Mittwoch, 7. November 2007 21:22
Leblhuber: Er sah aus wie Don Camillo
Ein Essay aus dem vatikan-magazin über einen erlebten Missbrauch und dessen leidvolle Bewältigung
Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals in Meer geworfen würde.“

http://www.vatican-magazin.de/archiv/11-2007/essay.pdf

Der ungenannt bleibende Autor schließt mit folgenden Worten:

„Im Namen dieser Kleinen bitte ich Sie: Räumen Sie auf! Haben Sie keine Angst vor dem Skandal. Er wird nur größer durch falsches Schweigen. Nicht die Wahrheit erschüttert die Kirche, sondern die Lüge. Die Wahrheit wird uns frei machen.
Ich bitte Sie auch im Namen der vielen Priester, Seminaristen und Ordensleute, die in Mithaftung genommen werden für die Schandtaten der Frevler. Lassen Sie deren Ehre nicht zu Schanden werden und ihre Arbeit mit Füßen treten…“

Dieser Aufsatz hat mich sehr berührt, vielleicht auch deshalb, weil ich einen ähnlichen Leidensweg kenne, der allerdings um Jahrzehnte länger zurück liegt und einen Menschen zerbrechen ließ, der es nicht verdient hatte, zerbrochen zu werden. Mit seiner Wunde völlig allein gelassen und durch sozialen Druck zum Schweigen verurteilt, hat er sich erst, schon hochbetagt, dazu entschlossen, zu sprechen.

Der Mut zur Wahrheit hat ihm letztendlich doch noch geholfen. Der Mut zur Wahrheit wird auch der Kirche helfen. Wenn die Kirche für sich in Anspruch nimmt, Gottes Wort in der Welt zu verkünden, muss es ein Wort der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe sein.
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3 Lesermeinungen:
Donnerstag, 8. November 2007 16:08
Konrad: Ja, wirklich sehr lesenswert, wenn auch
– wie +net – leider nur anonym und deshalb nur halb mutig, verständlich wenn alles wahr ist, was er schreibt (könnte auch gut zusammengedichtet sein). Zu turk: viele Münchener bedauern das unprofessionelle Verhalten des makellosen und fehlerfreien Bischofs von Regensburg eher wenig, da deswegen kaum noch jemand seine Ernennung zu ihrem Erzbischof befürchtet.
Donnerstag, 8. November 2007 14:48
Aleph: Zwischenmeldung
Turk@ Den Essay habe ich zu lesen begonnen. Er ist ein erschütterndes Dokument, denn es belegt, was unter dem Geheimnisschleier des Nicht-Darüber-Reden-Dürfens (das hätte als beichtenswerte Sünde gegolten) sich im Verlauf der Jahrhunderte für ein grauenhaftes Monster hat entwickeln können. Es wäre zu wünschen, dass der Essay von vielen Menschen gelesen wird, damit das gesundbetende und ignorierende Schweigen gegen besseres Wissen, um eines fragwürdigen Seelenheils willen, endlich ein Ende findet. Mit diesem Krebsgeschwür muss aufgeräumt werden. Auch der Kirche als solcher ist der schonungslose Blick in den Spielgel zuzumuten, wenn sie noch weiter Kirche sein will, weil zuviel schon geopfert, geschwiegen und gelitten wurde.
Donnerstag, 8. November 2007 00:16
turk: Sehr lesenswert!
Das PDF-Dokument aus http://www.vatican-magazin.de/…iv/11-2007/essay.pdf ist wirklich lesenswert. Nicht nur, weil die bekannten Skandalfälle richtig bewertet erscheinen, sondern weil zur Kenntnis gebracht wird, daß wir in einer Mediengesellschaft leben und nur transparentes Agieren und Eingehen auf erwiesene Mißbrauchsfälle der Glaubwürdigkeit der Kirche dienen können. Im übrigen zeigt das Dokument nebenbei auch, wie falsch es seitens des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig war und ist, sich nicht für die von ihm zu verantwortende Wiedereinsetzung eines bereits verurteilten Priester zu entschuldigen.
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