Dienstag, 14. November 2006 10:08
Manuel: Vertrauensbruch oder Mobbing?
Sind Beschwerdeführer oder Bischöfe, die die katholische Glaubensdisziplin nicht mehr aufrecht erhalten, die Vertrauensbrecher?
Hat sich wirklich der „antirömische Affekt“ im Zuge des Papstjahres 2005 verflüchtigt, wie Guido Horst in seinem Kommentar „Der Anstoß kam von außen“ („Die Tagespost“ vom 4. November) meint? Wie soll man dann das protestantische Herumnörgeln an „Papstspektakeln“, den fortdauernden kirchlichen Ungehorsam prominenter katholischer Laienpolitiker durch „Donum vitae“-Unterstützung, die Duldung und Förderung der antipäpstlichen Gruppierung „Wir sind Kirche“ und die Unterlaufung römischer Instruktionen (zur Liturgie, zur Mitarbeit von Laien und über den Hirtendienst der Priester) in vielen deutschen Ordinariaten verstehen? Der Begriff „antirömischer Affekt“ geht auf einen Essay des Staatsrechtlers Carl Schmitt aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück und wurde von Hans Urs von Balthasar 1974 zur Zeit Pauls VI. in einer noch heute lesenswerten ekklesiologischen Untersuchung aufgegriffen und kirchenhistorisch analysiert. Er hat sich nicht verflüchtigt, auch wenn es Guido Horst in Rom angesichts des Hochgefühls auch vieler Deutscher so erscheinen mag, sondern nur sein Erscheinen gewandelt. Konkretes Beispiel: einem Priester aus der Diözese Fulda, der sich in einem DT-Leserbrief kritisch zum dortigen „pastoralen Prozess“ äusserte, wurde auch aus diesem Grund der Stuhl vor die Tür gesetzt. Wer nicht „pastoral correct“ im „mainstream“ mitschwimmt, ist zum „mobbing“ freigegeben, erst recht wenn er in seiner Gewissensverzweiflung sich zum Beispiel an die römische Kleruskongregation wandte, weil er ohne jede Hoffnung war, auf dem regulären diözesanen Dienstweg noch gerechtes Gehör für seine Besorgnis zu finden. Aus einem antirömischen Affekt wurde inzwischen ein antirömisches Praktizieren, das den Papst im Grunde hintergeht und ihn lediglich einen „guten Mann“ sein läßt.
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