Dienstag, 12. Februar 2008 22:30
Antirassist †: Offener Brief an den Leiter der Schönstattbewegung, P. Lothar Penners
Am Gründungstag der Schönstattbewegung, dem 18. Oktober (2007), hat der Verfasser dieses mir freundlicherweise zur Verfügung gestellten Briefs trotz des massiven Widerstands einzelner Schönstätter Marienschwestern an verschiedenen Orten in Vallendar-Schönstatt die Infoblätter des katholischen Verlags Anton A. Schmid

„‘Terroranschläge’ vom 11. September 2001 endlich aufgeklärt!“

– „Freimaurerei und ‘alte Messe’ – unvereinbar?“ und

– „Johannes Paul II. – ein Heiliger“?

verteilt. Dabei war er dem massiven Widerstand einzelner „Schönstätter Marienschwestern“ ausgesetzt, die teilweise – jedoch erfolglos – versuchten, den Verteiler mit Polizeigewalt vom (öffentlichen) Gelände zu verjagen, teilweise die verteilten Blätter hinterher bei den (durchweg erwachsenen Lesern) wieder einsammelten…

In einem – bis heute unbeantwortet gebliebenen Brief – schob der Verteiler folgende Erklärung nach:
15. Januar 2008

Sehr geehrter Herr Pater Penners,
gestatten Sie mir einige kritische Anmerkungen und Anfragen im Nachgang zu meiner Verteilaktion am 18. Oktober 2007 in Schönstatt!

Aufgrund der von mir in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse über

– die Hintergründe des Zweiten Vatikanischen Konzils (Einfluß von Judentum, Satanismus und Freimaurerei)

– die wahren Hintergründe der umstrittenen Papstwahlen seit der Wahl Roncallis (vgl. Die Verfinsterung der Kirche, Durach 2004)

– die Hintergründe des überraschend frühen Todes von Albino Luciani/„Johannes Paul I.“ (vgl. David Yallop, Im Namen Gottes)

– die vom Konzil verbreiteten häretisch-apostatischen Inhalte (insbesondere in Dignitatis humanae, Nostra aetate, Gaudium et spes; Lit.: Marcel Lefebvre, Sie haben Ihn entthront. Vom Liberalismus zur Apostasie. Die Tragödie des Konzils, Stuttgart ²1988; Johannes Rothkranz, Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit. Ein Dokument des II. Vatikanum und seine Folgen (2 Bde.), Durach 1995)

– die vom katholischen Glauben deutlich abweichenden, häretischen bzw. apostatischen Lehren und Handlungen der „Konzilspäpste“, insbesondere eines Karol Wojtyla und eines Joseph Ratzinger (Lit.: Johannes Dörmann, Der theologische Weg Johannes Paul II. zum Weltgebetstag der Religionen in Assisi (2 Bde.), Senden 1990ff.; Die 101 Häresien des Karol Wojtyla: Msgr. José Franklin Urbina Aznar, Grundsatzerklärung zur Wahl eines Papstes aufgrund der aktuellen Vakanz des Apostolischen Stuhles, Durach 2000, 46-57; Helmut Friedlmayer, Die Irrlehren im neuen Weltkatechismus. Die Zerstörung des Glaubens durch die antichristliche Gnosis, Durach 1994; Johannes Rothkranz, Sind die neuen Sakramente noch gültig? Durach 1998; Die Verfinsterung der Kirche, Durach 2004; Wigand Siebel (Hrsg.), Philosophie und Theologie Karol Wojtylas, Basel 1985; ders. (Hrsg.), Zur Philosophie und Theologie Joseph Ratzingers, Saarbrücken ²2005; ders./Carl Angermayr, Ratzingers römische Apostasie-Symbolik, Durach 2006; Infoblätter: Johannes Paul II. – ein Heiliger?, Habemus Ratzinger, Freimaurerei und „alte Messe“ – unvereinbar?)

– die – zumindest nach außen hin immer sehr betonte – Traditionsverbundenheit P. Kentenichs und der Schönstattbewegung bei gleichzeitiger weitgehend unkritischer Übernahme der Inhalte des 2. Vatikanum und der Liturgiereformen durch Montini/„Paul VI.“

– das in der Öffentlichkeit weitgehend unkommentiert gebliebenen Zusammengehen von Schönstatt und Pallottinern in jüngster Zeit – ohne daß erkennbar wäre, daß die Pallottiner Schönstatt als göttliche Initiative anerkannt hätten

– die bedenklichen Tendenzen einzelner Schönstatt-Theologen wie Barbara Albrecht, Herbert King oder Ihnen selbst, wenn es darum geht, auf die Lehren fragwürdiger, teilweise bereits kirchlich verurteilter Philosophen und Theologen wie des Hochgradfreimaurers Pierre Teilhard de Chardin oder Hans Urs von Balthasar zurückzugreifen (Lit.: Johannes Rothkranz, Die Kardinalfehler des Hans Urs von Balthasar. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Walter Hoeres, Durach ²1989; ders., Die kommende „Diktatur der Humanität“ oder Die Herrschaft des Antichristen, Bd. 3: Die vereinten Religionen der Welt im antichristlichen Weltstaat, Durach ²1992)

– die Widersprüche von neueren Aussagen des offiziellen Schönstatt (z.B. im Schönstatt-Lexikon) zu Aussagen wie man sie in früheren Schönstatt-Veröffentlichungen (z.B. bei F. Kastner, Marianische Christusgestaltung der Welt) antrifft

erschien es mir angebracht, diese Verteilaktion durchzuführen, um so eine längst überfällige Auseinandersetzung innerhalb der Schönstattbewegung mit Fragen wie „Was ist katholisch?“ oder „Wie steht die Schönstattbewegung zur katholischen Glaubens- und Lehrtradition?“ anzustoßen, auch wenn dies bei manchen Delegierten spontan auf Unverständnis oder Ablehnung gestoßen sein mag… (Sehr interessiert wäre ich natürlich, von Ihnen zu erfahren, ob derartige Diskussionen ausgelöst wurden und wie Sie als Bewegungsleiter auf solche reagierten.)

Vielleicht gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang noch einige weitere Fragen? Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sie mir beantworten könnten!

1. Wie stellt sich die Schönstattbewegung offiziell zum Zweiten Vatikanischen Konzil? Sieht man sich trotz der von traditionell-katholischer Seite (z.B. Erzbischof Marcel Lefebvre) vorgebrachten, begründeten Bedenken hinsichtlich der Rechtgläubigkeit und Traditionskonformität einzelner Konzilsaussagen immer noch als Apologet und Herold desselben? Kann und darf sich die Schönstattbewegung sich unter diesen Umständen noch auf das „katholische Apostolat“ als ihre ursprüngliche Zielsetzung berufen?

2. Wie stellt sich die Schönstattbewegung zu den unter Montini/„Paul VI.“ eingeführten neuen Weiheriten, bei denen nicht klar erkennbar ist, was jeweils (Bischof, Priester oder Diakon) geweiht wird?

3. Wie stellt sich die Schönstattbewegung zu den übrigen unter Montini/„Paul VI.“ eingeführten neuen Sakramentsriten und damit im Zusammenhang zu dem von Ratzinger/„Benedikt XVI.“ am 7.7.07 erlassenen Motu proprio?

4. Wie stellt sich die Schönstattbewegung zu dem unter Montini/„Paul VI.“ eingeführten Novus Ordo Missae, bei dem der Opfercharakter der Heiligen Messe kaum noch erkennbar ist?

5. Wie stellt sich die Schönstattbewegung der deutschsprachigen Länder zu der (bewußt?) falschen Übersetzung der Wandlungsworte („für alle“ statt „für viele“) ins Deutsche?

6. Wie stellt sich die Schönstattbewegung offiziell zum Dialog mit den nichtchristlichen Religionen? Ist man mit dem 2. Vatikanum der Ansicht, daß ein Konzilskatholik „geistliche Güter“ in diesen (an was ist da konkret gedacht?) nicht nur anzuerkennen, sondern zu „fördern“ habe (vgl. NA 2) und daß sich die Juden nicht zum katholischen Glauben bekehren müssen, um gerettet zu werden („Bischof“ Lehmann)?
Da zu befürchten ist, daß die Beantwortung dieser Fragen ganz im Sinne der in der Konzils“kirche“ gängigen, im Widerspruch zur katholischen Glaubens- und Lehrtradition stehenden Interpretation ausfällt, wäre weiterzufragen: Wie glaubhaft sind heute noch die folgenden Aussagen des Schönstattgründers und anderer Schönstatt-Theologen (die Hervorhebungen stammen von mir, wenn nicht anders vermerkt)?

„An Verwurzelung in kirchlicher Vergangenheit hat es nie gefehlt.“ (Apologia pro vita mea, 97; zit. nach Lothar Penners, Eine Pädagogik des Katholischen, Vallendar 1983, 183)

„Fest müssen wir halten (…), dass die Kirche immer traditionsgebunden sein soll und sein will.“ (Vortrag zur symbolischen Grundsteinlegung für das Matri-Ecclesiae-Heiligtum 8.12.1965, Broschüre zur Vorbereitung der Heiligtumseinweihung, Simmern o.J., 10)

„J. Kentenich weiß sich der kirchlichen Tradition verpflichtet aus der Überzeugung, daß der Geist Gottes in allen Epochen gewirkt habe… (Er) spricht mit großer Wärme … vom Mittelalter und … großen Daten der neuzeitlichen Geistes- und Kirchengeschichte.“ (Penners, aaO, 179-180; zweite Hervorhebung im Original)

„Wenn wir von Formkraft der Wahrheit sprechen (…), müssen wir selbstverständlich unterscheiden zeitbedingte und zeitunbedingte, ewige Formen. Das gilt auch beispielsweise von den Sakramenten. An den absolut wesentlichen Bestandteilen darf nichts geändert werden…!“ (Marianische Erziehung, Vallendar 1971, 105)

„Was die Sakramente als solche angeht, so sind diese Zeichen festgelegt und erfahren keine wesentliche Veränderung in der Zeit.“ (Hans Werner Unkel, Theorie und Praxis des Vorsehungsglaubens nach Pater Joseph Kentenich, Teil 1: Theologische Horizonte des praktischen Vorsehungsglaubens, Vallendar 1980, 106)

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Sind das katholische Worte? Keines. Sogenannte Brüderlichkeit ist nur Interessengemeinschaft. Sie gehen nicht über die Kaste hinaus… Ähnliches gilt vom Begriff der Gleichheit. Gleichheit von Mann und Frau in der Ehe. Gleichheit im Schulkampf. Freiheit: Marx kennt ja keine Freiheit. Alles muß sich selbst entwickeln. Dann will er auch wieder mit Gewalt einen neuen Zustand schaffen… Kommunismus… Sozialismus… Malthusianimus… Sozialismus und Katholizismus lassen sich als Weltanschauung nicht vereinigen… Hier gilt es den Kampf aufzunehmen zwischen Heidentum und Christentum… Der Sozialismus ist heute der Antichrist.“ (Seelenführerkurs 1929: Industriepädagogische Tagung, Vallendar 1990, 457-458)

„Der Satz (‘autoritär im Prinzip, demokratisch in der Anwendung’) enthält einen Protest gegen zwei unvereinbare Gegensätze: gegen Absolutismus und Kollektivismus. Er bedeutet ein Bekenntnis zu gottgewollter Spannungseinheit zwischen Autorität und Freiheit und zu den darinnen sich offenbarenden zahlreichen Polaritätsgesetzen. Er lehnt recht nachdrücklich auch die Art von Demokratismus ab, der seit der Französischen Revolution überall auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hinarbeitet, der so den Vater in der Familie und den Fürsten im Staat (de facto inzwischen auch den Papst in der Kirche!) abgeschafft hat und nach derselben Richtung laufend Unheil anrichtet. Allerorten soll nach ihm in Gott gegründete personale Autorität beiseite geschoben werden und einer öden Gleichmacherei Platz machen. Sein Ideal ist schlechthin eine Einebnung aller Menschen.“ (Krise um Regierungsformen: Autorität und Freiheit in schöpferischer Spannung, Vallendar 1993, 11)

„Heute (muß) die christliche Glaubensverkündigung bewußt alles Heroische und Vitale aufrufen für den christlichen Übermenschen. Denn nur dieser ist der echte Übermensch. Gnadenleben und Gotteskindschaft ist wahre Lebenssteigerung und wirkliche Seinserhöhung. (…) Hier stehen echte und falsche Anthropologie, echte und falsche Humanität, der Mensch vor Gott und die vergötzte Menschenfratze einander gegenüber; daher darf und muß heute die Botschaft von der Gnade und Gotteskindschaft als die Botschaft vom christlichen Übermenschen den heidnischen Übermenschen überwinden und das Menschentum selber retten. Der christliche Übermensch ist der naturhaft vollendete, Christus eingegliederte und in der Offenbarung der Kinder Gottes verklärte Mensch.“ (Ferdinand Kastner, Marianische Christusgestaltung der Welt, Paderborn ³1937, 97-98; erste Hervorhebung im Original)

„Was uns Teilhard nun sagt von der Evolution, ist dem Ziele nach zweifellos sehr wertvoll. Die ganze Welt soll letzten Endes weiter nichts sein als ein Corpus Christi Mysticum. Irrig fängt die Lehre nur an zu werden dort, wo oder wenn das so ist, wenn man behauptet, dass die Evolution hier eine Anwendung findet wie im Rahmen der Natur selber, dass die Natur aus sich auf einmal fähig wird oder werden könnte, die Gnade als etwas Naturgemäßes aufzufassen.“ (Vortrag 8.12.1965, aaO, 18)

Zum Schluß noch eine Anmerkung hinsichtlich Ihrer unkritischen Übernahme des ganz offensichtlich ins Häretisch-Akatholische/-Antikatholische abgeglittenen Begriffs des „Katholischen“ bzw. der These von einer – diesem Begriff widersprechenden! – Unvereinbarkeit von heutiger Zeit und Katholizität bei von Balthasar in Ihrer Dissertation:

„Katholisch ist: alles umfassend, nichts auslassend. Wie kann das einem einzelnen Menschen zufallen, selbst wenn er der eingeborene Sohn Gottes ist? Durch Spekulation werden wir’s nicht ergründen, es zeigt sich uns nur, wenn wir in glaubender Offenheit auf seine Selbstkundgabe hinschauen. Er ist – so sagt er und so lebt er’s – die Offenbarung eines Anderen, des Vaters, der ‘größer’ ist als er und mit dem er doch ‘eins’ ist.“ (Penners, aaO, 411, Anm. 23) (Anm. Verf.: Dieser Begriff von „katholisch“ ist doch glatt häretisch: es wird nicht mehr unterschieden zwischen gut und böse, zwischen Kirche und Welt, zwischen Natur und Gnade!)

„Für von Balthasar scheint die Zeit überfordert mit der Forderung nach Katholizität (wie die Catholica mit der Zeit?).“ (ebd., 414)

„Wenn von Balthasar von einer ‘Liquidierung’ des Katholischen (!!!) spricht, dann richtet sich in einem übertragenen Sinne an Erneuerungsbewegungen in der Kirche die Anfrage, ob sie die Grundkräfte des Christlichen so verflüssigend (?!) verlebendigen und ihnen solche Formkraft verleihen können, daß die Catholica nach einer teilweise notwendigen Einschmelzung zeitbedingter Formen (an welche denken Sie da konkret?) in ihnen und über sie zu einer neuen, vornehmlich inneren (welcher Art?), aber auch äußeren Gestaltwerdung gelangt.“ (ebd., 415)

Lieber Pater Penners, wäre es nicht allerhöchste Zeit, angesichts der Einwände, wie sie in der von mir genannten Literatur hinsichtlich der Rechtgläubigkeit des Konzils, der „Konzilspäpste“ und der Vertreter der „Neuen Theologie“ vorgetragen werden, seitens der Schönstattbewegung ein in der katholischen Lehr- und Glaubenstradition wurzelndes, theologisches Profil zu entwickeln, das sich klar von den Häresien unserer Zeit abgrenzt – auch und gerade den „anthropologischen“, die ja nicht nur in der marxistischen und nationalsozialistischen Ideologie, sondern genauso auch in den nichtchristlichen Religionen wie Judentum und Islam anzutreffen sind?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen und verbleibe mit freundlichen katholischen Grüßen und Wünschen
Ihr

P.S.: Leider waren weder Herr P. X noch Herr Y vom Männerbund bereit, mir eine Kopie eines im Schönstatt-Lexikon (S. 56-57) zitierten Romvortrags von P. Kentenich (Band II, 194-228), der für die Position Schönstatts in der Frage des Dialogs mit den nichtchristlichen Religionen sicher aufschlußreich und grundlegend ist, zukommen zu lassen. Und das trotz des Zitats im Schönstatt-Lexikon (die angegebenen Quellen müssen für jeden wissenschaftlich Arbeitenden grundsätzlich einsehbar sein!) und trotz der Tatsache, daß einige Bände der Romvorträge auch über eine, von P. X verwaltete Internet-„Leihbibliothek“ zur Ausleihe angeboten werden… Wenn sie mir eine Kopie dieses Vortrags zukommen lassen könnten, wäre ich Ihnen daher sehr dankbar!
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