Kardinal Bea, die Juden und ‘Nostra Aetate’
von E. Michael Jones
Dienstag, 23. Oktober 2007 03:43
Angelos †: Vollständiger Artikel der Monarchieliga: Kardinal Bea, die Juden und ‘Nostra Aetate’
Kardinal Bea, die Juden und ‘Nostra Aetate’
von E. Michael Jones
Im Jahre 1960 reiste ein französischer Jude namens Jules Isaak nach Rom, um darüber zu diskutieren, was er für die zweitausend Jahre alte „Lehre der Geringschätzung“ der Katholischen Kirche gegen sein Volk erachtete. Isaak war der ehemalige Generalinspekteur der Öffentlichen Schulen Frankreichs und ein Historiker, der zwei Bücher über die katholische Haltung gegenüber den Juden verfaßte, nachdem er mehrere Familienmitglieder während des Krieges verloren hatte. In beiden Büchern, in Jesus et Israel, veröffentlicht 1946, und Genese de l’Antisemitisme, veröffentlicht zwei Jahre später, führte Isaak zwei Punkte an, die den katholisch-jüdischen Dialog für den Rest des Jahrhunderts beherrschen sollten. Isaak behauptete: 1] Die Katholische Kirche hätte über zweitausend Jahre Antisemitismus gelehrt, und 2] daß diese Lehre ihren letztendlichen Ausdruck in dem Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs gefunden hätte.
Nach und nach hinterließen seine Schriften bei den Katholiken Frankreichs und darüber hinaus einen nachhaltigen Eindruck. Pater Paul De Mann aus Paris, und Pater Gregory Baum, ein jüdischer Konvertit aus Kanada, begannen damit, Isaaks Thesen in katholischen Kreisen zu verbreiten. Baum bezeichnete Jesus et Israel als „einen bewegenden Bericht über die Liebe Christi, die Er für Sein Volk, die Juden, empfunden hatte, und der Mißachtung, die den Juden später von den Christen entgegengebracht wurde.“ Im Jahre 1947 nahm Isaak an einer internationalen Konferenz in Selisberg, Schweiz, teil, und das Ergebnis war ein Memorandum mit 18 Punkten über die „Korrektur der Christlichen Lehre im Hinblick auf Israel.“
Im Jahre 1949 traf sich Isaak mit Papst Pius XII. Aber die Besprechung blieb ohne Ergebnis. Warum ist nicht schwer zu verstehen. Trotz der offenen heidnischen Ideologie des Nationalsozialismus in Deutschland, und der Unruhe die diese Ideologie in seine Familie gebracht hatte, war Isaak davon überzeugt, die gefährlichste Form des Antisemitismus sei das Oxymoron, bekannt als christlicher Antisemitismus. Weil es sich hier um einen ideologischen und nicht rassistischen Antisemitismus handelte, hatte er sich entschieden länger gehalten als Hitlers rassistische Ansichten. Seine Wurzeln reichten bis auf die fundamentalen Texte des Christentums zurück, insbesondere die Evangelien nach Matthäus und Johannes, wie auch die Schriften der Kirchenväter, beispielsweise des hl. Johannes Chrysostomos, hl. Ambrosius, hl. Augustinus und Papst Gregor des Großen.
Als Isaak zu seinem zweiten Besuch im Vatikan eintraf, hatten sich die Zeiten seit 1949 dramatisch verändert. Zunächst einmal hatte der geniale Giuseppe Roncalli die Nachfolge des ernsten Eugenio Pacelli angetreten, aber die veränderte Atmosphäre konnte auf mehr als nur die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Päpste zurückgeführt werden. Roncalli hatte zwar den Krieg erlebt, aber Pacelli war während des Aufstiegs des Nationalsozialismus päpstlicher Nuntius in Deutschland gewesen. Während der ersten und zweiten bayerischen Sowjetrepubliken hielt er sich in München auf. Er hatte die Levin-Regierung und deren Vertreter aus erster Hand erlebt, als er 1919 den Wittelsbach-Palast besuchte, und er wußte, daß der Aufstieg Hitlers in Bayern im Jahre 1923 von den dortigen Exzessen jüdischer Bolschewisten des Jahres 1919 gefördert wurde, und nicht durch das Lesen der Predigten des hl. Johannes Chrysostomos oder des Evangeliums nach Johannes.
Pacelli war aus dem Zweiten Weltkrieg als Held hervorgegangen, ein Status, der vom Weltjudentum anläßlich seines Todes im Jahre 1958 bestätigt wurde. Aber jetzt wehte ein neuer Wind im Vatikan, und Isaak sah eine Chance für sein Anliegen. Abgesehen von ihrer Stellung in den kommunistischen Ländern, stand die Katholische Kirche im Jahre 1960 in hohem Ansehen, und sie beabsichtigte, dieses Ansehen zur Förderung der Einheit zu nutzen – Einheit unter den Christen und Versöhnung mit den Juden. Das Vatikan-Sekretariat zur Förderung der christlichen Einheit war wenige Monate zuvor unter der Leitung von Augustin Kardinal Bea von Papst Johannes XXIII. eingerichtet worden. Bea kannte die Juden aus seiner Studienzeit in Berlin. Aus jüdischer Sicht war die Zeit reif für massiven Druck, um die Verurteilung all dessen zu erwirken, was von der Lehre der Katholischen Kirche über die Juden abgelehnt wurde.
Die Französische Botschaft, wo man die Bedeutung der hinter Isaak stehenden Persönlichkeiten ahnte, arrangierte 1960 eine Zusammenkunft mit Kardinal Tisserant, der die Bedeutung der Angelegenheit gleichermaßen erkannte und Isaak die Türen des Vatikan öffnete. Isaak wünschte eine Audienz bei Papst Johannes XXIII., aber statt dessen wurde er zum Präfekten des Heiligen Offiziums, Alfredo Kardinal Ottaviani, geschickt, der ihn an den damals 83jährigen Andrea Kardinal Jullien in der Hoffnung weiterverwies, daß die Zusammenkunft dieser alten Männer, die beide fast taub waren, zu keinem Ergebnis führen würde. Ottaviani irrte sich. Nachdem er sein Anliegen vorgetragen hatte, schwieg Isaak in Erwartung einer Antwort. Nach mehreren Minuten, die wie eine Ewigkeit anmuteten, sprach Jullien schließlich das Wort aus, das den Schlüssel zu der Tür lieferte, die Isaak geöffnet sehen wollte. Das Wort lautete: „Bea.“ Bea stand für Augustin Kardinal Bea, des deutschen Jesuiten, Bibelgelehrten und Autors der Enzyklika Pius XII. Divini Afflante Spiritu.
Am 13. Juni 1960 wurde Isaak endlich eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. gewährt. Der einzige Bericht über diese Zusammenkunft stammt von Isaak, der sich dem Papst als „Nichtchrist, Förderer von l’Amities Judeo-Chretiennes und einen sehr tauben alten Mann“ vorstellte. Der Papst ergriff die Gesprächsinitiative, indem er sich ausführlich über seine Liebe zum Alten Testament äußerte. Eine Gelegenheit erkennend, teilte Isaak dem Papst mit, daß seine Bemühungen „beim Volk des Alten Testaments große Hoffnungen geweckt hätte.“ Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo die Erwartungen erfüllt werden müßten, die der Papst im „Volk des Alten Testaments“ geweckt hätte, indem er eine offizielle Verurteilung des Antisemitismus verkünde. Papst Johannes XXIII., hatte bereits in dieselbe Richtung gedacht, konnte ein entsprechendes Dekret jedoch nicht unilateral erlassen, weil es sich bei der Kirche nicht um eine monarchie absolue handelt.
Nicht lange nach dieser Audienz erfuhr Isaak „mit Freude“, daß der Papst Kardinal Bea über seinen Vorschlag in Kenntnis gesetzt hatte. In der Tat verhielt es sich so, wie mehrere Quellen bestätigen, daß Kardinal Bea nicht nur damit beauftragt worden war, auf die christliche Einheit hinzuarbeiten, sondern auch in die Richtung „einer scharfen Verurteilung des katholischen Antisemitismus.“ Nach den Angaben eines ehemaligen Jesuiten, der ein enger Freund und Vertrauter von Kardinal Bea war, „hatte Roncalli eine Gelegenheit erkennend, Isaak an Bea verwiesen. Es wurde beschlossen, daß Bea einen Text über die Jüdisch-Christlichen Beziehungen erarbeiten sollte, über den das Konzil beraten werde. Nach der Perspektive Roncallis sollte jeder Schritt der Annäherung an eine nichtchristliche Religion Teil einer generellen Annäherungstrategie im Rahmen des jeweiligen Ereignisses sein. Auf diese Weise kam es zu dem Dokument, das als die „Jüdische Deklaration“ bekannt werden sollte.
Dieser Wunsch des Papstes wandelte sich schon sehr bald zu etwas radikal anderem, als er mit den Realitäten der jüdischen Interessengruppen des 20. Jahrhunderts und der von ihnen kontrollierten Presseorgane konfrontiert wurde. Sehr schnell wurde deutlich, daß das „Volk des Alten Testaments“ von internationalen jüdischen Organisationen, wie das American Jewish Committe [AJC] und der Anti Defamation League [ADL] repräsentiert wurde.
Anstatt sich in einer Position zu befinden, aus der heraus er die katholische Haltung gegenüber den Juden im Lichte der Katholischen Tradition formulieren konnte, befand sich Kardinal Bea in der Rolle des Vermittlers wieder, der beständig zwischen den jüdischen Organisationen und den Konzilsvätern hin- und herpendelte, die zunächst ebenfalls glaubten, sie würden mit dem „Volk des Alten Testaments“ verhandeln. Weil die Konzilsväter einen außerordentlich positiven Eindruck von der Petition Isaaks hatten [die im krassen Gegensatz zu den Ausführungen in seinen Büchern stand, in denen er die Evangelien angriff und die Kirchenväter als Antisemiten bezeichnete – Bücher, die sie jedoch nicht gelesen hatten] wurde es Isaak gestattet, die Themen der Debatte zu bestimmen, wodurch er zum Haupttheoretiker der Erklärung des Vatikans über die Juden wurde.
Isaaks Freund, Bischof Provencheres, versuchte diese Tatsache in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen, indem er darauf hinwies, es sei das erste Mal in der Geschichte, daß ein Laie und ein Jude ein Konzilsdokument initiiert hätten, ohne die nagende Frage zu stellen, wer von diesem Bruch mit der Tradition wohl profitieren würde. Viscount Leon de Poncins ist weniger zurückhaltend bei der Beantwortung der qui biono-Frage und behauptet, „Isaak sei der Haupttheoretiker und Förderer der Kampagne gewesen, die gegen die traditionelle Lehre der Kirche geführt wurde“. Nachdem Jules Isaak als führender Theoretiker für die Erklärung über die Juden bestätigt worden war, später als „Nostra Aetate“ bekannt, und die zu einer Waffe wurde, „die dazu bestimmt war, den traditionellen Katholizismus, den sie für ihren Hauptfeind hielten, zu stürzen.“
Solche Gedanken lagen den Beteiligten in der Anfangsphase des Dialogs zwischen Katholiken und Juden fern. Das Ziel der Bannung des Antisemitismus schien edel genug, aber der Zeitgeist schloß genauere theologische Untersuchungen der angewendeten Rhetorik aus. Wer war schon in der Lage, die genaue Bedeutung des „Antisemitismus“ zu definieren? Der Begriff war im Jahre 1870 in Deutschland von einem rassistischen Denker namens Wilhelm Marr entwickelt worden und hatte, wie zu erwarten war, eine eindeutig rassistische Bedeutung, die im krassen Widerspruch zu bestimmten entscheidenden Versicherungen des katholischen Glaubens stand.
Eine der bedeutsamsten Angelegenheiten war die seit langer Zeit in Sicut Iudeis non… enthaltene Ermahnung, daß jüdische Konvertiten „ohne jeden Vorbehalt“ aufzunehmen seien. Wenn sich die jüdische Identität auf Rasse, Blut oder DNA begründete, und nicht auf die Zurückweisung Christi, wie es die Evangelisten und die Kirchenväter ausgeführt hatten, verlor die Taufe ihre Wirksamkeit. Für die deutschen Rassisten war dies nicht sonderlich problematisch, aber es war äußerst problematisch für die Katholische Kirche, insbesondere dann, wenn es darum ging, völlig unkritisch einen grundsätzlich a-theologischen und ideologisch rassischen Begriff wie „Antisemitismus“ in eines ihrer Konzilsdokumente aufzunehmen.
Als Jules Isaak schließlich am 13. Juni 1960 seine Audienz bei Papst Johannes XXIII. erhielt, hatte Alfredo Kardinal Ottaviani bereits die schriftliche Abfassung der vorläufigen Dokumente für das Ereignis verfügt, das als „Zweites Vatikanisches Konzil“ bekannt werden sollte. Die konventionelle Erklärung für den Grund des Konzils wurde in einem Wort zusammengefaßt, aggiornamento, wofür man sich entschied, um zum Ausdruck zu bringen, daß sich die Kirche dem Zeitgeist anpassen, mithin auf den neuesten Stand, gebracht werden würde. Ottaviani vertrat den Standpunkt, daß die Kirche sich auf die Kurie beziehe, die in den letzten Tagen von Papst Pius XII. In einen Zustand der fast völligen Lähmung verfallen war und nicht dazu in der Lage, sich den Herausforderungen zu stellen, die ihr angetragen wurden.
In den Händen der Revisionisten hat aggiornamento allerdings eine andere Bedeutung angenommen. Es ging darum, die Kirche dazu zu bringen, die verschiedenen Strömungen der Aufklärung zu akzeptieren, die Papst Pius IX. In seinem Syllabus über die Irrtümer verurteilt hatte. Nach dieser Lesart des Konzils bedeutete aggiornamento, „die Verrücktheit, die Papst Pius IX. dazu veranlaßt hatte, seinen berühmten Syllabus der Irrtümer zu formulieren, ins Gegenteil zu verkehren und bestimmte Forderungen durchzusetzen – einschließlich: „Der Papst kann und muß versuchen, sich mit dem Fortschritt. Liberalismus und der modernen Zivilisation zu versöhnen.“ Vom amerikanischen Standpunkt aus, bedeutete dies die Unterstützung der Theorien von John Courntey Murray, der sich für die religiöse Freiheit in Amerika einsetzte und sie zum Gegenstand des aggiornamento Papst Johannes XXIII. machen wollte.
Nach der amerikanischen Sichtweise der Konzilsabsichten, „ging das Gerücht um, Guiseppe Roncalli, Papst Johannes XXIII., sei insgeheim ein Sympathisant der Modernisten.“ Ottavianis Beteiligung an den vorbereitenden Schritten für das Konzil erzählt allerdings eine andere Geschichte, die durch das aufmerksame Studium der vorbereitenden Konzilsdokumente bestätigt wird. Ausgehend von diesen Dokumenten, ging es beim Konzil nicht darum, die Aufklärung abzusegnen, wie Revisionisten später behaupten sollten, sondern um eine Reform der Kurie, und um die Katholiken auf eine größere Gefahr für den Glauben und die Moral aufmerksam zu machen, die ihren Ursprung im Westen, insbesondere in den Vereinigten Staaten hatte, und dort wiederum insbesondere in Hollywood.
Am 15. Januar 1962 wurde das Dokument „Zur Moralordnung“ dem Konzil zur Beratung übergeben. In diesem Dokument hatte Kardinal Ottaviani, unter dessen Leitung und Aufsicht es erarbeitet worden war, die moralischen Herausforderungen skizziert, deren sich die Kirche stellen mußte. Insbesondere mußte sich die Katholische Kirche stark machen gegen den Versuch … das Nützliche, Anerkannte, Gute der Rasse, durch die Interessen einer Klasse oder der macht des Staates als Kriterium der Moral zu ersetzen. Aus diesem Grund wurden philosophische Theorien, literarische Neuheiten und politische Lehren entwickelt und propagiert. Hier wird versucht, die christliche Moral durch die sogenannte Moral der Situation oder individualistischen Moral zu ersetzen, die von Papst Pius XII. häufig verurteilt, und schließlich per Dekret des Heiligen Offiziums vom Februar 1956 endgültig verurteilt worden ist. Ferner wird hier versucht, die Moral der Unabhängigkeit [d. h. getrennt von der christlichen Moral] an die Stelle der göttlichen Moral mit allen Verpflichtungen und Sanktionen zu stellen.
Der Bezug auf die Moral von Rasse und Klasse ist eindeutig genug. Hier werden Nationalsozialismus und Kommunismus angesprochen. Aber sie standen im Kontext mit der Verurteilung der „sogenannten Moral des Augenblicks oder individualistischen Moral,“ Begriffe, die sich nur auf Irrtümer beziehen konnten, die ihren Ursprung in Amerika hatten. Allerdings bestand hier ein gewisses Risiko, da die amerikanischen Katholiken damals überwiegend fromme Kirchgänger waren [im Vergleich zu ihren europäischen Brüdern] und beachtlich zu den Finanzen des Vatikan beitrugen.
Im weiteren Verlauf des Konzils, und mit den entsprechenden Dokumenten in den Händen der Konzilsväter, wurde die Verurteilung der von Amerika ausgehende neuen Bedrohung der katholischen Moral immer offenkundiger. Zur „Verteidigung … der unveränderlichen Grundsätze der christlichen Moralwerte“, mußte das Konzil warnen, und zwar vor den gegenwärtigen Anstrengungen in der Welt der Mode, des Films und der Presse zur Erschütterung der Fundamente der christlichen Moral, gerade so, als müßte das Sechste Gebot als überholt gelten, und alle Leidenschaften, selbst widernatürliche, müßten toleriert sich ungehindert ausbreiten dürfen. Die Kirche wird sich zu dieser Frage äußern. Sie wird eine Klarstellung herbeiführen und erforderlichenfalls alle Versuche zur Wiederbelebung des Heidentums und des Mißbrauchs der Psychoanalyse, mit der alles gerechtfertigt wird, was im krassen Widerspruch zur Moralordnung steht, verurteilen.
Fünf Monate später produzierten die Druckerpressen noch immer Dokumente wie am Fließband zur Erörterung durch die Konzilsväter, mit denen alles Moderne und Amerikanische verurteilt wurde. Am 7. Mai 1962 veröffentlichte Kardinal Ottaviani ein Dokument mit dem Titel: „Der Wert von Jungfräulichkeit und Enthaltsamkeit.“ Es war ein Dokument, das sich nach seinen eigenen Worten „mit den akuten und dringlichst zu diskutierenden Moralproblemen unserer Zeit“ beschäftigte. Der italienische Filmproduzent Federico Fellini hatte es so ausgedrückt: „Amerikanische Filme als Promotor amerikanischen Verhaltens gefährde die Lebensführung insbesondere im katholischen Europa und Italien.“ Sollte die Kirche ihren Rang als Vorbild in Fragen der Sexualmoral verlieren, würde sie auch die Kontrolle über die Mehrheit der menschlichen Rasse verlieren. Weit davon entfernt, die Moderne abzusegnen, verurteilten die vorbereitenden Dokumente die Moderne als eine weitgefaßte Gelegenheit zur Sünde:
Das moderne Leben bietet zweifellos eine Fülle von Einladungen zum Negativen, wie Schönheitswettbewerbe, Spektakel, Spiele, illustrierte Magazine, Strände, Urlaubsorte, Ehebruch und bestimmte Sportarten. Aus diesem Grund läßt die Kirche niemals nach, jedem die Grundsätze der Sorgfalt, des Gewissens und der Verantwortung, die Rechte und Pflichten dieser Freiheit, und die Pflicht zur Aufmerksamkeit und Sorgfalt seitens der erziehenden Eltern und öffentlichen Ämtern in Erinnerung zu rufen. Aus demselben Grund weist die Kirche auf die Gefährlichkeit all dessen hin und verurteilt es als irrig, was sich zu einem Kult der Verehrung von Filmstars, Naturalismus und der sogenannten Sexualerziehung, Pansexualismus und bestimmter verletzender Aspekte der Psychoanalyse entwickelt hat.
Man mußte kein Genie sein, um zu erkennen, von welcher Personengruppe „der Kult der Filmstars, Pansexualismus und Psychoanalyse“ gefördert wurde. Es waren die Juden. Und so wurde das Konzil in vielerlei Hinsicht zum Schlachtfeld über die Frage, welche Interpretation von den Juden die normative sein sollte. Waren die Juden als „Volk des Alten Testaments,“ wie Jules Isaak sie darstellte? Oder waren die die Avantgarde der Moderne und die Förderer der verschiedensten Formen sexueller Abweichung als Mittel zur verdeckten Kontrolle, wie es von Kardinal Ottaviani ausdrücklich festgestellt worden war.
Die amerikanische Hierarchie mußte sich mit ihrem eigenen Judenproblem auseinandersetzen, seit sie die 1934 Rolle des Hollywood-Zensors durch die Schaffung des „Produktionskodex“ und der Gründung der „Anstands-Liga“ übernommen hatte. Auch die Psychoanalyse war durch den TV-Prediger Fulton J. Sheen verurteilt worden.
Im März 1947 predigte Sheen in der St. Patricks-Kathedrale in New York City über das Thema „Psychoanalyse und Beichte.“ In seiner Predigt lehnte er den Freudianismus als eine Lebensphilosophie auf der Grundlage des „Materialismus, Hedonismus, Infantilismus und Erotizismus“ kategorisch ab. Ungefähr zur selben Zeit erzählte Clare Booth Luce die Geschichte ihrer Bekehrung zum Katholizismus in der Februar/März 1947-Ausgabe des „McCall’s-Magazins“. Kurz nach ihrer Scheidung hatte Luce sich in die Behandlung des jüdischen Psychiaters Dorian Feigenbaum begeben und einer Psychoanalyse unterzogen. Luce war voller Ablehnung hinsichtlich der Behandlung durch die Juden. „Wir unschuldigen Christen,“ schrieb sie, „wurden durch das unheilige Triumvirat des Kommunismus, der Psychoanalyse und des Relativismus in den gegenwärtigen Zustand der Gottlosigkeit gelockt. Diese drei, symbolisiert durch Marx, Freud und Einstein, sind das Ergebnis des messianischen Impulses des frustrierten religiösen Ego der Juden.“
Es dauerte nicht lange, bis die Juden auf diesen Angriff reagierten. In einer Ausgabe von American Scholar des Jahres 1948 wurden Luce und Sheen des „Antisemitismus“ beschuldigt, weil sie „beim aufmerksamen Leser den Eindruck erwecken, die gegenwärtige spirituelle Unzulänglichkeit sei nicht nur Siegmund Freud anzulasten, sondern auch anderen hervorragenden Denkern jüdischer Abstammung.“ Das Time Magazine, das von Clare Luce’s Ehemann herausgegeben wurde, versuchte noch, die Wogen zu glätten, indem es Sheen mit Pater Coughlin verglich, aber die Front war in Amerika in diesem Kulturkampf klar abgesteckt, und, wie auch in der Auseinandersetzung über die Obszönitäten Hollywoods in den 1930er Jahren, standen die Juden auch diesmal auf der einen Seite, und die Katholiken auf der anderen.
Zur Zeit der Einberufung des Vatikanischen Konzils zeigten die amerikanischen Bischöfe klare Anzeichen von Erschöpfung bei ihrem Kulturkampf mit den Juden. Es hatte den Anschein, als würde das Konzil die Möglichkeit für einen Separatfrieden bieten. Andererseits hatte es den Anschein einer Auseinandersetzung zwischen den Amerikanern, die eine Annäherung an die Juden suchten, mit den Traditionalisten, wie Ottaviani, der Hollywood-Juden, Pansexuelle nach Reich und Freudianische Psychiater als Hauptbedrohung der durch zwei katastrophale Kriege geschwächten europäischen Moral erachtete. Angesichts der jüdischen Beherrschung der Medien, war leicht zu erkennen, wer in diesem Szenario als Übeltäter portraitiert wurde.
Hätte jemand darauf hingewiesen, daß in den vorbereitenden Dokumenten Hollywood, Pansexualismus und Psychoanalyse als Schlüsselwörter dessen angeführt wurden, was die Kirche als Jüdische Unterwanderung der Moral empfand, wären die ethnischen Dimensionen der Auseinandersetzung deutlich geworden, die allgemein lediglich für eine innerkirchliche Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen gehalten wurde. Aber niemand stellte das Konzil unter diesem Gesichtspunkt dar. Die Massenmedien taten es ohnehin nicht.
Wie in fast allen ethnischen Auseinandersetzungen, nahmen sehr bald politische Surrogate die Plätze der echten Mitspieler ein. Was dies betraf, wurde das Vatikanische Konzil als Schlacht zwischen den Mächten der Finsternis und Reaktion, symbolisiert durch die Gestalt von Kardinal Ottaviani, und den Mächten des Lichts und des Fortschritts, für die der Jesuit John Courtney Murray stand. Wenn ein Mann für dieses manichäische Szenario verantwortlich war, ist es Robert Blair Kaiser. Wenn es ein Organ für die Verbreitung dieses Ansichten gab, war es das Time Magazine. Kaiser trat gegen Ende der 1940 in den Jesuitenorden ein, und verließ ihn Mitte der 1950er Jahre. Durch eine Mischung von Modernismus und den evolutionären Gedanken eines Teilhard de Chardin, war der davon überzeugt, die Ziele der Jesuiten besser erreichen zu können, wenn er dem Orden nicht mehr angehörte. Angesichts dessen, was aus den Jesuiten geworden ist, war dies zumindest eine Haltung, über die man diskutieren könnte, allerdings nicht in der Weise, wie Kaiser es gesehen haben wollte. Schon sehr bald wurde er in Kalifornien zum Starjournalisten, der mit seinem Thunderbird-Sportwagen von einem Termin zum nächsten fuhr. Dann heiratete er und bekam eine Anstellung beim „Time Magazine.“
Als das Zweite Vatikanische Konzil am 13. Oktober 1962 eröffnet wurde, war Kaiser anwesend, um darüber zu berichten. Kaiser nimmt für sich in Anspruch, das Times Magazine zu dem umgewandelt zu haben, was er als „Weltsicht“ bezeichnete, die er durch die er als Jesuitenschüler aus den Schriften Teilhard de Chardins und des Kardinals Suhard kennengelernt hatt. „Indem die Information einer internationalen Gemeinschaft von Männern und Frauen zur Verfügung gestellt wurden, die ein ungewöhnliches Mitspracherecht auf diesem Planeten hatten, trug das ‘Time Magazin’ zu einer besseren Welt bei, indem es die Kommunikationskanäle wieder öffnete, die solange verstopft gewesen waren. Es war eine lohnenswerte Angelegenheit“. Time Magazin seinerseits, war zum Sprachrohr des amerikanischen Standpunktes geworden, wie er von John Courntey Murray und den Luce’s vertreten wurde.
Kaisers Berichterstattung entsprach der Geisteshaltung der Jesuiten, die sich der „Kirchenreform“ mittels der Medien verschrieben hatten. Kaiser war so eifrig bemüht, den Standpunkt der Liberalen zu vertreten, daß ihn sein Chefredakteur mit einem Memorandum bremsen mußte: „Wir haben uns eindeutig in unserer Berichterstattung auf die Reformation der Katholischen Kirche festgelegt, wie sie von Papst Johannes XXIII. angestrebt wurde, und vermutlich von Papst Paul VI. Fortgesetzt werden wird. Ich möchte auf folgendes hinweisen: Wir sollten unsere Berichterstattung nicht so einseitig gestalten, daß wir eher als Partei, denn als skeptische Zuschauer erachtet werden.“ Zur Reformierung der Kirche durch ‘Time Magazin’ gehörte es auch, die geniale Person Johannes XXIII. zu einer Persönlichkeit hochzustilisieren, die gegenüber allem aufgeschlossen war, was die moderne Welt an der Katholischen Kirche haßte. Im Ergebnis portraitierte Kaiser den Papst als einen „heimlichen Modernisten, der sich nach seiner Wahl zum Papst offen zum Modernismus bekannte“.
Das einzige Gebiet, auf dem die Kirche im Bereich der modernen Welt völlig aus dem Tritt geraten zu sein schien, war ihre Einstellung gegenüber den Juden. Um hier Abhilfe zu schaffen, soll Johannes XXIII. nach Kaiser „Kardinal Bea beauftragt haben, ein Schema für das Konzil vorzubereiten, mit dem die alte katholische Geschichte, die Juden hätten Christus ermordet und folglich die Ewige Verdammnis über sich und ihre Kinder gebracht, ein für allemal erledigt werden könnte. Es sei ein Mythos, der den Antisemitismus über Jahrhunderte genährt hätte.“ Eine der Überzeugungen des Modernismus nach Roncalli, war seine Überzeugung, daß Juden sich nicht zum Christentum bekehren müssen, um gerettet zu werden.
Als Beweis bot Kaiser eine Anekdote an, die er von Msgr. Loris Capovilla, Privatsekretär des Papstes, gehört hatte. „Als ein junger Jude zu Roncalli kam und darum bat, katholisch zu werden, wies ihn der zukünftige Papst mit der Aufforderung ab, „Bleibe ein guter Jude, den katholisch zu werden, würde deine Eltern umbringen.“ Später ließ sich Roncalli erweichen und taufte den Mann, allerdings insgeheim. Jahre später, nachdem Roncalli zum Papst gewählt war, bat derselbe junge Mann Roncalli, ihm die Firmung zu spenden, worauf dieser angeblich antwortete: „In Ordnung, aber du mußt trotzdem ein guter Jude in deiner Synagoge bleiben, unterstützte die Jüdische Schule, denn als Katholik bist du nicht weniger jüdisch geblieben.“
Falls sie wahr ist, offenbart diese Anekdote eine fatale Doppelsinnigkeit im Hinblick auf die jüdische Frage, wie sie auf dem Konzil diskutiert wurde. Zu dem theologischen Irrtum, die Juden, wie Jules Isaak, als das „Volk des Alten Testaments“ zu sehen, kam noch die trübe Beziehung von Rasse und Sakrament hinzu, die ihr häßliches Haupt in Deutschland zur Zeit der Reichlin-Pfefferkorn-Kontroverse erhoben hatte, und sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weiter eintrübte. Die entscheidende Frage war einfach: Blieb ein Jude ein Jude, nachdem er getauft wurde? Die traditionelle Antwort der Katholischen Kirche auf diese Frage lautete „nein.“ Ein Jude, der Christus ablehnte, hörte ipso facto im Moment der Taufe auf, ein Christusleugner zu sein. Dies bedeutete, daß Juden vorbehaltlos in die katholische Kirche aufgenommen werden können, weil sie durch die Taufe aufhörten, Juden zu sein. Wenn andererseits aber katholisch zu werden bedeutete, „dadurch bist du nicht weniger ein Jude,“ dann war die jüdische Identität wiederum an das Blut, die Rasse, die geheiligte DNA gekoppelt. An jene Meinung, die von Christus im Evangelium nach Johannes ausdrücklich verworfen wurde. An diesem Punkt war noch nicht klar, welchen Weg die Kirche in ihrem Schema über die Juden einschlagen würde.
Im August 1962 gewährte Kardinal Bea dem Jewish Chronicle ein Interview, in dem er unmißverständlich bestätigte, die Kirche beabsichtige, das Konzil als Gelegenheit zu nutzen, den Antisemitismus offiziell radikal zu verurteilen. Nach Beendigung der ersten Sitzungsperiode des Konzils gegen Ende 1962, nutzte Bea die Zeit bis zum Beginn der zweiten Sitzungsperiode, um sich mit den Juden zu beraten. Die Juden, oder besser, die großen jüdischen Organisationen, nutzten die Gelegenheit, sich für Zugeständnisse der Kirche einzusetzen. Rabbi Abraham J. Heschel, der Bea seit der Zeit kannte, als sie dreißig Jahre zuvor Studenten in Berlin gewesen waren, arbeitete mit dem American Jewish Committee [ACL] zusammen das ein Dokument mit dem Titel „Die Darstellung des Juden in der Katholischen Lehre“ veröffentlicht hatte, das Bea als Teil seiner Vorbereitungen für den Dialog mit den Juden gelesen hatte, der im Januar 1963 aufgenommen wurde.
Heschel verlangte vom Vatikan die Verurteilung dessen, was er als „Proselytisierung“ bezeichnete, was einem Widderruf des Glaubens gleichkam, die Juden müßten Jesus als ihren Erlöser anerkennen, um in das Himmlische Königreich zu gelangen. Ferner forderte er vom Konzil das Verbot jeglichen Bezugs auf die Juden als eine verfluchte Rasse. Die Behauptung von der „verfluchten Rasse“ war hauptsächlich eine jüdische Extrapolation des Abschnitts in Matthäus 27:26 das Jüdische Volk „mit einer Stimme [Pilatus, nachdem dieser die Freilassung Jesu angeboten hatte] zurief: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“
Aber die eigentliche Angelegenheit, um die es ging, und der sich die Juden nicht stellen wollten, war ihre Zurückweisung Christi, die auch weiterhin gegeben war, und zwar nicht wegen irgendeiner okkulten Macht, sondern gemäß dem ausdrücklichen Willen der Juden. Indem sie diese Zurückweisung als einen Fluch beschrieben, gelang es den Juden sofort, die Zurückweisung Christi nicht nur zu verharmlosen und den Schwerpunkt nicht auf ihr Verhalten zu legen, sondern die Kirche irgendeines okkulten Voodoo-Zaubers zu beschuldigen, der, obwohl grundsätzlich harmlos, denn zu Vorurteilen geführt hat, die zu Verfolgungen führten und ihren Höhepunkt selbstverständlich mit dem Holocaust erreicht hatten. B’nai B’rith forderte beispielsweise von der Kirche die Streichung aller Passagen aus der katholischen Liturgie, die von ihnen als antisemitisch bezeichnet wurden.
Selbstverständlich war dies ein unmögliches Verlangen, weil sich die gesamte Liturgie auf Schriftstellen aufbaute, die – wenn nicht antisemitisch – so doch zweifellos antijüdisch waren. Praktisch das gesamte Evangelium nach Johannes und die Apostelgeschichte handelt von dem Konflikt zwischen den Juden, die Christus als ihren Erlöser akzeptiert hatten und jenen Juden, die Christus strikt ablehnten. Da alle diese Texte 1] zentral für jede denkbare katholische Liturgie, und 2] angefüllt waren mit individuellen Vergleichen zwischen dem Neuen Israel, was der Katholischen Kirche entsprach, und dem Alten Israel, das von Christus wegen seiner Blindheit und Aufsässigkeit abgewiesen wurde, war kaum zu erkennen, wie ein Dialog dieser Art Fortschritte bringen könnte. Es sei denn, der Zweck des Dialogs war ein völlig anderer als behauptet wurde.
Jene, die das Schema über die Juden ablehnten, behaupteten, daß von Anfang an seitens der Juden völlig andere Motive hinter der Diskussion standen. Ihre Befürchtungen wurden, drei Jahre, nachdem vollendete Tatsachen geschaffen wurden, am 31. März 1963 bestätigt, als eine Limousine, die Kardinal Bea im New Yorker Plaza-Hotel abgeholt hatte, ihn zum sechs Blöcke entfernten Büro des American Jewish Committee brachte. Als Bea eintraf, wurde er von einem „modernen Sanhedrin“ begrüßt. Das Treffen wurde selbstverständlich vor der Presse geheim gehalten. Und es wurde auch vor dem Vatikan geheim gehalten. „Ich bin nicht berechtigt, hier offiziell zu sprechen,“ ließ Bea die Juden wissen. „Ich kann daher nur darüber sprechen, was nach meiner persönlichen Meinung durch das Konzil erreicht werden kann und erreicht werden sollte.“ Die Juden, fuhr Bea fort, werden des Gottesmordes beschuldigt, „und auf ihnen liege angeblich ein Fluch.“ Nach dem einzigen über diese Zusammenkunft vorliegenden Bericht, soll Bea angeblich beide Beschuldigungen zurückgewiesen haben. „Weil selbst in den Berichten der Evangelisten berichtet wird, daß lediglich die Anführer der Juden und eine kleine Gruppe ihrer Anhänger die Todesstrafe für Jesus gefordert hatten. Alle Nichtanwesenden und die nachfolgenden Generationen, könnten ohnehin nicht des Gottesmordes bezichtigt werden,“ erklärte Bea. Was den Fluch betreffe, könne er die an der Kreuzigung beteiligten Juden nicht treffen, argumentierte der Kardinal, weil die letzten Worte Jesu ein Gebet waren, mit dem Er für sie um Vergebung flehte.
Bea schloß seine Ausführungen gegenüber den Rabbinern mit der Feststellung, „es sei falsch, die Hauptursache für den Antisemitismus allein in religiösen Quellen zu suchen – in den Evangeliumsberichten, beispielsweise. Diese religiösen Vorwände, die beständig herangezogen werden, dienen häufig lediglich als Vorwand, als Schleier für völlig andere taktische Gründe. Worum es sich bei diesen anderen „taktischen Gründen“ konkret handelte, hat Kardinal Bea nie erklärt. Oder falls er es getan hat, wurde über seine Erklärung nie berichtet.
Als Ergebnis der Zusammenkunft mit Bea, stellten die jüdischen Organisationen zwei Lobbyisten dazu ab, den Fortschritt des „Juden-Schema“ im Konzil zu beobachten. Es waren Joseph Lichten von der Anti Defamation League [ADL] von B’nai B’rith und Zachariah Schuster vom American Jewish Committee [AJC]. Beide Männer hatten durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg Angehörige verloren. Und beide Männer waren dazu entschlossen, „die stärkstmögliche jüdische Deklaration“ aus Rom zurückzubringen, so daß ihre jeweiligen Organisationen den Erfolg für sich in Anspruch nehmen könnten.
Außer dem Einsatz von Lichten und Schuster zur Bearbeitung der Kirchenväter in Rom, trachteten die Juden auch danach, das Klima der öffentlichen Meinung durch andere Mittel zu ihren Gunsten zu verändern. Am 20. Februar 1963 hatte Rolf Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ in Berlin Premiere. Hochhuth stellte Papst Pius XII. als kriminell nachlässig durch Schweigen gegenüber der Deportation der Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg dar. Nachdem das Stück auch in London aufgeführt wurde, bezeichnete Giovanni Battista, Erzbischof von Mailand und bald darauf Papst Paul VI. das Stück als eine Verleumdung Papst Pius XII., dessen Sekretär er gewesen war. Dem Papst war zweifellos bekannt, daß Erwin Piscator, ein jüdischer Kommunist, zusammen mit den bereits genannten jüdischen Organisationen, hinter der Finanzierung des Stückes standen. Msgr. Oesterreicher, der jüdische Konvertit, der unter Kardinal Bea an dem Jüdischen Schema arbeitete, beschuldigte AJC und ADL wegen ihrer Finanzierung der Aufführungen der Brunnenvergiftung in bezug auf den interreligiösen Dialog. „Die jüdischen Organisationen zur Förderung der menschlichen Beziehungen,“ schrieb er im Jesuiten-Magazin „America,“ „müssen sich klar und unmißverständlich von „Der Stellvertreter“ distanzieren. Anderenfalls werden sie ihrem Zweck nicht gerecht.“
Selbstverständlich ignorierte die Presse die Warnung Osterreichers und konzentrierte ihre Bemühungen darauf, die Anschuldigungen Hochhuths, die für die Erörterungen der Judenfrage durch das Konzil von erheblicher Bedeutung waren, möglichst hochzuspielen. In diesem Zusammenhang war die Botschaft, die Hochhuth vermittelte, klar: Sollte der Papst – Johannes XXIII. lag im Sterben, und ein Unbekannter wartete auf die Nachfolge – nicht in die Geschichte als ein zweiter Pius XII. eingehen wollen, schuldig wegen seines Schweigens, wäre er gut beraten, das Schema über die Juden in deren Sinne zu verabschieden.
Wovor Oesterreicher gewarnt hatte, trat jetzt ein. Die Vorstellung von einer Juden orchestrierten Medienkampagne mußte zu einer Reaktion führen. Trotz der Versicherungen Beas, begann Amleto Kardinal Ciognani, ein machtvoller Konservativer der Kurie und ehemaliger Päpstlicher Delegat in den Vereinigten Staaten von Amerika, angesichts dieser unglaublichen Medienkampagne und der Aktivitäten der jüdischen Lobbyisten Befürchtungen dahingehend zu äußern, daß es nicht im besten Interesse der Kirche wäre, eine Erklärung zur Judenfrage abzugeben. Bea reagierte darauf mit der Feststellung, er hätte gegenüber den Juden bereits versichert, es würde eine entsprechende Erklärung geben, und sollte diese Versicherung nicht eingehalten werden, würde man es als Verlogenheit der Kirche auslegen.
Mit wachsendem Widerstand der Konservativen, behauptete Bea auch weiterhin, „ er hätte im Verlauf der vergangenen drei Jahre ein Klima der Erwartung geschaffen, und zwar in den Kreisen des Weltjudentums, als auch in den pluralistischen Gesellschaften Amerikas und Deutschlands Erwartungen geweckt, denen entsprochen werden muß, um die gehegten Wünsche zu erfüllen. [O’Connell, Die Jüdische Lobby und Vatikan II]. Die jüdische Vatikan-Lobby würde ein „Nein“ des Zweiten Vatikanischen Konzils als Antwort nicht akzeptieren und müsse zufriedengestellt werden.“
Die Kampagne gegen Pius XII. begann je doch nicht mit Hochhuths Theaterstück. Sie begann in Frankreich im Jahre 1951 mit Francois Mauriacs Angriff, für den er später den Literatur-Nobelpreis erhielt. Später würde Mauriac Elie Wiesels heftig antichristliche jiddische Memoiren „Un di Velt hat geschwigen“ bereinigen und daraus „La nuit“ machen, was wiederum Wiesel den Nobelpreis einbrachte. Im Jahre 1958 führte eine jüdische Kommunistin namens Francoise Cousteix-Drohocki die Beschuldigungen Mauriacs weiter aus: „Warum,“ fragte sie, „sollte Pius XII. als Papst des Friedens anstatt Papst des Krieges bezeichnet werden? Er hat Letzteren ebensowenig beendet, wie er Ersteren durchgesetzt hat… Das Pontifikat Pius XII. war völlig bankrott: Krieg, Folter, die Auslöschung des Individuums, die Grausamkeit in all ihren Formen hatte einen Ebene erreicht, die nie zuvor erreicht worden ist. Es ist eine Schande, daß Pius XII. sich niemals zur Exkommunizierung der Nazis in der Weise entschlossen hat, wie er die Kommunisten exkommunizierte. Wenn ihm nicht bekannt war, was sich in Nazi-Deutschland ereignete, waren alle Horchposten des Vatikan nutzlos. Wenn er es jedoch gewußt hat …“ Fünf Jahre später wurden dieselben Beschuldigungen in Hochhuth’s Theaterstück übernommen.
Am 3. Juni 1963 starb Papst Johannes XXIII., und im nachfolgenden Konklave wurde Montini, der sich bereits vehement gegen „Der Stellvertreter“ ausgesprochen hatte, zu seinem Nachfolger gewählt. Paul VI. hatte die verzwickte Judenangelegenheit geerbt, die sein Vorgänger ins Leben gerufen hatte. Andererseits war sich Montini der Erwartungen bewußt, die Bea bei einer Gruppe von Leuten geweckt hatte, die dazu entschlossen waren sich ihre Vorteile mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu sichern. Andererseits kannte er aber auch die wachsende Ablehnung im konservativen Lager, zu der das jüdische Drängen und ihre Manipulation der Medien geschaffen hatte. Insbesondere, was die Verleumdung Pius XII. betraf. Es war seine Aufgabe, diese sich zunehmend feindseliger gegenüberstehenden Lager miteinander zu versöhnen.
Die zweite Sitzungsperiode des Konzils begann am 20. September 1963. Das Hauptanliegen dieser Sitzungen war das Schema „De Ecclesia.“ Nachdem er erfahren hatte, daß das Schema über die Juden in ein umfangreicheres Dokument über die Ökumene aufgenommen worden war, rief der Israelische Botschafter in Italien Papst Paul VI. Am 2. November an, um sich nach den „Chancen des Dokuments bezüglich der Judenfrage“ zu erkundigen. Da er spürte, „daß etwas unternommen werden mußte, um die Enttäuschung der Juden zu mildern, zumindest vorübergehend,“ entwickelten Paul VI. und seine Berater den Plan für einen Israelbesuch im Rahmen einer Reise in den Mittleren Osten. Durch die Anerkennung „der Existenz des Judenstaates“ hoffte Paul VI. „die Enttäuschung zu mildern.“ Aber die jüdische Lobby war nicht bereit, ein „Nein“ als Antwort zu akzeptieren. Gleichzeitig verstärkte sich der Widerstand der Bischöfe gegen das Dokument aus denselben Gründen. Der Besuch des Heiligen Landes war eine Möglichkeit zum Ausdruck zu bringen, daß die Spannungen größer waren, als normale Sterbliche abzubauen vermochten. Aus der jüdischen Perspektive war die zweite Sitzungsperiode des Konzils, die am 4. Dezember 1963 endete, ein totale Enttäuschung.
Aber die Breitseiten der Medien wurden unablässig fortgesetzt. Schuster und Lichten wurden zu Experten darin, ihre Besorgnis in der New York Times zu veröffentlichen. Fritz Becker, der Lobbyist für den „World Jewish Congress,“ spezialisierte sich auf stumme Diplomatie. „Wir teilen nicht die amerikanische Ansicht,“ sagte er, wobei er sich auf seine Kollegen Lichten und Schuster bezog, „von der Bedeutung, alles in den Medien zu veröffentlichen.“
Kurz nach Beendigung der zweiten Sitzungsperiode hatte „Der Stellvertreter“ am 9. Dezember 1963 in Paris Premiere. Vier Tage später in Basel, Schweiz. Die jüdische Lobby hält den Druck mit drei weiteren Premieren des Anti-Papst-Stücks aufrecht: In Wien am 22. Januar 1964, in New York am 28. Februar, und in Tel Aviv am 20. Juni. Erbost darüber, daß die zweite Sitzungsperiode ohne eine Abstimmung über das jüdische Schema geendet hatte, forderten die Jüdische Lobby von den amerikanischen Kardinälen, auf den Pontifex dahingehend Druck auszuüben, daß er seine Zustimmung zu einer Deklaration über die Juden erteile. Aber niemals begab sich eine Delegation amerikanischer Kardinäle zum Papst, um auf der Diskussion über Religionsfreiheit und das Dokument über die Juden zu bestehen. „Auf den Heiligen Vater übt man keinen Druck aus,“ erklärte ein amerikanischer Kardinal lakonisch, als er mit einer solchen dringenden Forderung konfrontiert wurde.
Aber jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo das Verhalten der jüdischen Lobbyisten zu Reaktionen führte. Pamphlete über die Juden tauchten im Konzil auf. „Die Juden und das Konzil im Lichte der Heiligen Schriften“ von Bernardus bot die „höchst rationale Darstellung der Judenfrage vom Standpunkt des offiziellen Konservativismus der Kirche und des Antisemitismus. Seine Botschaft: Aus den Schriften ergibt sich über jeden Zweifel erhaben, daß die Juden aus freiem Willen zu Gottesmördern geworden sind. Diese Lehre werde von den Kirchenvätern unterstützt. Der hl. Thomas von Aquin schrieb in diesem Zusammenhang: „Die Haltung des Römischen Pontifex kann nur als Bestätigung gesehen werden, daß die Juden an einer weltweiten Verschwörung mit dem Ziel der Zerstörung der Kirche beteiligt sind. Folglich muß jeder gegenüber den Juden mißtrauisch sein, und nicht einen fundamentalen dogmatischen Standpunkt der Kirche preisgeben.“ Auf das Traktat von Bernardus folgte Complotto contra la Chiesa, von dem viertausend Exemplare unter den Kirchenvätern verteilt wurden.
Ausgestattet mit einem unerschöpflichen Spesenkonto der „New York Times,“ verwandelte Robert Blair Kaiser sein geräumiges römisches Appartement in einen „Versammlungsort für konziliar Progressive… für jene, die am härtesten daran arbeiteten, die Dinge stets auf dem aktuellsten Stand zu halten.“ Zu den regelmäßigen Sonntagabend-Soirees, wo die „Kräfte des Lichts“ über die Aktivitäten der vergangenen Woche reflektieren konnten, kamen jetzt noch fast tägliche Abendessen, bei denen Kirchenführer über ihre Hoffnungen für eine zukünftige Kirche mit Personen diskutieren konnten, die sie sonst niemals in ihrem Leben getroffen hätten.
So sah sich Bischof Mendez von Cuernavaca in Mexiko, eines Abends in Kaisers Appartement dem Hollywood-Regisseur Otto Preminger gegenüber. Zu ihnen gesellten sich Kaiser und Gregoire LeMercier, Prior des Benediktinerklosters in Cuernavaca, der Kaisers Gästen erklärte, wie vorteilhaft sich bei ihm eine Psychoanalyse ausgewirkt hatte. Im Ergebnis hatte er seine Mönche davon überzeugt, seinem Beispiel zu folgen. Jetzt erläuterte er gegenüber Preminger, wie die Psychoanalyse nach Freud sie alle zu besseren Benediktinern gewandelt hatte. Preminger, der wie auch Kardinal Ottaviani und Bischof Sheen der Ansicht waren, daß sich Katholizismus und Freudianismus wie Öl und Wasser zueinander verhielten, fragte LeMercier, wo er einen katholischen Psychiater gefunden hätte.
Es ergab sich, daß LeMercier keinen katholischen Psychiater finden konnte, und so hatte er die Dienste eines Atheisten und Juden für sich und seine Mönche in Anspruch genommen. Dieser wiederum, brachte eine weibliche Assistentin mit, der es gelang, viele Mönche davon zu überzeugen, sie seien allein aus Furcht vor der Sexualität ins Kloster eingetreten. Nachdem sie diese Botschaft verstanden hatten, traten viele Mönche aus dem Orden aus. LeMercier, man sollte sich daran erinnern, hatte behauptet, die Psychoanalyse hätte das Klosterleben gestärkt. Eine Behauptung, die Otto Preminger zu ungläubigem Kopfschütteln veranlaßte. Jetzt wandte sich Kaiser an Bischof Mendez und bat um dessen Ansicht über die Inanspruchnahme eines Psychiaters durch den Abt mit der Folge, daß sich ein unter seiner Jurisdiktion stehendes Kloster praktisch auflöste. „Mit Gregorios Hilfe,“ antwortete der Bischof, „bereite ich eine Eingabe für das Konzil vor. Ich denke, es ist an der Zeit, daß wir Freud taufen.“
Man kann sich fragen, wie Kardinal Ottaviani die Frage Kaisers beantwortet hätte, aber Ottaviani wurde in dieses Appartement nicht eingeladen. Einer der Konzilsväter, der regelmäßig dort auftauchte, war ein irischer Jesuit namens Malachi Martin. Martin, wie auch Bea, waren mit dem Biblicum verbunden, und auch Martin arbeitete hinter den Kulissen am Jüdischen Schema. Kaiser, der durch sich durch seine bei den Jesuiten genossene Ausbildung dem Orden noch immer Verbunden fühlte, war der Meinung, Martin sei „einer von den Guten,“ der „in seinen maßgeschneiderten Anzügen als Priester eine gute Figur machte.“ Malachi Martin, so hatte Kaiser gehört, war „zur Rettung des Biblicums vor den Konservativen, die es auflösen wollten,“ nach Rom gesandt worden.
Das Gefühl der Bewunderung beruhte auf Gegenseitigkeit, oder zumindest scien es anfangs so zu sein. Nach einem ihrer gemeinsam verbrachten Sonntagabende, ging Martin auf Kaier zu und „flüsterte ihm verschwörerisch“ ins Ohr,, „wie wichtig diese Zusammenkünfte für den Fortschritt des Konzils geworden waren… Jeder Kleriker, den ich getroffen habe, spricht über diese Partys. Sie sagen, dies sei der Ort, wo Ideen Gestalt annehmen, Freundschaften geschlossen und Pläne für die kommende Woche geschmiedet werden“ . Es war diese Art von Schmeichelei, die Kaiser hören wollte, denn irgend wann hatte er entschieden, daß er auch nach Rom gesandt worden war, um die Dinge zu beeinflussen, über die er berichten sollte. Martins Zugang zu Schlüsselfiguren hatte ihn nicht nur zu einer wertvollen Quelle für Insider-Informationen werden lassen, sondern gab ihm auch das Empfinden, daß er auf den Ausgang des Konzils einen positiven Einfluß ausüben könnte.
Es sollte nicht lange dauern, bis Kaiser an beiden Aspekten Zweifel hegte. Zunächst schwand sein Vertrauen in Martin als verläßliche Quelle. Zwar hatte Martin ihm unendlich viele Insider-Informationen geliefert, aber wenn Kaisers Berichte ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten, war Martin nicht bereit, seine zuvor gelieferten Informationen öffentlich zu bestätigen. Andere sollten dieselben Erfahrungen machen. Nachdem Pater Gus Weigel in der „New York Times“ mit der Erklärung zitiert wurde, das Juden-Schema befände sich in ernsten Schwierigkeiten, wurde er von Kardinal Bea ermahnt und gescholten, er verbreite die Unwahrheit und wurde auf die Schwarze Liste gesetzt. Kaiser wußte, daß Weigels Quelle Malachi Martin gewesen war, weil dieser versucht hatte, ihm dieselbe Geschichte zur Veröffentlichung im Time Magazine zu verkaufen. Martin blieb sehr zur Verblüffung Weigels dabei, daß die Geschichte trotz der Dementis von Bea und Willebrands wahr sei. Es war der Zeitpunkt, wo Kaiser aufhörte, Martin als Quelle zu benutzen, aber er war noch immer nicht in der Lage, die dahinter stehende Taktik und das Ziel zu erkennen.
Da Martin der Assistent Beas war, galt seine Hauptsorge damals dem „Jüdischen Schema.“ Martin lieferte Kaiser einen beständigen Strom von Informationen, aus denen sich ergab, wie Martin die reaktionären Kräfte in der Kurie bekämpfte, die sich – so Martin – mit Prälaten aus arabischen Staaten verbündet hatten und entschlossen waren, „die katholisch-jüdischen Beziehungen zu sabotieren, indem sie das „Jüdische Schema“ inhaltlich verwässern und verfälschen wollten. Um dies zu erreichen, scheuten „sie“ auch nicht davor zurück, von Beas Büro gefälschte Telegramme an das American Jewish Committee in New York zu senden, oder gefälschte Briefe auf Beas Briefkopf an den Zentralrat des Konzils zu verschicken.
Nach dem Weigel-Vorfall war Kaiser davon überzeugt, daß Martin falsche Geschichten über das „Juden-Schema“ verbreitete. Nachdem er sich einmal die Finger verbrannt hatte, nachdem er von Martin erhaltene Informationen in seinen Berichten für „Time Magazine“ verwendet hatte, erkannte er sehrschnell, daß Martin ihn zu seinem eigenen Vorteil manipulierte. Worum es sich bei diesen Vorteilen handelte, wurde an einem Sonntagabend deutlich, als Malachi Martin mit „zwei wichtigen amerikanischen Juden, Vertretern des American Jewish Committee,“ in Kaisers Appartement auftauchte.
Plötzlich wurde Martins Grund für die Verbreitung von falschen Informationen, die Weigels Ruf ruiniert hatten, offenkundig. Martin, so vermutete Kaiser jetzt, war ihr Lobbyist. Diese Juden benutzten ihn und bezahlten gut für seine Hilfe, von der sie glaubten, sie zu benötigen, weil sie alle diese Geschichten in der „New York Times“ gelesen hatten. Martin hatte diese Geschichten verbreitet und behauptet, das Juden-Schema sei gefährdet. Auf diese Weise konnte er bei den Juden den Eindruck erwecken, daß seine Bemühungen zur Rettung des Dokuments, das in keiner Weise gefährdet war, unverzichtbar seien. Die Juden waren auf Martins Trick hereingefallen und sie entlohnten ihn großzügig für sein Eintreten für ihre Interessen. Im Verlauf des Sommers, zwischen der zweiten und dritten Sitzungsperiode des Konzils, hatte Kaiser „bemerkt, daß Malachi Marti…
von E. Michael Jones
Im Jahre 1960 reiste ein französischer Jude namens Jules Isaak nach Rom, um darüber zu diskutieren, was er für die zweitausend Jahre alte „Lehre der Geringschätzung“ der Katholischen Kirche gegen sein Volk erachtete. Isaak war der ehemalige Generalinspekteur der Öffentlichen Schulen Frankreichs und ein Historiker, der zwei Bücher über die katholische Haltung gegenüber den Juden verfaßte, nachdem er mehrere Familienmitglieder während des Krieges verloren hatte. In beiden Büchern, in Jesus et Israel, veröffentlicht 1946, und Genese de l’Antisemitisme, veröffentlicht zwei Jahre später, führte Isaak zwei Punkte an, die den katholisch-jüdischen Dialog für den Rest des Jahrhunderts beherrschen sollten. Isaak behauptete: 1] Die Katholische Kirche hätte über zweitausend Jahre Antisemitismus gelehrt, und 2] daß diese Lehre ihren letztendlichen Ausdruck in dem Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs gefunden hätte.
Nach und nach hinterließen seine Schriften bei den Katholiken Frankreichs und darüber hinaus einen nachhaltigen Eindruck. Pater Paul De Mann aus Paris, und Pater Gregory Baum, ein jüdischer Konvertit aus Kanada, begannen damit, Isaaks Thesen in katholischen Kreisen zu verbreiten. Baum bezeichnete Jesus et Israel als „einen bewegenden Bericht über die Liebe Christi, die Er für Sein Volk, die Juden, empfunden hatte, und der Mißachtung, die den Juden später von den Christen entgegengebracht wurde.“ Im Jahre 1947 nahm Isaak an einer internationalen Konferenz in Selisberg, Schweiz, teil, und das Ergebnis war ein Memorandum mit 18 Punkten über die „Korrektur der Christlichen Lehre im Hinblick auf Israel.“
Im Jahre 1949 traf sich Isaak mit Papst Pius XII. Aber die Besprechung blieb ohne Ergebnis. Warum ist nicht schwer zu verstehen. Trotz der offenen heidnischen Ideologie des Nationalsozialismus in Deutschland, und der Unruhe die diese Ideologie in seine Familie gebracht hatte, war Isaak davon überzeugt, die gefährlichste Form des Antisemitismus sei das Oxymoron, bekannt als christlicher Antisemitismus. Weil es sich hier um einen ideologischen und nicht rassistischen Antisemitismus handelte, hatte er sich entschieden länger gehalten als Hitlers rassistische Ansichten. Seine Wurzeln reichten bis auf die fundamentalen Texte des Christentums zurück, insbesondere die Evangelien nach Matthäus und Johannes, wie auch die Schriften der Kirchenväter, beispielsweise des hl. Johannes Chrysostomos, hl. Ambrosius, hl. Augustinus und Papst Gregor des Großen.
Als Isaak zu seinem zweiten Besuch im Vatikan eintraf, hatten sich die Zeiten seit 1949 dramatisch verändert. Zunächst einmal hatte der geniale Giuseppe Roncalli die Nachfolge des ernsten Eugenio Pacelli angetreten, aber die veränderte Atmosphäre konnte auf mehr als nur die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Päpste zurückgeführt werden. Roncalli hatte zwar den Krieg erlebt, aber Pacelli war während des Aufstiegs des Nationalsozialismus päpstlicher Nuntius in Deutschland gewesen. Während der ersten und zweiten bayerischen Sowjetrepubliken hielt er sich in München auf. Er hatte die Levin-Regierung und deren Vertreter aus erster Hand erlebt, als er 1919 den Wittelsbach-Palast besuchte, und er wußte, daß der Aufstieg Hitlers in Bayern im Jahre 1923 von den dortigen Exzessen jüdischer Bolschewisten des Jahres 1919 gefördert wurde, und nicht durch das Lesen der Predigten des hl. Johannes Chrysostomos oder des Evangeliums nach Johannes.
Pacelli war aus dem Zweiten Weltkrieg als Held hervorgegangen, ein Status, der vom Weltjudentum anläßlich seines Todes im Jahre 1958 bestätigt wurde. Aber jetzt wehte ein neuer Wind im Vatikan, und Isaak sah eine Chance für sein Anliegen. Abgesehen von ihrer Stellung in den kommunistischen Ländern, stand die Katholische Kirche im Jahre 1960 in hohem Ansehen, und sie beabsichtigte, dieses Ansehen zur Förderung der Einheit zu nutzen – Einheit unter den Christen und Versöhnung mit den Juden. Das Vatikan-Sekretariat zur Förderung der christlichen Einheit war wenige Monate zuvor unter der Leitung von Augustin Kardinal Bea von Papst Johannes XXIII. eingerichtet worden. Bea kannte die Juden aus seiner Studienzeit in Berlin. Aus jüdischer Sicht war die Zeit reif für massiven Druck, um die Verurteilung all dessen zu erwirken, was von der Lehre der Katholischen Kirche über die Juden abgelehnt wurde.
Die Französische Botschaft, wo man die Bedeutung der hinter Isaak stehenden Persönlichkeiten ahnte, arrangierte 1960 eine Zusammenkunft mit Kardinal Tisserant, der die Bedeutung der Angelegenheit gleichermaßen erkannte und Isaak die Türen des Vatikan öffnete. Isaak wünschte eine Audienz bei Papst Johannes XXIII., aber statt dessen wurde er zum Präfekten des Heiligen Offiziums, Alfredo Kardinal Ottaviani, geschickt, der ihn an den damals 83jährigen Andrea Kardinal Jullien in der Hoffnung weiterverwies, daß die Zusammenkunft dieser alten Männer, die beide fast taub waren, zu keinem Ergebnis führen würde. Ottaviani irrte sich. Nachdem er sein Anliegen vorgetragen hatte, schwieg Isaak in Erwartung einer Antwort. Nach mehreren Minuten, die wie eine Ewigkeit anmuteten, sprach Jullien schließlich das Wort aus, das den Schlüssel zu der Tür lieferte, die Isaak geöffnet sehen wollte. Das Wort lautete: „Bea.“ Bea stand für Augustin Kardinal Bea, des deutschen Jesuiten, Bibelgelehrten und Autors der Enzyklika Pius XII. Divini Afflante Spiritu.
Am 13. Juni 1960 wurde Isaak endlich eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. gewährt. Der einzige Bericht über diese Zusammenkunft stammt von Isaak, der sich dem Papst als „Nichtchrist, Förderer von l’Amities Judeo-Chretiennes und einen sehr tauben alten Mann“ vorstellte. Der Papst ergriff die Gesprächsinitiative, indem er sich ausführlich über seine Liebe zum Alten Testament äußerte. Eine Gelegenheit erkennend, teilte Isaak dem Papst mit, daß seine Bemühungen „beim Volk des Alten Testaments große Hoffnungen geweckt hätte.“ Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo die Erwartungen erfüllt werden müßten, die der Papst im „Volk des Alten Testaments“ geweckt hätte, indem er eine offizielle Verurteilung des Antisemitismus verkünde. Papst Johannes XXIII., hatte bereits in dieselbe Richtung gedacht, konnte ein entsprechendes Dekret jedoch nicht unilateral erlassen, weil es sich bei der Kirche nicht um eine monarchie absolue handelt.
Nicht lange nach dieser Audienz erfuhr Isaak „mit Freude“, daß der Papst Kardinal Bea über seinen Vorschlag in Kenntnis gesetzt hatte. In der Tat verhielt es sich so, wie mehrere Quellen bestätigen, daß Kardinal Bea nicht nur damit beauftragt worden war, auf die christliche Einheit hinzuarbeiten, sondern auch in die Richtung „einer scharfen Verurteilung des katholischen Antisemitismus.“ Nach den Angaben eines ehemaligen Jesuiten, der ein enger Freund und Vertrauter von Kardinal Bea war, „hatte Roncalli eine Gelegenheit erkennend, Isaak an Bea verwiesen. Es wurde beschlossen, daß Bea einen Text über die Jüdisch-Christlichen Beziehungen erarbeiten sollte, über den das Konzil beraten werde. Nach der Perspektive Roncallis sollte jeder Schritt der Annäherung an eine nichtchristliche Religion Teil einer generellen Annäherungstrategie im Rahmen des jeweiligen Ereignisses sein. Auf diese Weise kam es zu dem Dokument, das als die „Jüdische Deklaration“ bekannt werden sollte.
Dieser Wunsch des Papstes wandelte sich schon sehr bald zu etwas radikal anderem, als er mit den Realitäten der jüdischen Interessengruppen des 20. Jahrhunderts und der von ihnen kontrollierten Presseorgane konfrontiert wurde. Sehr schnell wurde deutlich, daß das „Volk des Alten Testaments“ von internationalen jüdischen Organisationen, wie das American Jewish Committe [AJC] und der Anti Defamation League [ADL] repräsentiert wurde.
Anstatt sich in einer Position zu befinden, aus der heraus er die katholische Haltung gegenüber den Juden im Lichte der Katholischen Tradition formulieren konnte, befand sich Kardinal Bea in der Rolle des Vermittlers wieder, der beständig zwischen den jüdischen Organisationen und den Konzilsvätern hin- und herpendelte, die zunächst ebenfalls glaubten, sie würden mit dem „Volk des Alten Testaments“ verhandeln. Weil die Konzilsväter einen außerordentlich positiven Eindruck von der Petition Isaaks hatten [die im krassen Gegensatz zu den Ausführungen in seinen Büchern stand, in denen er die Evangelien angriff und die Kirchenväter als Antisemiten bezeichnete – Bücher, die sie jedoch nicht gelesen hatten] wurde es Isaak gestattet, die Themen der Debatte zu bestimmen, wodurch er zum Haupttheoretiker der Erklärung des Vatikans über die Juden wurde.
Isaaks Freund, Bischof Provencheres, versuchte diese Tatsache in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen, indem er darauf hinwies, es sei das erste Mal in der Geschichte, daß ein Laie und ein Jude ein Konzilsdokument initiiert hätten, ohne die nagende Frage zu stellen, wer von diesem Bruch mit der Tradition wohl profitieren würde. Viscount Leon de Poncins ist weniger zurückhaltend bei der Beantwortung der qui biono-Frage und behauptet, „Isaak sei der Haupttheoretiker und Förderer der Kampagne gewesen, die gegen die traditionelle Lehre der Kirche geführt wurde“. Nachdem Jules Isaak als führender Theoretiker für die Erklärung über die Juden bestätigt worden war, später als „Nostra Aetate“ bekannt, und die zu einer Waffe wurde, „die dazu bestimmt war, den traditionellen Katholizismus, den sie für ihren Hauptfeind hielten, zu stürzen.“
Solche Gedanken lagen den Beteiligten in der Anfangsphase des Dialogs zwischen Katholiken und Juden fern. Das Ziel der Bannung des Antisemitismus schien edel genug, aber der Zeitgeist schloß genauere theologische Untersuchungen der angewendeten Rhetorik aus. Wer war schon in der Lage, die genaue Bedeutung des „Antisemitismus“ zu definieren? Der Begriff war im Jahre 1870 in Deutschland von einem rassistischen Denker namens Wilhelm Marr entwickelt worden und hatte, wie zu erwarten war, eine eindeutig rassistische Bedeutung, die im krassen Widerspruch zu bestimmten entscheidenden Versicherungen des katholischen Glaubens stand.
Eine der bedeutsamsten Angelegenheiten war die seit langer Zeit in Sicut Iudeis non… enthaltene Ermahnung, daß jüdische Konvertiten „ohne jeden Vorbehalt“ aufzunehmen seien. Wenn sich die jüdische Identität auf Rasse, Blut oder DNA begründete, und nicht auf die Zurückweisung Christi, wie es die Evangelisten und die Kirchenväter ausgeführt hatten, verlor die Taufe ihre Wirksamkeit. Für die deutschen Rassisten war dies nicht sonderlich problematisch, aber es war äußerst problematisch für die Katholische Kirche, insbesondere dann, wenn es darum ging, völlig unkritisch einen grundsätzlich a-theologischen und ideologisch rassischen Begriff wie „Antisemitismus“ in eines ihrer Konzilsdokumente aufzunehmen.
Als Jules Isaak schließlich am 13. Juni 1960 seine Audienz bei Papst Johannes XXIII. erhielt, hatte Alfredo Kardinal Ottaviani bereits die schriftliche Abfassung der vorläufigen Dokumente für das Ereignis verfügt, das als „Zweites Vatikanisches Konzil“ bekannt werden sollte. Die konventionelle Erklärung für den Grund des Konzils wurde in einem Wort zusammengefaßt, aggiornamento, wofür man sich entschied, um zum Ausdruck zu bringen, daß sich die Kirche dem Zeitgeist anpassen, mithin auf den neuesten Stand, gebracht werden würde. Ottaviani vertrat den Standpunkt, daß die Kirche sich auf die Kurie beziehe, die in den letzten Tagen von Papst Pius XII. In einen Zustand der fast völligen Lähmung verfallen war und nicht dazu in der Lage, sich den Herausforderungen zu stellen, die ihr angetragen wurden.
In den Händen der Revisionisten hat aggiornamento allerdings eine andere Bedeutung angenommen. Es ging darum, die Kirche dazu zu bringen, die verschiedenen Strömungen der Aufklärung zu akzeptieren, die Papst Pius IX. In seinem Syllabus über die Irrtümer verurteilt hatte. Nach dieser Lesart des Konzils bedeutete aggiornamento, „die Verrücktheit, die Papst Pius IX. dazu veranlaßt hatte, seinen berühmten Syllabus der Irrtümer zu formulieren, ins Gegenteil zu verkehren und bestimmte Forderungen durchzusetzen – einschließlich: „Der Papst kann und muß versuchen, sich mit dem Fortschritt. Liberalismus und der modernen Zivilisation zu versöhnen.“ Vom amerikanischen Standpunkt aus, bedeutete dies die Unterstützung der Theorien von John Courntey Murray, der sich für die religiöse Freiheit in Amerika einsetzte und sie zum Gegenstand des aggiornamento Papst Johannes XXIII. machen wollte.
Nach der amerikanischen Sichtweise der Konzilsabsichten, „ging das Gerücht um, Guiseppe Roncalli, Papst Johannes XXIII., sei insgeheim ein Sympathisant der Modernisten.“ Ottavianis Beteiligung an den vorbereitenden Schritten für das Konzil erzählt allerdings eine andere Geschichte, die durch das aufmerksame Studium der vorbereitenden Konzilsdokumente bestätigt wird. Ausgehend von diesen Dokumenten, ging es beim Konzil nicht darum, die Aufklärung abzusegnen, wie Revisionisten später behaupten sollten, sondern um eine Reform der Kurie, und um die Katholiken auf eine größere Gefahr für den Glauben und die Moral aufmerksam zu machen, die ihren Ursprung im Westen, insbesondere in den Vereinigten Staaten hatte, und dort wiederum insbesondere in Hollywood.
Am 15. Januar 1962 wurde das Dokument „Zur Moralordnung“ dem Konzil zur Beratung übergeben. In diesem Dokument hatte Kardinal Ottaviani, unter dessen Leitung und Aufsicht es erarbeitet worden war, die moralischen Herausforderungen skizziert, deren sich die Kirche stellen mußte. Insbesondere mußte sich die Katholische Kirche stark machen gegen den Versuch … das Nützliche, Anerkannte, Gute der Rasse, durch die Interessen einer Klasse oder der macht des Staates als Kriterium der Moral zu ersetzen. Aus diesem Grund wurden philosophische Theorien, literarische Neuheiten und politische Lehren entwickelt und propagiert. Hier wird versucht, die christliche Moral durch die sogenannte Moral der Situation oder individualistischen Moral zu ersetzen, die von Papst Pius XII. häufig verurteilt, und schließlich per Dekret des Heiligen Offiziums vom Februar 1956 endgültig verurteilt worden ist. Ferner wird hier versucht, die Moral der Unabhängigkeit [d. h. getrennt von der christlichen Moral] an die Stelle der göttlichen Moral mit allen Verpflichtungen und Sanktionen zu stellen.
Der Bezug auf die Moral von Rasse und Klasse ist eindeutig genug. Hier werden Nationalsozialismus und Kommunismus angesprochen. Aber sie standen im Kontext mit der Verurteilung der „sogenannten Moral des Augenblicks oder individualistischen Moral,“ Begriffe, die sich nur auf Irrtümer beziehen konnten, die ihren Ursprung in Amerika hatten. Allerdings bestand hier ein gewisses Risiko, da die amerikanischen Katholiken damals überwiegend fromme Kirchgänger waren [im Vergleich zu ihren europäischen Brüdern] und beachtlich zu den Finanzen des Vatikan beitrugen.
Im weiteren Verlauf des Konzils, und mit den entsprechenden Dokumenten in den Händen der Konzilsväter, wurde die Verurteilung der von Amerika ausgehende neuen Bedrohung der katholischen Moral immer offenkundiger. Zur „Verteidigung … der unveränderlichen Grundsätze der christlichen Moralwerte“, mußte das Konzil warnen, und zwar vor den gegenwärtigen Anstrengungen in der Welt der Mode, des Films und der Presse zur Erschütterung der Fundamente der christlichen Moral, gerade so, als müßte das Sechste Gebot als überholt gelten, und alle Leidenschaften, selbst widernatürliche, müßten toleriert sich ungehindert ausbreiten dürfen. Die Kirche wird sich zu dieser Frage äußern. Sie wird eine Klarstellung herbeiführen und erforderlichenfalls alle Versuche zur Wiederbelebung des Heidentums und des Mißbrauchs der Psychoanalyse, mit der alles gerechtfertigt wird, was im krassen Widerspruch zur Moralordnung steht, verurteilen.
Fünf Monate später produzierten die Druckerpressen noch immer Dokumente wie am Fließband zur Erörterung durch die Konzilsväter, mit denen alles Moderne und Amerikanische verurteilt wurde. Am 7. Mai 1962 veröffentlichte Kardinal Ottaviani ein Dokument mit dem Titel: „Der Wert von Jungfräulichkeit und Enthaltsamkeit.“ Es war ein Dokument, das sich nach seinen eigenen Worten „mit den akuten und dringlichst zu diskutierenden Moralproblemen unserer Zeit“ beschäftigte. Der italienische Filmproduzent Federico Fellini hatte es so ausgedrückt: „Amerikanische Filme als Promotor amerikanischen Verhaltens gefährde die Lebensführung insbesondere im katholischen Europa und Italien.“ Sollte die Kirche ihren Rang als Vorbild in Fragen der Sexualmoral verlieren, würde sie auch die Kontrolle über die Mehrheit der menschlichen Rasse verlieren. Weit davon entfernt, die Moderne abzusegnen, verurteilten die vorbereitenden Dokumente die Moderne als eine weitgefaßte Gelegenheit zur Sünde:
Das moderne Leben bietet zweifellos eine Fülle von Einladungen zum Negativen, wie Schönheitswettbewerbe, Spektakel, Spiele, illustrierte Magazine, Strände, Urlaubsorte, Ehebruch und bestimmte Sportarten. Aus diesem Grund läßt die Kirche niemals nach, jedem die Grundsätze der Sorgfalt, des Gewissens und der Verantwortung, die Rechte und Pflichten dieser Freiheit, und die Pflicht zur Aufmerksamkeit und Sorgfalt seitens der erziehenden Eltern und öffentlichen Ämtern in Erinnerung zu rufen. Aus demselben Grund weist die Kirche auf die Gefährlichkeit all dessen hin und verurteilt es als irrig, was sich zu einem Kult der Verehrung von Filmstars, Naturalismus und der sogenannten Sexualerziehung, Pansexualismus und bestimmter verletzender Aspekte der Psychoanalyse entwickelt hat.
Man mußte kein Genie sein, um zu erkennen, von welcher Personengruppe „der Kult der Filmstars, Pansexualismus und Psychoanalyse“ gefördert wurde. Es waren die Juden. Und so wurde das Konzil in vielerlei Hinsicht zum Schlachtfeld über die Frage, welche Interpretation von den Juden die normative sein sollte. Waren die Juden als „Volk des Alten Testaments,“ wie Jules Isaak sie darstellte? Oder waren die die Avantgarde der Moderne und die Förderer der verschiedensten Formen sexueller Abweichung als Mittel zur verdeckten Kontrolle, wie es von Kardinal Ottaviani ausdrücklich festgestellt worden war.
Die amerikanische Hierarchie mußte sich mit ihrem eigenen Judenproblem auseinandersetzen, seit sie die 1934 Rolle des Hollywood-Zensors durch die Schaffung des „Produktionskodex“ und der Gründung der „Anstands-Liga“ übernommen hatte. Auch die Psychoanalyse war durch den TV-Prediger Fulton J. Sheen verurteilt worden.
Im März 1947 predigte Sheen in der St. Patricks-Kathedrale in New York City über das Thema „Psychoanalyse und Beichte.“ In seiner Predigt lehnte er den Freudianismus als eine Lebensphilosophie auf der Grundlage des „Materialismus, Hedonismus, Infantilismus und Erotizismus“ kategorisch ab. Ungefähr zur selben Zeit erzählte Clare Booth Luce die Geschichte ihrer Bekehrung zum Katholizismus in der Februar/März 1947-Ausgabe des „McCall’s-Magazins“. Kurz nach ihrer Scheidung hatte Luce sich in die Behandlung des jüdischen Psychiaters Dorian Feigenbaum begeben und einer Psychoanalyse unterzogen. Luce war voller Ablehnung hinsichtlich der Behandlung durch die Juden. „Wir unschuldigen Christen,“ schrieb sie, „wurden durch das unheilige Triumvirat des Kommunismus, der Psychoanalyse und des Relativismus in den gegenwärtigen Zustand der Gottlosigkeit gelockt. Diese drei, symbolisiert durch Marx, Freud und Einstein, sind das Ergebnis des messianischen Impulses des frustrierten religiösen Ego der Juden.“
Es dauerte nicht lange, bis die Juden auf diesen Angriff reagierten. In einer Ausgabe von American Scholar des Jahres 1948 wurden Luce und Sheen des „Antisemitismus“ beschuldigt, weil sie „beim aufmerksamen Leser den Eindruck erwecken, die gegenwärtige spirituelle Unzulänglichkeit sei nicht nur Siegmund Freud anzulasten, sondern auch anderen hervorragenden Denkern jüdischer Abstammung.“ Das Time Magazine, das von Clare Luce’s Ehemann herausgegeben wurde, versuchte noch, die Wogen zu glätten, indem es Sheen mit Pater Coughlin verglich, aber die Front war in Amerika in diesem Kulturkampf klar abgesteckt, und, wie auch in der Auseinandersetzung über die Obszönitäten Hollywoods in den 1930er Jahren, standen die Juden auch diesmal auf der einen Seite, und die Katholiken auf der anderen.
Zur Zeit der Einberufung des Vatikanischen Konzils zeigten die amerikanischen Bischöfe klare Anzeichen von Erschöpfung bei ihrem Kulturkampf mit den Juden. Es hatte den Anschein, als würde das Konzil die Möglichkeit für einen Separatfrieden bieten. Andererseits hatte es den Anschein einer Auseinandersetzung zwischen den Amerikanern, die eine Annäherung an die Juden suchten, mit den Traditionalisten, wie Ottaviani, der Hollywood-Juden, Pansexuelle nach Reich und Freudianische Psychiater als Hauptbedrohung der durch zwei katastrophale Kriege geschwächten europäischen Moral erachtete. Angesichts der jüdischen Beherrschung der Medien, war leicht zu erkennen, wer in diesem Szenario als Übeltäter portraitiert wurde.
Hätte jemand darauf hingewiesen, daß in den vorbereitenden Dokumenten Hollywood, Pansexualismus und Psychoanalyse als Schlüsselwörter dessen angeführt wurden, was die Kirche als Jüdische Unterwanderung der Moral empfand, wären die ethnischen Dimensionen der Auseinandersetzung deutlich geworden, die allgemein lediglich für eine innerkirchliche Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen gehalten wurde. Aber niemand stellte das Konzil unter diesem Gesichtspunkt dar. Die Massenmedien taten es ohnehin nicht.
Wie in fast allen ethnischen Auseinandersetzungen, nahmen sehr bald politische Surrogate die Plätze der echten Mitspieler ein. Was dies betraf, wurde das Vatikanische Konzil als Schlacht zwischen den Mächten der Finsternis und Reaktion, symbolisiert durch die Gestalt von Kardinal Ottaviani, und den Mächten des Lichts und des Fortschritts, für die der Jesuit John Courtney Murray stand. Wenn ein Mann für dieses manichäische Szenario verantwortlich war, ist es Robert Blair Kaiser. Wenn es ein Organ für die Verbreitung dieses Ansichten gab, war es das Time Magazine. Kaiser trat gegen Ende der 1940 in den Jesuitenorden ein, und verließ ihn Mitte der 1950er Jahre. Durch eine Mischung von Modernismus und den evolutionären Gedanken eines Teilhard de Chardin, war der davon überzeugt, die Ziele der Jesuiten besser erreichen zu können, wenn er dem Orden nicht mehr angehörte. Angesichts dessen, was aus den Jesuiten geworden ist, war dies zumindest eine Haltung, über die man diskutieren könnte, allerdings nicht in der Weise, wie Kaiser es gesehen haben wollte. Schon sehr bald wurde er in Kalifornien zum Starjournalisten, der mit seinem Thunderbird-Sportwagen von einem Termin zum nächsten fuhr. Dann heiratete er und bekam eine Anstellung beim „Time Magazine.“
Als das Zweite Vatikanische Konzil am 13. Oktober 1962 eröffnet wurde, war Kaiser anwesend, um darüber zu berichten. Kaiser nimmt für sich in Anspruch, das Times Magazine zu dem umgewandelt zu haben, was er als „Weltsicht“ bezeichnete, die er durch die er als Jesuitenschüler aus den Schriften Teilhard de Chardins und des Kardinals Suhard kennengelernt hatt. „Indem die Information einer internationalen Gemeinschaft von Männern und Frauen zur Verfügung gestellt wurden, die ein ungewöhnliches Mitspracherecht auf diesem Planeten hatten, trug das ‘Time Magazin’ zu einer besseren Welt bei, indem es die Kommunikationskanäle wieder öffnete, die solange verstopft gewesen waren. Es war eine lohnenswerte Angelegenheit“. Time Magazin seinerseits, war zum Sprachrohr des amerikanischen Standpunktes geworden, wie er von John Courntey Murray und den Luce’s vertreten wurde.
Kaisers Berichterstattung entsprach der Geisteshaltung der Jesuiten, die sich der „Kirchenreform“ mittels der Medien verschrieben hatten. Kaiser war so eifrig bemüht, den Standpunkt der Liberalen zu vertreten, daß ihn sein Chefredakteur mit einem Memorandum bremsen mußte: „Wir haben uns eindeutig in unserer Berichterstattung auf die Reformation der Katholischen Kirche festgelegt, wie sie von Papst Johannes XXIII. angestrebt wurde, und vermutlich von Papst Paul VI. Fortgesetzt werden wird. Ich möchte auf folgendes hinweisen: Wir sollten unsere Berichterstattung nicht so einseitig gestalten, daß wir eher als Partei, denn als skeptische Zuschauer erachtet werden.“ Zur Reformierung der Kirche durch ‘Time Magazin’ gehörte es auch, die geniale Person Johannes XXIII. zu einer Persönlichkeit hochzustilisieren, die gegenüber allem aufgeschlossen war, was die moderne Welt an der Katholischen Kirche haßte. Im Ergebnis portraitierte Kaiser den Papst als einen „heimlichen Modernisten, der sich nach seiner Wahl zum Papst offen zum Modernismus bekannte“.
Das einzige Gebiet, auf dem die Kirche im Bereich der modernen Welt völlig aus dem Tritt geraten zu sein schien, war ihre Einstellung gegenüber den Juden. Um hier Abhilfe zu schaffen, soll Johannes XXIII. nach Kaiser „Kardinal Bea beauftragt haben, ein Schema für das Konzil vorzubereiten, mit dem die alte katholische Geschichte, die Juden hätten Christus ermordet und folglich die Ewige Verdammnis über sich und ihre Kinder gebracht, ein für allemal erledigt werden könnte. Es sei ein Mythos, der den Antisemitismus über Jahrhunderte genährt hätte.“ Eine der Überzeugungen des Modernismus nach Roncalli, war seine Überzeugung, daß Juden sich nicht zum Christentum bekehren müssen, um gerettet zu werden.
Als Beweis bot Kaiser eine Anekdote an, die er von Msgr. Loris Capovilla, Privatsekretär des Papstes, gehört hatte. „Als ein junger Jude zu Roncalli kam und darum bat, katholisch zu werden, wies ihn der zukünftige Papst mit der Aufforderung ab, „Bleibe ein guter Jude, den katholisch zu werden, würde deine Eltern umbringen.“ Später ließ sich Roncalli erweichen und taufte den Mann, allerdings insgeheim. Jahre später, nachdem Roncalli zum Papst gewählt war, bat derselbe junge Mann Roncalli, ihm die Firmung zu spenden, worauf dieser angeblich antwortete: „In Ordnung, aber du mußt trotzdem ein guter Jude in deiner Synagoge bleiben, unterstützte die Jüdische Schule, denn als Katholik bist du nicht weniger jüdisch geblieben.“
Falls sie wahr ist, offenbart diese Anekdote eine fatale Doppelsinnigkeit im Hinblick auf die jüdische Frage, wie sie auf dem Konzil diskutiert wurde. Zu dem theologischen Irrtum, die Juden, wie Jules Isaak, als das „Volk des Alten Testaments“ zu sehen, kam noch die trübe Beziehung von Rasse und Sakrament hinzu, die ihr häßliches Haupt in Deutschland zur Zeit der Reichlin-Pfefferkorn-Kontroverse erhoben hatte, und sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weiter eintrübte. Die entscheidende Frage war einfach: Blieb ein Jude ein Jude, nachdem er getauft wurde? Die traditionelle Antwort der Katholischen Kirche auf diese Frage lautete „nein.“ Ein Jude, der Christus ablehnte, hörte ipso facto im Moment der Taufe auf, ein Christusleugner zu sein. Dies bedeutete, daß Juden vorbehaltlos in die katholische Kirche aufgenommen werden können, weil sie durch die Taufe aufhörten, Juden zu sein. Wenn andererseits aber katholisch zu werden bedeutete, „dadurch bist du nicht weniger ein Jude,“ dann war die jüdische Identität wiederum an das Blut, die Rasse, die geheiligte DNA gekoppelt. An jene Meinung, die von Christus im Evangelium nach Johannes ausdrücklich verworfen wurde. An diesem Punkt war noch nicht klar, welchen Weg die Kirche in ihrem Schema über die Juden einschlagen würde.
Im August 1962 gewährte Kardinal Bea dem Jewish Chronicle ein Interview, in dem er unmißverständlich bestätigte, die Kirche beabsichtige, das Konzil als Gelegenheit zu nutzen, den Antisemitismus offiziell radikal zu verurteilen. Nach Beendigung der ersten Sitzungsperiode des Konzils gegen Ende 1962, nutzte Bea die Zeit bis zum Beginn der zweiten Sitzungsperiode, um sich mit den Juden zu beraten. Die Juden, oder besser, die großen jüdischen Organisationen, nutzten die Gelegenheit, sich für Zugeständnisse der Kirche einzusetzen. Rabbi Abraham J. Heschel, der Bea seit der Zeit kannte, als sie dreißig Jahre zuvor Studenten in Berlin gewesen waren, arbeitete mit dem American Jewish Committee [ACL] zusammen das ein Dokument mit dem Titel „Die Darstellung des Juden in der Katholischen Lehre“ veröffentlicht hatte, das Bea als Teil seiner Vorbereitungen für den Dialog mit den Juden gelesen hatte, der im Januar 1963 aufgenommen wurde.
Heschel verlangte vom Vatikan die Verurteilung dessen, was er als „Proselytisierung“ bezeichnete, was einem Widderruf des Glaubens gleichkam, die Juden müßten Jesus als ihren Erlöser anerkennen, um in das Himmlische Königreich zu gelangen. Ferner forderte er vom Konzil das Verbot jeglichen Bezugs auf die Juden als eine verfluchte Rasse. Die Behauptung von der „verfluchten Rasse“ war hauptsächlich eine jüdische Extrapolation des Abschnitts in Matthäus 27:26 das Jüdische Volk „mit einer Stimme [Pilatus, nachdem dieser die Freilassung Jesu angeboten hatte] zurief: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“
Aber die eigentliche Angelegenheit, um die es ging, und der sich die Juden nicht stellen wollten, war ihre Zurückweisung Christi, die auch weiterhin gegeben war, und zwar nicht wegen irgendeiner okkulten Macht, sondern gemäß dem ausdrücklichen Willen der Juden. Indem sie diese Zurückweisung als einen Fluch beschrieben, gelang es den Juden sofort, die Zurückweisung Christi nicht nur zu verharmlosen und den Schwerpunkt nicht auf ihr Verhalten zu legen, sondern die Kirche irgendeines okkulten Voodoo-Zaubers zu beschuldigen, der, obwohl grundsätzlich harmlos, denn zu Vorurteilen geführt hat, die zu Verfolgungen führten und ihren Höhepunkt selbstverständlich mit dem Holocaust erreicht hatten. B’nai B’rith forderte beispielsweise von der Kirche die Streichung aller Passagen aus der katholischen Liturgie, die von ihnen als antisemitisch bezeichnet wurden.
Selbstverständlich war dies ein unmögliches Verlangen, weil sich die gesamte Liturgie auf Schriftstellen aufbaute, die – wenn nicht antisemitisch – so doch zweifellos antijüdisch waren. Praktisch das gesamte Evangelium nach Johannes und die Apostelgeschichte handelt von dem Konflikt zwischen den Juden, die Christus als ihren Erlöser akzeptiert hatten und jenen Juden, die Christus strikt ablehnten. Da alle diese Texte 1] zentral für jede denkbare katholische Liturgie, und 2] angefüllt waren mit individuellen Vergleichen zwischen dem Neuen Israel, was der Katholischen Kirche entsprach, und dem Alten Israel, das von Christus wegen seiner Blindheit und Aufsässigkeit abgewiesen wurde, war kaum zu erkennen, wie ein Dialog dieser Art Fortschritte bringen könnte. Es sei denn, der Zweck des Dialogs war ein völlig anderer als behauptet wurde.
Jene, die das Schema über die Juden ablehnten, behaupteten, daß von Anfang an seitens der Juden völlig andere Motive hinter der Diskussion standen. Ihre Befürchtungen wurden, drei Jahre, nachdem vollendete Tatsachen geschaffen wurden, am 31. März 1963 bestätigt, als eine Limousine, die Kardinal Bea im New Yorker Plaza-Hotel abgeholt hatte, ihn zum sechs Blöcke entfernten Büro des American Jewish Committee brachte. Als Bea eintraf, wurde er von einem „modernen Sanhedrin“ begrüßt. Das Treffen wurde selbstverständlich vor der Presse geheim gehalten. Und es wurde auch vor dem Vatikan geheim gehalten. „Ich bin nicht berechtigt, hier offiziell zu sprechen,“ ließ Bea die Juden wissen. „Ich kann daher nur darüber sprechen, was nach meiner persönlichen Meinung durch das Konzil erreicht werden kann und erreicht werden sollte.“ Die Juden, fuhr Bea fort, werden des Gottesmordes beschuldigt, „und auf ihnen liege angeblich ein Fluch.“ Nach dem einzigen über diese Zusammenkunft vorliegenden Bericht, soll Bea angeblich beide Beschuldigungen zurückgewiesen haben. „Weil selbst in den Berichten der Evangelisten berichtet wird, daß lediglich die Anführer der Juden und eine kleine Gruppe ihrer Anhänger die Todesstrafe für Jesus gefordert hatten. Alle Nichtanwesenden und die nachfolgenden Generationen, könnten ohnehin nicht des Gottesmordes bezichtigt werden,“ erklärte Bea. Was den Fluch betreffe, könne er die an der Kreuzigung beteiligten Juden nicht treffen, argumentierte der Kardinal, weil die letzten Worte Jesu ein Gebet waren, mit dem Er für sie um Vergebung flehte.
Bea schloß seine Ausführungen gegenüber den Rabbinern mit der Feststellung, „es sei falsch, die Hauptursache für den Antisemitismus allein in religiösen Quellen zu suchen – in den Evangeliumsberichten, beispielsweise. Diese religiösen Vorwände, die beständig herangezogen werden, dienen häufig lediglich als Vorwand, als Schleier für völlig andere taktische Gründe. Worum es sich bei diesen anderen „taktischen Gründen“ konkret handelte, hat Kardinal Bea nie erklärt. Oder falls er es getan hat, wurde über seine Erklärung nie berichtet.
Als Ergebnis der Zusammenkunft mit Bea, stellten die jüdischen Organisationen zwei Lobbyisten dazu ab, den Fortschritt des „Juden-Schema“ im Konzil zu beobachten. Es waren Joseph Lichten von der Anti Defamation League [ADL] von B’nai B’rith und Zachariah Schuster vom American Jewish Committee [AJC]. Beide Männer hatten durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg Angehörige verloren. Und beide Männer waren dazu entschlossen, „die stärkstmögliche jüdische Deklaration“ aus Rom zurückzubringen, so daß ihre jeweiligen Organisationen den Erfolg für sich in Anspruch nehmen könnten.
Außer dem Einsatz von Lichten und Schuster zur Bearbeitung der Kirchenväter in Rom, trachteten die Juden auch danach, das Klima der öffentlichen Meinung durch andere Mittel zu ihren Gunsten zu verändern. Am 20. Februar 1963 hatte Rolf Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ in Berlin Premiere. Hochhuth stellte Papst Pius XII. als kriminell nachlässig durch Schweigen gegenüber der Deportation der Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg dar. Nachdem das Stück auch in London aufgeführt wurde, bezeichnete Giovanni Battista, Erzbischof von Mailand und bald darauf Papst Paul VI. das Stück als eine Verleumdung Papst Pius XII., dessen Sekretär er gewesen war. Dem Papst war zweifellos bekannt, daß Erwin Piscator, ein jüdischer Kommunist, zusammen mit den bereits genannten jüdischen Organisationen, hinter der Finanzierung des Stückes standen. Msgr. Oesterreicher, der jüdische Konvertit, der unter Kardinal Bea an dem Jüdischen Schema arbeitete, beschuldigte AJC und ADL wegen ihrer Finanzierung der Aufführungen der Brunnenvergiftung in bezug auf den interreligiösen Dialog. „Die jüdischen Organisationen zur Förderung der menschlichen Beziehungen,“ schrieb er im Jesuiten-Magazin „America,“ „müssen sich klar und unmißverständlich von „Der Stellvertreter“ distanzieren. Anderenfalls werden sie ihrem Zweck nicht gerecht.“
Selbstverständlich ignorierte die Presse die Warnung Osterreichers und konzentrierte ihre Bemühungen darauf, die Anschuldigungen Hochhuths, die für die Erörterungen der Judenfrage durch das Konzil von erheblicher Bedeutung waren, möglichst hochzuspielen. In diesem Zusammenhang war die Botschaft, die Hochhuth vermittelte, klar: Sollte der Papst – Johannes XXIII. lag im Sterben, und ein Unbekannter wartete auf die Nachfolge – nicht in die Geschichte als ein zweiter Pius XII. eingehen wollen, schuldig wegen seines Schweigens, wäre er gut beraten, das Schema über die Juden in deren Sinne zu verabschieden.
Wovor Oesterreicher gewarnt hatte, trat jetzt ein. Die Vorstellung von einer Juden orchestrierten Medienkampagne mußte zu einer Reaktion führen. Trotz der Versicherungen Beas, begann Amleto Kardinal Ciognani, ein machtvoller Konservativer der Kurie und ehemaliger Päpstlicher Delegat in den Vereinigten Staaten von Amerika, angesichts dieser unglaublichen Medienkampagne und der Aktivitäten der jüdischen Lobbyisten Befürchtungen dahingehend zu äußern, daß es nicht im besten Interesse der Kirche wäre, eine Erklärung zur Judenfrage abzugeben. Bea reagierte darauf mit der Feststellung, er hätte gegenüber den Juden bereits versichert, es würde eine entsprechende Erklärung geben, und sollte diese Versicherung nicht eingehalten werden, würde man es als Verlogenheit der Kirche auslegen.
Mit wachsendem Widerstand der Konservativen, behauptete Bea auch weiterhin, „ er hätte im Verlauf der vergangenen drei Jahre ein Klima der Erwartung geschaffen, und zwar in den Kreisen des Weltjudentums, als auch in den pluralistischen Gesellschaften Amerikas und Deutschlands Erwartungen geweckt, denen entsprochen werden muß, um die gehegten Wünsche zu erfüllen. [O’Connell, Die Jüdische Lobby und Vatikan II]. Die jüdische Vatikan-Lobby würde ein „Nein“ des Zweiten Vatikanischen Konzils als Antwort nicht akzeptieren und müsse zufriedengestellt werden.“
Die Kampagne gegen Pius XII. begann je doch nicht mit Hochhuths Theaterstück. Sie begann in Frankreich im Jahre 1951 mit Francois Mauriacs Angriff, für den er später den Literatur-Nobelpreis erhielt. Später würde Mauriac Elie Wiesels heftig antichristliche jiddische Memoiren „Un di Velt hat geschwigen“ bereinigen und daraus „La nuit“ machen, was wiederum Wiesel den Nobelpreis einbrachte. Im Jahre 1958 führte eine jüdische Kommunistin namens Francoise Cousteix-Drohocki die Beschuldigungen Mauriacs weiter aus: „Warum,“ fragte sie, „sollte Pius XII. als Papst des Friedens anstatt Papst des Krieges bezeichnet werden? Er hat Letzteren ebensowenig beendet, wie er Ersteren durchgesetzt hat… Das Pontifikat Pius XII. war völlig bankrott: Krieg, Folter, die Auslöschung des Individuums, die Grausamkeit in all ihren Formen hatte einen Ebene erreicht, die nie zuvor erreicht worden ist. Es ist eine Schande, daß Pius XII. sich niemals zur Exkommunizierung der Nazis in der Weise entschlossen hat, wie er die Kommunisten exkommunizierte. Wenn ihm nicht bekannt war, was sich in Nazi-Deutschland ereignete, waren alle Horchposten des Vatikan nutzlos. Wenn er es jedoch gewußt hat …“ Fünf Jahre später wurden dieselben Beschuldigungen in Hochhuth’s Theaterstück übernommen.
Am 3. Juni 1963 starb Papst Johannes XXIII., und im nachfolgenden Konklave wurde Montini, der sich bereits vehement gegen „Der Stellvertreter“ ausgesprochen hatte, zu seinem Nachfolger gewählt. Paul VI. hatte die verzwickte Judenangelegenheit geerbt, die sein Vorgänger ins Leben gerufen hatte. Andererseits war sich Montini der Erwartungen bewußt, die Bea bei einer Gruppe von Leuten geweckt hatte, die dazu entschlossen waren sich ihre Vorteile mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu sichern. Andererseits kannte er aber auch die wachsende Ablehnung im konservativen Lager, zu der das jüdische Drängen und ihre Manipulation der Medien geschaffen hatte. Insbesondere, was die Verleumdung Pius XII. betraf. Es war seine Aufgabe, diese sich zunehmend feindseliger gegenüberstehenden Lager miteinander zu versöhnen.
Die zweite Sitzungsperiode des Konzils begann am 20. September 1963. Das Hauptanliegen dieser Sitzungen war das Schema „De Ecclesia.“ Nachdem er erfahren hatte, daß das Schema über die Juden in ein umfangreicheres Dokument über die Ökumene aufgenommen worden war, rief der Israelische Botschafter in Italien Papst Paul VI. Am 2. November an, um sich nach den „Chancen des Dokuments bezüglich der Judenfrage“ zu erkundigen. Da er spürte, „daß etwas unternommen werden mußte, um die Enttäuschung der Juden zu mildern, zumindest vorübergehend,“ entwickelten Paul VI. und seine Berater den Plan für einen Israelbesuch im Rahmen einer Reise in den Mittleren Osten. Durch die Anerkennung „der Existenz des Judenstaates“ hoffte Paul VI. „die Enttäuschung zu mildern.“ Aber die jüdische Lobby war nicht bereit, ein „Nein“ als Antwort zu akzeptieren. Gleichzeitig verstärkte sich der Widerstand der Bischöfe gegen das Dokument aus denselben Gründen. Der Besuch des Heiligen Landes war eine Möglichkeit zum Ausdruck zu bringen, daß die Spannungen größer waren, als normale Sterbliche abzubauen vermochten. Aus der jüdischen Perspektive war die zweite Sitzungsperiode des Konzils, die am 4. Dezember 1963 endete, ein totale Enttäuschung.
Aber die Breitseiten der Medien wurden unablässig fortgesetzt. Schuster und Lichten wurden zu Experten darin, ihre Besorgnis in der New York Times zu veröffentlichen. Fritz Becker, der Lobbyist für den „World Jewish Congress,“ spezialisierte sich auf stumme Diplomatie. „Wir teilen nicht die amerikanische Ansicht,“ sagte er, wobei er sich auf seine Kollegen Lichten und Schuster bezog, „von der Bedeutung, alles in den Medien zu veröffentlichen.“
Kurz nach Beendigung der zweiten Sitzungsperiode hatte „Der Stellvertreter“ am 9. Dezember 1963 in Paris Premiere. Vier Tage später in Basel, Schweiz. Die jüdische Lobby hält den Druck mit drei weiteren Premieren des Anti-Papst-Stücks aufrecht: In Wien am 22. Januar 1964, in New York am 28. Februar, und in Tel Aviv am 20. Juni. Erbost darüber, daß die zweite Sitzungsperiode ohne eine Abstimmung über das jüdische Schema geendet hatte, forderten die Jüdische Lobby von den amerikanischen Kardinälen, auf den Pontifex dahingehend Druck auszuüben, daß er seine Zustimmung zu einer Deklaration über die Juden erteile. Aber niemals begab sich eine Delegation amerikanischer Kardinäle zum Papst, um auf der Diskussion über Religionsfreiheit und das Dokument über die Juden zu bestehen. „Auf den Heiligen Vater übt man keinen Druck aus,“ erklärte ein amerikanischer Kardinal lakonisch, als er mit einer solchen dringenden Forderung konfrontiert wurde.
Aber jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo das Verhalten der jüdischen Lobbyisten zu Reaktionen führte. Pamphlete über die Juden tauchten im Konzil auf. „Die Juden und das Konzil im Lichte der Heiligen Schriften“ von Bernardus bot die „höchst rationale Darstellung der Judenfrage vom Standpunkt des offiziellen Konservativismus der Kirche und des Antisemitismus. Seine Botschaft: Aus den Schriften ergibt sich über jeden Zweifel erhaben, daß die Juden aus freiem Willen zu Gottesmördern geworden sind. Diese Lehre werde von den Kirchenvätern unterstützt. Der hl. Thomas von Aquin schrieb in diesem Zusammenhang: „Die Haltung des Römischen Pontifex kann nur als Bestätigung gesehen werden, daß die Juden an einer weltweiten Verschwörung mit dem Ziel der Zerstörung der Kirche beteiligt sind. Folglich muß jeder gegenüber den Juden mißtrauisch sein, und nicht einen fundamentalen dogmatischen Standpunkt der Kirche preisgeben.“ Auf das Traktat von Bernardus folgte Complotto contra la Chiesa, von dem viertausend Exemplare unter den Kirchenvätern verteilt wurden.
Ausgestattet mit einem unerschöpflichen Spesenkonto der „New York Times,“ verwandelte Robert Blair Kaiser sein geräumiges römisches Appartement in einen „Versammlungsort für konziliar Progressive… für jene, die am härtesten daran arbeiteten, die Dinge stets auf dem aktuellsten Stand zu halten.“ Zu den regelmäßigen Sonntagabend-Soirees, wo die „Kräfte des Lichts“ über die Aktivitäten der vergangenen Woche reflektieren konnten, kamen jetzt noch fast tägliche Abendessen, bei denen Kirchenführer über ihre Hoffnungen für eine zukünftige Kirche mit Personen diskutieren konnten, die sie sonst niemals in ihrem Leben getroffen hätten.
So sah sich Bischof Mendez von Cuernavaca in Mexiko, eines Abends in Kaisers Appartement dem Hollywood-Regisseur Otto Preminger gegenüber. Zu ihnen gesellten sich Kaiser und Gregoire LeMercier, Prior des Benediktinerklosters in Cuernavaca, der Kaisers Gästen erklärte, wie vorteilhaft sich bei ihm eine Psychoanalyse ausgewirkt hatte. Im Ergebnis hatte er seine Mönche davon überzeugt, seinem Beispiel zu folgen. Jetzt erläuterte er gegenüber Preminger, wie die Psychoanalyse nach Freud sie alle zu besseren Benediktinern gewandelt hatte. Preminger, der wie auch Kardinal Ottaviani und Bischof Sheen der Ansicht waren, daß sich Katholizismus und Freudianismus wie Öl und Wasser zueinander verhielten, fragte LeMercier, wo er einen katholischen Psychiater gefunden hätte.
Es ergab sich, daß LeMercier keinen katholischen Psychiater finden konnte, und so hatte er die Dienste eines Atheisten und Juden für sich und seine Mönche in Anspruch genommen. Dieser wiederum, brachte eine weibliche Assistentin mit, der es gelang, viele Mönche davon zu überzeugen, sie seien allein aus Furcht vor der Sexualität ins Kloster eingetreten. Nachdem sie diese Botschaft verstanden hatten, traten viele Mönche aus dem Orden aus. LeMercier, man sollte sich daran erinnern, hatte behauptet, die Psychoanalyse hätte das Klosterleben gestärkt. Eine Behauptung, die Otto Preminger zu ungläubigem Kopfschütteln veranlaßte. Jetzt wandte sich Kaiser an Bischof Mendez und bat um dessen Ansicht über die Inanspruchnahme eines Psychiaters durch den Abt mit der Folge, daß sich ein unter seiner Jurisdiktion stehendes Kloster praktisch auflöste. „Mit Gregorios Hilfe,“ antwortete der Bischof, „bereite ich eine Eingabe für das Konzil vor. Ich denke, es ist an der Zeit, daß wir Freud taufen.“
Man kann sich fragen, wie Kardinal Ottaviani die Frage Kaisers beantwortet hätte, aber Ottaviani wurde in dieses Appartement nicht eingeladen. Einer der Konzilsväter, der regelmäßig dort auftauchte, war ein irischer Jesuit namens Malachi Martin. Martin, wie auch Bea, waren mit dem Biblicum verbunden, und auch Martin arbeitete hinter den Kulissen am Jüdischen Schema. Kaiser, der durch sich durch seine bei den Jesuiten genossene Ausbildung dem Orden noch immer Verbunden fühlte, war der Meinung, Martin sei „einer von den Guten,“ der „in seinen maßgeschneiderten Anzügen als Priester eine gute Figur machte.“ Malachi Martin, so hatte Kaiser gehört, war „zur Rettung des Biblicums vor den Konservativen, die es auflösen wollten,“ nach Rom gesandt worden.
Das Gefühl der Bewunderung beruhte auf Gegenseitigkeit, oder zumindest scien es anfangs so zu sein. Nach einem ihrer gemeinsam verbrachten Sonntagabende, ging Martin auf Kaier zu und „flüsterte ihm verschwörerisch“ ins Ohr,, „wie wichtig diese Zusammenkünfte für den Fortschritt des Konzils geworden waren… Jeder Kleriker, den ich getroffen habe, spricht über diese Partys. Sie sagen, dies sei der Ort, wo Ideen Gestalt annehmen, Freundschaften geschlossen und Pläne für die kommende Woche geschmiedet werden“ . Es war diese Art von Schmeichelei, die Kaiser hören wollte, denn irgend wann hatte er entschieden, daß er auch nach Rom gesandt worden war, um die Dinge zu beeinflussen, über die er berichten sollte. Martins Zugang zu Schlüsselfiguren hatte ihn nicht nur zu einer wertvollen Quelle für Insider-Informationen werden lassen, sondern gab ihm auch das Empfinden, daß er auf den Ausgang des Konzils einen positiven Einfluß ausüben könnte.
Es sollte nicht lange dauern, bis Kaiser an beiden Aspekten Zweifel hegte. Zunächst schwand sein Vertrauen in Martin als verläßliche Quelle. Zwar hatte Martin ihm unendlich viele Insider-Informationen geliefert, aber wenn Kaisers Berichte ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten, war Martin nicht bereit, seine zuvor gelieferten Informationen öffentlich zu bestätigen. Andere sollten dieselben Erfahrungen machen. Nachdem Pater Gus Weigel in der „New York Times“ mit der Erklärung zitiert wurde, das Juden-Schema befände sich in ernsten Schwierigkeiten, wurde er von Kardinal Bea ermahnt und gescholten, er verbreite die Unwahrheit und wurde auf die Schwarze Liste gesetzt. Kaiser wußte, daß Weigels Quelle Malachi Martin gewesen war, weil dieser versucht hatte, ihm dieselbe Geschichte zur Veröffentlichung im Time Magazine zu verkaufen. Martin blieb sehr zur Verblüffung Weigels dabei, daß die Geschichte trotz der Dementis von Bea und Willebrands wahr sei. Es war der Zeitpunkt, wo Kaiser aufhörte, Martin als Quelle zu benutzen, aber er war noch immer nicht in der Lage, die dahinter stehende Taktik und das Ziel zu erkennen.
Da Martin der Assistent Beas war, galt seine Hauptsorge damals dem „Jüdischen Schema.“ Martin lieferte Kaiser einen beständigen Strom von Informationen, aus denen sich ergab, wie Martin die reaktionären Kräfte in der Kurie bekämpfte, die sich – so Martin – mit Prälaten aus arabischen Staaten verbündet hatten und entschlossen waren, „die katholisch-jüdischen Beziehungen zu sabotieren, indem sie das „Jüdische Schema“ inhaltlich verwässern und verfälschen wollten. Um dies zu erreichen, scheuten „sie“ auch nicht davor zurück, von Beas Büro gefälschte Telegramme an das American Jewish Committee in New York zu senden, oder gefälschte Briefe auf Beas Briefkopf an den Zentralrat des Konzils zu verschicken.
Nach dem Weigel-Vorfall war Kaiser davon überzeugt, daß Martin falsche Geschichten über das „Juden-Schema“ verbreitete. Nachdem er sich einmal die Finger verbrannt hatte, nachdem er von Martin erhaltene Informationen in seinen Berichten für „Time Magazine“ verwendet hatte, erkannte er sehrschnell, daß Martin ihn zu seinem eigenen Vorteil manipulierte. Worum es sich bei diesen Vorteilen handelte, wurde an einem Sonntagabend deutlich, als Malachi Martin mit „zwei wichtigen amerikanischen Juden, Vertretern des American Jewish Committee,“ in Kaisers Appartement auftauchte.
Plötzlich wurde Martins Grund für die Verbreitung von falschen Informationen, die Weigels Ruf ruiniert hatten, offenkundig. Martin, so vermutete Kaiser jetzt, war ihr Lobbyist. Diese Juden benutzten ihn und bezahlten gut für seine Hilfe, von der sie glaubten, sie zu benötigen, weil sie alle diese Geschichten in der „New York Times“ gelesen hatten. Martin hatte diese Geschichten verbreitet und behauptet, das Juden-Schema sei gefährdet. Auf diese Weise konnte er bei den Juden den Eindruck erwecken, daß seine Bemühungen zur Rettung des Dokuments, das in keiner Weise gefährdet war, unverzichtbar seien. Die Juden waren auf Martins Trick hereingefallen und sie entlohnten ihn großzügig für sein Eintreten für ihre Interessen. Im Verlauf des Sommers, zwischen der zweiten und dritten Sitzungsperiode des Konzils, hatte Kaiser „bemerkt, daß Malachi Marti…
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Angelos †
Quelle: Monarchieliga
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