Montag, 10. März 2008 17:35
Athanassij Semjonoff: Williamson, der heimliche Vollstrecker!
Wer eine Opposition gegen sich fürchtet, der sollte sie am besten heimlich selbst organisieren, um so den Widerstand in die Garage zu fahren und unwirksam zu machen. Im Mittelpunkt einer solch falschen Opposition, die nur den Zweck besitzt, die Namen der Opponenten zu sammeln, muß eine Persönlichkeit stehen, die der Opposition als Hoffnungsträger erscheinen kann. Dieser Hoffnungsträger muß eine medienwirksame Gestalt sein, die in der Lage ist, Phrasen als Prinzipien auszugeben. Wenn in der Nähe des „Messias“ Personen erscheinen, die gewisse Dinge zu Ende denken und versuchen konsequent umzusetzen, wird der „Messias“ überraschenderweise von ihnen abrücken und sie im Regen stehen lassen.
Viele Priester der FSSPX, die in den letzten 20 Jahren mit Msgr Williamson zu tun hatten, können davon ein Lied singen. Dazu gehörte auch Pater Morello, noch im Jahre 1989 Regens von La Reja. Mindestens zwei Seminaristen, darunter ein gewisser Urrutigoity, fielen durch exzessiv unmoralisches Verhalten auf; Letzterer auch durch offensichtliche Homosexualität. Die von Morello eingeleitete diskrete Untersuchung gemäß can. 1941 §2 des CIC1917, wurde von Williamson dahingehend torpediert, daß er die laufende Untersuchung öffentlich publik machte und den Regens als Lügner hinstellte. Der Skandal war so groß, daß die Mehrheit der Seminaristen La Reja aus Protest verlassen hatte, Urrutigoity aber behielt man und schickte ihn nach Winona. Dort trieb er sein Unwesen weiter, zusammen mit einem gewissen Eric Ensey. Ein ziemlich großes Opfer für so einen Seminaristen, nicht wahr? Sie wurden geweiht und erhielten unter Williamson wichtige Posten im Seminar. Die beiden verließen Jahre später Winona, um die Bruderschaft St. John zu gründen, wobei sie als pädophile Raubtiere auffielen und nebenbei Millionen abzockten.

Williamson behauptet nun, er habe von der Homosexualität nichts wissen können und Urrutigoity sei nie auffällig gewesen? Stattdessen versteckt er sich in einem Interview mit dem College-Direktor Jeffrey Bond hinter dem Erzbischof, ohne zu sagen, daß damals Pater Schmidberger der Generalobere gewesen war, der übrigens auch die Ereignisse in La Reja aus der Nähe kannte.

Ein Gespräch mit Morello, welches er vor ein paar Tagen mit mir geführt hatte, hat ergeben, daß der ehemalige Regens von dem Buch des Jesuiten Arriaga y Saëns „Komplott gegen die Kirche“, beeinflusst war, welches während des Konzils allen Bischöfen zugeschickt worden war. Irgendetwas scheint Schmidberger und Williamson an diesem Buch nicht zu gefallen. Ihr Versuch der Unterdrückung, daß 20 Jahre von diesem Buch innerhalb der Tradition keine Rede mehr war, war bis jetzt von Erfolg gekrönt gewesen.

Williamson hat seine eigene Art diesen Problemen zu begegnen, mit denen er seit der Veröffentlichung des Falles Urrutigoity zu tun hat. Sieht er ein, daß er den Traditionalisten eine Erklärung schuldet? Keineswegs! So ließ er vor ein paar Tagen durch einen Telefonanruf bei Abbé de Cacqueray, – dem Oberen des französischen Distriktes –, einen ehemaligen Seminaristen als „exkommunziert“ aus dem Priorat entfernen, welches dieser seit Jahren frequentiert und der 1989 Zeuge der Darstellungen Schmidbergers des Falles Urrutigoity gewesen war. Der ehemalige Seminarist gibt an, daß der Hinauswurf unter Gebrüll und Geschrei des Priors eine Sache von 4 Minuten gewesen sei. Er wurde als „exkommuniziert, öffentlicher Sünder und Verleumder“ von der Kommunion ausgeschlossen; alles ohne kanonischen Prozess, der bei dieser schmierigen Kabarettszene natürlich nicht stattfinden konnte.
Die Sache ist für den Betroffenen nicht weiter schlimm, denn er geht jetzt anderswo zur Messe.

Welches Bild bastelt dagegen Williamson von sich selbst, in seiner Öffentlichkeitsarbeit? Er Ausdruck ist berechtigt, denn kein anderer der vier Bischöfe der Bruderschaft tut so etwas. Niemand sonst hat einen Blog, oder lässt bei Youtube Filme von sich kursieren, die ihn wie einen Politiker präsentizeren.

Wer sich mit Msgr Williamson befasst, der wird feststellen, daß der Bischof es liebt, durch polarisierende Stellungnahmen zu zweitrangigen Themen, wie das Tragen von Hosen durch Frauen, von sich reden zu machen, aber eine konsequent durchgearbeitete Theologie wird man vermissen?
Stattdessen haben wir Einlassungen zu Frauen und Hosen, und auch dem Ausschluß der Frauen von Universitäten.

Er liebt es volkstribunenhaft aufzutreten und eine Sprache zu führen, die eher an einen puritanischen Politiker erinnert, aber nicht an einen katholischen Bischof. In dieser Weise äußert er sich zu Fragen der Wirtschaft, der Finanzwelt, dem 11. September 2001 usw.
Er liebt es, seine Belesenheit und sein Wissen der profanen englischen Literatur zur Schau zu stellen.
Kommentare zu apokalyptischen Themen sind sein Spezialgebiet. Er kommuniziert viel und pflegt seinen Blog. Kommentare, die ihn den Mittelpunkt des Interesses der Presse rücken, liebt er sehr, besonders dann, wenn sie provozieren, wobei sich diese Provokationen aber immer nur auf sekundäres beziehen; mindestens vom Standpunkt des katholischen Dogmas aus. Er ist eine Art traditionalistischer David Irving und er bastelt an diesem Bild.

Leute, die mit ihm näher zu tun haben, merken aber schnell, daß er nur das Vertrauen derjenigen instrumentalisieren will, die ihre Hoffnungen auf ihn setzten. Denn naive Leute mit Idealismus kann man leicht als Sonden und Testballons aufsteigen lassen, wo man sich selbst die Finger nicht verbrennen will. Morello musste das bitter erfahren. Klappt die Sache nicht, so distanziert man sich von dem Naivling.

Seit 1994 versucht Williamson von dem Bild des Exzentrikers wegzukommen und sein Verhalten ist geprägt durch Opposition gegen Msgr Fellay. Seine ganze Öffentlichkeitsarbeit hat das Ziel sich außerhalb der FSSPX eine Anhängerschaft aufzubauen, auf die er zählen kann. Er richtet sich also an die Gläubigen direkt, aber wird auch zum Beschützer der Dominikaner von Avrillé, der Redemptoristen; und über die letzteren, auch für die Bruderschaft Sankt Josaphat in der Ukraine. Über so eine Anhängerschaft kann er direkt Druck auf Fellay ausüben.

Es muß in diesem Zusammenhang auch erwähnt werden, daß es Williamson war, der das so genannte 3. Geheimnis nach vatikanischer Version aus dem Jahr 2000 für echt erklärt hatte, wenn auch für unvollständig und seine Dominikaner durch einen Artikel in LE SEL de la TERRE dafür einspannte. Nun ist es sehr peinlich, daß die Handschrift gefälscht worden war. Die Dominikaner verunglimpften damals jeden Zweifel als „Negationisten“. Warum fiel ihnen den nicht ein, erst einmal eine graphologische Studie anzufertigen? Die Antwort ist einfach: weil es Williamson so gepasst hatte!

Seit Jahren bastelt Williamson am Image des volksnahen Predigers, der quasi über den Volksdruck aus den Prioraten und einige ihm ergebene Priester wieder zur Macht strebt. Diese Methode mag sehr angelsächsisch sein, in einen katholischen Orden passt sie nicht.

Und vor allem, welche Ziele verfolgt er dabei?

Der Fall Urrutigoity lässt schlimmes erahnen.
Diesen Beitrag bearbeiten Redakteur: Athanassij Semjonoff
Klicks: 850 mal
Weiterlesen:
2 Lesermeinungen:
Dienstag, 11. März 2008 12:24
zwobbel: Problem Williamson
Ja, er ist zu angelsächsisch von seiner Art (selbstgefällig), seinem Humor (abstoßend unlustig), seiner Vorgehensweise (hau drauf) und seiner Kirchlichkeit (protestantisch).

Sein Vorgehen auch den schwierigsten Angelegenheiten mit dem primitivsten Antidiplomatismus zu begegnen (und damit zu blockieren!) ist schon frappierend. Notfalls kommt für Fragen der Disziplin immer die Dogmakeule heraus. Nach seiner „Logik“ gab es in der gesamten Kirchengeschichte (akkumuliert) nur einige Jahrzehnte in denen kein „Notstand“ (mit dem er seinen Protestantismus rechtfertigt) herrschte.

In den Kreisen der politischen Opposition sind die Scharfmacher (fast) immer die U-Boote, auch Maulwürfe genannt. Üblicherweise provozieren sie mit dem Thema Holocaust-wie auch Williamson. Mit ihrem Einpeitschen verhindern sie stets konstruktive Ansätze und die Bildung von Allianzen. Sie treiben die Vorsitzenden vor sich her.
Die fanatischen Sprüche kommen allerdings bei labilen Menschen/Jugendlichen gut an. Denn die Jugend (und auch einfach gestrickte fromme Leute) ist normalerweise idealistisch und puristisch, da kommen radikale Phrasen gut an. Allerdings tragen die nicht zur Vertiefung des Glaubens oder Frömmigkeit bei.

Das werden aber seine Anhänger, die als gradlinigen Verteidiger des letzten katholischen Widerstandsnestes ansehen, nicht verstehen.
Montag, 10. März 2008 22:23
turk: Interessant
Sehr interessanter Beitrag.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net