Mittwoch, 16. Juli 2008 16:36
Lutheraner: Protest gegen Jahreslosung: „Ausrottungsphantasien“
B e r l i n (idea) – Scharfe Kritik an der von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählten Jahreslosung für 2006 hat der Theologieprofessor Gerd Lüdemann (Göttingen, Foto) geübt, der sich vom Christentum losgesagt hat. Die Losung stammt aus dem alttestamentlichen Buch Josua (Kapitel 1, Vers 5), wo Gott Josua vor dem Einzug in das gelobte Land Kanaan verspricht: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Nach Lüdemanns Ansicht wurde bei der Auswahl des Spruchs der biblische Zusammenhang nicht berücksichtigt.
Im Josua-Buch gehe es um die von Gott befohlene Vernichtung der Urbewohner Kanaans. Dabei unterlägen
Jericho und andere Städte einer „greulichen Maschinerie der Ausrottung“, schreibt Lüdemann in der „Welt
am Sonntag“ (Berlin). Allerdings habe der „Heilige Krieg“, den das Josua-Buch beschreibe, so niemals stattgefunden.
Die neuere Forschung zeige, daß die biblische Erzählung über den Auszug aus Ägypten und die Eroberung
Kanaans den historischen Verlauf nicht wiedergebe. Ihre Verfasser seien vielmehr „politisch machtlose
Theologen, die im babylonischen Exil mehr als ein halbes Jahrtausend nach dem vermeintlichen Einzug ins
Gelobte Land aus Eifer für Gott in Ausrottungsphantasien schwelgen“.
„Gott läßt seine Exekutoren nicht fallen …“
Lüdemann zufolge besteht das Problem heute aber gar nicht darin, ob die Erzählungen Faktum oder Fiktion seien: „Ärgernis erregt, daß die rituelle Zerstörung überhaupt empfohlen wird.“ Die Texte aus dem Josua-Buch schilderten „die totale Abschlachtung“ der kanaanäischen Bevölkerung. Es gebe keine einzige Passage im Alten Testament, die diese Anordnung Gottes bestreite: „Gott läßt seine Exekutoren nicht fallen und verläßt sie nicht.“ Laut Lüdemann stammt die Jahreslosung für 2006 „aus einem der schlimmsten Zeugnisse für die blutige Seite der Bibel“. Die Kirchenführer, die die Losung auserkoren und aus dem Kontext gerissen hätten, „sollten sie daher schleunigst wieder aus dem Verkehr ziehen“, fordert Lüdemann. Nachdem er sich vom Christentum losgesagt hatte, wurde dem Theologen 1998 sein Lehrstuhl „Neues Testament“ entzogen. Er lehrt jetzt das Fach „Geschichte und Literatur des frühen Christentums“.
„Gott läßt seine Exekutoren nicht fallen …“
Lüdemann zufolge besteht das Problem heute aber gar nicht darin, ob die Erzählungen Faktum oder Fiktion seien: „Ärgernis erregt, daß die rituelle Zerstörung überhaupt empfohlen wird.“ Die Texte aus dem Josua-Buch schilderten „die totale Abschlachtung“ der kanaanäischen Bevölkerung. Es gebe keine einzige Passage im Alten Testament, die diese Anordnung Gottes bestreite: „Gott läßt seine Exekutoren nicht fallen und verläßt sie nicht.“ Laut Lüdemann stammt die Jahreslosung für 2006 „aus einem der schlimmsten Zeugnisse für die blutige Seite der Bibel“. Die Kirchenführer, die die Losung auserkoren und aus dem Kontext gerissen hätten, „sollten sie daher schleunigst wieder aus dem Verkehr ziehen“, fordert Lüdemann. Nachdem er sich vom Christentum losgesagt hatte, wurde dem Theologen 1998 sein Lehrstuhl „Neues Testament“ entzogen. Er lehrt jetzt das Fach „Geschichte und Literatur des frühen Christentums“.
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Redakteur:
Lutheraner
Quelle: Evangelische Nachrichtenagentur
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Weiterlesen:
• Catholicus Romanus: Der Glaube von „Lutheraner“ – das Sonnenchristentum
Donnerstag, 17. Juli 2008 12:01
Dr. Christoph Heger: Befiehlt Gott einen Völkermord?
Es kommt wohl selten vor, daß ich Lüdemann zustimme – jedenfalls wenn man die Bibel so einfältig liest,
wie er das tut.
Leider tut er das nicht allein, sondern das taten auch die jüdischen Gelehrten, die im Mittelalter aus den jüdischen Heiligen Schriften die 613 Ge- und Verbote des jüdischen (halachischen) Gesetzes destillierten. Sie lasen diese Schriften so, daß sie aus ihnen Gebote zum Völkermord an den 7 kanaanitischen Stämmen, insbesondere aber auch an den Amalekitern, in diese 613 Ge- und Verbote übernahmen.
Diese Folgerung haben die Kirchenväter und hat mit ihnen die Kirche gerade nicht gezogen.
Wenn man in der Tat die Worte von Moses, Josua usw. nicht gerade für gleichbedeutend mit den Worten Gottes hält, vielmehr unterscheidet, wie Gott zitiert wird und was diese Personen daraus machen, so wird man nicht mehr vor der moralischen Unmöglichkeit stehen, daß Gott in seinen 10 Geboten den Mord verflucht und gleichzeitig einen Völkermord befohlen haben soll.
MfG
Christoph Heger
Leider tut er das nicht allein, sondern das taten auch die jüdischen Gelehrten, die im Mittelalter aus den jüdischen Heiligen Schriften die 613 Ge- und Verbote des jüdischen (halachischen) Gesetzes destillierten. Sie lasen diese Schriften so, daß sie aus ihnen Gebote zum Völkermord an den 7 kanaanitischen Stämmen, insbesondere aber auch an den Amalekitern, in diese 613 Ge- und Verbote übernahmen.
Diese Folgerung haben die Kirchenväter und hat mit ihnen die Kirche gerade nicht gezogen.
Wenn man in der Tat die Worte von Moses, Josua usw. nicht gerade für gleichbedeutend mit den Worten Gottes hält, vielmehr unterscheidet, wie Gott zitiert wird und was diese Personen daraus machen, so wird man nicht mehr vor der moralischen Unmöglichkeit stehen, daß Gott in seinen 10 Geboten den Mord verflucht und gleichzeitig einen Völkermord befohlen haben soll.
MfG
Christoph Heger
Mittwoch, 16. Juli 2008 20:28
Brandenburgis: Das enzige Ärgernis
ist Lüdemann selbst und daß er skandalöserweise weiterhin lehren darf.
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