Montag, 1. Oktober 2007 18:24
Bokrug †: Dollarscheine in der Hosentasche
01. Oktober 2007 AFGHANISTAN
Dollarscheine in der Hosentasche – Taliban hängen Jungen
Weil er ein paar Dollarnoten bei sich trug, haben Islamisten in einem Dorf der Unruheprovinz Helmand einen Jungen hingerichtet. Als Warnung für die anderen Bewohner steckten sie dem gehängten Teenager die Geldscheine in den Mund.
01. Oktober 2007 AFGHANISTAN
Dollarscheine in der Hosentasche – Taliban hängen Jungen
Weil er ein paar Dollarnoten bei sich trug, haben Islamisten in einem Dorf der Unruheprovinz Helmand einen Jungen hingerichtet. Als Warnung für die anderen Bewohner steckten sie dem gehängten Teenager die Geldscheine in den Mund.

Kandahar – Die Tat erinnert aufs Schrecklichste daran, wie die radikal-islamischen Taliban bis zu ihrem Sturz 2001 einst in ganz Afghanistan regierten. In einem südafghanischen Dorf haben Extremisten einen 15-jährigen Jungen gehängt.

Der Junge sei hingerichtet worden, weil er einige Dollarscheine bei sich getragen habe, erklärte die Polizei in der Provinz Helmand heute. Zur Warnung an andere Afghanen seien dem an einem Baum hängenden Opfer fünf Ein-Dollar-Scheine in den Mund gestopft worden, hieß es weiter.

„Die Taliban haben die Dorfbewohner gewarnt, dass ihnen die gleiche Strafe droht, wenn sie mit Dollars erwischt werden“, sagte Bezirkspolizeichef Wali Mohammed. US-Dollar werden in Afghanistan parallel zur örtlichen Währung, dem Afghani, verwendet. Die Währung ist besonders in den großen Städten verbreitet. Die Unruheprovinz Helmand gilt als gefährlichste Region in Afghanistan.

Mohammed sagte weiter, die Taliban im Bezirk Sangin hätten einen Mann getötet, der bei einer internationalen Organisation um Hilfe gebeten habe. Sie hätten ihm vorgeworfen, ein Spion zu sein.

US-Kopfgeld auf Extremisten

Im Kampf gegen die Taliban haben die US-Streitkräfte eine „Most-Wanted“-Kampagne gestartet. Die Armee setzte hohe Belohnungen für Informationen über zwölf gesuchte Kämpfer der Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida aus. Im Osten Afghanistans wurden Plakate mit Bildern der zwölf Männer aufgehängt. Die Belohnungen reichen von 20.000 Dollar (14.100 Euro) bis 200.000 Dollar (141.000 Euro). Den Gesuchten wird vorgeworfen, für Bombenanschläge und Selbstmordattentate verantwortlich zu sein.

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Afghanistan – rechtloser Staat ohne Zukunft?
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von Gandhi
US-Oberstleutnant Rob Pollock erklärte in Bagram, man setze auf eine ähnliche Strategie wie die Bundespolizei FBI gegen kriminelle Banden. US-Militärsprecher Chris Belcher sagte, man wolle erreichen, dass die Menschen die Aufständischen erkennen könnten. Nicht auf der Liste zu finden sind Terrorführer Osama bin Laden, für dessen Ergreifung die USA 25 Millionen Dollar ausgesetzt haben, und Talibanführer Mullah Omar, für den zehn Millionen Dollar Belohnung gezahlt werden.

Unter den Gesuchten ist Abu Laith al Libi, der Chef eines Ausbildungslagers der Qaida. Die USA erklärte, er sei wahrscheinlich Drahtzieher des Anschlags auf den US-Stützpunkt in Bagram während eines Besuchs von Vizepräsident Dick Cheney im Februar gewesen.

Pollock sagte, die US-Streitkräfte zahlten Afghanen, die einen ausländischen Kämpfer übergeben, bis zu 10.000 Dollar. Auch für Hinweise auf versteckte Bomben zahlen die Truppen eine Belohnung.

Koalitionstruppen töten 20 Taliban

Bei Kämpfen mit afghanischen und US-geführten Truppen wurden heute im Süden Afghanistans mehr als 20 mutmaßliche Aufständische getötet. Die Soldaten verfolgten nach Koalitionsangaben Aufständische im Bezirk Reg in der Provinz Helmand und wurden dabei angegriffen. Daraufhin forderten sie Luftunterstützung an.

In der Provinz Ghasni, südwestlich von Kabul, griffen Taliban-Extremisten einen Regierungskonvoi an und töteten elf Polizisten. Wie die Behörden heute mitteilten, ereignete sich der Anschlag bereits gestern. Zu dem Angriff hätten sich die Taliban bekannt.

In den vergangenen 20 Monaten sind in Afghanistan fast 8000 Menschen getötet worden. Es ist die gewaltsamste Phase seit dem Sturz der Taliban-Regierung durch US-geführte Truppen im Jahr 2001.

phw/AP/Reuters

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