Donnerstag, 19. Juni 2008 20:37
Pater Lingen: 3 Monate Kerker für „Unbelehrbarkeit“
Das Landgericht Kassel verurteilte am 18.06.20008 die sog. „Schulverweigerer von Herleshausen“ zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewährung, weil sie, ein Journalist und eine Musiklehrerin, beide mit Hochschulabschluss, ihre Kinder selbst zu Hause unterrichten, statt sie der Schule auszuliefern. Die Begründung für das Homeschooling: Der Lehrstoff in öffentlichen Schulen sei mit ihrem christlichen Weltbild unvereinbar.
Der Staatsanwalt meinte in der Hauptverhandlung, die Eltern seien wie ein Lastwagenfahrer, der vor Gericht beteuere, auch in Zukunft immer wieder mit Alkohol hinter dem Steuer zu sitzen. Der Richter verhängte daraufhin unbedingten Kerker gegen die Eltern und setzte hinzu: „Die Schule hat einen gesellschaftlichen Erziehungsauftrag. Dem darf sich niemand entziehen, auch aus religiösen Motiven nicht.“
Wie ist dieses Urteil zu bewerten? Zunächst zur Lastwagenfahrer-Metapher: Im betrunkenen Zustand Auto zu fahren, ist in der Tat eine schwere Verfehlung und muss hart bestraft werden. Durch Alkohol werden Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit nachweislich gesenkt, d.h. durch Trunkenheit am Steuer setzt man sich und andere einem unentschuldbaren Risiko aus. Nur: Was hat das mit Hausunterricht zu tun? Offenkundig gar nichts. Dass durch Hausunterricht die Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit der Kinder nachweislich gesenkt wird, ist nicht bewiesen; allerdings gibt es zur Effizienz von Heimunterricht einige unabhängige Studien mit sehr klaren Ergebnissen, die sehr zugunsten von Homeschooling sprechen. Entsprechende Übersichten bietet z.B. die „Home School Legal Defense Association“ (HSLDA). Auch bemerkenswert: Der älteste Sohn der „Herleshausener Schulverweigerer“ war nur das letzte halbe Jahr auf einer staatlichen Schule und hat dort einen Realschulabschluss gemacht – als einer der Klassenbesten. Außerdem ist Alkohol am Steuer zwar wohl überall auf der Welt verboten, aber Homeschooling nun einmal nicht. Überhaupt ist die staatliche Schule erst sehr spät entstanden, u.z. als Hilfe für die eigentlichen Stätten der Erziehung, d.h. für die Kirche und für die Familie. Eine kategorische Verkettung von Erziehung mit Staatsschule steht also in gar keinem Verhältnis zu einer kategorischen Trennung von Trunkenheit und Autofahren. Schaut man insgesamt auf den Wert der Lastwagenfahrer-Metapher, so ist dieser schlichtweg unterirdisch: Wegen absoluter Unvergleichbarkeit ist der Beweiswert gegen die Eltern komplett inexistent; das ganze ist nur ein maßlos zynischer Vorwand, um Unschuldige zu Straftätern abzustempeln. Insofern war auch die Reaktion des Vaters verständlich, der diesen Vergleich als „menschenverachtend“ zurückwies. Ausschlaggebend für die lange unbedingte Kerkerhaft war die angebliche „Unbelehrbarkeit“ der Eltern. Aber eben: Die Lastwagenfahrer-Metapher dient ja überhaupt nicht zur Belehrung, dass Heimunterricht strafbar ist. Vielmehr dient der ganze Schauprozess nur als Belehrung, dass man sich nicht gegen herrschendes Unrecht wenden darf: Und bist du nicht willig, so brauch ist Gewalt.
Nun ist die Bildung resp. ihr eklatanter Mangel in Deutschland immer wieder ein Thema, und das keineswegs nur wegen der PISA-Katastrophe. Ein paar neuere Beispiele: 1. Am 09.06.2008 hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen erklärt, dass eine Klausur beim Zentralabitur im Fach Mathematik nachgeschrieben werden darf: Nach Schülerprotesten über den angeblich zu hohen Schwierigkeitsgrad hatten mehrere Lehrer und ein Professor die Aufgaben tatsächlich als für Schüler zu schwierig eingestuft. 2. Am 12.06.2008 hat das niedersächsische Kultusministerium den Direktor des Gymnasiums Scharnebeck abgesetzt: Schüler hatten protestiert und den Unterricht boykottiert, weil das Gymnasium zweimal bei Schulinspektionen durchgefallen war; zahlreiche Lehrer hatten mit Versetzungsanträgen gedroht. 3. Angela Merkel ist seit einigen Tagen auch wegen ihres Schlagworts „Bildung für alle“ in den Schlagzeilen; offenkundig kann selbst die Bundeskanzlerin nicht einfach behaupten, dass es mit der Bildung in Deutschland zum besten bestellt ist. Und diese drei Beispiele sind nur ein paar Eisbergspitzen: Das eigentliche Problem liegt sehr viel tiefer und ist weitaus gewaltiger, als dass man nur von einzelnen Schwachstellen einer ansonsten funktionierenden Bildung sprechen kann.
Es ist eine unleugbare Tatsache, dass in den Schulen – u.z. ganz konform mit den „Lehrplänen“! – die Schüler ganz gezielt desorientiert werden. Für jeden sofort objektiv nachprüfbar ist das im Bereich der sog. „katholischen Religionslehre“: Was in den „Lehrbüchern“ steht, ist *nicht* katholisch; man braucht nur die katholischen Dogmen mit den Irrlehren der „Lehrbücher“ zu vergleichen. Nun haben die Anhänger des Homeschoolings erfahrungsgemäß zwar oft einen irgendwie „christlichen“, aber praktisch nie einen katholischen Hintergrund, d.h. das Problem der „katholischen Religionslehre“ ist ihnen normalerweise gar nicht bewusst, geschweige denn überhaupt für sie von Interesse. Deshalb schaue man einfach mal, wie böse die Gehirnwäsche in Fächern wie Biologie, Geschichte etc. betrieben wird. Man frage einfach mal die Schüler, wie es ihnen ergangen ist, wenn sie Lehrern Fehler nachgewiesen haben. Das wird dann kommentiert mit „Witzen“ wie der „Schulordnung: Artikel 1: Der Lehrer hat immer Recht. Artikel 2: Sollte er einmal nicht Recht haben, tritt automatisch Artikel 1 in Kraft.“ Kurz: Schüler sollen zu autoritätsgläubigen Befehlsempfängern verzogen werden, denen sowohl die intellektuelle als auch die charakterliche Kraft ausgetrieben wird, Probleme in richtiger Weise abzustellen. Dieses eigentliche Bildungsziel ist immerhin mit Bravour erreicht: eine grassierende Verarmung, eine abartig hohe Arbeitslosigkeit und eine irrsinnige, erdrückende Staatsverschuldung etc. sprechen eine unmissverständliche Sprache. Zudem gibt es Studien, dass Gewalt an Schulen von Mobbing bis Körperverletzung in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Bietet also die Schule im Vergleich zum Zuhause tatsächlich immer die bessere Lernatmosphäre?
Und wie umfassend diese staatliche aufgezwungene Verblödung und Verwahrlosung wirkt, zeigt jetzt dieses Urteil: Ein „menschenverachtender“ Pseudo-Vergleich dient als Vorwand, um Unschuldige einzukerkern. Die Deutschen sind viel zu sehr beschäftigt mit Deutschlands nächstem Topmodel, mit der Fußball-EM und sonstigen Nichtigkeiten, um überhaupt von derlei Justizverbrechen Notiz zu nehmen; und selbst wenn sie trotzdem davon erfahren, sind sie’s ob des „menschenverachtenden“ Pseudo-Vergleichs schon zufrieden. Wer sich mit diesem ungeheuerlichen Unrecht nicht abfinden möchte, der wird mit aller Gewalt „belehrt“, dass niemand sich der totalitären Verblödung und Verwahrlosung entziehen darf, „auch aus religiösen Motiven nicht“.
Wer sich weiter mit der Problematik der deutschen Zwangsverblödung und Zwangsverwahrlosung beschäftigen möchte, ist deshalb dringend angehalten, die kirchlichen Weisungen zu befolgen. Besonders empfohlen sei in diesem Zusammenhang die Enzyklika „Divini illius magistri“ (über die Erziehung der Jugend, 31.12.1929) von Papst Pius XI.; ein Ausschnitt: „Es ist jedoch klar, daß der Staat bei aller Förderung der öffentlichen und privaten Erziehung gehalten ist, nicht bloß die der Kirche und Familie von Haus aus zustehenden Rechte auf die christliche Erziehung zu achten, sondern sich auch der Gerechtigkeit zu beugen, die jedem das gibt, was ihm zukommt. Deshalb begeht der Staat ein Unrecht, wenn er die Erziehung und den Unterricht ganz an sich zieht, so daß die Familie entgegen den Pflichten ihres christlichen Gewissens und entgegen der ihnen rechtmäßig zustehenden freien Wahl physisch oder moralisch gezwungen wird, ihre Kinder in die Staatsschulen zu schicken.“
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Weiterlesen:
• Deutschland: Gewalt unter Israelfahne
6 Lesermeinungen:
Samstag, 21. Juni 2008 18:38
Alois Bischof: Pius XII (der Nick)
Sie sind wohl in de DDR grossgezogen, sonst verzäpften Sie hier nicht solchen totalitaristischen Unsinn.

Es gibt auch Alternative zur Sozialisierung und nicht nur die vom Staat aufgezwungene Schule.

Es geht hier ja nicht um Eltern die ihre Kinder einsperren, sondern um einen BRD-Totalitarismusstaat der Eltern einsperrt!

Klar darf die Gemeinschaft eingreifen wo Missbrauch existiert, aber wenn Eltern ihre Kinder gut ausbilden und die wissenschaftlichen Standarde erfüllen, gibt es keinen Grund zur Einkerkerung derselben, weil sie ihre Kinder nicht einer öffentlichen oder pseudo-christlichen Schule ausliefern wollen.

Pius XI. hat am Gewissen appeliert, und home-schooling lässt sich nicht als schädlich beurteilen, es sei denn Sie sind Nationalsozialist (Schulpflichtgesetz) oder Marxist. Sicherlich haben Sie schon den Etatismus geschluckt, von der katholischen Lehre des Naturrechtes sind Sie weit entfernt.
Freitag, 20. Juni 2008 12:54
Pius XII: Und auch noch Pius XI falsch interpretiert!
Deshalb begeht der Staat ein Unrecht, wenn er die Erziehung und den Unterricht ganz an sich zieht, so daß die Familie entgegen den Pflichten ihres christlichen Gewissens und entgegen der ihnen rechtmäßig zustehenden freien Wahl physisch oder moralisch gezwungen wird, ihre Kinder in die Staatsschulen zu schicken.

Ja, das bezog sich bei Pius XI auf die Zulässigkeit von kirchlichen Schulen! Pius XI lehnt es ab, wenn es ausschließlich Staatsschulen gibt. Aber die Schulpflicht hat er nie infrage gestellt, die ist nämlich absolut legitim. Und wer dagegen verstößt, hat eben ein Problem!

Kinder sind zwar den Eltern anvertraut, aber nicht ihr Eigentum. Die Gemeinschaft hat eine Pflicht, den Eltern auf die Finger zu klopfen, wenn die sich an den Kindern und deren legitimen Interessen versündigen. Und wer die Kinder in eine Parallelwelt fercht, sie von der Sozialisierungsinstitution Schule fernhält etc., den darf man durchaus zur Ordnung rufen.
Freitag, 20. Juni 2008 11:02
HBR: Tja, Herr Lingen uns seine Freunde leben noch im deutschen Reich…
…die BRD ist ja nur OMF „BRD“ Im deutschen Reich scheint es dagegen den Kerker noch zu geben. Herr Lingen muss es wissen, war er doch schon drin
Freitag, 20. Juni 2008 10:35
Sirilo: „Kerker“
Warum die Lüge? Kerker gibt es in Deutschland längst nicht mehr!
Freitag, 20. Juni 2008 00:04
clarissa colonia: Werter Herling,
dem Fuchse sind alle zu hoch hängenden Trauben sauer! In Deutschland besteht seit geraumer Zeit gesetzliche Schulpflicht; deren vorsätzliche Verletzung stellt ein Offizialdelikt dar, das öffentlicher Strafverfolgung bedarf und diese nach sich zieht.

Den hiesigen Lesern haben Se ja dankenswerterweise bereits kundgetan, daß Sie sogar von Obergerichten unserer Republik als vermindert schuldfähig eingestuft worden sind. Das mögen Sie (pathogen) als unzutreffend einstufen, aber das ist ja Ihre Privatmeinung, die Sie in diesem Lande sogar haben und (Gott seis geklagt) auch (in gewissen Grenzen) straffrei äußern dürfen.

Warum aber sehen Sie immer wieder ohne Not Veranlassung, das Zutreffen dieser gerichtlichen Feststellung gegen Sie mit immer neuen Beweisen zu untermauern?
Donnerstag, 19. Juni 2008 23:41
Graf von Galen: Wider die Verführung der Jugend
Migrantenkinder, die Deutsche zum Krüppel schlagen,
verlassen als Freie den Gerichtssaal und bekommen auch
noch eine Lehrstelle von staatswegen angeboten, die
diese als Gesetzestreue nie bekommen hätten.
Wer jedoch seine Kinder vor dem totalitären Zugriff
des Staates schützen will, der wird eiskalt ins Gefängnis
geworfen. Möge der Herr es ihnen vergelten und ihren
Kindern Schutz verleihen und dieser widerlichen,
gottlosen Zeit ein Ende bereiten !
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