Dienstag, 7. November 2006 13:46
Febronius: Begräbnis durch Laien
In einer Pfarrei in Münster dürfen Laien Begräbnisse leiten:
Münster (KNA) Er sieht sich selbst nicht als Revolutionär. Doch was Hans Gerd Paus, Pfarrer von Sankt
Margareta in Münster, in seiner Gemeinde auf den Weg gebracht hat, mag für manche Beobachter die Züge
einer Revolution tragen: Laien ohne kirchliches Amt, Frauen wie Männer, leiten in seiner Gemeinde die
Begräbnisliturgie – seit Sommer 2005 sogar mit Beauftragung durch Bischof Reinhard Lettmann. Dass Ständige
Diakone und Pastoralreferenten beerdigen, ist in deutschen Bistümern keine Seltenheit. Doch das Münsteraner
Modell mit Bischofsauftrag dürfte einmalig sein.
Die Begräbnisleiter Bernd Vornbrock, Klaus Remke, Hermann Timmer, Doris Leifheit und Elisabeth Steineke sind hochmotiviert. Nur eines ist bei ihnen verpönt, wie sie sagen: standardisierte Routine, die Beerdigung von der Stange sozusagen. „Eine Beisetzung ist mehr als nur die Entsorgung eines Menschen“, unterstreicht Vornbrock. „Auch im Tod hat jeder Mensch seine eigene Würde, und das möchten wir in der Begräbnisliturgie zum Ausdruck bringen.“
Pfarrer Paus hat die Frauen und Männer im Rahmen einer umfangreichen Ausbildung geschult. Seine Idee: Gemeindemitglieder sollen ihre Toten zu Grabe tragen, wie es in der Urkirche üblich gewesen sei. Zur Ausbildung gehörten eine theologische Einführung in die Begräbnisliturgie, die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer, Rhetorikkurse, Sprechübungen sowie Rollenspiele, die auf Gesprächssituationen einstimmen sollten. Zwei Jahre lang traf der „Seelsorgekreis im Trauerfall“ sich regelmäßig einmal im Monat – und erhielt schließlich den Segen von Bischof Lettmann, der den Frauen und Mänern eine – zunächst auf drei Jahre begrenzte – Beauftragung erteilte.
Die Begräbnisleiter kümmern sich um alles, vom Trauerbesuch bei den Hinterbliebenen bis zur Beisetzung auf dem Friedhof – nur die Exequien hält der Pfarrer. Beim ersten Besuch lassen die Laien sich ein Foto vom Verstorbenen geben, um sich ein Bild von ihm machen zu können. Dagegen vermeiden sie es, sich während des Besuchs Notizen zu machen: Die Aufmerksamkeit soll nach ihren Worten ganz den Hinterbliebenen gelten. Auf die Wünsche der Angehörigen für die Gestaltung der Texte und der Musik gehen sie so weit wie möglich ein. „Mit wenigen Worten kann man in einer solchen Grenzsituation ein Unheil anrichten“, sagt der 49-jährige Klaus Remke, von Beruf Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn.
Zur Begräbnisliturgie auf den Friedhof gehen immer zwei Mitglieder des Seelsorgekreises gemeinsam, ein Liturge und ein Conliturge: Das können entweder der Priester und ein Laie oder zwei Laien sein. Die ganze Trauerfeier darf – von der Friedhofskapelle bis zum Grab – nur 20 bis 30 Minuten dauern, weil in der Großstadt Münster dann bereits die nächste Beerdigung ansteht. Kernstück ist die Ansprache, die keine austauschbare Auslegung der Lesung oder des Evangeliums ist, sondern ein Glaubenszeugnis, das einfühlsam und tröstend auf den individuellen Fall eingehen soll.
„Die eigene Betroffenheit muss dann zurückstehen“, sagt Hausfrau Elisabeth Steineke. Das habe sie ebenso lernen müssen wie vor einer größeren Menschenmenge zu sprechen. „Aber ich stehe ja mitten im Leben“, sagt Steineke. Dass die Hinterbliebenen über den Verstorbenen „mindestens einen guten Satz“ hören wollen, halten alle fünf Begräbnisleiter für richtig. „Darüber steht uns kein Urteil zu“, meint Rentner Heinrich Timmer.
Auch eine eigene liturgische Kleidung hat die Gruppe entwickelt: lange, dunkelgraue Mantelalben, mit einer Stola für den Priester und einem leicht abgesetzten violetten Streifen für die Laien. Diese Gewänder seien in der Gemeinde allgemein akzeptiert, sagt Pfarrer Paus. Die Kleidung soll seine Grundüberzeugung verdeutlichen: „Der Laie, der im Namen der Kirche die Trauerfeier leitet, kommt nicht als Vertreter oder Ersatz für den Priester, sondern er repräsentiert die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi, die an dieser Trauerfeier Anteil nimmt.“
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt seien ausgesprochen positiv ausgefallen, lautet die Zwischenbilanz der Begräbnisleiter. Die Resonanz in der Gemeinde sei eindeutig zustimmend, unterstreicht Steineke. „Außer in einem Fall bin ich bei den Angehörigen noch nie auf Ablehnung gestoßen“, erinnert sie sich. „Da meinte eine junge Frau ganz unverblümt: ‘Von Laien begraben zu werden – das hat meine Mutter nicht verdient.’“ In Münster hat das Projekt Kreise gezogen: Auch in den Nachbargemeinden Sankt Mauritz, Edith Stein und Sankt Konrad gibt es nun Begräbnisleiter – ebenso von Hans Gerd Paus geschult. Er weiß, wie viel Zeit eine Gemeinde braucht, um sich daran zu gewöhnen, dass ein Laie der Beisetzung vorsteht.
Von KNA-Mitarbeiter Gerd Felder
(C) KNA (Alle Rechte vorbehalten)
Die Begräbnisleiter Bernd Vornbrock, Klaus Remke, Hermann Timmer, Doris Leifheit und Elisabeth Steineke sind hochmotiviert. Nur eines ist bei ihnen verpönt, wie sie sagen: standardisierte Routine, die Beerdigung von der Stange sozusagen. „Eine Beisetzung ist mehr als nur die Entsorgung eines Menschen“, unterstreicht Vornbrock. „Auch im Tod hat jeder Mensch seine eigene Würde, und das möchten wir in der Begräbnisliturgie zum Ausdruck bringen.“
Pfarrer Paus hat die Frauen und Männer im Rahmen einer umfangreichen Ausbildung geschult. Seine Idee: Gemeindemitglieder sollen ihre Toten zu Grabe tragen, wie es in der Urkirche üblich gewesen sei. Zur Ausbildung gehörten eine theologische Einführung in die Begräbnisliturgie, die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer, Rhetorikkurse, Sprechübungen sowie Rollenspiele, die auf Gesprächssituationen einstimmen sollten. Zwei Jahre lang traf der „Seelsorgekreis im Trauerfall“ sich regelmäßig einmal im Monat – und erhielt schließlich den Segen von Bischof Lettmann, der den Frauen und Mänern eine – zunächst auf drei Jahre begrenzte – Beauftragung erteilte.
Die Begräbnisleiter kümmern sich um alles, vom Trauerbesuch bei den Hinterbliebenen bis zur Beisetzung auf dem Friedhof – nur die Exequien hält der Pfarrer. Beim ersten Besuch lassen die Laien sich ein Foto vom Verstorbenen geben, um sich ein Bild von ihm machen zu können. Dagegen vermeiden sie es, sich während des Besuchs Notizen zu machen: Die Aufmerksamkeit soll nach ihren Worten ganz den Hinterbliebenen gelten. Auf die Wünsche der Angehörigen für die Gestaltung der Texte und der Musik gehen sie so weit wie möglich ein. „Mit wenigen Worten kann man in einer solchen Grenzsituation ein Unheil anrichten“, sagt der 49-jährige Klaus Remke, von Beruf Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn.
Zur Begräbnisliturgie auf den Friedhof gehen immer zwei Mitglieder des Seelsorgekreises gemeinsam, ein Liturge und ein Conliturge: Das können entweder der Priester und ein Laie oder zwei Laien sein. Die ganze Trauerfeier darf – von der Friedhofskapelle bis zum Grab – nur 20 bis 30 Minuten dauern, weil in der Großstadt Münster dann bereits die nächste Beerdigung ansteht. Kernstück ist die Ansprache, die keine austauschbare Auslegung der Lesung oder des Evangeliums ist, sondern ein Glaubenszeugnis, das einfühlsam und tröstend auf den individuellen Fall eingehen soll.
„Die eigene Betroffenheit muss dann zurückstehen“, sagt Hausfrau Elisabeth Steineke. Das habe sie ebenso lernen müssen wie vor einer größeren Menschenmenge zu sprechen. „Aber ich stehe ja mitten im Leben“, sagt Steineke. Dass die Hinterbliebenen über den Verstorbenen „mindestens einen guten Satz“ hören wollen, halten alle fünf Begräbnisleiter für richtig. „Darüber steht uns kein Urteil zu“, meint Rentner Heinrich Timmer.
Auch eine eigene liturgische Kleidung hat die Gruppe entwickelt: lange, dunkelgraue Mantelalben, mit einer Stola für den Priester und einem leicht abgesetzten violetten Streifen für die Laien. Diese Gewänder seien in der Gemeinde allgemein akzeptiert, sagt Pfarrer Paus. Die Kleidung soll seine Grundüberzeugung verdeutlichen: „Der Laie, der im Namen der Kirche die Trauerfeier leitet, kommt nicht als Vertreter oder Ersatz für den Priester, sondern er repräsentiert die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi, die an dieser Trauerfeier Anteil nimmt.“
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt seien ausgesprochen positiv ausgefallen, lautet die Zwischenbilanz der Begräbnisleiter. Die Resonanz in der Gemeinde sei eindeutig zustimmend, unterstreicht Steineke. „Außer in einem Fall bin ich bei den Angehörigen noch nie auf Ablehnung gestoßen“, erinnert sie sich. „Da meinte eine junge Frau ganz unverblümt: ‘Von Laien begraben zu werden – das hat meine Mutter nicht verdient.’“ In Münster hat das Projekt Kreise gezogen: Auch in den Nachbargemeinden Sankt Mauritz, Edith Stein und Sankt Konrad gibt es nun Begräbnisleiter – ebenso von Hans Gerd Paus geschult. Er weiß, wie viel Zeit eine Gemeinde braucht, um sich daran zu gewöhnen, dass ein Laie der Beisetzung vorsteht.
Von KNA-Mitarbeiter Gerd Felder
(C) KNA (Alle Rechte vorbehalten)
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Febronius
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Freitag, 10. November 2006 18:49
Diakon: landorganist: „handelt es sich bei einem Begräbnis nicht um eine sakramentale Handlung“
Das ist korrekt – wohin es aber führen kann, wenn Alle machen, was angeblich „möglich oder erlaubt“ ist, sieht man wohl deutlich in Linz!!!
Donnerstag, 9. November 2006 14:53
landorganist: Wenn ich
mich nicht irre, handelt es sich bei einem Begräbnis nicht um eine sakramentale Handlung. Insofern ist es sicher möglich, dass auch Laien, der Feier vorstehen, ähnlich einem Wortgottesdienst, erst recht dann, wenn eine bischöfliche Beauftragung vorliegt.
Mittwoch, 8. November 2006 09:53
Diakon: Dass Ständige Diakone und Pastoralreferenten beerdigen, ist in deutschen Bistümern keine Seltenheit.
Zur Klarstellung ein Hinweis:
1. Ständige Diakone gehören im Gegensatz zu Pastoralreferenten dem Klerus an.
2. Die Beerdigung ist eine Aufgabe der Diakone kraft ihres Amtes.
1. Ständige Diakone gehören im Gegensatz zu Pastoralreferenten dem Klerus an.
2. Die Beerdigung ist eine Aufgabe der Diakone kraft ihres Amtes.
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