Donnerstag, 8. Mai 2008 19:30
Lutheraner: Die Thule-Gesellschaft
4.3. Die Gründung der Thule-Gesellschaft

Die Gründung der Thule-Gesellschaft fiel in die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg. Die überlebenden Soldaten waren aus einem verlorenen Krieg zurückgekehrt, in ganz Deutschland herrschte grosse Desillusionierung und machte sich Verunsicherung breit. Der Vertrag von Versailles wurde als Schmach empfunden. Die politische Linke sowohl als die Rechte suchten die Situation zu ihren Gunsten zu nutzen. Nationalistische Verschwörungen formierten sich. Bald herrschte ein Klima von Chaos und Gewalt.
4.3.1. Der Gründer der Thule-Gesellschaft: Freiherr Rudolf von Sebottendorf (1875 – 1945) geborener Rudolf Glauer, Abenteurer14

Nach seinen eigenen, widersprüchlichen Angaben hielt sich Sebottendorf von 1897-1900 als Techniker in Ägypten auf, von 1901-1914 in der Türkei, wo er mit Rosenkreuzern in Kontakt kam und sich seinen wohlklingenden Namen zulegte. Seine weiteren okkulten Interessen galten dem Sufismus, der „Geheimlehre“ von Helena Blavatsky, ariosophischen Ideen und der Astrologie. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland hatte er Kontakt zu germanentümlerischen völkischen Kreisen. Im Dezember 1917 wurde er zum Meister der bayerischen Provinzen des Germanenordens ernannt. Sebottendorf wird als Abenteurer und redseliger Mensch geschildert, mit eher schwachen okkulten Darbietungen. (Gugenberger/Schweidlenka, 1987:102)

4.3.2. Der Name „Thule“

Unter Bezugnahme auf Wilfried Daim steht bei Orzechowski (1988:37) folgendes zum Namen der Thule-Gesellschaft: „Der Name der Thule-Gesellschaft leitet sich her von der sagenhaften Thule, einer nordischen Entsprechung der untergegangenen Kultur von Atlantis. Ein Geschlecht von riesenhaften Uebermenschen soll auf Thule gelebt haben. Sie standen nach der Meinung ihrer modernen Bewunderer durch magische Kräfte mit dem Kosmos in Verbindung. Sie verfügten über psychische und technische Energien, die weit über den technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts gelegen haben sollen. Ein Teil ihres Wissens sei nach Tibet gelangt, wohin sich einige dieser Uebermenschen nach dem Untergang ihrer Kultur retten konnten. Dieses Wissen sei nun, nachdem Deutschland am Rande seines Untergangs stehe, zur Rettung des Vaterlandes und zur Entstehung einer neuen Rasse von nordisch-arischen Atlantiern bestimmt. Ein neuer Messias werde kommen, der das deutsche Volk zu dieser seiner wahren Bestimmung führen werde.“

4.3.3. Gründung und Mitglieder-Liste

Die Gründung der Thule-Gesellschaft im November 191815 in München durch Sebottendorf16 erfolgte zur Tarnung der Geheimverbindung Germanenorden. Offiziell galt die Thule-Gesellschaft als „Studiengruppe für germanisches Altertum“.17 Auf der Mitgliederliste figurierten zahlreiche politisch und gesellschaftlich angesehene und einflussreiche Münchner Persönlichkeiten, u.a. der völkische Publizist Dietrich Eckart. Auch der Geopolitiker Karl Haushofer wird genannt. Ausserdem waren gemäss Orzechowski (1988:19/20) von den spätern national-sozialistischen Machthabern bereits Thule-Mitglieder:
-Wilhelm Frick (u.a. ab 1939 Mitglied des sechsköpfigen Kriegskabinetts)

-Rudolf Hess (Stellvertreter des Führers)

-Julius Streicher (Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“, später Fränkischer Gauleiter)

-Alfred Rosenberg (NSDAP-Parteiideologe, ab 1941 Reichsminister für die besetzten Ostgebiete)

-Hans Frank (ab 1939 Generalgouverneur von Polen)

Alle diese Männer sassen nach dem Krieg in Nürnberg auf der Anklagebank und wurden, mit Ausnahme von Rudolf Hess, hingerichtet.

Die Zentrale der Thule-Gesellschaft befand sich in Räumlichkeiten des Münchner Hotels „Vierjahreszeiten“, die ihr von dessen Besitzern, den Gebrüdern Walterspiel (Thule-Mitglieder), zur Verfügung gestellt wurden. Adolf Hitler jedoch war nicht Mitglied der Thule-Gesellschaft.

5. DIE DEUTSCHE ARBEITER-PARTEI (DAP), EIN ABLEGER DER THULE-GESELLSCHAFT18

Die Verbindung zwischen der Thule-Gesellschaft und Adolf Hitler kann über die „Deutsche Arbeiterpartei“ hergestellt werden. Diese wurde am 5. Januar 1919 von Anton Drexler, einem Werkzeugschlosser, und Karl Harrer, Sportjournalist, gegründet und entsprang ihrer vorgängigen Zusammenarbeit während eines Vierteljahres in einem „politischen Arbeitszirkel“. Nach Tyrell sah Drexler im Nationalismus ein einigendes Band für alle Schichten des deutschen Volkes. In einer Broschüre von 1919 benutzte er bereits den Begriff „National-Sozialismus“19, wobei „Sozialismus“ die Funktion eines Mittels zu nationalem Zwecke hatte. Karl Harrer war eines der einigen Hundert Mitglieder der Münchner Thule-Gesellschaft. „Dieser völkische, nach Art der Freimaurerlogen organisierte und antisemitische Vorkriegstraditionen weiterführende Bund suchte, nicht zuletzt durch die gärende Volksstimmung in Bayern gegen Kriegsende bewogen, auch Einfluss in der Arbeiterschaft zu gewinnen und hatte Harrer beauftragt, in dieser Richtung tätig zu werden.“ (Tyrell 1975:22) Die Beziehung der DAP zur Thule-Gesellschaft war nur locker, aber doch nützlich, v.a. für die Vermittlung von Kontakten, Mitgliedern und Referenten (deren erster Dietrich Eckart war). Der „politische Arbeitszirkel“ blieb weiterhin bestehen. Seine ausgewählten Mitglieder, die auch der DAP beitreten mussten, wurden vom Vorsitzenden (und anfänglich hauptsächlichen Redner) Harrer berufen und mussten Stillschweigen geloben über Interna, Namen und Tagungsstätten. Tyrell glaubt, dass die für die damalige Zeit keineswegs ungewöhnliche konspirative Organisationsform des politischen Zirkels nicht nur auf Harrers Angst vor gegnerischen Aktionen zurückzuführen war, sondern dass es sich bei dem Zirkel um eine getarnte Führungszelle der Partei für mögliche Ernstfälle gehandelt haben könnte. Der Zirkel tagte häufiger als der Arbeitsausschuss, der offiziell die Geschäfte der DAP führte, den beiden Gremien gehörten aber ungefähr dieselben Personen an, sodass es vorerst zu keinen Spannungen kam, wobei die Teilnehmer an den Zirkelsitzungen stark fluktuierten und ihre Zahl nie über 7 stieg.

>5.1. Adolf Hitler und die DAP

Am 12. September 1919 nahm Adolf Hitler erstmals an einer Versammlung der DAP teil. Dies im Auftrag der Aufklärungsabteilung des Gruppenkommandos 4 der Reichswehr, welche die politische Entwicklung an der Basis im Auge hehalten wollte. Die DAP bekundete Interesse an Hitler, der schon Erfahrung gesammelt hatte als politischer Aufklärungsredner im Soldatenlager Lechfeld im August desselben Jahres. Im November 1919 sprach Hitler bereits als Hauptredner an den DAP-Versammlungen, die immer noch im kleinen Kreis der Mitglieder stattfanden. Am 24. November übernahm er die Leitung der „Partei-Rednerschule“. Als Werbe-Obmann wurde er siebtes Mitglied im Arbeitsausschuss der DAP. Er betrachtete es als seine vordringliche Aufgabe (in welcher er von Drexler unterstützt wurde), die politischen Ideen der kleinen Partei in der breiten Oeffentlichkeit bekannt zu machen. In dem nun folgenden Konflikt mit Harrer ging es nicht nur um die Frage „Loge“ oder „Massenbewegung“ oder welche Propaganda-Taktik die sinnvollste sei, sondern um die Frage nach dem ausschlaggebenden Führungsgremium der Partei. Hitler befürchtete den Versuch parteifremder Kreise, die DAP von aussen zu lenken. Am 5. Januar 1920 schied Harrer aus der Partei aus. Am 24. Februar sprach Hitler bereits vor 2000 Menschen im Hofbräuhaus-Festsaal in München und verlas das 25-Punkte-Programm der Partei, die nun „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ (NSDAP) genannt wurde. Der Ruf der NSDAP verbreitete sich über Münchens Grenzen hinaus, und Hitler trat schon 1920 mehrere Male ausserhalb Münchens als Redner auf. Die weitere Entwicklung der NSDAP in ihrer Anfangszeit und die Entstehung des politischen Führungsanspruches Adolf Hitlers ist ausführlich bei Tyrell nachzulesen.

Anmerkung in eigener Sache: Leider ist die Beschäftigung mit Germanenorden, Thule-Gesellschaft u. ä. obskuren Veranstaltungen nicht ohne Wirr- und Trübsal zu haben. Nicht nur, dass Hitler das germanische Erbe mit seiner Verderbtheit beschmutzt hat, auch ist sämtliche Esoterik so lecker wie ein stinkiger Brei; Sufismus, Kabbalistik, Buddhismus. äygptische Tradition und Germanenerbe lassen sich nur in der kranken Phantasie eines Psychotikers verrühren zu höherer Erkenntnis. Dem gesunden Menschen ist das unverdaulich. Man schaut sich alles einzeln an oder gar nicht.

Jeder, der sich heute mit der Kultur der alten Germanen beschäftigen will, hat sogleich mit Vorurteilen geistloser Zeitgenossen zu kämpfen, denn die Lästermäuler stehen nicht still, ihm Nazitum vorzuwerfen.

Doch die alten Germanen (wie auch die Ägypter) hatten weder mit Rassenhaß, Blutopfern, Beschwörung magischer Mächte und ähnlichen Scheusslichkeiten etwas am Hut, noch kannten sie Meditation. Okkultismus und Runen sind Gegensätze, denn während ersteres zum Schaden der Mitmenschen angewandt wird, sind letzte Schutzzeichen gerade vor Zorn- und Rachereden, Hexenflug und -fluch!

Für Zauberei waren die Germanen weder empfänglich, noch waren Runen dafür gedacht. Man lebte ganz in dieser Welt , genoß den Frühling, statt im Bottich mit Ziegendärmen zu rühren, um die Zukunft zu lesen.

Das rat ich zum ersten,
dass du rechtschaffen dich
gegen deine Nächsten benimmst;
sei langsam zur Rache,
tun sie auch Leid dir an!
Das bringt Heil nach dem Hinscheiden.

Das rat ich zum achten,
dass du Arges meidest
und nicht Buhlstäbe brauchst:
nicht verführe die Maid
noch die Frau des andern!
Nicht verlocke zur Liebschaft sie!

Das rat ich zum vierten,
wenn eine ruchlose Hexe
an deinem Wege wohnt:
gehen ist besser,
als Gast zu sein,
mag auch nahn die Nacht.

Wenn esoterische Schrillköpfe in den Spruchweisheiten den Einfluss des Christentums oder gar germanischen Schamanismus wittern, stapfen sie geradewegs in die aufgestellte Falle des Hitlerismus. Deshalb ist es immer besser, sich den Hurensohn Hitler vom Hals zu schaffen, ihn zu töten, bevor er einen selber tötet. Am besten man wirft seine Leiche auf die Straße, damit stumpft das Schwert der Widersacher, zudem entgeht man leichter dem Verhängnis esoterischer Abstumpfung.
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