Dienstag, 29. April 2008 08:58
Bollwerk: 68 und die Kirchen – wie aus Revoluzzern Nonnen, Kardinäle und Päpste werden.
Der Themenabend zu „‘68 und die Kirchen“ zeigt nach der Dokumentation von Günter Kaindlstorfer (22.30, ORF2) den Film „Paul VI. und die Pille“ von Guido Knopp über das päpstliche Verbot der Antibaby-Pille (23.15).
wie aus Revoluzzern Nonnen, Kardinäle und Päpste werden.
Wir brauchen ka’ neues 68er, wir brauchen a Hirn.“ Ähnlich saloppe Sager fallen öfter in dem Film Revolte, Aufbruch, Revolution – ‘68 und die Kirchen. Viele, wie der soeben zitierte, stammen vom Wiener Theologen Adolf Holl, der in den späten 60er-Jahren Kaplan in Wien-Ottakring war: „In der katholischen Familienrunde ist der Joint gekreist“, erfährt man von ihm etwa, und „gelegentlich haben sich die Ehepaare ein bissl ans Tauschen gemacht“. Auch engagierte Christen waren von 68 bewegt;
Da plaudert die Dominikanerschwester Katharina Deifel von den anfänglichen Reizen der Bewegung, da outet sich der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn als einstiger Revoluzzer, der erst unter dem Eindruck der Gewalttendenzen von ‘68 „eine sehr deutliche Wende zum Konservativen gemacht“ habe; der deutsche Theologe Hans Küng schildert, wie sein damals so reformfreudiger Kollege Joseph Ratzinger als Dogmatik-Professor von den Tübinger Studenten provoziert und verhöhnt wurde; und der ehemalige Chefredakteur des „Standard“, Gerfried Sperl, erinnert sich, wie er in Graz mit der Katholischen Hochschulgemeinde gegen Deutschnationale und andere Reaktionäre ins Feld zog.

Pillenenzyklika und Armenkirche
Auf Rudi Dutschkes religiöse Prägung wird nicht vergessen – er sah sein Engagement für eine Welt ohne Leid, Gewalt und Hunger als gelebtes Urchristentum –, ebenso wenig auf eine weitab von den Studentenunruhen stattfindende Revolution: 1968 läuteten die lateinamerikanischen Bischöfe in Medellin die Geburtsstunde der Befreiungstheologie ein, während der Vatikan sich – Stichwort „Pillenenzyklika“ – über die künstliche Geburtenregelung den Kopf zerbrach. All das lässt Kaindlstorfer hier kurzweilig und zurückhaltend kommentiert Revue passieren; ein leichte tour d’horizon durch das „68“ der Kirchen und – gerade noch rechtzeitig – eine fällige Ergänzung zum Jubiläumsjahr.
Diesen Beitrag bearbeiten Redakteur: Bollwerk
Quelle: diePresse
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• P. Matthias Gaudron: Die Menschenrechte
1 Lesermeinung:
Dienstag, 29. April 2008 20:22
Lutheraner: Der Urchrist und sein rotes Volk
Als sie kamen, hatte sie die Bibel und wir das Land. Jetzt haben wir die Bibel und sie das Land. (König von Simbabwe?)

Christen und Kommunisten haben viel gemeinsam, eigentlich alles. Der Sturm auf die Kirchen wundert mich deshalb überhaupt nicht. Doch eigentlich ist er längst abgeschlossen.
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