Samstag, 4. März 2006 20:07
Evelin: Warum hat Hans Dichand mit seiner Kronenzeitung „Narrenfreiheit“?
Die Kronenzeitung hat weltweit gesehen eine Sonderstellung. Sie erreicht 3 Millionen Österreicher (Österreich hat 8 Millionen Einwohner, mehr als 1 Million davon sind ausländische Staatsbürger), eine Reichweite, die es für eine Tageszeitung sonst nirgends gibt. Was dort zu lesen ist, hat also besonderes Gewicht.
Was dort geschrieben wird, bestimmt trotz eines 50%igen Anteiles der WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung,
linksgerichtet – sozialdemokratisch; zwischen den beiden Eigentümern gibt es häufig und auch derzeit
Konflikte) in der Hauptsache der Hauptgeschäftsführer Hans Dichand, der selbst 50 % der Gesellschaftsanteile
der Kronenzeitung innehat.Auf österr. Ebene mag dies den Grund haben, dass Dichand die Äquidistanz zu den Großparteien ÖVP und SPÖ wahrt und dass er beiden normaler Weise nicht wirklich weh tut.
Er ließ zwar Bischof Krenn unter dem Pseudonym „Christianus“ schreiben, ebenso den als „rechts stehend“ bezeichneten Kolumnisten Richard Nimmerrichter unter dem Pseudonym „Staberl“ (schreibt ebenfalls nicht mehr) sowie den durchaus originell und oft treffend reimenden Wolf Martin, aber in seiner Zeitung gibt es auch Prostitutionsanzeigen, die Nackerte auf Seite 5 und Anzeigen von Abtreibungskliniken (er blieb auch trotz persönlicher Proteste dabei, offenkundig ist er auch für die Abtreibung).
Den eigentlichen Freiraum, in der Umweltpolitik, der Ausländerpolitik, Sicherheitspolitik usw. gelegentliche Abweichungen von der herrschenden Doktrin „political correktness“ durchführen zu dürfen, hat aber Dichand auf andere Weise erreicht. Denn Hans Dichand ist – wie Medienberichten zu entnehmen, einer der wichtigsten Sponsoren der vom Jerusalemer Ex-Bürgermeister Teddy Kollek gegründeten „Jerusalem Foundation“.
Diese „Jerusalem Foundation“ wird Hans Dichand nun ein Ehrenzeichen verleihen. Die über die wahren Hintergründe uninformierten israelischen Medien kritisieren das, in der Stiftung selbst gab es aber – wohl nicht ohne Grund – eine satte Mehrheit für den österreichischen Zeitungsbesitzer.
Die „Jerusalem Foundation“ begründet diese Ehrung folgendermaßen: Dichand hat zahlreiche Projekte der Stiftung finanziell unterstützt.
Die Zeitung „Yedioth Aharonot“ widmete der Verleihung einen Artikel, in dem auf wiederholte Vorwürfe des Antisemitismus gegen die „Kronen Zeitung“ verwiesen wurde. Die „Krone“ hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Kritik gesorgt, nicht zuletzt mit Beiträgen von Wolf Martin („In den Wind gereimt“) und Richard „Staberl“ Nimmerrichter. 2004 attestierte das Wiener Landesgericht der Zeitung antisemitische und rassistische „Untertöne“.
Die Jerusalem Foundation indes verweist auf die langjährige Unterstützung durch Dichand. Er habe unter anderem für die Erreichtung des Herzl-Museums, einen Zoo, eine Ausstellung zum Thema Toleranz sowie für eine bilinguale, jüdisch-arabische Schule gespendet.
Mit der Auszeichnung würdige man seinen großen Beitrag für Jerusalem, vor allem in den Bereichen Zusammenleben, Toleranz und Erziehung. Nur zwei der 15 Direktoriumsmitglieder der Stiftung hätten dagegen Einwände gehabt.
Hier noch zwei Artikel über den Kronenzeitungsherausgeber Hans Dichand:
„Mit Gott für Viecherl und Vaterland“ aus „Die Zeit“
„Hans Dichand ist 85“ aus „Der Standard“
Diesen Beitrag bearbeiten
Redakteur:
Evelin
Klicks: 570 mal
Weiterlesen:
• zeit-fragen.ch: Der Welt-Geldbetrug
• Gerd Höhler: „Jedem Türken ein Gewehr“;
Dienstag, 7. März 2006 11:53
Stimme aus dem Tradiland: Kolumne von Hans Rauscher im Standard
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.





