Persönliche Gedanken zu „Mozart“
Aus der „Krone“
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6.1.2006
Montag, 9. Januar 2006 14:23
Wilhelmine Kirchner: Zum Buch:„Mein Mozart“: Gedanken von Papst Benedikt XVI.
W enn in unserer Traunsteiner Pfarrkirche an Festtagen eine Messe von Mozart erklang, dann war mir vom Land gekommenen kleinen Buben, als stünde der Himmel offen. Vorne im Presbyterium hatten sich Weihrauchsäulen gebildet, in denen sich die Sonne brach; am Altar vollzog sich die heilige Handlung, von der wir wussten, dass sie den Himmel über uns auftut. Und vom Chor erklang Musik, die nur aus dem Himmel stammen konnte, Musik, in der der Jubel der Engel über die Schönheit Gottes für uns offenbar wurde. Es war etwas von dieser Schönheit mitten unter uns da. Ich muss sagen, dass es mir beim Hören von Mozart irgendwie immer noch so geht. Bei Beethoven höre und empfinde ich das Ringen des Genies, das Größte zu geben, und in der Tat hat seine Musik eine Größe, die mich im Innersten trifft. Aber es ist doch das leidenschaftliche Ringen dieses Menschen spürbar, und manchmal erscheint in diesem oder jenem Passus seine Musik auch ein wenig überanstrengt. Mozart ist reine Inspiration – so berührt er mich jedenfalls. Jeder Ton ist richtig und könnte nicht anders sein. Die Botschaft ist einfach da. Und darin ist nichts Banales, nichts bloß Spielerisches. Das Dasein ist nicht verkleinert, nicht falsch harmonisiert. Nichts von seiner Schwere und Größe ist ausgelassen, aber alles zu einer Ganzheit geworden, in der wir die Erlösung auch des Dunklen unseres Daseins spüren und das Schönsein der Wahrheit vernehmen, an dem wir so oft zweifeln möchten. Die Freude, die Mozart uns schenkt und die ich in der Begegnung mit ihm immer wieder spüre, beruht nicht auf dem Auslassen eines Teils der Wirklichkeit, sie ist Ausdruck einer höheren Wahrnehmung des Ganzen, die ich nur als Inspiration bezeichnen kann, aus der seine Kompositionen wie selbstverständ- lich herauszufließen scheinen. So bleibt beim Hören von Mozarts Musik in mir zuletzt Dankbarkeit zurück, dafür, dass er uns dies alles geschenkt hat und Dankbarkeit dafür, dass es ihm geschenkt worden ist.
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Redakteur:
Wilhelmine Kirchner
Quelle: www.buch24.de
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