In der russische-orthodoxen Kirche drohen gegensätzliche Auffassungen über die Rolle der Kirche im postsowjetischen
Staat, über den Ökumenismus und den verderblichen Einfluß des Westens die Einheit der Patriarchatskirche
zu zerstören. Anführer des Widerstandes gegen die verordnete Harmonie („Symphonie“) mit den neuen Kremlherren
ist ein Bischof aus der subarktischen und fast menschenleeren Region Tschukotka: Bischof Diomid. Der Bischof
aus dem ewigen Eis hat in einer Erklärung vom 18. Juli an die Geistlichkeit des Patriarchats das Anathem
verhängt über Aleksij II, Patriarch von Moskau und Ganz Rußland, und über die Hierarchen Kyrill von
Smolensk und Philaret von Minsk. So unbedeutend seine Diözese (die Bischofsstadt Anadyr zählt gerade
einmal 11 000 Einwohner!) auch sein mag, der streitbare Bischof genießt die Beachtung der Medien und
er soll sich der Sympathien eines Viertels der russischen Gläubigen erfreuen.
Die FAZ bringt in ihrem
Feuilleton ein Portrait des Kirchenmannes…
Freitag, 25. Juli 2008 09:36
Pünktchen: Neues „Schisma“ in der russischen Orthodoxie?
Russland hat wieder einen Kirchenspalter. Der orthodoxe Oberhirte Diomid, streitbarer Bischof von Tschukotka,
formuliert in seiner Kampagne gegen die Moskauer Patriarchatsfunktionäre, was viele schlichte Gemeindechristen
denken. Die Kirchenleitung mache sich zum Handlanger einer „volksfeindlichen“ Staatsmacht, die Abtreibungen
und Glücksspiele und Vergnügungen zulasse und die Jugend verderbe, wetterte Diomid in seinem Manifest
an das bischöfliche Konzil vor einem Monat. Dass immer mehr Russen wegsterben und durch Migranten ersetzt
werden, ist nach Überzeugung des orthodoxen Dissidenten eine Folge westlicher Einflüsse, denen die Patriarchatskirche
still erliege statt sie zu bekämpfen. Diomid verurteilt insbesondere geistliche Kontakte zur katholischen
Kirche.Wie das Moskauer Patriarchat will Diomid die orthodoxe Kirche stärken, er setzt dabei aber auf Distanz zur real existierenden Staatsmacht, die er als gottlos anprangert. Die Leitung der Kirche, die unter Putin zum öffentlichen Moralwächter und Ideologielieferanten aufstieg, degradierte ihn dafür zum einfachen Mönch und verlangte ein Reuebekenntnis. Diomid erwiderte, er habe nichts zu bereuen. Der Geistliche, der für seine Furchtlosigkeit und Prinzipientreue bekannt ist, belegte Patriarch Alexi II., die Metropoliten Filaret und Kirill mit seinem Bannfluch und erklärte das Bistum Tschukotka für autonom.
Der Fall Diomid veranschaulicht den ewigen Konflikt zwischen weltgewandtem und fundamentalistischem Glauben. Der abgesetzte Bischof, der als Sergej Dsjubajew zu Sowjetzeiten in Charkow als Maschinenbauingenieur arbeitete, kam in den neunziger Jahren als Mönchspriester nach Kamtschatka, wo er sich als charismatischer Missionar bewährte. Als Oberhirte von Tschukotka hatte er zu Gouverneur Roman Abramowitsch ein gespanntes Verhältnis, weil der amerikanische Prediger ins Land ließ. Dafür finanzierte Abramowitsch Diomids Kathedralneubau.
Manche wundern sich über Diomids derzeitigen Konfliktkurs, da die Kirche einen realpolitischen Einfluss gewonnen hat, von dem sie in den neunziger Jahren nur träumen konnte. Vertreter der Patriarchatskirche begründen ihre Staatstreue gern mit dem Pauluswort, jegliche Obrigkeit komme von Gott. Doch Diomid sieht den Platz des echten Christen in Opposition zur Moderne und zur Macht. Er gibt sich als Wortführer des orthodoxen Protests gegen Steuernummern und Mobiltelefone, weil die dem Staat zu viel Kontrolle über seine Bürger einräumten. Diomids Sympathisanten, zu denen rund ein Viertel der Gläubigen gehören soll, beten für die Wiederkunft der russisch orthodoxen Monarchie.
(Das Foto zeigt den Bischof mit der zitierten Apostel-Mahnung: „Den Geist löschet nicht aus“ – 1. Thess. 5, 19)
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„Das heilige Russland“: WIDER DEN HUMANISTISCHEN LIBERALISMUS
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Bishop Diomid „anathematize“ Patriarch Alexy
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Bischofssynode vom 28. Juni entzieht Bischof Diomid die Diözese Tschukotka und Anadyr und untersagt ihm alle Amtshandlungen.
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Pünktchen
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Samstag, 26. Juli 2008 11:27
Pünktchen: Die Wirtschaftsentwicklung
in Rußland kommt fast ausschließlich einer Oligarchenclique zugute und der Rest lebt noch immer von der puren Hoffnung auf Besserung der persönl. Lebensverhältnisse. Die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt. Zuvor aber sterben die Ungeborenen. In Rußland übersteigt die Zahl der Abtreibungen die der Geburten. Die Politik glaubt sich angesichts der für Rußland katastrophalen demographischen Folgen machtlos und verlegt sich auf moralische Appelle. Auch der Karrieristenverein „Putin-Jugend“ hat hier keinen Umschwung bewirken können. Und so steht Mütterchen Rußland vor einer moralischen und physischen Schwindsucht!
Freitag, 25. Juli 2008 19:21
Lutheraner: Rußland ist wieder in Volkes Hand.
Wirtschaftlich geht’s bergauf (im postdemokratischen Deutschland rapide bergab), die Menschen sind zufrieden
mit Putin.
Laßt die Kirche sich spalten, je öfter, desto besser. Das mosaische Gesetz nämlich war schon vor 3000 Jahren reaktionär und später verantwortlich für die ungeheuerlichsten Bluttaten.
Was haben Sie eigentlich für ein Geschlecht „Pünktchen“? Ihr Nick klingt so herzallerliebst, steht damit jedoch im grellen Kontrast zu den meisten ihrer Postings. Da hat man den Eindruck, Moses persönlich sei auferstanden?
Laßt die Kirche sich spalten, je öfter, desto besser. Das mosaische Gesetz nämlich war schon vor 3000 Jahren reaktionär und später verantwortlich für die ungeheuerlichsten Bluttaten.
Was haben Sie eigentlich für ein Geschlecht „Pünktchen“? Ihr Nick klingt so herzallerliebst, steht damit jedoch im grellen Kontrast zu den meisten ihrer Postings. Da hat man den Eindruck, Moses persönlich sei auferstanden?
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