DIE GÖTTLICHEN PRINZIPIEN
Anmerkungen
zum grundlegenden Buch der Vereinigungskirche
von
Prof. Dr. Paul
Schwarzenau
Montag, 17. September 2007 08:54
Bokrug †: DIE GÖTTLICHEN PRINZIPIEN (Christus im Alten Testament)
DIE GÖTTLICHEN PRINZIPIEN
Anmerkungen
zum grundlegenden Buch der Vereinigungskirche
von
Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Im folgenden schreibe ich über die „Göttlichen Prinzipien“, das grundlegende Buch der Vereinigungstheologie. Ich schreibe nicht über die Vereinigungskirche selbst und ihre Lebensformen, da ich mir darüber kein zureichendes Bild machen kann. Auf Äußerungen dazu aus zweiter Hand gehe ich weder so oder so ein. Mich leitet weder nach der einen noch der anderen Richtung ein apologetisches oder gar polemisches Interesse.
Was mich vielmehr interessiert, sind einige Zusammenhänge, die in den „Prinzipien“ zum Ausdruck kommen, von denen ich meine, daß die christlichen Kirchen an ihnen nicht einfach vorbeisehen dürften. Ich spreche als evangelischer Theologe, bin aber ungeachtet oder gerade wegen dieses Standortes der Meinung, daß das Christentum an einem Punkt angekommen ist, wo es sich weiterentwickeln muß, weiterentwickeln im Blick auf die großen Weltreligionen und die großen außereuropäischen Kulturkreise. Das Christentum muß den Mut aufbringen, sich aus der Einschränkung auf den westlichen Kulturkreis zu lösen.
Außerdem enthält die Vereinigungstheologie der „Prinzipien“ eine Reihe von Motiven, die mich insofern betroffen machten, als sie sich mit Fragen berühren, die einer der bedeutendsten modernen Forscher, der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung, an das heutige Christentum stellt. Ich denke dabei insbesondere an seine beiden Werke „Antwort auf Hiob“ und „Aion“. Aion heißt hier ja, was geschieht eigentlich in unserem Zeitkreis, im christlichen Äon. Jung sieht darin sich Veränderungen vorbereiten, die er im Sinne einer Komplementarität oder sogar Kompensation des bisher als christlich Verstandenen deutet.
Das Christentum, so wie wir es traditionell angeeignet haben, auch das protestantische, ist aus dem Hellenismus heraus geprägt. Aus der geistigen Arbeit von Platon und Aristoteles stammen die Formkräfte, die dem griechisch-orthodoxen, dem lateinischen und dem protestantischen Christentum die Abrundung gaben. Das wird, insbesondere im Protestantismus, leicht übersehen, von dem man annimmt, er sei unmittelbar aus der Bibel abgeleitet. Andererseits hat das Christentum durch die schon frühe Ausstoßung der Geistesbewegung der Gnosis die Tür zu fernöstlichen Religionen zugeschlagen, insbesondere zu Hinduismus und Buddhismus.
Außer zu Hinduismus und Buddhismus ist für uns heute die Begegnung mit jener anderen fernöstlichen Religiosität, nämlich mit dem chinesischen Universismus, von unschätzbarer Bedeutung. Hier sind die beiden großen Religionsstifter Konfuzius und Laotse zu nennen. Zu Grunde aber liegt beiden das Buch I Ging mit seinem synchronistischen Weltverständnis. Auf dieses Weltverständnis hat C.G.Jung in Zusammenarbeit mit dem Physiker Wolfgang Pauli in seinem Spätwerk nachdrücklich hingewiesen. Wir sind in unserem westlichen wissenschaftlichen Denken, das weithin auch unser Alltagsdenken bestimmt, gewohnt, die Weltzusammenhänge ausschließlich unter der Kategorie der Kausalität zu begreifen. Demgegenüber machen Jung und Pauli das Prinzip der Synchronizität, der sinngerichteten inneren und äußeren Paralellhandlungen, als eine weitere und tiefere Erklärungskategorie geltend.
Durchgängige Synchronizität aber ist das Kennzeichen des Weisheitsbuches I Ging. Die jeweils konstellierten Hexagramme dieses Buches zeigen Synchronizitäten im Kosmos, im Staat, in der Ehe, in der Familie, in geschwisterlichen Verhältnissen und im Einzelwesen auf. Dabei spielt die Familie in diesem dann von Konfuzius geprägten Weltbild eine zentrale Rolle. Alle diese Elemente findet man in den „Göttlichen Prinzipien“ wieder. Man hat es hier mit einer Begegnung von chinesisch koreanischem Denken und dem hellenistisch jüdischen Denken, speziell mit dem heilsgeschichtlichen Bild der Bibel und der kosmischen Bahn des Synchronizitäten schaffenden Tao zu tun. Ich halte einen solchen Versuch der Synthese von biblischer Überlieferung und fernöstlichem Denken nicht von vornherein für unberechtigt. Sie muß gemacht werden, zumal der Hinweis auf C.G.Jung zeigt, daß sich auch unser physikalisches Weltbild in Richtung auf das der fernöstlichen Konzeption entsprechende Synchronozitätsdenken erweitern wird. Andernfalls würden wir mit einem westlich christlichen Weltbild hinter der weiteren Entwicklung zurückbleiben. So gesehen, stellen die „Prinzipien“ einen wichtigen Diskussionsbeitrag dar.
Ich komme auf ein weiteres Fragmal zu sprechen, das in den „Prinzipien“ angesprochen wird. Es sind das Probleme, die mit dem christlichen Gottesbegriff gegeben sind. Aus der Jungschen Tiefenpsychologie ergibt sich eine gewisse Defizienz im christlichen Gottesbild nach der Seite des Weiblichen und nach der Seite des Dunklen. Nach Jung ist Gott ein Complexio oppositorum, eine Verflechtung und Verwobenheit der Gegensätze. In Gott sind als Polaritäten oder auch Gegensätze das Lichte und das Dunkle, das Gute und das Böse, das Männliche und das Weibliche enthalten. Solche Vorstellungen sind dem platonisch oder aristotelisch definierten christlichen Gottesbild, wie auch im allgemeinen dem Neuen Testament (im Unterschied zum Alten Testament) fremd. Ausnahmen dazu finden sich bei Nikolaus von Cues, bei Luther und Jakob Böhme. Um das komplexe Gottesbild zu beschreiben, könnte man sich in chinesischen Gedankengängen wie folgt ausdrücken: In Gott sind Yang, das männliche Prinzip, und Yin, das weibliche Prinzip, vereinigt, und: aus Gott gehen Yang und Yin hervor und beschreiben den Weg Gottes mit und in der Welt.
Eine weitere Defizienz liegt nach C.G.Jung in der nur geistigen und lichten Weise, wie Jesus Christus beschrieben und lehrmäßig definiert wird. Dadurch wird das Himmelreich vom Erdenreich getrennt. Man könnte es auch so ausdrücken: Jesus trat auf mit der Verkündigung des Reiches Gottes, das natürlich auf Erden durchbrechen sollte, sein Leben endete aber am Kreuz, und es entstand statt des Reiches die Kirche und die Spaltung in Kirche und Welt. In der Reformation ist dieser Gegensatz nicht gelöst, sondern eher noch verstärkt worden durch die zwei-Reiche-Lehre Luthers. Versuche, diese Spaltung zu überwinden, hat es in der Christenheit nur wenige gegeben, einer der bekanntesten bildet der Pietismus des Grafen Zinzendorf, dessen Herrnhuter Brüdergemeine eine politisch-religiöse Einheit bildete. In ihr begann das Himmelreich gleichsam schon auf Erden. Dieser besonderen Stellung entsprach die Vorstellung von einem Sonderbund Christi mit der Herrnhuter Brüdergemeine.
Die „Göttlichen Prinzipien“ gehen auf diese Fragen ein. In ihnen wird von Gottes Polarität gesprochen. Gott ist männlich und weiblich. Gott hat eine Innenseite und eine nach außen gehende Seite. Gott ist Vater und Mutter. Das Problem des Muttertums Gottes wird heute sehr stark vom Feminismus angefragt, hin bis zur Möglichkeit, darin die tiefere, ursprünglichere Seite der Gottheit zu erkennen. Zu dieser Polarität kommt noch eine weitere Vorstellung hinzu: Gott ist in sich dialogisch, d.h. er schafft sich je ein Gegenüber und tritt zu diesem in eine Beziehung ein. So geht aus Gott das Universum hervor, zugleich aber tritt Gott zu diesem in eine Beziehung ein und konzentriert dieselbe dialogisch auf den Menschen hin. Dabei wird aber der Mensch nicht vom Universum isoliert, sondern durch den Dialog Gottes mit dem Menschen wird das Universum vollendet und erfährt seinen Mittelpunkt. Es besteht also ein Umschluß von Gott, Welt und Mensch, in dem sich diese Dreiheit selbst vollendet. Das heißt: Gott ist nicht der von Ewigkeit schon fertige Gott, sondern er ist angelegt auf eine Verwirklichung, zu der er des Menschen bedarf. Mensch und Universum stellen Möglichkeiten dar, die in Gott schon liegen und aus ihm hervortreten, daß Universum und Mensch nicht einfach Gemächte Gottes sind. Der Schöpfungsgedanke kann ja so mißverstanden werden, als seien Welt und Mensch nur ein Stück Tongefäß, das man formen und nach Belieben wieder zerscherben kann. Welt und Mensch sind ein Gottbildliches, eine Entsprechung und Beziehung, im Menschen ein Du, das Gott gegenübersteht. Der Mensch faßt das Universum zusammen und bildet das Du der umfassenden Beziehung zu Gott. Dieses dialogische Element, das in der neuen Philosophie und Theologie Martin Buber klassisch ausgeformt hat, findet man in großem Umfang, wohl ohne direkten Einfluß Bubers, in den „Prinzipien“ wieder.
Ein anderer Gedanke, der aus der jüdischen Mystik stammt und im Werk Bubers einen Ausdruck gefunden hat, findet sich ebenfalls in den „Prinzipien“: Gott hat Schicksal. Gottes Schicksal ist gebunden an die Entscheidung des Menschen. Er ist daran gebunden, wie der Mensch auf seinen Anruf antwortet und Gottes Schöpfung vollendet. Im vollendeten Universum durch den vollendeten Menschen ist auch Gott erst ganz vollendet und verwirklicht. Das ist ein Gottesbild, wie es der Würde des Menschen erst voll entspricht und dem modernen Menschen, der auf Partnerschaft und Demokratie angelegt ist, angemessen ist. Auch außerhalb der Vereinigungskirche entwickelt sich in den Theologien anderer Kirchen zunehmend ein solches auf Partnerschaftlichkeit zwischen Gott und Mensch angelegtes Gottesbild.
Dazu kommt ein weiterer bedeutsamer Gedanke. Das Zentrum Gottes ist in der christlichen Theologie, wenn ich es richtig interpretiere, das Ich Gottes. Die Trinität wird geradezu als Selbstentfaltung des Ich, als Selbstbewußtsein Gottes vorgestellt, so schon bei Augustinus und ausdrücklich in der protestantischen Theologie bei Melanchthon. Ein Ich ist als Selbstbewußtsein ja ein solches, das sich sich selbst gegenübersetzen und dadurch zugleich erst ergreifen, reflektieren kann. Gott bringt aus sich ein Bild von sich hervor und kommuniziert mit ihm. In den „Göttlichen Prinzipien“ ist nun nicht das Ich, sondern das Herz das eigentliche Zentrum Gottes. Das liegt gewissermaßen tiefer in Gott. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, d.h. sein tiefstes Zentrum ist nicht sein Ich, sondern etwas, was tiefer in ihm liegt, sein geistiges Selbst, wie die „Prinzipien“ dieses Zentrum nennen.
Auch hier möchte ich wieder an C.G.Jung anknüpfen. Jung ist der Meinung, daß das eigentliche Zentrum des Menschen nicht das Ich ist – dieses ist nur das Zentrum des bewußten Teiles des Menschen – sondern daß dahinter noch ein tieferes Zentrum, das Selbst, angelegt ist, das im Laufe eines geistigen und seelischen Bilde- und Entwicklungsprozesses gestaltet und an das Ichbewußtsein herangeführt werden muß. Dieses Selbst finden wir etwa in der indischen Religion unter der Bezeichnung „Atman“ wieder, in der neuplatonischen und christlichen Mystik als das „Fünklein“, bei Meister Eckart auch unter der Bezeichnung „ die Burg“, „das Castellum“. Das Selbst ist der „Ort“, wo der Mensch mit der Natur Gottes eins ist, das Göttliche im Menschen. Nach den „Prinzipien“ ist dieses geistige Selbst etwas, was nach dem Tode des Menschen in die geistig göttliche Welt zurückgeht. Gott und Mensch haben also ein letztes, tiefstes Zentrum, das Herz, das auch mit Gemütsbewegungen, Affekten einhergeht. Der Begriff der Freude spielt in diesem Zusammenhang, gerade auch auf der Seite Gottes, eine große Rolle.
Der Begriff des Selbst ist nach C. G. Jung nicht einfach ein abstraktes Menschentum, sondern ein androgynes, ein mann-weibliches oder weib-männliches Menschentum. Der Mensch ist in sich mann-weiblich. Die Frau enthält in sich männliche Seelenanteile, den Animus, der Mann umgekehrt in sich weibliche Seelenanteile, die Anima. Zu Selbstfindung und Selbstverwirklichung ist es notwendig, daß der Mensch die Hochzeit mit sich selbst eingeht. Das heißt, daß der Mann sich mit dem weiblichen Anteil verheiratet und umgekehrt die Frau mit ihrem männlichen Anteil. Dabei soll der zunächst verborgene und unterentwickelte gegengeschlechtliche Anteil so entfaltet werden daß er dem anderen gleichwertig wird. Ein reifes Menschentum entsteht eigentlich nur dann, wenn der Mensch fähig wird, die heilige Hochzeit mit sich selbst zu vollziehen. Der Mensch ist seinem Wesen nach in der Ehe, auch wenn er noch nicht mit einem anderen Menschen als Partner verheiratet ist. Er hat von seinem Wesen her eine dialogische Beziehung in sich selbst und ist dadurch zugleich auf eine dialogische Beziehung zu einem gegengeschlechtlichen Partner angelegt. Er ist von seinem Wesen her angelegt auf den gegengeschlechtlichen Partner und befindet sich zugleich in einer dialogischen Beziehung zu Gott, wodurch die Positionen bezeichnet sind, von denen die „Prinzipien“ sprechen. Zu den genannten Positionen kommt als vierte die des Kindes. Das, was aus uns entstehen und entwickelt werden soll, das Selbst, ist nicht nur der Urkern unseres Wesens, sondern ist zugleich die Urform des Kindes, das, was aus der Tiefe des Wesens hervor- und ans Licht gebracht werden soll, wenn Männliches und Weibliches sich in uns vermählen. Als Symbol dafür spielt das „göttliche Kind“ in den Religionen eine große Rolle. Die „vier Positionen“ der „Prinzipien“ bilden also nicht etwas Konstruiertes, sondern bringen die Vollständigkeit des Menschen zum Ausdruck.
Wir deuteten schon an, nicht nur der Mensch, sondern auch Gott ist auf Freude angelegt. Hier taucht mit schlichterem Namen der philosophische und theologische Begriff der Eudaimonia, der Glückseligkeit, wieder auf. Diese Freude oder Glückseligkeit hat Gott nicht automatisch in sich, sondern er ist von Trauer erfüllt, wenn seine Schöpfung unvollendet bleibt. Darin erfüllen sich die Wesenskräfte des Herzens, daß er zur Eudaimonia hinstrebt und diese allen mitzuteilen sucht. Es geht also um eine Erfüllung, eine Verwirklichung seines Selbst, dessen, was in Gott angelegt ist.
Nun muß man weiter sehen, daß der Mensch als eine noch nicht abgeschlossene Wirklichkeit verstanden wird. Mit der Geschichte des Kosmos und der Menschheit ist ein Wachsen des Menschen verbunden. Es gibt da eine sehr schöne Stelle aus dem Kolosser-Brief, die fast in allen Übersetzungen falsch wiedergegeben wird. Es wird dann so übersetzt, als seien die Glaubenden die Pflanzung Gottes. Wir sind aber als Glaubende nach dieser Stelle (Kol. 2,19) das „Wachsen Gottes“ selbst. Gott, die Anlage in uns wächst, und mit ihr wächst Gott. Nach den „Prinzipien“ vollzieht sich dieses Wachsen über drei Stufen: die Gestaltungsstufe, das ist die Urgabe, die dem Menschen mitgegeben ist, die Wachstumsstufe und die Vollendungsstufe, auf die das Ganze zustrebt. In diesem Zusammenhang heißt es, daß er über das Universum und die Engel herrschen soll. Diese Vorstellungen sind im traditionellen Christentum fast ganz verloren gegangen. Irgendwo findet man sie noch mal in dogmatischen Schriften. In der protestantischen Theologie hat man den Gedanken vergessen oder bestreitet ihn, daß Gott Mensch ward, damit der Mensch durchgottet werde und daß darin die Menschengestalt zur Vollendung kommt.
Es ist auch vergessen, daß der Mensch dazu bestimmt ist, ein Übermensch zu werden, verglichen mit dem, was er jetzt ist. Die universalen Kräfte sind ja im Menschen als dem Mikrokosmos konzentriert. Der Kosmos verliert seine Mitte ohne diesen Mikrokosmos. Indem die Kräfte im Menschen weiterwachsen und sich der Vollendung zubewegen, wirkt der Mensch in den Kosmos hinein und damit auch in die Bildekräfte hinein, die den Kosmos durchformen, d.h. er wirkt in die Engelwelt hinein, aus der die kosmischen Bildekräfte hervorgehen. Die Engel sind Diener Gottes, aber der Mensch ist ein synergos, ein mitwirkender oder Mitarbeiter Gottes. Über das Wie ist in den „Prinzipien“ nicht allzuviel gesagt. Man könnte in diesem Zusammenhang an die Wunderkraft Jesu denken, die dem Menschen in der Vollendung zur Verfügung stehen wird. Ich denke dabei an die Fähigkeiten der Levitation, der Bilikation, der Materialisation und der Entmaterialisation, Fähigkeiten, wie sie im Wandeln auf dem See, in der wunderbaren Speisung oder im Gehen durch verschlossene Türen bei Jesus zum Ausdruck Kommen. So wie wir jetzt mit unseren Gedanken an jeder Stelle der Welt sein können, so könnte der Mensch einmal eine Stufe erreichen, wo er sich in verwandelter Körperlichkeit mit dem Blitz des Gedankens an jede Stelle des Kosmos schwingen kann. Das, weil der Mensch ein Wesen ist, das über die Engel hinaus sich entfalten soll. Ich möchte es bei diesen Andeutungen belassen.
Ich habe den Punkt schon angedeutet, daß der Mensch sich wesensmäßig schon in der Ehe befindet, will aber noch weiter ausführen. Unter dieser Voraussetzung war auch Jesus, ob er nun mit einer irdischen Frau verheiratet war oder nicht, in der Ehe. Die Ehe ist kein bloßer Vertrag, auch kein bloßer Ausdruck der Polaritäten, wie das bei den Tieren der Fall ist, sie ist auch keine bloße Schöpfungsordnung, wie Luther meinte, sondern das tiefste Mysterium oder Sakramentum, das offen ist zum göttlichen Du. „Die verlängerten Beziehungen von Ich und Du schneiden sich im unendlichen Du, im Du Gottes“ (Martin Buber). Wo also zwei Menschen sich voreinander erschlossen finden, was ein ganzheitliches schöpferisches Geschehen ist und in diesem Sinne ein Schöpfungsakt Gottes, da ist Ehe. In diesem Augenblick ist der Dritte, der Gott, der Hintergrund dieser Beziehung, ja der Gott ist damit realisiert. In diesem Sinne ist die Ehe das Ursakrament schlechthin. Es ist die Vereinigung von Himmel und Erde, denn in Mann und Frau sind zugleich Himmel und Erde abgebildet. Das Wort „Ehe“ bedeutet in der sprachlichen Tiefe; Bündnis, Bund zwischen Himmel und Erde. Die Ehe ist zugleich hingeordnet auf das Vierte, das Kind, die Familie. Damit sind die vier Positionen der „Prinzipien“ zum Ausdruck gebracht. Das gilt auch dann, wenn die Ehe kinderlos bleibt, denn das „Urkind“ ist, wie wir an anderer Stelle ausgeführt haben, das Selbst.
Wir kommen nun auf einen der vielleicht schwierigsten Abschnitte innerhalb der „Göttlichen Prinzipien“ zu sprechen: den Sündenfall. Die moderne Theologie weist darauf hin, daß der Mensch sich immer schon in einer Gebrochenheit zwischen seiner Wesensnatur oder Essenz und seiner tatsächlichen Vorfindlichkeit oder Existenz befindet. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Essenz und Existenz, das der Mensch wohl fühlt und den Grund für sein tieferes Leiden bildet, weist ihn auf eine Gegebenheit hin, die die „Prinzipien“ das ursprüngliche Gemüt nennen. Da dieses ursprüngliche Gemüt in diesem Dasein nur gebrochen und verdeckt vorkommt, weist es auf eine frühere Existenz zurück, die diese Spannung nicht kannte, die paradiesische Existenz. Der eigentliche Sündenfall hat sich in der geistigen Welt, in der archetypischen oder urbildlichen Welt abgespielt, im Paradies. Das heißt, es ist etwas von diesem Sündenfall dann noch wiederzufinden in der archetypischen Welt in uns, die nach C.G.Jung das sogenannte Unbewußte ausmacht. Denn in diesem Unbewußten finden wir die Kräfte der Urwelt wieder als Bilder, besser: Urbilder, die unter den Gestalten von Anima und Animus das Urmenschenpaar in jedem von uns enthalten, und zwar auf einer unreifen Stufe. Nach den „Prinzipien“ ist nun der Sündenfall dadurch zustandegekommen, daß der Erzengel Luzifer, der ein Diener des Menschen sein sollte, ihm in der Wachstumsstufe noch überlegen war. Er spürte, daß der Mensch und nicht er von Gott als Mittelpunkt der Welt gemeint war. Darüber empfand er Neid. Er wollte sich daher des Menschen bedienen und diesem zugleich Schaden zufügen. Er habe aus diesem Grunde eine sexuelle Beziehung zu Eva angeknüpft, und Eva sei auf diese sexuelle Beziehung eingegangen, weil sie von Luzifer, dem Erzengel, fasziniert wurde.
Um diesen Zusammenhang zu klären, müßte man wohl fragen: Wie begegnet eigentlich eine Frau in der Wachstumsstufe dem Mann? Oder: Wie begegnet eigentlich ein Mann in der Wachstumsstufe, also im unreifen Zustand, der Frau? Es ist so, daß sich da bis auf den heutigen Tag ein Geisterspiel vollzieht. Im Zustand der Verliebtheit begegnet die Frau gar nicht dem anderen, dem Du, dem wirklichen Menschen, sondern sie begegnet dem projizierten Mannesbild, dem Animus, den sie auf den betreffenden Mann projiziert hat und mit ihm verwechselt. Sie begegnet also ihrem Animus, der schillernden luziferischen Gestalt von ungeheurer Schönheit und Faszination, der zu völliger Hingabe hinreißt. Entsprechendes gilt dann für den Mann mit Blick auf die Frau im unreifen Zustand der Verliebtheit. Der Ehebruch mit dem Animus und der Anima ist etwas, was der geistigen Welt angehört. Es ist etwas, was nicht nur der subjektiven Innenwelt des Menschen angehört, sondern es handelt sich bei diesen Archetypen um eine transpersonale und transsubjektive Wirklichkeit. Es ist etwas, was dem einzelnen Menschen im kollektiven Sinne, also der gesamten Menschheit, überschreitet. Es sind Bildekräfte. Engel sind Bildekräfte, die den einzelnen Menschen überschreiten. Wir müssen also annehmen, daß im Paradies, das sich jetzt in der Tiefe der Menschheit befindet, eine unreife Beziehung von ungeheurer Faszination abgespielt hat, die den Menschen den luziferischen Animus-Anima-Kräften anheimgab. Auf diese Andeutungen möchte ich mich in diesem Zusammenhang beschränken.
Ich möchte noch einen Hinweis geben auf die sehr schöne Auffassung, die im vollkommenen Adam den Baum des Lebens erkennt. In der jüdischen Mystik ist Gott der Adam Kadmon, der Urmensch und androgyne Mensch. Dieser Adam Kadmon wird gleichzeitig als Baum vorgestellt. Es ist der Sephirotbaum. Die Sephirot bilden Emanationen göttlicher Kräfte und stellen in ihrer Gesamtheit eine göttliche Geist- und Seinsstufe dar. Diese bildet zugleich die Tiefe der Schöpfung und des Menschen vor. Makrokosmos und Mikrokosmos korrespondieren miteinander. Gott ist als Sephirotbaum, wie erwähnt, ein Androgyn, es gibt in ihm eine männliche und eine weibliche Hälfte, gleichzeitig ist Gott verheiratet mit Malchut, der weiblichen Repräsentantin des Reichs. Ich kann aus diesen Amplifikationen, denen sich noch weitere aus dem Bereich der Religionswissenschaft hinzufügen ließen, die Vorstellung der „Prinzipien“, die im vollkommenen Adam den Baum des Lebens sieht, nicht für eine bloße Konstruktion halten. Ähnliches gilt für die vollkommene Eva, die als der Baum der Erkenntnis bezeichnet wird. Die vollendete Anima ist die Trägerin der Gnosis, der vollkommenen Erkenntnis, und der vollkommenen Liebe; denn nur aus der Liebe erkennen wir richtig. Die Schlange ist als ein Sinnbild für Engel sowohl im positiven wie im negativen Sinne bekannt. Das sind Anmerkungen, Beobachtungen zu den „Prinzipien“, die ich nicht als abschließende Erklärung betrachten möchte.
Ich komme nun auf die menschliche Geschichte zu sprechen. Diese wird in den „Prinzipien“ als Wiederherstellung Adams über das Wachstumsstadium hinaus verstanden. Der Gedanke der Wiederherstellung oder Restitution spielt in der christlichen Theologie eine bedeutende Rolle. So bezeichnet Philipp Melanchthon in seinen loci theologici die Heilsgeschichte als restitutio imaginis Dei in homine (Wiederherstellung des Gottesbildes im Menschen). Nun ist es interessant, daß in den „Prinzipien“ diese Geschichte als eine Geschichte des Scheiterns beschrieben wird. Das erinnert an Gedankengänge, wie sie sich bei Martin Buber finden, z.B. in seiner Schrift „Der Glaube der Propheten“. Dort heißt es, daß Gott immer wieder den Versuch mache, den Menschen zu der entscheidenden, Welt und Gott erlösenden Umkehr zu bewegen. Aber da der Mensch immer neu versagt, wird die Lösung immer wieder bis zur wendenden Antwort des Menschen hinausgeschoben. Es entsteht so eine Leidensgeschichte Gottes und des Menschen. Gott hängt auch hier, wie es scheint, mit dem Unbewußten zusammen, das mehr als das Bewußte weiß, wobei ich die Frage der Identität von Gott und Unbewußtem offen lasse. Im Unbewußten kehren alle ungelösten Probleme wieder. Der Mensch wird immer neu auf die Dinge hin befragt und konfrontiert, die er nicht gelöst hat.
Dieser Gedanke wird in den „Prinzipien“ so aufgenommen, daß es wohl eine absolute Prädestination des Zieles der Geschichte gibt, aber eine relative Prädestination der Personen und Gruppen. Das heißt, Gott versucht es beispielsweise mit Adam. Wenn er versagt, behält er sein Ziel bei. Er greift zur nächsten Personen- und Menschengruppe, wie zu Noah, zu Abraham, zu Mose, zu Jesus usw., um immer aufs neue das Ziel zu erreichen, das in einer bestimmten Geschichtssituation jeweils verspielt worden ist. Dahinter liegt auch eine gewisse Schwermut, auch die Schwermut, daß wir es selbst sein könnten, die Gott in die Trauer zurückwerfen, aber es liegt darin auch eine letzte unbesiegbare Hoffnung, daß Gott sein Ziel zuletzt doch erreichen wird. Unter diesem Aspekt kommt es zu einem spiralförmigen Aufstieg der menschlichen Geschichte und der Menschheit. Das erinnert an den Schlußteil von Bubers Buch „Ich und Du“. Der Mensch fällt aus der Gottesbeziehung heraus, in immer neuen Vorstößen Gottes knüpft sie sich wieder an.
Geschichtsphilosophisch und geschichtstheologisch drückt sich das in bestimmten Ergebnissen aus. Das geschichtliche Geschehen wird durch sie auf eine immer weitere Ebene gehoben, ein Vorgang, dessen Beschreibung sich in manchem mit den Vorstellungen des historischen Materialismus (Histomat) des Marxismus berührt. Die Geschichte wird von der Sippen- und Stammesebene auf die nationale Ebene als Wachstumsstufe gehoben. Heute fällt die Entscheidung auf der weltweiten Ebene der Vollendungsstufe. Man könnte, was den Lauf der Geschichte anlangt, auch von einer felix culpa sprechen, einer glücklichen Schuld; denn ohne Adams Fall steckten wir noch in der einfachen Familienbindung.
Die Geschichte hat sich nach den „Prinzipien“ auf einen letzten Dualismus, den von Kommunismus und Demokratie, zugespitzt. Die „Prinzipien“ haben damit die Erwartung eines dritten Weltkrieges verbunden, zugleich aber deutlich gemacht, daß dieser auch in Form einer ideologischen Auseinandersetzung verlaufen könne. Für letzteres sprechen die weltpolitischen Ereignisse heute. Zuerst kommen in der Geschichte die Lösungen ohne Gott, dann erst die Lösungen mit Gott. Eine solche Vorstellung wird beispielsweise auch in den judenchristlichen Pseudo-Klementinen vorgetragen.
Die Geschichte wird als eine Parallelität und Rivalität von Gruppierungen und Richtungen gesehen, in denen sich der Bruderstreit von Kain und Abel wiederholt. Dieser Gedanke ist in der christlichen Geschichtstheologie bereits bei Augustinus in seinem Werk „Der Gottesstaat“ dargelegt worden. Nach den „Prinzipien“ symbolisiert Kain das erste Liebesverhältnis Evas mit Luzifer, (ist aber nicht das Resultat dieser Liebesbeziehung, da eine Vermehrung durch die Beziehung von Geistwesen zu Menschen nicht stattfinden kann.) während Abel der Verbindung Evas mit Adam entstand. In dem Bruderpaar Kain und Abel drückt sich tiefenpsychologisch das Verhältnis des Menschen zu seinem Schatten aus. Es kommt aber darauf an, daß der Mensch seinen Schatten integriert. Zur Selbstfindung gehört die Schattenintegration. Also Kain muß Abel integrieren, und Abel muß Kain integrieren. Die Ideologie Kains sollte sich Abel unterwerfen, dann entstehen bedeutende Dinge. Die jüdische Mystik hat im Chassidismus, zum Teil aber auch schon in der Kabbala, diese Gedanken gedacht. Man hat den Baalschemtow, den Begründer des Chassidismus, gefragt: „Was wird Gott am Ende der Tage tun?“ er hat darauf geantwortet: „Gott wird Kain und Abel versöhnen. Er wird David und Goliath versöhnen. Er wird Messias und Antichrist versöhnen.“ natürlich in dem Sinne, daß Kain als die Kraft, als das Äußere, dem Inneren unterworfen wird und so zu seiner Erfüllung kommt. Es geht in den „Prinzipien“ um einen synthetischen Schluß, nicht um Ausrottung, sondern um Aufhebung der kainitischen Seite im Hegelschen Sinne. Was kräftig ist, was berechtigt ist im Kommunismus, wird integriert in einem Sozialismus unter, mit und in Gott.
Es würde zu weit führen, die einzelnen Stufen der Menschheitsgeschichte, wie die „Prinzipien“ sie sehen, im ganzen zu entwickeln. Ich muß mich mit einigen Hinweisen begnügen. Im Zusammenhang mit Noah wird der sehr schöne Gedanke ausgesprochen, daß die Arche ein Opfer ist. Dieser Gedanke liegt uns zunächst fern. Wenn wir aber religionsgeschichtlich an das Problem herangehen, werden wir finden, daß im Opfer der Kosmos nachgebildet wird. Ja noch mehr: das Opfer ist die Gestaltung der Welt. Am Opfer erfährt der am Opfer teilnehmende Mensch überhaupt erst, daß er in einem Kosmos lebt. Dieser wird im Opfer dem Gott als etwas dargebracht, was im Gott erst in seine volle Wirklichkeit eintritt. Die Dreiteilung der Arche weist auf die Dreiwelt, in der wir leben: himmlische Welt irdische Welt und Unterwelt oder Totenwelt. Andere religionsgeschichtliche Deutungen unterscheiden: himmlische Welt, Luftraum und irdische Welt. Die „Prinzipien“ deuten schließlich den Raben auf Teufel und die drei Tauben auf Adam, Jesus und den Herrn der Wiederkunft. Eine solche allegorische Deutung war als exegetische Methode bei den Kirchenvätern zum Teil noch bei Luther selbstverständlich.
Der Gedanke des symbolischen Opfers taucht dann noch einmal bei Abraham als kosmisches Opfer auf. Die Tauben in der Opfergeschichte von Genesis 15 stellen die Gestaltungsstufe, der Widder die Wachstumsstufe und die dreijährige Kuh die Vollendungsstufe dar. Wobei jetzt die Kuh als Symbol der Vollendung geradezu ein hinduistisches Element in die „Prinzipien“ hineinbringt. Die Kuh gilt im Hinduismus als Symbol der vollendeten Welt, der Wiederkehr des Urzeitalters oder goldenen Zeitalters, des Krita-Zeitalters. Gleichzeitig bedeutet das Sanskrit-Wort für Kuh „go“ „Rede“ und „Weisheit“. Die Kuh wird zugleich als die Mutter verstanden. Das sind symbolische Elemente, die man nach der Jungschen Methode mit dem Verständnis in den „Prinzipien“ amplifizieren kann, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen.
Im folgenden heißt es nun, Abraham habe die Opferhandlung nicht strikt vollzogen, indem er die Teilung in zwei Hälften, die für die Teilung in Gut und Böse stehe, bei den Tauben nicht ausgeführt habe. Diese Verschuldung Abrahams habe dann unglückliche Geschichtsfolgen gehabt diese bestanden in der vierhundertjährigen Verbannung und Knechtschaft in Ägypten, die zugleich eine Wiedergutmachung darstellen. Ich möchte diese Aussage von einer bestimmten Seite her andenken. Kultische Dinge sind für das Schicksal einer Menschengruppe von ausschlagender Bedeutung. Der moderne Mensch, der darin bloße Symbole – als gäbe es bloße Symbole! – sieht, unterschätzt den Rang des Kultes. Als Luther für die Eucharistie die Transsubstitationslehre nicht übernahm, hat er den Weg zu neuen Menschentypen möglich gemacht. Besonders einflußreich war dann die Deutung, die Calvin dem Abendmahl gab. Nach Calvin gibt es eine geistliche Nießung des Abendmahls, also eine Verbindung mit dem himmlischen Christus, nur für die Auserwählten, während die Nichtauserwählten nur Wein und Brot zu sich nehmen. Daraus entstand natürlich die brennende Frage: Woran kann ich erkennen, daß ich im Abendmahl wirklich mit Christus verbunden bin, also zu den Auserwählten gehöre? Dafür verwies man auf den sogenannten Syllogismus practicus, d.h. auf den äußeren Segen, der den Auserwählten verheißen ist. Diesen äußeren Segen darf ich dann nicht für mich selbst gebrauchen, sondern muß ihn asketisch wieder zur Arbeit verwenden. Damit war der Kapitalismus geboren. Und damit zugleich alle Konsequenzen, die mit dem Kapitalismus zusammenhängen. Eine kleine Abweichung innerhalb eines kultischen Vorgangs hat also die äußersten Auswirkungen. Ich wollte damit auf jeden Fall andeuten, daß Kultisches nicht etwas dem Religiösen nur Aufgesetztes ist, sondern im Rahmen des Kultus befinden wir uns geradezu an den Kraftstellen und Regulierungsstellen, aus denen eine Kultur und ein bestimmter neuer Menschentypus hervorwachsen. Kulte sind die Orte, wo Menschenarten bzw. Menschentypen „gezüchtet“ werden, da der Kult einer Entwicklung eine bestimmte prägende Konstante gibt.
Ich komme nun auf Mose zu sprechen und kann auch hier nur einzelne Motive herausheben. Mose wird in den „Prinzipien“ als Prototyp des künftig zu erscheinenden Jesus vorgestellt. Im Neuen Testament können wir diese Auffassung noch erkennen, und in den Pseudo-Klementinen wird diese Ansicht von Petrus vertreten. Jesus gilt dort als der Moses redivivus, als der zweite Moses, der das Gesetz richtig auslegt. Die Israeliten waren Mose gegenüber in der Kain-Position, d.h. das Ringen mit dem Volk wird als eine Wiederkehr des Kain-Abel-Problems verdeutlicht auch daß Aaron und Mirjam Jesus und den Heiligen Geist repräsentieren, ist der christlichen Kirche insofern geläufig, da sie in Aaron und Mirjam Vorbildungen von Jesus und Maria gesehen hat. Maria hat nun mit dem Heiligen Geist im besonderen zu tun, weil sie Jesus aus dem Heiligen Geist empfangen hat.
Auch bei Mose kommt es zu einer Störung im rituellen Bereich: das Wunder am Felsen. Dadurch, daß Mose im Affekt einen zweiten Schlag ausführt, wird Jesus getroffen, der sich hinter dem Felsen verbirgt. Äußerlich stellt der Fels nach den „Prinzipien“ die Steintafeln dar. Damit ist ein Hängenbleiben an äußerer Gesetzlichkeit symbolisiert, da durch den zweiten Schlag der Weg zu dem dem Felsen inneren Christus verwehrt worden war. Die Israeliten bleiben danach äußere Israeliten und können nicht zu ihrem Wesen als innere Israeliten, als die die Christen verstanden werden, weiterschreiten.
Ich komme nun auf das Jesus-Problem in den „Prinzipien“ zu sprechen. Jesus ist schon bei Paulus der „zweite Adam“, der Mensch, der von Gott aus der geistigen Welt stammt, der spirituelle Adam. Gleichzeitig wird der zweite Adam mit dem Heiligen Geist in einer Weise in Verbindung gebracht, die an das Lukas-Evangelium erinnert. Jesus gilt als mit dem Heiligen Geist vermählt, der so als die zweite Eva vorgestellt wird. Wir müssen dabei daran denken, daß der Heilige Geist als (hebräisch) die heilige Ruach ursprünglich weiblich vorgestellt worden ist. Es gibt im judenchristlichen Bereich Vorstellungen vom Heiligen Geist als Mutter oder als Frau Christi.
Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam dann die Aufspaltung in Kirche und Welt. Die Verwirklichung des Reiches Gottes steht noch aus. Das Christentum ist, auch wenn wir jetzt nicht auf die „Prinzipien“ schauen, auf ein zweites Kommen Christi angelegt, auf die Wiederkunft des Herrn der Wiederkunft, wie die „Prinzipien“ sagen. Zugleich ist das Christentum auf eine Vervollständigung als Überwindung seiner Defizienz angelegt. Es ist doch eigenartig, daß sich im Bereich des Christentums eine weltliche Welt entwickelte. In keinem anderen Kulturkreis hat sich ein solches Auseinandertreten von Religion und Wirklichkeit, eine solche Säkularität vollzogen. Nach der Meinung einiger Theologen, z.B. Gogarten, habe das im Wesen des Christentums selbst gelegen. Auf diese Zusammenhänge weisen die „Prinzipien“ mit Nachdruck hin.
Auch ist es wohl richtig, daß Jesus nicht von Anfang an dazu bestimmt war zu leiden. Romano Guardini macht in seinem Buch „Der Herr“ darauf aufmerksam, daß Jesu Lebensende ein ganz anderes hätte sein können, wenn die Menschen sich ihm im Glauben erschlossen hätten. Die „Prinzipien“ schneiden das an, daß Jesus ursprünglich der König des irdischen Himmelreiches hätte werden sollen. Damit hätte er zugleich die Voraussetzungen für das himmlische Gottesreich gelegt. Daß es dazu nicht kam, wird als Schuld des jüdischen Volkes bezeichnet. Wir haben heute Schwierigkeiten damit, von einer Kollektivschuld der Juden zu sprechen, da aus einer solchen Annahme der Antisemitismus mit seinen im Holocaust gipfelnden Folgen erwuchs. Trotzdem darf man fragen, ob nicht, wenn eine geistige Gestalt vor ein Volk tritt, das Ja oder Nein zu dieser Person weitreichende Folgen für die weitere Geschichte hat. Das Judentum, so möchte ich jedoch hinzufügen, hat das Neue Testament für sich nicht übernommen, dafür ist ihm aber etwas anderes gegeben worden, wodurch es dem Christentum innerlich verwandt wurde. Kabbala und Chassidismus. Wir erkennen heute im Judentum ein neues Fragen nach Jesus, was ja nicht identisch sein muß mit einem Fragen nach dem Christentum.
Die „Prinzipien“ sprechen davon, daß die Religionsstifter aller Religionen im Herrn der Wiederkunft wieder zur Stelle sein werden, und zwar dadurch, daß ihre geistigen Selbste in die irdische Gestalt des Herrn der Wiederkunft eingehen und mit ihm wirken. Das würde ja praktisch bedeuten, daß der Manu der Hindus, der Buddha der Buddhisten, der Jesus der Christen und der Mohammed der Moslems im Herrn der Wiederkunft in Einheit wieder zur Stelle sind und so eine Vollendung aller Religionen in ihrem Ziel stattfindet. Ich denke mir das als Nebeneinander und Miteinander der Religionen, die sich ineinander in Übereinstimmung und Ergänzung wiederfinden.
In dem, was über die christliche Zeit gesagt ist, finde ich interessant, daß hier ein kritischer Blick auf das Neue Testament geworfen wird. Es finden sich darin Stellen, die gehören in die jesuanische Zeit hinein, und wiederum andere Stellen, die beziehen sich auf die Wiederkunftszeit. In Bezug auf die Wiederkunft wird von der Hochzeit des Christus unter dem Bilde des Lammes und der Braut geredet. Auch nach den Vorstellungen des Islams wird Christus bei seiner Wiederkunft heiraten, so daß die zweite Lebenshälfte des Christus gleichsam in das Eschaton hinein verlegt wird. Zugleich ist über das bestehende Christentum sehr viel Schönes gesagt. Es ist die Zeit der mystischen Wirklichkeit der Kirche.
In diesem Zusammenhang ist von geistiger Wiederherstellung durch Pfropfung die Rede. Hier ist Christus der geistige Baum oder Ölbaum, in den wir hineingepfropft sind, und wir werden von den spirituellen oder Geistströmen, die aus der Vereinigung mit Jesus hervorgehen, genährt und dadurch als gläubige Christen zu Adoptivkindern Gottes. Auch diese Vorstellung von den Adoptivkindern entspricht christlicher Dogmatik. Nach christlicher Dogmatik ist Christus filius natura, der Sohn Gottes von Natur, während wir als Christen zu Filii adoptionis, also zu Adoptivkindern Gottes werden. Ich bin allerdings der Meinung, daß die Vorstellung von Adoptivkindern den neutestamentlichen Aussagen über die eschatologische Vollendung des Menschen nicht voll entspricht. Im 1. Johannesbrief heißt es ausdrücklich, daß wir Christus gleich sein werden. (3,2).
In den „Prinzipien“ ist die Christologie die Basis für die Anthropologie, ihre Aussagen lassen sich weitgehend mit denen der christlichen Dogmatik in Einklang bringen. Ich finde also, daß der Rahmen, in dem sich christliche Theologie entfalten kann, in den „Prinzipien“ recht gut abgesteckt ist, aber erfüllen kann sich das, was in der Zeit der Kirche beginnt, eigentlich erst unter den Bedingungen des Reiches Gottes, unter den Bedingungen der Wiederkunft. Auf jeden Fall läßt sich für diesen erwarteten Äon sagen, auch unter den Bedingungen traditionell christlichen Denkens: Christus kommt nicht einfach so wieder, wie er als Jesus erschienen ist.
Die Wiederkunft ist nicht einfach eine Wiederholung der Erdenexistenz Jesu, sondern er kommt als Kosmokrator, der Herr des Kosmos, es kommt der Urmensch auf die Erde zurück, wie wir ihn unter mystisch symbolischen Bildern voraus dargestellt finden. Gleichzeitig aber kommt er in seinen Heiligen, d.h. er wird zugleich der Ingrund von uns werden bzw. wie die „Prinzipien“ es erklären, die Heiligen werden von uns Besitz ergreifen, sie werden einwohnen in uns. Diese Vorstellung, daß die geistigen Selbste anderer Menschen in uns einwohnen, in uns wirken und so ihr Leben fortsetzen, ist in der christlichen Mystik nicht bekannt. Die jüdische Mystik hingegen kennt diese Auffassung. Die Kabbala nimmt an, daß es zwei Formen gibt, in der sich unser Leben nach dem Tode fortsetzt. Die eine ist der Gilgul, die Seelenwanderung, die andere ist der Ibbur, die Seelenschwängerung, durch die ein Mensch nach seinem Tode in einen anderen eingeht, und durch und mit ihm seinen Lebensauftrag erfüllt. Nach den „Prinzipien“ wird sich bei der Wiederkunft ein Ibbur im großen Stil vollziehen, wodurch der Mensch über das bisher menschlich Mögliche weit hinauskommt und dadurch die Bedingungen für die Schaffung einer neuen Zeit empfängt.
Es wäre jetzt auf die Vorstellung von den gleichgerichteten Zeitaltern und die damit verbundene Zahlenspekulation bzw. Zahlenmystik einzugehen. Die Zahlenmystik ist eigentlich allen Religionen selbstverständlich, wenn sie auch aus modernen Interpretationen, besonders der christlichen Religion, herausgefallen ist. Es ist falsch, diese Spekulationen nur auf Pythagoras zurückzuführen. Es gibt sie seit uralten Zeiten schon im Hinduismus und im chinesischen Universismus. Pythagoras war vielmehr der erste, der ihnen einen wissenschaftlichen Ausdruck gab, indem er sie mit dem Monochord in einen Zusammenhang brachte. Zahlen sind offenbar nicht nur, wie wir meinen, ein Ausdruck von quantitativen Verhältnissen des Kosmos, sondern auch und zuerst von qualitativen. Zahlen sind Qualitäten. In der Symbolforschung gewinnt dieses Verständnis der Zahl eine immer größere Bedeutung. Wenn man Bilder christlicher Maler aus dem 14. oder 15. Jahrhundert nimmt, dann wird man staunen, welche außerordentliche Rolle die Zahl 3 spielt. Die Fenster sind immer in drei geteilt. Wenn wir drei Blumen finden oder drei Leuchter, stets ist damit das Geheimnis der 3, der Trinität, hingewiesen. Schon an dem Grad der Faszination, der vom symbolischen Gebrauch der Zahl ausgeht, läßt sich ein dahinterliegender geheimnisvoller Gehalt ahnen.
Es gibt sicher Grund zum Nachdenken, wenn nach den „Prinzipien“ die Geschichte des ersten Israels und die Geschichte des zweiten Israels, der Christenheit, in gleichen Zeitstufen ablief. 400 Jahre Knechtschaft in Ägypten und 400 Jahre Christenverfolgung unter den Römern, 400 Jahre Richter und 400 Jahre unter den Kirchenpatriarchen. 120 Jahre Saul-David-Solomon und 120 Jahre vereinigtes christliches Weltreich unter den Karolingern. (Übrigens wurde Karl der Große von seinen Freunden David genannt, seine Lieblingslektüre, aus der er sich täglich vorlesen ließ, war der „Gottesstaat“ von Augustinus), 400 Jahre geteiltes Reich (Israel und Juda) und 400 Jahre geteiltes Frankenreich (Frankreich und Deutschland). 210 Jahre babylonisches Exil und Rückkehr und 210 Jahre Exil und Wiedereinsetzung des Papsttums und Reformation. 400 Jahre warten auf den Messias und 400 Jahre warten auf die Wiederkunft Christi. (Das gilt z.B. für Luther, der die Tradition der radikalen Franziskaner übernahm. Er erwartete das bevorstehende Weltenende, er wurde von seinen Freunden „unser Elias“ genannt, da Elias ja vor der Wiederkunft erscheinen soll.)
Auffällig ist auch die Parallelität von Altem und Neuem Testament in der Einteilung der Bücher in Geschichtsbücher, Lehrbücher und prophetische Bücher. Auffällig sind für den Geschichtsablauf auch gewisse Parallelen zum historischen Materialismus. Die Entwicklung von der Sippengesellschaft zur Stammesgesellschaft, zur Bildung von Nationen zur Entstehung des Imperialismus bis hin zur Demokratie, wie sie in den „Göttlichen Prinzipien“ vorgetragen wird, hat manche Entsprechung zur marxistischen Geschichtstheorie. Bedenkenswert ist auch die Auffassung, daß erst das Äußere, dann das Innere zur Verwirklichung kommt. Das hieße ja, daß es erst noch zu einer wahren, weil auch inneren Verwirklichung von Sozialität und Demokratie kommen wird, wofür die neuere Geschichte erst die äußeren Voraussetzungen gebracht hat. Die Bemerkungen über die Disharmonie zwischen Religion und Wissenschaft, Religion und Ökonomie sind nachdenkenswert. Die „Prinzipien“ bewegen sich insofern auf eine Synthese hin, daß Religion heute nicht mehr abgespalten von der Wissenschaft existieren könne und daß mit der Religion auch eine ökonomische Theorie einhergehen müsse. Es sind zumindest Ansätze in den „Prinzipien“, die im Sinne einer richtigen Produktion und einer richtigen Soziologie zu verstehen sind.
Auch das Christentum durchläuft eine Soziologie und Gesellschaftsstufung, die dem oben Beschriebenen entspricht. In der Urgemeinde bestand zunächst eine christliche Sippengesellschaft, die sich zur christlichen Stammesgesellschaft, christliche Lehnsgesellschaft, christlichen Monarchie, schließlich zum christlichen Imperialismus wandelte. Dem Imperialismus wird insofern eine gewisse Positivität zuerkannt, als er die Kolonien unter den christlichen Kulturbereich gebracht hat bzw. in den Bereich der Attraktion durch die christliche Kultur. Mit der Demokratie habe sich notwendig die Wende zum Sozialismus ergeben. Dieser Sozialismus habe seine Vorstufe oder Pseudoform im Kommunismus und werde zu einem christlichen Sozialismus weiterentwickelt werden.
Hinweise möchte ich noch auf die interessante Bemerkung geben, wonach es in der christliche Zeit zu einem Ineinander und einem Gegeneinander von Hebräertum und Hellenismus kommt. Es gibt einen Hellenismus, der in einer freundschaftlichen, ja brüderlichen Symbiose mit der christliche Religion lebt, und einen solchen, der sich antichristlich, ja atheistisch verhält. Dabei wird die französische Revolution als ein Kain-Typ der Entwicklung verstanden, während die englisch-amerikanische Revolution, die ja von christlichen Impulsen ausging, als ein Abel-Typ der Entwicklung verstanden wird. Gleichzeitig wird der Descartessche Spaltungsansatz und ein Teil der westlichen Philosophie dem Kain-Typ zugerechnet, während die deutschen Philosophen Kant, Fichte, Schelling und Hegel eine sehr positive Würdigung erfahren.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung der neuen Zeit wird Hitler als Typ Jesu auf satanischer Seite gekennzeichnet. Das wird im Sinne der Wiedergutmachung interpretiert. Der Satan hat den Jesus Gottes getroffen, und in Hitler wird durch die Katastrophe, die er erleidet, der Jesus des Satans getroffen. Stalin dagegen symbolisiert den Herrn der Wiederkunft nach der satanischen Seite. Diese Aussagen sind für das Erleben der Eschatologie von großer Bedeutung. Eschatologische Dinge sind eigentlich erst im Zusammenhang mit einer Naherwartung aktuell. Das heißt dann: da Stalin dagewesen ist muß jetzt nach dem Herrn der Wiederkunft auf der satanischen Seite der Herr der Wiederkunft auf der göttlichen Seite erscheinen.
Das Prinzip der Wiederkunft habe sich insbesondere in Korea konstelliert. Hier wird sich die Erwartung eines dritten Israels erfüllen. Durch Korea hindurch geht mit dem 38. Breitengrad die Trennlinie zwischen Kommunismus und dem westlichen demokratischen Bereich. Auch in der koreanischen Geschichte wird das Auftreten eines Heilbringers erwartet. Korea gehört zudem zu den drei Bereichen, die unter dem Einfluß des chinesischen Universismus standen. China wird heute durch den Kommunismus dominiert. Die japanische Geschichte wurde durch die Schrecken ihres Imperialismus gekennzeichnet. Demgegenüber stellt Korea den Abel-Typ als der leidende Teil innerhalb dieses Bereiches dar. Damit ist es nach den „Prinzipien“ für die Wiederkunft als drittes Israel vorausbestimmt.
Das heißt also: Die Wiederkunft Christi in dem Herrn der Wiederkunft hat sich in unserer Zeit aktual konstelliert. Das Bewußtsein ist aus der Tiefe heraus von einem neuen Impuls erfaßt. Dieser Impuls besagt, daß wir vor dem Durchbruch einer neuen Menschheitsstufe stehen. Es ist zu beachten, daß im Blick auf den erwarteten Herrn der Wiederkunft in den „Prinzipien“ immer der Name Christus genannt wird. Es wird nicht etwa im Zusammenhang mit dieser Erwartung der Name von Rev, Moon genannt. Es kann eine spezielle Erwartung der Angehörigen der Vereinigungskirche sein, daß in Rev. Moon der Herr der Wiederkunft bereits auf der Erde ist. Auf Grund der allgemeinen Konstellation des Herrn der Wiederkunft könnte prinzipiell jeder von uns der Herr der Wiederkunft sein. Rev. Moon hat dies einmal, wie mir erzählt worden ist, so ausgedrückt. Als man ihn fragte: „Bist Du der Herr der Wiederkunft?“, soll es zurückgefragt haben, indem er auf einige um ihn Stehende zeigte: „Bist Du der Herr der Wiederkunft? Bist Du der Herr der Wiederkunft?“ das heißt, er kommt praktisch in vielen Gestalten, doch wird es einer sein, in dem sich gültig vollzieht, was in jedem von uns schon vom Unbewußten her konstelliert ist. Es drückt sich darin aus, daß wir nach einem erweiterten Menschenbild streben, das in die Richtung geht, die ich angedeutet habe, daß also in jedem von uns aus der Tiefe des Unbewußten ein Stück Wiederkunft konstelliert ist, beispielsweise aber auch in den Kirchen, die heute die apokalyptischen Dinge wieder betonen. Es wird auch dort nach einer Verwirklichung nicht nur im Spirituellen gesucht, sondern nach einer Verwirklichung „wie im Himmel also auch auf Erden“. Wir könnten uns in solchem Streben nach Verwirklichung mit der Vereinigungskirche in einem brüderlichen und dialogischen Prozeß befinden, indem wir uns wechselseitig anregen und unsere Erwartungskräfte verstärken.
Kurzbiographie Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Paul Schwarzenau war bis zu seiner Emeritierung 1985 Professor für evangelische Theologie und Religionswissenschaft an der Universität Dortmund. Sein Gedichtband „Schichtungen. Gesänge vom Christus“ erschien 1973. Lyrikbeiträge wurden in bekannten Lyrik-Anthologien wie „Das unzerreißbare Netz“ (1968), „Gott im Gedicht“ (1972), „Nichts und doch alles haben“ (1977), „Psalmen vom Expressionismus bis zur Gegenwart“ (1978), sowie „Lyrik heute“ (1984) veröffentlicht. Seine wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen sind „Der Wandel im theologischen Ansatz bei Melanchthon von 1525 bis 1535“ (1956), „Vom Totempfahl zum Kruzifix. Vergessene Voraussetzungen unseres Weltverständnisses“ (1976), „Der größere Gott. Christentum und Weltreligionen“ (1977), „Korankunde für Christen. Ein Zugang zum heiligen Buch der Moslems“ (1982), „Das göttliche Kind. Der Mythos vom Neubeginn“ (1984). In zahlreichen Aufsätzen, insbesondere in der „Zeitschrift für Religionspädagogik. ZRP“ und in „Religion heute“, hat…
Anmerkungen
zum grundlegenden Buch der Vereinigungskirche
von
Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Im folgenden schreibe ich über die „Göttlichen Prinzipien“, das grundlegende Buch der Vereinigungstheologie. Ich schreibe nicht über die Vereinigungskirche selbst und ihre Lebensformen, da ich mir darüber kein zureichendes Bild machen kann. Auf Äußerungen dazu aus zweiter Hand gehe ich weder so oder so ein. Mich leitet weder nach der einen noch der anderen Richtung ein apologetisches oder gar polemisches Interesse.
Was mich vielmehr interessiert, sind einige Zusammenhänge, die in den „Prinzipien“ zum Ausdruck kommen, von denen ich meine, daß die christlichen Kirchen an ihnen nicht einfach vorbeisehen dürften. Ich spreche als evangelischer Theologe, bin aber ungeachtet oder gerade wegen dieses Standortes der Meinung, daß das Christentum an einem Punkt angekommen ist, wo es sich weiterentwickeln muß, weiterentwickeln im Blick auf die großen Weltreligionen und die großen außereuropäischen Kulturkreise. Das Christentum muß den Mut aufbringen, sich aus der Einschränkung auf den westlichen Kulturkreis zu lösen.
Außerdem enthält die Vereinigungstheologie der „Prinzipien“ eine Reihe von Motiven, die mich insofern betroffen machten, als sie sich mit Fragen berühren, die einer der bedeutendsten modernen Forscher, der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung, an das heutige Christentum stellt. Ich denke dabei insbesondere an seine beiden Werke „Antwort auf Hiob“ und „Aion“. Aion heißt hier ja, was geschieht eigentlich in unserem Zeitkreis, im christlichen Äon. Jung sieht darin sich Veränderungen vorbereiten, die er im Sinne einer Komplementarität oder sogar Kompensation des bisher als christlich Verstandenen deutet.
Das Christentum, so wie wir es traditionell angeeignet haben, auch das protestantische, ist aus dem Hellenismus heraus geprägt. Aus der geistigen Arbeit von Platon und Aristoteles stammen die Formkräfte, die dem griechisch-orthodoxen, dem lateinischen und dem protestantischen Christentum die Abrundung gaben. Das wird, insbesondere im Protestantismus, leicht übersehen, von dem man annimmt, er sei unmittelbar aus der Bibel abgeleitet. Andererseits hat das Christentum durch die schon frühe Ausstoßung der Geistesbewegung der Gnosis die Tür zu fernöstlichen Religionen zugeschlagen, insbesondere zu Hinduismus und Buddhismus.
Außer zu Hinduismus und Buddhismus ist für uns heute die Begegnung mit jener anderen fernöstlichen Religiosität, nämlich mit dem chinesischen Universismus, von unschätzbarer Bedeutung. Hier sind die beiden großen Religionsstifter Konfuzius und Laotse zu nennen. Zu Grunde aber liegt beiden das Buch I Ging mit seinem synchronistischen Weltverständnis. Auf dieses Weltverständnis hat C.G.Jung in Zusammenarbeit mit dem Physiker Wolfgang Pauli in seinem Spätwerk nachdrücklich hingewiesen. Wir sind in unserem westlichen wissenschaftlichen Denken, das weithin auch unser Alltagsdenken bestimmt, gewohnt, die Weltzusammenhänge ausschließlich unter der Kategorie der Kausalität zu begreifen. Demgegenüber machen Jung und Pauli das Prinzip der Synchronizität, der sinngerichteten inneren und äußeren Paralellhandlungen, als eine weitere und tiefere Erklärungskategorie geltend.
Durchgängige Synchronizität aber ist das Kennzeichen des Weisheitsbuches I Ging. Die jeweils konstellierten Hexagramme dieses Buches zeigen Synchronizitäten im Kosmos, im Staat, in der Ehe, in der Familie, in geschwisterlichen Verhältnissen und im Einzelwesen auf. Dabei spielt die Familie in diesem dann von Konfuzius geprägten Weltbild eine zentrale Rolle. Alle diese Elemente findet man in den „Göttlichen Prinzipien“ wieder. Man hat es hier mit einer Begegnung von chinesisch koreanischem Denken und dem hellenistisch jüdischen Denken, speziell mit dem heilsgeschichtlichen Bild der Bibel und der kosmischen Bahn des Synchronizitäten schaffenden Tao zu tun. Ich halte einen solchen Versuch der Synthese von biblischer Überlieferung und fernöstlichem Denken nicht von vornherein für unberechtigt. Sie muß gemacht werden, zumal der Hinweis auf C.G.Jung zeigt, daß sich auch unser physikalisches Weltbild in Richtung auf das der fernöstlichen Konzeption entsprechende Synchronozitätsdenken erweitern wird. Andernfalls würden wir mit einem westlich christlichen Weltbild hinter der weiteren Entwicklung zurückbleiben. So gesehen, stellen die „Prinzipien“ einen wichtigen Diskussionsbeitrag dar.
Ich komme auf ein weiteres Fragmal zu sprechen, das in den „Prinzipien“ angesprochen wird. Es sind das Probleme, die mit dem christlichen Gottesbegriff gegeben sind. Aus der Jungschen Tiefenpsychologie ergibt sich eine gewisse Defizienz im christlichen Gottesbild nach der Seite des Weiblichen und nach der Seite des Dunklen. Nach Jung ist Gott ein Complexio oppositorum, eine Verflechtung und Verwobenheit der Gegensätze. In Gott sind als Polaritäten oder auch Gegensätze das Lichte und das Dunkle, das Gute und das Böse, das Männliche und das Weibliche enthalten. Solche Vorstellungen sind dem platonisch oder aristotelisch definierten christlichen Gottesbild, wie auch im allgemeinen dem Neuen Testament (im Unterschied zum Alten Testament) fremd. Ausnahmen dazu finden sich bei Nikolaus von Cues, bei Luther und Jakob Böhme. Um das komplexe Gottesbild zu beschreiben, könnte man sich in chinesischen Gedankengängen wie folgt ausdrücken: In Gott sind Yang, das männliche Prinzip, und Yin, das weibliche Prinzip, vereinigt, und: aus Gott gehen Yang und Yin hervor und beschreiben den Weg Gottes mit und in der Welt.
Eine weitere Defizienz liegt nach C.G.Jung in der nur geistigen und lichten Weise, wie Jesus Christus beschrieben und lehrmäßig definiert wird. Dadurch wird das Himmelreich vom Erdenreich getrennt. Man könnte es auch so ausdrücken: Jesus trat auf mit der Verkündigung des Reiches Gottes, das natürlich auf Erden durchbrechen sollte, sein Leben endete aber am Kreuz, und es entstand statt des Reiches die Kirche und die Spaltung in Kirche und Welt. In der Reformation ist dieser Gegensatz nicht gelöst, sondern eher noch verstärkt worden durch die zwei-Reiche-Lehre Luthers. Versuche, diese Spaltung zu überwinden, hat es in der Christenheit nur wenige gegeben, einer der bekanntesten bildet der Pietismus des Grafen Zinzendorf, dessen Herrnhuter Brüdergemeine eine politisch-religiöse Einheit bildete. In ihr begann das Himmelreich gleichsam schon auf Erden. Dieser besonderen Stellung entsprach die Vorstellung von einem Sonderbund Christi mit der Herrnhuter Brüdergemeine.
Die „Göttlichen Prinzipien“ gehen auf diese Fragen ein. In ihnen wird von Gottes Polarität gesprochen. Gott ist männlich und weiblich. Gott hat eine Innenseite und eine nach außen gehende Seite. Gott ist Vater und Mutter. Das Problem des Muttertums Gottes wird heute sehr stark vom Feminismus angefragt, hin bis zur Möglichkeit, darin die tiefere, ursprünglichere Seite der Gottheit zu erkennen. Zu dieser Polarität kommt noch eine weitere Vorstellung hinzu: Gott ist in sich dialogisch, d.h. er schafft sich je ein Gegenüber und tritt zu diesem in eine Beziehung ein. So geht aus Gott das Universum hervor, zugleich aber tritt Gott zu diesem in eine Beziehung ein und konzentriert dieselbe dialogisch auf den Menschen hin. Dabei wird aber der Mensch nicht vom Universum isoliert, sondern durch den Dialog Gottes mit dem Menschen wird das Universum vollendet und erfährt seinen Mittelpunkt. Es besteht also ein Umschluß von Gott, Welt und Mensch, in dem sich diese Dreiheit selbst vollendet. Das heißt: Gott ist nicht der von Ewigkeit schon fertige Gott, sondern er ist angelegt auf eine Verwirklichung, zu der er des Menschen bedarf. Mensch und Universum stellen Möglichkeiten dar, die in Gott schon liegen und aus ihm hervortreten, daß Universum und Mensch nicht einfach Gemächte Gottes sind. Der Schöpfungsgedanke kann ja so mißverstanden werden, als seien Welt und Mensch nur ein Stück Tongefäß, das man formen und nach Belieben wieder zerscherben kann. Welt und Mensch sind ein Gottbildliches, eine Entsprechung und Beziehung, im Menschen ein Du, das Gott gegenübersteht. Der Mensch faßt das Universum zusammen und bildet das Du der umfassenden Beziehung zu Gott. Dieses dialogische Element, das in der neuen Philosophie und Theologie Martin Buber klassisch ausgeformt hat, findet man in großem Umfang, wohl ohne direkten Einfluß Bubers, in den „Prinzipien“ wieder.
Ein anderer Gedanke, der aus der jüdischen Mystik stammt und im Werk Bubers einen Ausdruck gefunden hat, findet sich ebenfalls in den „Prinzipien“: Gott hat Schicksal. Gottes Schicksal ist gebunden an die Entscheidung des Menschen. Er ist daran gebunden, wie der Mensch auf seinen Anruf antwortet und Gottes Schöpfung vollendet. Im vollendeten Universum durch den vollendeten Menschen ist auch Gott erst ganz vollendet und verwirklicht. Das ist ein Gottesbild, wie es der Würde des Menschen erst voll entspricht und dem modernen Menschen, der auf Partnerschaft und Demokratie angelegt ist, angemessen ist. Auch außerhalb der Vereinigungskirche entwickelt sich in den Theologien anderer Kirchen zunehmend ein solches auf Partnerschaftlichkeit zwischen Gott und Mensch angelegtes Gottesbild.
Dazu kommt ein weiterer bedeutsamer Gedanke. Das Zentrum Gottes ist in der christlichen Theologie, wenn ich es richtig interpretiere, das Ich Gottes. Die Trinität wird geradezu als Selbstentfaltung des Ich, als Selbstbewußtsein Gottes vorgestellt, so schon bei Augustinus und ausdrücklich in der protestantischen Theologie bei Melanchthon. Ein Ich ist als Selbstbewußtsein ja ein solches, das sich sich selbst gegenübersetzen und dadurch zugleich erst ergreifen, reflektieren kann. Gott bringt aus sich ein Bild von sich hervor und kommuniziert mit ihm. In den „Göttlichen Prinzipien“ ist nun nicht das Ich, sondern das Herz das eigentliche Zentrum Gottes. Das liegt gewissermaßen tiefer in Gott. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, d.h. sein tiefstes Zentrum ist nicht sein Ich, sondern etwas, was tiefer in ihm liegt, sein geistiges Selbst, wie die „Prinzipien“ dieses Zentrum nennen.
Auch hier möchte ich wieder an C.G.Jung anknüpfen. Jung ist der Meinung, daß das eigentliche Zentrum des Menschen nicht das Ich ist – dieses ist nur das Zentrum des bewußten Teiles des Menschen – sondern daß dahinter noch ein tieferes Zentrum, das Selbst, angelegt ist, das im Laufe eines geistigen und seelischen Bilde- und Entwicklungsprozesses gestaltet und an das Ichbewußtsein herangeführt werden muß. Dieses Selbst finden wir etwa in der indischen Religion unter der Bezeichnung „Atman“ wieder, in der neuplatonischen und christlichen Mystik als das „Fünklein“, bei Meister Eckart auch unter der Bezeichnung „ die Burg“, „das Castellum“. Das Selbst ist der „Ort“, wo der Mensch mit der Natur Gottes eins ist, das Göttliche im Menschen. Nach den „Prinzipien“ ist dieses geistige Selbst etwas, was nach dem Tode des Menschen in die geistig göttliche Welt zurückgeht. Gott und Mensch haben also ein letztes, tiefstes Zentrum, das Herz, das auch mit Gemütsbewegungen, Affekten einhergeht. Der Begriff der Freude spielt in diesem Zusammenhang, gerade auch auf der Seite Gottes, eine große Rolle.
Der Begriff des Selbst ist nach C. G. Jung nicht einfach ein abstraktes Menschentum, sondern ein androgynes, ein mann-weibliches oder weib-männliches Menschentum. Der Mensch ist in sich mann-weiblich. Die Frau enthält in sich männliche Seelenanteile, den Animus, der Mann umgekehrt in sich weibliche Seelenanteile, die Anima. Zu Selbstfindung und Selbstverwirklichung ist es notwendig, daß der Mensch die Hochzeit mit sich selbst eingeht. Das heißt, daß der Mann sich mit dem weiblichen Anteil verheiratet und umgekehrt die Frau mit ihrem männlichen Anteil. Dabei soll der zunächst verborgene und unterentwickelte gegengeschlechtliche Anteil so entfaltet werden daß er dem anderen gleichwertig wird. Ein reifes Menschentum entsteht eigentlich nur dann, wenn der Mensch fähig wird, die heilige Hochzeit mit sich selbst zu vollziehen. Der Mensch ist seinem Wesen nach in der Ehe, auch wenn er noch nicht mit einem anderen Menschen als Partner verheiratet ist. Er hat von seinem Wesen her eine dialogische Beziehung in sich selbst und ist dadurch zugleich auf eine dialogische Beziehung zu einem gegengeschlechtlichen Partner angelegt. Er ist von seinem Wesen her angelegt auf den gegengeschlechtlichen Partner und befindet sich zugleich in einer dialogischen Beziehung zu Gott, wodurch die Positionen bezeichnet sind, von denen die „Prinzipien“ sprechen. Zu den genannten Positionen kommt als vierte die des Kindes. Das, was aus uns entstehen und entwickelt werden soll, das Selbst, ist nicht nur der Urkern unseres Wesens, sondern ist zugleich die Urform des Kindes, das, was aus der Tiefe des Wesens hervor- und ans Licht gebracht werden soll, wenn Männliches und Weibliches sich in uns vermählen. Als Symbol dafür spielt das „göttliche Kind“ in den Religionen eine große Rolle. Die „vier Positionen“ der „Prinzipien“ bilden also nicht etwas Konstruiertes, sondern bringen die Vollständigkeit des Menschen zum Ausdruck.
Wir deuteten schon an, nicht nur der Mensch, sondern auch Gott ist auf Freude angelegt. Hier taucht mit schlichterem Namen der philosophische und theologische Begriff der Eudaimonia, der Glückseligkeit, wieder auf. Diese Freude oder Glückseligkeit hat Gott nicht automatisch in sich, sondern er ist von Trauer erfüllt, wenn seine Schöpfung unvollendet bleibt. Darin erfüllen sich die Wesenskräfte des Herzens, daß er zur Eudaimonia hinstrebt und diese allen mitzuteilen sucht. Es geht also um eine Erfüllung, eine Verwirklichung seines Selbst, dessen, was in Gott angelegt ist.
Nun muß man weiter sehen, daß der Mensch als eine noch nicht abgeschlossene Wirklichkeit verstanden wird. Mit der Geschichte des Kosmos und der Menschheit ist ein Wachsen des Menschen verbunden. Es gibt da eine sehr schöne Stelle aus dem Kolosser-Brief, die fast in allen Übersetzungen falsch wiedergegeben wird. Es wird dann so übersetzt, als seien die Glaubenden die Pflanzung Gottes. Wir sind aber als Glaubende nach dieser Stelle (Kol. 2,19) das „Wachsen Gottes“ selbst. Gott, die Anlage in uns wächst, und mit ihr wächst Gott. Nach den „Prinzipien“ vollzieht sich dieses Wachsen über drei Stufen: die Gestaltungsstufe, das ist die Urgabe, die dem Menschen mitgegeben ist, die Wachstumsstufe und die Vollendungsstufe, auf die das Ganze zustrebt. In diesem Zusammenhang heißt es, daß er über das Universum und die Engel herrschen soll. Diese Vorstellungen sind im traditionellen Christentum fast ganz verloren gegangen. Irgendwo findet man sie noch mal in dogmatischen Schriften. In der protestantischen Theologie hat man den Gedanken vergessen oder bestreitet ihn, daß Gott Mensch ward, damit der Mensch durchgottet werde und daß darin die Menschengestalt zur Vollendung kommt.
Es ist auch vergessen, daß der Mensch dazu bestimmt ist, ein Übermensch zu werden, verglichen mit dem, was er jetzt ist. Die universalen Kräfte sind ja im Menschen als dem Mikrokosmos konzentriert. Der Kosmos verliert seine Mitte ohne diesen Mikrokosmos. Indem die Kräfte im Menschen weiterwachsen und sich der Vollendung zubewegen, wirkt der Mensch in den Kosmos hinein und damit auch in die Bildekräfte hinein, die den Kosmos durchformen, d.h. er wirkt in die Engelwelt hinein, aus der die kosmischen Bildekräfte hervorgehen. Die Engel sind Diener Gottes, aber der Mensch ist ein synergos, ein mitwirkender oder Mitarbeiter Gottes. Über das Wie ist in den „Prinzipien“ nicht allzuviel gesagt. Man könnte in diesem Zusammenhang an die Wunderkraft Jesu denken, die dem Menschen in der Vollendung zur Verfügung stehen wird. Ich denke dabei an die Fähigkeiten der Levitation, der Bilikation, der Materialisation und der Entmaterialisation, Fähigkeiten, wie sie im Wandeln auf dem See, in der wunderbaren Speisung oder im Gehen durch verschlossene Türen bei Jesus zum Ausdruck Kommen. So wie wir jetzt mit unseren Gedanken an jeder Stelle der Welt sein können, so könnte der Mensch einmal eine Stufe erreichen, wo er sich in verwandelter Körperlichkeit mit dem Blitz des Gedankens an jede Stelle des Kosmos schwingen kann. Das, weil der Mensch ein Wesen ist, das über die Engel hinaus sich entfalten soll. Ich möchte es bei diesen Andeutungen belassen.
Ich habe den Punkt schon angedeutet, daß der Mensch sich wesensmäßig schon in der Ehe befindet, will aber noch weiter ausführen. Unter dieser Voraussetzung war auch Jesus, ob er nun mit einer irdischen Frau verheiratet war oder nicht, in der Ehe. Die Ehe ist kein bloßer Vertrag, auch kein bloßer Ausdruck der Polaritäten, wie das bei den Tieren der Fall ist, sie ist auch keine bloße Schöpfungsordnung, wie Luther meinte, sondern das tiefste Mysterium oder Sakramentum, das offen ist zum göttlichen Du. „Die verlängerten Beziehungen von Ich und Du schneiden sich im unendlichen Du, im Du Gottes“ (Martin Buber). Wo also zwei Menschen sich voreinander erschlossen finden, was ein ganzheitliches schöpferisches Geschehen ist und in diesem Sinne ein Schöpfungsakt Gottes, da ist Ehe. In diesem Augenblick ist der Dritte, der Gott, der Hintergrund dieser Beziehung, ja der Gott ist damit realisiert. In diesem Sinne ist die Ehe das Ursakrament schlechthin. Es ist die Vereinigung von Himmel und Erde, denn in Mann und Frau sind zugleich Himmel und Erde abgebildet. Das Wort „Ehe“ bedeutet in der sprachlichen Tiefe; Bündnis, Bund zwischen Himmel und Erde. Die Ehe ist zugleich hingeordnet auf das Vierte, das Kind, die Familie. Damit sind die vier Positionen der „Prinzipien“ zum Ausdruck gebracht. Das gilt auch dann, wenn die Ehe kinderlos bleibt, denn das „Urkind“ ist, wie wir an anderer Stelle ausgeführt haben, das Selbst.
Wir kommen nun auf einen der vielleicht schwierigsten Abschnitte innerhalb der „Göttlichen Prinzipien“ zu sprechen: den Sündenfall. Die moderne Theologie weist darauf hin, daß der Mensch sich immer schon in einer Gebrochenheit zwischen seiner Wesensnatur oder Essenz und seiner tatsächlichen Vorfindlichkeit oder Existenz befindet. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Essenz und Existenz, das der Mensch wohl fühlt und den Grund für sein tieferes Leiden bildet, weist ihn auf eine Gegebenheit hin, die die „Prinzipien“ das ursprüngliche Gemüt nennen. Da dieses ursprüngliche Gemüt in diesem Dasein nur gebrochen und verdeckt vorkommt, weist es auf eine frühere Existenz zurück, die diese Spannung nicht kannte, die paradiesische Existenz. Der eigentliche Sündenfall hat sich in der geistigen Welt, in der archetypischen oder urbildlichen Welt abgespielt, im Paradies. Das heißt, es ist etwas von diesem Sündenfall dann noch wiederzufinden in der archetypischen Welt in uns, die nach C.G.Jung das sogenannte Unbewußte ausmacht. Denn in diesem Unbewußten finden wir die Kräfte der Urwelt wieder als Bilder, besser: Urbilder, die unter den Gestalten von Anima und Animus das Urmenschenpaar in jedem von uns enthalten, und zwar auf einer unreifen Stufe. Nach den „Prinzipien“ ist nun der Sündenfall dadurch zustandegekommen, daß der Erzengel Luzifer, der ein Diener des Menschen sein sollte, ihm in der Wachstumsstufe noch überlegen war. Er spürte, daß der Mensch und nicht er von Gott als Mittelpunkt der Welt gemeint war. Darüber empfand er Neid. Er wollte sich daher des Menschen bedienen und diesem zugleich Schaden zufügen. Er habe aus diesem Grunde eine sexuelle Beziehung zu Eva angeknüpft, und Eva sei auf diese sexuelle Beziehung eingegangen, weil sie von Luzifer, dem Erzengel, fasziniert wurde.
Um diesen Zusammenhang zu klären, müßte man wohl fragen: Wie begegnet eigentlich eine Frau in der Wachstumsstufe dem Mann? Oder: Wie begegnet eigentlich ein Mann in der Wachstumsstufe, also im unreifen Zustand, der Frau? Es ist so, daß sich da bis auf den heutigen Tag ein Geisterspiel vollzieht. Im Zustand der Verliebtheit begegnet die Frau gar nicht dem anderen, dem Du, dem wirklichen Menschen, sondern sie begegnet dem projizierten Mannesbild, dem Animus, den sie auf den betreffenden Mann projiziert hat und mit ihm verwechselt. Sie begegnet also ihrem Animus, der schillernden luziferischen Gestalt von ungeheurer Schönheit und Faszination, der zu völliger Hingabe hinreißt. Entsprechendes gilt dann für den Mann mit Blick auf die Frau im unreifen Zustand der Verliebtheit. Der Ehebruch mit dem Animus und der Anima ist etwas, was der geistigen Welt angehört. Es ist etwas, was nicht nur der subjektiven Innenwelt des Menschen angehört, sondern es handelt sich bei diesen Archetypen um eine transpersonale und transsubjektive Wirklichkeit. Es ist etwas, was dem einzelnen Menschen im kollektiven Sinne, also der gesamten Menschheit, überschreitet. Es sind Bildekräfte. Engel sind Bildekräfte, die den einzelnen Menschen überschreiten. Wir müssen also annehmen, daß im Paradies, das sich jetzt in der Tiefe der Menschheit befindet, eine unreife Beziehung von ungeheurer Faszination abgespielt hat, die den Menschen den luziferischen Animus-Anima-Kräften anheimgab. Auf diese Andeutungen möchte ich mich in diesem Zusammenhang beschränken.
Ich möchte noch einen Hinweis geben auf die sehr schöne Auffassung, die im vollkommenen Adam den Baum des Lebens erkennt. In der jüdischen Mystik ist Gott der Adam Kadmon, der Urmensch und androgyne Mensch. Dieser Adam Kadmon wird gleichzeitig als Baum vorgestellt. Es ist der Sephirotbaum. Die Sephirot bilden Emanationen göttlicher Kräfte und stellen in ihrer Gesamtheit eine göttliche Geist- und Seinsstufe dar. Diese bildet zugleich die Tiefe der Schöpfung und des Menschen vor. Makrokosmos und Mikrokosmos korrespondieren miteinander. Gott ist als Sephirotbaum, wie erwähnt, ein Androgyn, es gibt in ihm eine männliche und eine weibliche Hälfte, gleichzeitig ist Gott verheiratet mit Malchut, der weiblichen Repräsentantin des Reichs. Ich kann aus diesen Amplifikationen, denen sich noch weitere aus dem Bereich der Religionswissenschaft hinzufügen ließen, die Vorstellung der „Prinzipien“, die im vollkommenen Adam den Baum des Lebens sieht, nicht für eine bloße Konstruktion halten. Ähnliches gilt für die vollkommene Eva, die als der Baum der Erkenntnis bezeichnet wird. Die vollendete Anima ist die Trägerin der Gnosis, der vollkommenen Erkenntnis, und der vollkommenen Liebe; denn nur aus der Liebe erkennen wir richtig. Die Schlange ist als ein Sinnbild für Engel sowohl im positiven wie im negativen Sinne bekannt. Das sind Anmerkungen, Beobachtungen zu den „Prinzipien“, die ich nicht als abschließende Erklärung betrachten möchte.
Ich komme nun auf die menschliche Geschichte zu sprechen. Diese wird in den „Prinzipien“ als Wiederherstellung Adams über das Wachstumsstadium hinaus verstanden. Der Gedanke der Wiederherstellung oder Restitution spielt in der christlichen Theologie eine bedeutende Rolle. So bezeichnet Philipp Melanchthon in seinen loci theologici die Heilsgeschichte als restitutio imaginis Dei in homine (Wiederherstellung des Gottesbildes im Menschen). Nun ist es interessant, daß in den „Prinzipien“ diese Geschichte als eine Geschichte des Scheiterns beschrieben wird. Das erinnert an Gedankengänge, wie sie sich bei Martin Buber finden, z.B. in seiner Schrift „Der Glaube der Propheten“. Dort heißt es, daß Gott immer wieder den Versuch mache, den Menschen zu der entscheidenden, Welt und Gott erlösenden Umkehr zu bewegen. Aber da der Mensch immer neu versagt, wird die Lösung immer wieder bis zur wendenden Antwort des Menschen hinausgeschoben. Es entsteht so eine Leidensgeschichte Gottes und des Menschen. Gott hängt auch hier, wie es scheint, mit dem Unbewußten zusammen, das mehr als das Bewußte weiß, wobei ich die Frage der Identität von Gott und Unbewußtem offen lasse. Im Unbewußten kehren alle ungelösten Probleme wieder. Der Mensch wird immer neu auf die Dinge hin befragt und konfrontiert, die er nicht gelöst hat.
Dieser Gedanke wird in den „Prinzipien“ so aufgenommen, daß es wohl eine absolute Prädestination des Zieles der Geschichte gibt, aber eine relative Prädestination der Personen und Gruppen. Das heißt, Gott versucht es beispielsweise mit Adam. Wenn er versagt, behält er sein Ziel bei. Er greift zur nächsten Personen- und Menschengruppe, wie zu Noah, zu Abraham, zu Mose, zu Jesus usw., um immer aufs neue das Ziel zu erreichen, das in einer bestimmten Geschichtssituation jeweils verspielt worden ist. Dahinter liegt auch eine gewisse Schwermut, auch die Schwermut, daß wir es selbst sein könnten, die Gott in die Trauer zurückwerfen, aber es liegt darin auch eine letzte unbesiegbare Hoffnung, daß Gott sein Ziel zuletzt doch erreichen wird. Unter diesem Aspekt kommt es zu einem spiralförmigen Aufstieg der menschlichen Geschichte und der Menschheit. Das erinnert an den Schlußteil von Bubers Buch „Ich und Du“. Der Mensch fällt aus der Gottesbeziehung heraus, in immer neuen Vorstößen Gottes knüpft sie sich wieder an.
Geschichtsphilosophisch und geschichtstheologisch drückt sich das in bestimmten Ergebnissen aus. Das geschichtliche Geschehen wird durch sie auf eine immer weitere Ebene gehoben, ein Vorgang, dessen Beschreibung sich in manchem mit den Vorstellungen des historischen Materialismus (Histomat) des Marxismus berührt. Die Geschichte wird von der Sippen- und Stammesebene auf die nationale Ebene als Wachstumsstufe gehoben. Heute fällt die Entscheidung auf der weltweiten Ebene der Vollendungsstufe. Man könnte, was den Lauf der Geschichte anlangt, auch von einer felix culpa sprechen, einer glücklichen Schuld; denn ohne Adams Fall steckten wir noch in der einfachen Familienbindung.
Die Geschichte hat sich nach den „Prinzipien“ auf einen letzten Dualismus, den von Kommunismus und Demokratie, zugespitzt. Die „Prinzipien“ haben damit die Erwartung eines dritten Weltkrieges verbunden, zugleich aber deutlich gemacht, daß dieser auch in Form einer ideologischen Auseinandersetzung verlaufen könne. Für letzteres sprechen die weltpolitischen Ereignisse heute. Zuerst kommen in der Geschichte die Lösungen ohne Gott, dann erst die Lösungen mit Gott. Eine solche Vorstellung wird beispielsweise auch in den judenchristlichen Pseudo-Klementinen vorgetragen.
Die Geschichte wird als eine Parallelität und Rivalität von Gruppierungen und Richtungen gesehen, in denen sich der Bruderstreit von Kain und Abel wiederholt. Dieser Gedanke ist in der christlichen Geschichtstheologie bereits bei Augustinus in seinem Werk „Der Gottesstaat“ dargelegt worden. Nach den „Prinzipien“ symbolisiert Kain das erste Liebesverhältnis Evas mit Luzifer, (ist aber nicht das Resultat dieser Liebesbeziehung, da eine Vermehrung durch die Beziehung von Geistwesen zu Menschen nicht stattfinden kann.) während Abel der Verbindung Evas mit Adam entstand. In dem Bruderpaar Kain und Abel drückt sich tiefenpsychologisch das Verhältnis des Menschen zu seinem Schatten aus. Es kommt aber darauf an, daß der Mensch seinen Schatten integriert. Zur Selbstfindung gehört die Schattenintegration. Also Kain muß Abel integrieren, und Abel muß Kain integrieren. Die Ideologie Kains sollte sich Abel unterwerfen, dann entstehen bedeutende Dinge. Die jüdische Mystik hat im Chassidismus, zum Teil aber auch schon in der Kabbala, diese Gedanken gedacht. Man hat den Baalschemtow, den Begründer des Chassidismus, gefragt: „Was wird Gott am Ende der Tage tun?“ er hat darauf geantwortet: „Gott wird Kain und Abel versöhnen. Er wird David und Goliath versöhnen. Er wird Messias und Antichrist versöhnen.“ natürlich in dem Sinne, daß Kain als die Kraft, als das Äußere, dem Inneren unterworfen wird und so zu seiner Erfüllung kommt. Es geht in den „Prinzipien“ um einen synthetischen Schluß, nicht um Ausrottung, sondern um Aufhebung der kainitischen Seite im Hegelschen Sinne. Was kräftig ist, was berechtigt ist im Kommunismus, wird integriert in einem Sozialismus unter, mit und in Gott.
Es würde zu weit führen, die einzelnen Stufen der Menschheitsgeschichte, wie die „Prinzipien“ sie sehen, im ganzen zu entwickeln. Ich muß mich mit einigen Hinweisen begnügen. Im Zusammenhang mit Noah wird der sehr schöne Gedanke ausgesprochen, daß die Arche ein Opfer ist. Dieser Gedanke liegt uns zunächst fern. Wenn wir aber religionsgeschichtlich an das Problem herangehen, werden wir finden, daß im Opfer der Kosmos nachgebildet wird. Ja noch mehr: das Opfer ist die Gestaltung der Welt. Am Opfer erfährt der am Opfer teilnehmende Mensch überhaupt erst, daß er in einem Kosmos lebt. Dieser wird im Opfer dem Gott als etwas dargebracht, was im Gott erst in seine volle Wirklichkeit eintritt. Die Dreiteilung der Arche weist auf die Dreiwelt, in der wir leben: himmlische Welt irdische Welt und Unterwelt oder Totenwelt. Andere religionsgeschichtliche Deutungen unterscheiden: himmlische Welt, Luftraum und irdische Welt. Die „Prinzipien“ deuten schließlich den Raben auf Teufel und die drei Tauben auf Adam, Jesus und den Herrn der Wiederkunft. Eine solche allegorische Deutung war als exegetische Methode bei den Kirchenvätern zum Teil noch bei Luther selbstverständlich.
Der Gedanke des symbolischen Opfers taucht dann noch einmal bei Abraham als kosmisches Opfer auf. Die Tauben in der Opfergeschichte von Genesis 15 stellen die Gestaltungsstufe, der Widder die Wachstumsstufe und die dreijährige Kuh die Vollendungsstufe dar. Wobei jetzt die Kuh als Symbol der Vollendung geradezu ein hinduistisches Element in die „Prinzipien“ hineinbringt. Die Kuh gilt im Hinduismus als Symbol der vollendeten Welt, der Wiederkehr des Urzeitalters oder goldenen Zeitalters, des Krita-Zeitalters. Gleichzeitig bedeutet das Sanskrit-Wort für Kuh „go“ „Rede“ und „Weisheit“. Die Kuh wird zugleich als die Mutter verstanden. Das sind symbolische Elemente, die man nach der Jungschen Methode mit dem Verständnis in den „Prinzipien“ amplifizieren kann, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen.
Im folgenden heißt es nun, Abraham habe die Opferhandlung nicht strikt vollzogen, indem er die Teilung in zwei Hälften, die für die Teilung in Gut und Böse stehe, bei den Tauben nicht ausgeführt habe. Diese Verschuldung Abrahams habe dann unglückliche Geschichtsfolgen gehabt diese bestanden in der vierhundertjährigen Verbannung und Knechtschaft in Ägypten, die zugleich eine Wiedergutmachung darstellen. Ich möchte diese Aussage von einer bestimmten Seite her andenken. Kultische Dinge sind für das Schicksal einer Menschengruppe von ausschlagender Bedeutung. Der moderne Mensch, der darin bloße Symbole – als gäbe es bloße Symbole! – sieht, unterschätzt den Rang des Kultes. Als Luther für die Eucharistie die Transsubstitationslehre nicht übernahm, hat er den Weg zu neuen Menschentypen möglich gemacht. Besonders einflußreich war dann die Deutung, die Calvin dem Abendmahl gab. Nach Calvin gibt es eine geistliche Nießung des Abendmahls, also eine Verbindung mit dem himmlischen Christus, nur für die Auserwählten, während die Nichtauserwählten nur Wein und Brot zu sich nehmen. Daraus entstand natürlich die brennende Frage: Woran kann ich erkennen, daß ich im Abendmahl wirklich mit Christus verbunden bin, also zu den Auserwählten gehöre? Dafür verwies man auf den sogenannten Syllogismus practicus, d.h. auf den äußeren Segen, der den Auserwählten verheißen ist. Diesen äußeren Segen darf ich dann nicht für mich selbst gebrauchen, sondern muß ihn asketisch wieder zur Arbeit verwenden. Damit war der Kapitalismus geboren. Und damit zugleich alle Konsequenzen, die mit dem Kapitalismus zusammenhängen. Eine kleine Abweichung innerhalb eines kultischen Vorgangs hat also die äußersten Auswirkungen. Ich wollte damit auf jeden Fall andeuten, daß Kultisches nicht etwas dem Religiösen nur Aufgesetztes ist, sondern im Rahmen des Kultus befinden wir uns geradezu an den Kraftstellen und Regulierungsstellen, aus denen eine Kultur und ein bestimmter neuer Menschentypus hervorwachsen. Kulte sind die Orte, wo Menschenarten bzw. Menschentypen „gezüchtet“ werden, da der Kult einer Entwicklung eine bestimmte prägende Konstante gibt.
Ich komme nun auf Mose zu sprechen und kann auch hier nur einzelne Motive herausheben. Mose wird in den „Prinzipien“ als Prototyp des künftig zu erscheinenden Jesus vorgestellt. Im Neuen Testament können wir diese Auffassung noch erkennen, und in den Pseudo-Klementinen wird diese Ansicht von Petrus vertreten. Jesus gilt dort als der Moses redivivus, als der zweite Moses, der das Gesetz richtig auslegt. Die Israeliten waren Mose gegenüber in der Kain-Position, d.h. das Ringen mit dem Volk wird als eine Wiederkehr des Kain-Abel-Problems verdeutlicht auch daß Aaron und Mirjam Jesus und den Heiligen Geist repräsentieren, ist der christlichen Kirche insofern geläufig, da sie in Aaron und Mirjam Vorbildungen von Jesus und Maria gesehen hat. Maria hat nun mit dem Heiligen Geist im besonderen zu tun, weil sie Jesus aus dem Heiligen Geist empfangen hat.
Auch bei Mose kommt es zu einer Störung im rituellen Bereich: das Wunder am Felsen. Dadurch, daß Mose im Affekt einen zweiten Schlag ausführt, wird Jesus getroffen, der sich hinter dem Felsen verbirgt. Äußerlich stellt der Fels nach den „Prinzipien“ die Steintafeln dar. Damit ist ein Hängenbleiben an äußerer Gesetzlichkeit symbolisiert, da durch den zweiten Schlag der Weg zu dem dem Felsen inneren Christus verwehrt worden war. Die Israeliten bleiben danach äußere Israeliten und können nicht zu ihrem Wesen als innere Israeliten, als die die Christen verstanden werden, weiterschreiten.
Ich komme nun auf das Jesus-Problem in den „Prinzipien“ zu sprechen. Jesus ist schon bei Paulus der „zweite Adam“, der Mensch, der von Gott aus der geistigen Welt stammt, der spirituelle Adam. Gleichzeitig wird der zweite Adam mit dem Heiligen Geist in einer Weise in Verbindung gebracht, die an das Lukas-Evangelium erinnert. Jesus gilt als mit dem Heiligen Geist vermählt, der so als die zweite Eva vorgestellt wird. Wir müssen dabei daran denken, daß der Heilige Geist als (hebräisch) die heilige Ruach ursprünglich weiblich vorgestellt worden ist. Es gibt im judenchristlichen Bereich Vorstellungen vom Heiligen Geist als Mutter oder als Frau Christi.
Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber es kam dann die Aufspaltung in Kirche und Welt. Die Verwirklichung des Reiches Gottes steht noch aus. Das Christentum ist, auch wenn wir jetzt nicht auf die „Prinzipien“ schauen, auf ein zweites Kommen Christi angelegt, auf die Wiederkunft des Herrn der Wiederkunft, wie die „Prinzipien“ sagen. Zugleich ist das Christentum auf eine Vervollständigung als Überwindung seiner Defizienz angelegt. Es ist doch eigenartig, daß sich im Bereich des Christentums eine weltliche Welt entwickelte. In keinem anderen Kulturkreis hat sich ein solches Auseinandertreten von Religion und Wirklichkeit, eine solche Säkularität vollzogen. Nach der Meinung einiger Theologen, z.B. Gogarten, habe das im Wesen des Christentums selbst gelegen. Auf diese Zusammenhänge weisen die „Prinzipien“ mit Nachdruck hin.
Auch ist es wohl richtig, daß Jesus nicht von Anfang an dazu bestimmt war zu leiden. Romano Guardini macht in seinem Buch „Der Herr“ darauf aufmerksam, daß Jesu Lebensende ein ganz anderes hätte sein können, wenn die Menschen sich ihm im Glauben erschlossen hätten. Die „Prinzipien“ schneiden das an, daß Jesus ursprünglich der König des irdischen Himmelreiches hätte werden sollen. Damit hätte er zugleich die Voraussetzungen für das himmlische Gottesreich gelegt. Daß es dazu nicht kam, wird als Schuld des jüdischen Volkes bezeichnet. Wir haben heute Schwierigkeiten damit, von einer Kollektivschuld der Juden zu sprechen, da aus einer solchen Annahme der Antisemitismus mit seinen im Holocaust gipfelnden Folgen erwuchs. Trotzdem darf man fragen, ob nicht, wenn eine geistige Gestalt vor ein Volk tritt, das Ja oder Nein zu dieser Person weitreichende Folgen für die weitere Geschichte hat. Das Judentum, so möchte ich jedoch hinzufügen, hat das Neue Testament für sich nicht übernommen, dafür ist ihm aber etwas anderes gegeben worden, wodurch es dem Christentum innerlich verwandt wurde. Kabbala und Chassidismus. Wir erkennen heute im Judentum ein neues Fragen nach Jesus, was ja nicht identisch sein muß mit einem Fragen nach dem Christentum.
Die „Prinzipien“ sprechen davon, daß die Religionsstifter aller Religionen im Herrn der Wiederkunft wieder zur Stelle sein werden, und zwar dadurch, daß ihre geistigen Selbste in die irdische Gestalt des Herrn der Wiederkunft eingehen und mit ihm wirken. Das würde ja praktisch bedeuten, daß der Manu der Hindus, der Buddha der Buddhisten, der Jesus der Christen und der Mohammed der Moslems im Herrn der Wiederkunft in Einheit wieder zur Stelle sind und so eine Vollendung aller Religionen in ihrem Ziel stattfindet. Ich denke mir das als Nebeneinander und Miteinander der Religionen, die sich ineinander in Übereinstimmung und Ergänzung wiederfinden.
In dem, was über die christliche Zeit gesagt ist, finde ich interessant, daß hier ein kritischer Blick auf das Neue Testament geworfen wird. Es finden sich darin Stellen, die gehören in die jesuanische Zeit hinein, und wiederum andere Stellen, die beziehen sich auf die Wiederkunftszeit. In Bezug auf die Wiederkunft wird von der Hochzeit des Christus unter dem Bilde des Lammes und der Braut geredet. Auch nach den Vorstellungen des Islams wird Christus bei seiner Wiederkunft heiraten, so daß die zweite Lebenshälfte des Christus gleichsam in das Eschaton hinein verlegt wird. Zugleich ist über das bestehende Christentum sehr viel Schönes gesagt. Es ist die Zeit der mystischen Wirklichkeit der Kirche.
In diesem Zusammenhang ist von geistiger Wiederherstellung durch Pfropfung die Rede. Hier ist Christus der geistige Baum oder Ölbaum, in den wir hineingepfropft sind, und wir werden von den spirituellen oder Geistströmen, die aus der Vereinigung mit Jesus hervorgehen, genährt und dadurch als gläubige Christen zu Adoptivkindern Gottes. Auch diese Vorstellung von den Adoptivkindern entspricht christlicher Dogmatik. Nach christlicher Dogmatik ist Christus filius natura, der Sohn Gottes von Natur, während wir als Christen zu Filii adoptionis, also zu Adoptivkindern Gottes werden. Ich bin allerdings der Meinung, daß die Vorstellung von Adoptivkindern den neutestamentlichen Aussagen über die eschatologische Vollendung des Menschen nicht voll entspricht. Im 1. Johannesbrief heißt es ausdrücklich, daß wir Christus gleich sein werden. (3,2).
In den „Prinzipien“ ist die Christologie die Basis für die Anthropologie, ihre Aussagen lassen sich weitgehend mit denen der christlichen Dogmatik in Einklang bringen. Ich finde also, daß der Rahmen, in dem sich christliche Theologie entfalten kann, in den „Prinzipien“ recht gut abgesteckt ist, aber erfüllen kann sich das, was in der Zeit der Kirche beginnt, eigentlich erst unter den Bedingungen des Reiches Gottes, unter den Bedingungen der Wiederkunft. Auf jeden Fall läßt sich für diesen erwarteten Äon sagen, auch unter den Bedingungen traditionell christlichen Denkens: Christus kommt nicht einfach so wieder, wie er als Jesus erschienen ist.
Die Wiederkunft ist nicht einfach eine Wiederholung der Erdenexistenz Jesu, sondern er kommt als Kosmokrator, der Herr des Kosmos, es kommt der Urmensch auf die Erde zurück, wie wir ihn unter mystisch symbolischen Bildern voraus dargestellt finden. Gleichzeitig aber kommt er in seinen Heiligen, d.h. er wird zugleich der Ingrund von uns werden bzw. wie die „Prinzipien“ es erklären, die Heiligen werden von uns Besitz ergreifen, sie werden einwohnen in uns. Diese Vorstellung, daß die geistigen Selbste anderer Menschen in uns einwohnen, in uns wirken und so ihr Leben fortsetzen, ist in der christlichen Mystik nicht bekannt. Die jüdische Mystik hingegen kennt diese Auffassung. Die Kabbala nimmt an, daß es zwei Formen gibt, in der sich unser Leben nach dem Tode fortsetzt. Die eine ist der Gilgul, die Seelenwanderung, die andere ist der Ibbur, die Seelenschwängerung, durch die ein Mensch nach seinem Tode in einen anderen eingeht, und durch und mit ihm seinen Lebensauftrag erfüllt. Nach den „Prinzipien“ wird sich bei der Wiederkunft ein Ibbur im großen Stil vollziehen, wodurch der Mensch über das bisher menschlich Mögliche weit hinauskommt und dadurch die Bedingungen für die Schaffung einer neuen Zeit empfängt.
Es wäre jetzt auf die Vorstellung von den gleichgerichteten Zeitaltern und die damit verbundene Zahlenspekulation bzw. Zahlenmystik einzugehen. Die Zahlenmystik ist eigentlich allen Religionen selbstverständlich, wenn sie auch aus modernen Interpretationen, besonders der christlichen Religion, herausgefallen ist. Es ist falsch, diese Spekulationen nur auf Pythagoras zurückzuführen. Es gibt sie seit uralten Zeiten schon im Hinduismus und im chinesischen Universismus. Pythagoras war vielmehr der erste, der ihnen einen wissenschaftlichen Ausdruck gab, indem er sie mit dem Monochord in einen Zusammenhang brachte. Zahlen sind offenbar nicht nur, wie wir meinen, ein Ausdruck von quantitativen Verhältnissen des Kosmos, sondern auch und zuerst von qualitativen. Zahlen sind Qualitäten. In der Symbolforschung gewinnt dieses Verständnis der Zahl eine immer größere Bedeutung. Wenn man Bilder christlicher Maler aus dem 14. oder 15. Jahrhundert nimmt, dann wird man staunen, welche außerordentliche Rolle die Zahl 3 spielt. Die Fenster sind immer in drei geteilt. Wenn wir drei Blumen finden oder drei Leuchter, stets ist damit das Geheimnis der 3, der Trinität, hingewiesen. Schon an dem Grad der Faszination, der vom symbolischen Gebrauch der Zahl ausgeht, läßt sich ein dahinterliegender geheimnisvoller Gehalt ahnen.
Es gibt sicher Grund zum Nachdenken, wenn nach den „Prinzipien“ die Geschichte des ersten Israels und die Geschichte des zweiten Israels, der Christenheit, in gleichen Zeitstufen ablief. 400 Jahre Knechtschaft in Ägypten und 400 Jahre Christenverfolgung unter den Römern, 400 Jahre Richter und 400 Jahre unter den Kirchenpatriarchen. 120 Jahre Saul-David-Solomon und 120 Jahre vereinigtes christliches Weltreich unter den Karolingern. (Übrigens wurde Karl der Große von seinen Freunden David genannt, seine Lieblingslektüre, aus der er sich täglich vorlesen ließ, war der „Gottesstaat“ von Augustinus), 400 Jahre geteiltes Reich (Israel und Juda) und 400 Jahre geteiltes Frankenreich (Frankreich und Deutschland). 210 Jahre babylonisches Exil und Rückkehr und 210 Jahre Exil und Wiedereinsetzung des Papsttums und Reformation. 400 Jahre warten auf den Messias und 400 Jahre warten auf die Wiederkunft Christi. (Das gilt z.B. für Luther, der die Tradition der radikalen Franziskaner übernahm. Er erwartete das bevorstehende Weltenende, er wurde von seinen Freunden „unser Elias“ genannt, da Elias ja vor der Wiederkunft erscheinen soll.)
Auffällig ist auch die Parallelität von Altem und Neuem Testament in der Einteilung der Bücher in Geschichtsbücher, Lehrbücher und prophetische Bücher. Auffällig sind für den Geschichtsablauf auch gewisse Parallelen zum historischen Materialismus. Die Entwicklung von der Sippengesellschaft zur Stammesgesellschaft, zur Bildung von Nationen zur Entstehung des Imperialismus bis hin zur Demokratie, wie sie in den „Göttlichen Prinzipien“ vorgetragen wird, hat manche Entsprechung zur marxistischen Geschichtstheorie. Bedenkenswert ist auch die Auffassung, daß erst das Äußere, dann das Innere zur Verwirklichung kommt. Das hieße ja, daß es erst noch zu einer wahren, weil auch inneren Verwirklichung von Sozialität und Demokratie kommen wird, wofür die neuere Geschichte erst die äußeren Voraussetzungen gebracht hat. Die Bemerkungen über die Disharmonie zwischen Religion und Wissenschaft, Religion und Ökonomie sind nachdenkenswert. Die „Prinzipien“ bewegen sich insofern auf eine Synthese hin, daß Religion heute nicht mehr abgespalten von der Wissenschaft existieren könne und daß mit der Religion auch eine ökonomische Theorie einhergehen müsse. Es sind zumindest Ansätze in den „Prinzipien“, die im Sinne einer richtigen Produktion und einer richtigen Soziologie zu verstehen sind.
Auch das Christentum durchläuft eine Soziologie und Gesellschaftsstufung, die dem oben Beschriebenen entspricht. In der Urgemeinde bestand zunächst eine christliche Sippengesellschaft, die sich zur christlichen Stammesgesellschaft, christliche Lehnsgesellschaft, christlichen Monarchie, schließlich zum christlichen Imperialismus wandelte. Dem Imperialismus wird insofern eine gewisse Positivität zuerkannt, als er die Kolonien unter den christlichen Kulturbereich gebracht hat bzw. in den Bereich der Attraktion durch die christliche Kultur. Mit der Demokratie habe sich notwendig die Wende zum Sozialismus ergeben. Dieser Sozialismus habe seine Vorstufe oder Pseudoform im Kommunismus und werde zu einem christlichen Sozialismus weiterentwickelt werden.
Hinweise möchte ich noch auf die interessante Bemerkung geben, wonach es in der christliche Zeit zu einem Ineinander und einem Gegeneinander von Hebräertum und Hellenismus kommt. Es gibt einen Hellenismus, der in einer freundschaftlichen, ja brüderlichen Symbiose mit der christliche Religion lebt, und einen solchen, der sich antichristlich, ja atheistisch verhält. Dabei wird die französische Revolution als ein Kain-Typ der Entwicklung verstanden, während die englisch-amerikanische Revolution, die ja von christlichen Impulsen ausging, als ein Abel-Typ der Entwicklung verstanden wird. Gleichzeitig wird der Descartessche Spaltungsansatz und ein Teil der westlichen Philosophie dem Kain-Typ zugerechnet, während die deutschen Philosophen Kant, Fichte, Schelling und Hegel eine sehr positive Würdigung erfahren.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung der neuen Zeit wird Hitler als Typ Jesu auf satanischer Seite gekennzeichnet. Das wird im Sinne der Wiedergutmachung interpretiert. Der Satan hat den Jesus Gottes getroffen, und in Hitler wird durch die Katastrophe, die er erleidet, der Jesus des Satans getroffen. Stalin dagegen symbolisiert den Herrn der Wiederkunft nach der satanischen Seite. Diese Aussagen sind für das Erleben der Eschatologie von großer Bedeutung. Eschatologische Dinge sind eigentlich erst im Zusammenhang mit einer Naherwartung aktuell. Das heißt dann: da Stalin dagewesen ist muß jetzt nach dem Herrn der Wiederkunft auf der satanischen Seite der Herr der Wiederkunft auf der göttlichen Seite erscheinen.
Das Prinzip der Wiederkunft habe sich insbesondere in Korea konstelliert. Hier wird sich die Erwartung eines dritten Israels erfüllen. Durch Korea hindurch geht mit dem 38. Breitengrad die Trennlinie zwischen Kommunismus und dem westlichen demokratischen Bereich. Auch in der koreanischen Geschichte wird das Auftreten eines Heilbringers erwartet. Korea gehört zudem zu den drei Bereichen, die unter dem Einfluß des chinesischen Universismus standen. China wird heute durch den Kommunismus dominiert. Die japanische Geschichte wurde durch die Schrecken ihres Imperialismus gekennzeichnet. Demgegenüber stellt Korea den Abel-Typ als der leidende Teil innerhalb dieses Bereiches dar. Damit ist es nach den „Prinzipien“ für die Wiederkunft als drittes Israel vorausbestimmt.
Das heißt also: Die Wiederkunft Christi in dem Herrn der Wiederkunft hat sich in unserer Zeit aktual konstelliert. Das Bewußtsein ist aus der Tiefe heraus von einem neuen Impuls erfaßt. Dieser Impuls besagt, daß wir vor dem Durchbruch einer neuen Menschheitsstufe stehen. Es ist zu beachten, daß im Blick auf den erwarteten Herrn der Wiederkunft in den „Prinzipien“ immer der Name Christus genannt wird. Es wird nicht etwa im Zusammenhang mit dieser Erwartung der Name von Rev, Moon genannt. Es kann eine spezielle Erwartung der Angehörigen der Vereinigungskirche sein, daß in Rev. Moon der Herr der Wiederkunft bereits auf der Erde ist. Auf Grund der allgemeinen Konstellation des Herrn der Wiederkunft könnte prinzipiell jeder von uns der Herr der Wiederkunft sein. Rev. Moon hat dies einmal, wie mir erzählt worden ist, so ausgedrückt. Als man ihn fragte: „Bist Du der Herr der Wiederkunft?“, soll es zurückgefragt haben, indem er auf einige um ihn Stehende zeigte: „Bist Du der Herr der Wiederkunft? Bist Du der Herr der Wiederkunft?“ das heißt, er kommt praktisch in vielen Gestalten, doch wird es einer sein, in dem sich gültig vollzieht, was in jedem von uns schon vom Unbewußten her konstelliert ist. Es drückt sich darin aus, daß wir nach einem erweiterten Menschenbild streben, das in die Richtung geht, die ich angedeutet habe, daß also in jedem von uns aus der Tiefe des Unbewußten ein Stück Wiederkunft konstelliert ist, beispielsweise aber auch in den Kirchen, die heute die apokalyptischen Dinge wieder betonen. Es wird auch dort nach einer Verwirklichung nicht nur im Spirituellen gesucht, sondern nach einer Verwirklichung „wie im Himmel also auch auf Erden“. Wir könnten uns in solchem Streben nach Verwirklichung mit der Vereinigungskirche in einem brüderlichen und dialogischen Prozeß befinden, indem wir uns wechselseitig anregen und unsere Erwartungskräfte verstärken.
Kurzbiographie Prof. Dr. Paul Schwarzenau
Paul Schwarzenau war bis zu seiner Emeritierung 1985 Professor für evangelische Theologie und Religionswissenschaft an der Universität Dortmund. Sein Gedichtband „Schichtungen. Gesänge vom Christus“ erschien 1973. Lyrikbeiträge wurden in bekannten Lyrik-Anthologien wie „Das unzerreißbare Netz“ (1968), „Gott im Gedicht“ (1972), „Nichts und doch alles haben“ (1977), „Psalmen vom Expressionismus bis zur Gegenwart“ (1978), sowie „Lyrik heute“ (1984) veröffentlicht. Seine wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen sind „Der Wandel im theologischen Ansatz bei Melanchthon von 1525 bis 1535“ (1956), „Vom Totempfahl zum Kruzifix. Vergessene Voraussetzungen unseres Weltverständnisses“ (1976), „Der größere Gott. Christentum und Weltreligionen“ (1977), „Korankunde für Christen. Ein Zugang zum heiligen Buch der Moslems“ (1982), „Das göttliche Kind. Der Mythos vom Neubeginn“ (1984). In zahlreichen Aufsätzen, insbesondere in der „Zeitschrift für Religionspädagogik. ZRP“ und in „Religion heute“, hat…
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Redakteur:
Bokrug †
Quelle: www.euro-tongil.org
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Weiterlesen:
• Großmufti: Katholischer Bischof will Gott in „Allah“ umbenennen
• Christoph Kardinal Schönborn: Wo ist die Kirche?
Dienstag, 18. September 2007 16:48
Galahad: Ohn doch…
…Metathron, auf den sich Christus im NT bezieht.
Ferner den „Menschensohn“ bei Ezechiel, Henoch und Jesus Sirach und den Propheten.
Melchsidek ebenfalls.
Auch den Anthropos als kosmischen Urmensch und erste Emanation Gottes bzw. Herrscher des Kosmos als Spiegelbild der Gottheit und plat. Urbild des Menschen.
Ferner Hinweise auf den Heiligen Geist als Ruach Elohim (weibl. Wortform auch in der Genesis, über dem Wasser „brütend“) und die Sophia.
Katholische Soziallehre:
http://www.vergessene-buecher.de
http://www.artfond.de/geldseite
18. und 19. Jahrhundert: Katholische Gemeindesparkassen in kommunaler Selbstverwaltung
http://hermes.zeit.de/…10/Medici-Kasten.pdf
http://tagen.erzbistum-koeln.de/ksi/
http://www.ksi.de/
http://www.kairoseuropa.de/
http://www.berndsenf.de
Ferner den „Menschensohn“ bei Ezechiel, Henoch und Jesus Sirach und den Propheten.
Melchsidek ebenfalls.
Auch den Anthropos als kosmischen Urmensch und erste Emanation Gottes bzw. Herrscher des Kosmos als Spiegelbild der Gottheit und plat. Urbild des Menschen.
Ferner Hinweise auf den Heiligen Geist als Ruach Elohim (weibl. Wortform auch in der Genesis, über dem Wasser „brütend“) und die Sophia.
Katholische Soziallehre:
http://www.vergessene-buecher.de
http://www.artfond.de/geldseite
18. und 19. Jahrhundert: Katholische Gemeindesparkassen in kommunaler Selbstverwaltung
http://hermes.zeit.de/…10/Medici-Kasten.pdf
http://tagen.erzbistum-koeln.de/ksi/
http://www.ksi.de/
http://www.kairoseuropa.de/
http://www.berndsenf.de
Dienstag, 18. September 2007 14:22
GerdEric: @ Taran
nicht einen
Montag, 17. September 2007 19:50
Galahad: Tatsache ist…
…das sie bereits im Alten Testament Hinweise auf Christus finden.
Ahasveros…gestehe es ein…
Ahasveros…gestehe es ein…
Montag, 17. September 2007 09:36
GerdEric: was beweist die Zahlenhexerei?
dass die Vereinigungskirche des Mun der letzte Synkretismus ist?
Montag, 17. September 2007 08:59
Bokrug †: Tatsache ist…
…dass bereits Philo von Alexandrien als Bekannter des Paulus sowie Ezechiel, Henoch und Jesus Sirach auf Christi Kommen als Menschensohn, Metathron und Anthropos des AT hinwiesen. Bereits im AT findet man die pythagoräische Zahlenmystik.
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