Schein, und aus dem Feuer zuckten Blitze.
Numeri 21,4-9
4 Die Israeliten brachen vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut, 5 es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig. 6 Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben. 7 Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk. 8 Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange (wörtlich: Seraph), und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. 9 Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. Zurück
Joh 12,31-33
31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. 32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. 33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde. Zurück
Jes14:29 + 30,6
29 Freu dich nicht, Land der Philister, weil der Stock zerbrochen ist, der dich schlug; denn aus der Schlange geht wie aus einer Wurzel eine Natter hervor, und ihre Frucht ist ein fliegender Drache.
6 Ausspruch über die Tiere des Negeb: Durch ein Land der Ängste und Nöte, der jungen Löwen, der knurrenden Löwen, der Nattern und fliegenden Schlangen bringen sie ihren Reichtum auf dem Rücken der Esel, ihre Schätze auf dem Höcker der Kamele zu dem Volk, das nichts nützt.
Der Teufel, war ein gefallener Seraph!
Viele Engellehren finden sich außerhalb der kanonischen Bibelschriften. Ein typischer Vertreter dieser im strengen Sinne nichtbiblischen Schriften sind die Chroniken des Henoch, die vermutlich im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sind, sich jedoch aus älteren Quellen speisen. In diesen Chroniken wird ausführlich über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Henoch beschreibt in seinen Chroniken seine Reise in die zehn Himmel, wo er das Wirken der Engel sah und dokumentierte. Die Chroniken von Henoch wurden vom Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus zu Apokryphen erklärt und ihnen damit der Rang einer Heiligen Schrift aberkannt. Neueste Studien haben ergeben, dass viele Inhalte der Henoch-Texte sich im Neuen Testament wiederfinden.
Es wird sogar direkt darauf Bezug genommen!
1. Triade:
Seraphim sind vier bzw. sechsflügelige Symbole des Lichts, der Glut des göttlichen Feuers (Ez. 1,5 f; Jes 6,1 ff) und stehen Gott am Nächsten.
Cherubim sind Verbreiter der Erkenntnis, Ergießer der Weisheit, Beschützer des Garten Edens (Gen 3,24), werden beim Bau der Stiftshütte (Ex 25,18 ff) sowie beim Bau des Tempels Salomo (1Kön 6,23 ff) u.a. erwähnt.
Thronoi (griechisch in etwa: „erhabene Gestalten“) sind die unterste Stufe der 1. Triade und bezeichnen das Erhabene. Die Septuaginta gebraucht den Begriff auch für die Seraphim, Paulus spricht im Kolosserbrief von Thronen (Kol 1,16).
2. Triade: (Kol 1,16 sowie Eph 1,23)
Herrschaften (Dominationes) sind Beherrscher der Engel.
Mächte (Virtutes) vollziehen unerschütterlich den Willen Gottes.
Gewalten (Potestates) verkörpern die unzerstörbare Harmonie.
3. Triade:
Fürstentümer (Principates) verkörpern den himmlischen Führungscharakter.
Erzengel (göttliche Kohorte) fungieren vor allem als Verkünder göttlicher Offenbarung. Neben Gabriel, Michael und Raphael taucht Uriel nur in der Mosesapokalypse auf. Jakob kämpft mit Penuël (Gottesgesicht) in Gen 32,31.
Wie ich vermute hat Paulus mit „Gewalten des himmlischen Bereichs“ nicht die Engel gemeint, die ja schon ein Gott- und Himmelsglauben voraussetzen, sondern vielmehr die 4 Engel die Bartholomeus schriftlich festhielt im 1. JH: (Apokryphen)
4 „Engel“ die über die Winde gesetzt sind:
Chairum (Wind), Oertha (Feuer), Kerkutha (Erde) und Naoutha (Wasser)
So wage ich meine These:
Den Satz von Paulus könnte man so verstehen wie:
„So sollen jetzt die (weltlichen) Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs (die 4 Elemente) durch die Kirche Kenntnis erhalten von der vielfältigen Weisheit Gottes.“ (Eph. 3,10)
Engeln aus der Zeit bis ca. 100 nach Christus:
Aus Epistola Apostolorum:
– Gabriel
– Michael
– (S) Uriel (AT)
– Raphael
Bartholomeus nennt:
– Satanael, später Beliar (Teufel)
– Michael
– Gabriel
– Uriel
– Raphael
– Nathanael
Engeln aus der Zeit vor Christus: (Aus Buch: Henoch)
Es gibt die Engel des Angesichts: (Einer davon gab Mose den Auftrag seine Bücher zu schreiben)
– Michael, der Oberführer des Heers des Höchsten Führer
– Gabriel, der Oberführer der Cherubime
– Uriel
– Phanuel
Es gibt die 6 Erzengel:
– Uriel, der über das Engel-Heer und den Tartarus gesetzte Engel;
– Raphael, der über die Geister der Menschen gesetzt ist;
– Raguel, der Rache übt an der Welt der Lichter;
– Michael, der über den besten Teil der Menschen gesetzt, über das Volk Israel;
– Sariel, der über die Geister, die gegen den Geist sündigen,gesetzt ist;
– Gabriel, der über das Paradies, die Schlangen und die Kerube gesetzt ist.
Das Heer Gottes besteht aus:
– die Cherubim, Wächter des Paradieses
– die Seraphim, mit 6 Flügeln,
– die Ophanim
– Engel der Gewalt
– Engel der Herschaften
– Strafengel, die über die Kräfte des unterirdischen Wassers gesetzt sind.
Dazu gibt es 200 gefallene Engel, davon 21 Häupter (stehen für 21versch. Sünden), die auf die Erde kamen um sich mit Menschenfrauen zu vermählen, ihre Kinder waren Riesen die alle erdenkliche böse Eigenschaften verkörpern. Die Frauen der abgefallene Engel werden am Tage des grossen Gerichts zu Sirenen werden.
Mt 10,16 Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die schlangen und arglos wie die Tauben!
So beginnt der Schriftsteller Günter Kunert einen Aufsatz mit dem Titel: „Zur Apokalypse. Eine Strafpredigt“, erschienen in der „Neuen Rundschau“ 1990.[13] Der Aufsatz ist eine glänzend geschriebene Absage an die moderne Kultur und Zivilisation, in der sich der Mensch an die Stelle Gottes gesetzt hat und die darum auch Religion und Kirche nicht mehr nötig hat. Freilich führt diese vollständige Okkupation der Stelle Gottes durch den Menschen in die Katastrophe. Einen Hoffnungsschimmer sieht Kunert nirgends, es sei denn, man gebe sich der kindischen Hoffnung auf außerirdische Wesen hin, „daß wenigstens sie unmenschlich seien. Denn von Menschen,“ – und damit schließt der ganze Aufsatz – „egal von woher, ist nichts mehr zu erwarten.“
Diese Einsicht, die bei Günter Kunert am Schluß steht, ist für den Seher von Patmos sozusagen der Ausgangspunkt seiner Prophetie. Was soll er noch von Menschen erwarten? Selbst seinen Mitchristen muß er harte Vorwürfe machen: Die Christen in Sardes, so schreibt er, gelten als lebend und sind geistlich tot (3,1). Die Christen in Laodizea sind stolz auf ihren Reichtum, aber in ihrem ganzen Reichtum sind sie „arm, blind und nackt“ (3,17), weil ihr Glaube „weder kalt noch heiß“ ist. „Also, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund!“ (3,16) Der so spricht, ist der einzige, von dem der Seher noch etwas erwartet: Christus, der auch den vertritt, der von sich sagen kann: „Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt, der Allherrscher!“ (1,8)
Was erwartet der Seher von diesem „Allherrscher“ (Pantokrator)? Wozu soll er kommen? Zunächst einmal zum Gericht, und zwar bald. Denn nur das göttliche Gericht kann weltweit „reinen Tisch machen“, wie wir sagen, und so die Voraussetzung für einen Neuanfang schaffen. All die Schrecken und Katastrophen, die im letzten Buch der Bibel geschildert werden, sind Teil des großen Gerichts, das Gott hält; aber ohne dieses Gericht könnte er am Schluß nicht verkünden: „Siehe, ich mache alles neu!“ (21,5) Das Gericht ist also ein Vorletztes, aber ein notwendiges, unumgängliches Vorletztes.
Um diese Funktion des Gerichts deutlich zu machen, beginnt der Verfasser der Apokalypse gerade nicht mit der Schilderung des Gerichts und seiner Schrecken, sondern mit etwas ganz anderem. Auf die Eröffnung seines Buchs im 1. Kapitel folgen im 2. und 3. Kapitel Briefe oder „Sendschreiben“, wie sie gern genannt werden. Diese sieben Sendschreiben richten sich an sieben Stadtgemeinden in Kleinasien, um die dortigen Christen zu ermutigen und zu warnen; ich habe schon daraus zitiert. Jedes dieser Schreiben enthält gegen Ende einen „Überwinderspruch“,[14] z.B.: „Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens“ (2,7). Oder „Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden vom zweiten Tod“ (2,11). Oder: „Wer überwindet, wird in weiße Gewänder gekleidet werden und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens“ (3,5).
Auf die sieben Sendschreiben läßt der Seher immer noch nicht seine Schreckensvisionen folgen; stattdessen versetzt er seine Leser zuerst einmal in den Himmel. Denn alles Irdische hat letztlich himmlische Ursachen und muß vom Himmel her gesehen werden. Darum beginnt auch das Geschehen der Apokalypse im Himmel. Betrachten wir diese grandiose himmlische Szene etwas näher.
1. „Der war und der ist und der kommt“
Danach sah ich, und siehe eine Tür war geöffnet im Himmel, und es erscholl die erste Stimme, die ich wie eine Fanfare zu mir reden gehört hatte: „Steig hier herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen muß!“ Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen, und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer, und der auf ihm saß war dem Aussehen nach wie ein Jaspisstein und Sarder, und ein Regenbogen rings um den Thron, dem Aussehen nach wie ein Smaragd. Und rings um den Thron vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste in weißen Gewändern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze. Von dem Thron gehen Blitze, Stimmen und Donner aus, und sieben feurige Fackeln brennen vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes. Und vor dem Thron etwas wie ein gläsernes Meer, wie Kristall. Und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier Lebewesen voller Augen vorne und hinten. Und das erste Lebewesen wie ein Löwe, das zweite Lebewesen wie ein Stier, das dritte Lebewesen mit einem Gesicht wie ein Mensch, das vierte Lebewesen wie ein fliegender Adler. Und die vier Lebewesen haben jedes einzelne von ihnen sechs Flügel, ringsum und innen voller Augen, und ruhelos rufen sie Tag und Nacht: „Heilig, Heilig, Heilig, ist der Herr, Gott, der Allherrscher, der war und der ist und der kommt!“ (4,1-8)
Der Seher soll schauen, „was danach geschehen muß“.[15] Diese Formulierung finden wir schon im ersten Satz des Buches als Inhaltsangabe des Ganzen: „Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott geschenkt hat, um seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen muß“. Es gibt also Geschehnisse, die unumgänglich notwendig sind, damit die Geschichte an ihr Ziel kommen kann. Das ist die Überzeugung aller biblischen Autoren des Alten wie des Neuen Testaments.[16] Der Geschichtsprozeß ist vom planvollen Walten Gottes gesteuert und gelenkt – „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, wie es im Sprichwort heißt ‑, und allein dieses planvolle Walten, auch Vorsehung genannt, gibt dem Geschichtsprozeß seinen Sinn und seine Einheit. Aber bevor der Seher schaut, was noch „geschehen muß“, schaut er, was von jeher war und immer so sein wird: Gottes souveräne Herrschaft über alles.
Die Versinnlichung dieses Sachverhalts erfolgt mit Motiven und einem Anschauungsmaterial, das uns heute kaum noch vertraut ist; und doch macht diese Schilderung auch nach 2000 Jahren noch Eindruck, nicht zuletzt durch die Kunst, mit der sie gestaltet ist. Der Erzähler lenkt unseren geistigen Blick wie ein guter Kameramann, zuerst auf den Thron, dann auf den, der auf ihm sitzt. Und bei dieser feierlichen Umschreibung Gottes: „der auf dem Thron Sitzende“ bleibt er durchgehend. Auch die folgenden Angaben gehen immer von dem Thron als Bezugspunkt aus und werden von ihm her geortet. So befindet sich das „gläserne Meer“ „vor dem Thron“. Dieses Kristallmeer vermittelt einen Eindruck von der Majestät und Größe der geschilderten Welt ebenso wie die vom Thron ausgehenden „Blitze, Stimmen und Donner“, die zudem an die Gotteserscheinung am Sinai erinnern sollen (Ex 19,16). Dazu kommt noch der farbige Lichtglanz, gleichsam die „Ausstrahlung“ Gottes, die durch die Edelsteine angedeutet wird: die verschiedenen Farben des Jaspis, das Rotbraun des Sarders und das Grün des Smaragds, das den Thron einfaßt „wie ein Regenbogen“.
Rings um den himmlischen Thron gruppiert sich der himmlische Hofstaat. Zu ihm gehören die 24 Ältesten; sie haben die Aufgabe, Gott anzubeten und die Gebete der Heiligen vor ihn zu tragen (5,8). Die sieben Fackeln symbolisieren Geistwesen, die zur Aussendung bereitstehen (5,6). Geistwesen oder Engel sind auch die vier Lebewesen mit sechs Flügeln, wie sie nach Jes 6,2 die Seraphim haben. Der Gestalt nach gleicht eines der Lebewesen einem Löwen, eines einem Stier, eines einem Menschen und eines einem fliegenden Adler. Damit werden wir auf eine andere berühme Vision der göttlichen Macht verwiesen, die auch sonst auf Johannes eingewirkt hat: die Vision Ezechiels vom himmlischen Thronwagen, die der Prophet im 1. Kapitel seines Buches schildert. Ezechiel beschreibt hier vier gleichaussehende Wesen mit jeweils vier Gesichtern, einem Löwen‑, einem Stier‑, einem Menschen‑ und einem Adlergesicht. Sie fungieren als Thronträger Gottes. Bei Johannes dagegen sind daraus vier verschiedene Gestalten geworden, die den Thron nicht tragen, sondern umgeben und vor ihm niederfallen (5,8; 19,4). Die Augen, die sich nach Ezechiel an den Rädern des Thronwagens befinden (Ez 1,18), hat Johannes den Wesen selbst gegeben. Die spätere christliche Tradition hat diese Wesen zu den vier Evangelien in Beziehung gesetzt; daraus entstanden die bekannten Evangelistensymbole. Diese Ausdeutung ist höchst sinnvoll. Denn auf ihre Art tun die vier Evangelien dasselbe, was die vier Wesen tun: Sie singen ununterbrochen das Lob dessen, dem alles Lob gebührt.
Mit dem Lied der vier Lebewesen erreicht die Szene ihren Höhepunkt. Dieses Lied greift das Dreimal-Heilig auf, das nach Jes 6,3 die Seraphim singen und in das die christliche Gemeinde in jeder Meßfeier miteinstimmt. Im Judentum wie im Christentum gilt das Trishagion als der himmlische Lobpreis schlechthin.
Zunächst könnte man nun meinen, hier würde ein statisches Bild von Gott und seiner Welt gezeichnet, eine Welt, in der sich alles monoton wiederholt. Aber der Gott, dem das „ruhelos“ wiederholte Loblied gilt, wird in diesem Lied nicht nur als der gepriesen, der immer war und immer ist; er wird darin auch als „der Kommende“ bezeichnet. Was dieses „Kommen“ Gottes meint und wie es geschieht, das schildert der Seher im Hauptteil seines Buches, den Kapiteln 6-20. Es ist ein Kommen zum großen Gericht; in ihm wird Gott seine ewige Herrschaft gegen alle Widerstände auf Erden durchsetzen, damit endlich sein Wille geschieht „wie im Himmel, so auf Erden“ (Mt 6,10). Die unerschütterliche Gewißheit dieser Verheißung hat das christliche Weltbild und Weltgefühl von Anfang an grundlegend geprägt. Aus dieser Gewißheit heraus können Christen alle Schrecken dieser Welt ertragen und einordnen; sie wissen: Am Ende wird das Recht triumphieren, auch wenn es jetzt unterdrückt wird. Am Ende wird die Wahrheit ans Licht kommen und kein Widerspruch mehr möglich sein; am Ende wird die Lüge als Lüge erscheinen und damit in ihrer Nichtigkeit entlarvt werden. Die Manifestation der Wahrheit wird Urteil, Strafe und Gnade in einem sein.[17]
Allein diese Gewißheit des Sehers von Patmos kann die merkwürdige Fortsetzung jener Vision erklären, die wir bisher betrachtet haben. Auf das Dreimal-Heilig der vier Lebewesen folgt nämlich eine Szene, die ihren Ort eigentlich am Ende aller Schrecken hat, nach der Durchführung des großen Gerichts. Diese Szene schildert nämlich, was im Himmel geschehen wird, wenn all das, was der Seher in den Kapiteln 6‑20 seines Buches darstellt, vorbei und erledigt ist. Diese Schilderung nimmt also das Ende vorweg und ist somit der höchste Ausdruck für die Gewißheit der Überzeugung, daß schließlich „alles, alles gut“ wird, wie es ganz am Ende von Joseph von Eichendorffs „Taugenichts“ heißt:
Und wenn die Lebewesen Ruhm, Ehre und Dank darbringen werden dem, der auf dem Thron sitzt, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dann werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und sie werden ihre Kränze niederwerfen vor dem Thron und sprechen: „Würdig bist du, unser Herr und Gott, Ruhm, Ehre und Macht anzunehmen; denn du hast alles geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden geschaffen.“ (4,9‑11)
Stellvertretend für die ganze Erde unterwerfen sich die 24 Ältesten dem Allherrscher, mit einem Demutsakt, wie ihn etwa ein von Rom unterworfener König zu üben hatte; er mußte sein Diadem abnehmen und es vor dem Bild des Kaisers niederlegen.[18] Das Lied der Ältesten verkündet, daß Gott allein „Ruhm, Ehre und Macht“ zustehen. Bevor also die eschatologische Machtergreifung Gottes geschildert wird, beschreibt der Seher vorwegnehmend ihr erfolgreiches Ziel. Am Ende wird Gott nicht nur alle Macht besitzen – das war schon immer so ‑, am Ende wird ihm diese Macht auch zuerkannt und gelassen werden, und dies nicht nur im Himmel.
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Redakteur:
Bokrug †
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Sonntag, 9. September 2007 16:58
Pelagius III.: Die Wahrheit über Bokrug
„Bokrug ist ein grünliche, waranähnlicher Kreatur, die in Gestalt einer großen, jadegrünen Statue
verehrt wurde. Seine ersten Anhänger waren Ältere Wesen, die in der Steinstadt Ib am Ufer eines großen,
stillen Sees im Lande Mnar lebten. Als sich dort Menschen niederliessen und in der Nähe die Stadt Sarnath
gründeten, kam es bald zu Mißtrauen und Haß, was schließlich vor etwa 10000 Jahren zu der völligen
Auslöschung der dort lebenden Älteren Wesen und ihrer Stadt durch einen Überfall der Menschen führte.
Das Götzenbild Bokrugs wurde nach Sarnath gebracht, um es dort zu verspotten. Am nächsten Tag aber war
das Götzenbild verschwunden, der Hohepriester tot und an der Wand prangte das Wort VERDERBEN. Nachdem
Sarnath in den folgenden Jahrhunderten florierte und auf die unbeschreibliche Größe von 50 Millionen
Einwohnern angewachsen war, wurde sie am Festtag zum 1000-jährigen Jubiläum der Vernichtung von Ib durch
Bokrug und die geister der ermordeten Älteren Wesen völlig zerstört und alle Einwohner grausig getötet.
Danach wurde Bokrugs Statue wieder gefunden und ehrfürchtig von den Menschen von Mnar verehrt.“
Der Leser Bokrug trägt also den Namen eines archaischen Götzen.
Der Leser Bokrug trägt also den Namen eines archaischen Götzen.
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