Donnerstag, 16. November 2006 15:56
Konrad: Donnerstag, 16.11.2006
Papst berät mit Kurienchefs über Zölibat und lateinische Messe
Am Donnerstag tagt hinter den verschlossenen Türen der Sala Bologna im apostolischen Palast Papst Benedikt XVI. mit der Runde seiner Kurienchefs, um über einen Teilaspekt des priesterlichen Zölibats zu sprechen. Es geht um die Frage einer möglichen Rückkehr verheirateter katholischer Priester ins Priesteramt. Von 30.000 Priestern, die um Entpflichtung von ihrem Dienst gebeten haben, weil sie heiraten wollten, suchte jeder Dritte um eine Rückkehr ins Priesteramt an. Beobachter erwarten nicht, dass die katholische Kirche in absehbarer Zeit vom Pflichtzölibat für Priesteramtsanwärter abweicht. Andererseits ist es das erste Mal, dass ein Aspekt priesterlicher Ehelosigkeit auf höchster kirchlicher Ebene offiziell zur Sprache kommt.

Auch Thema: Aufwertung der lateinischen Messe

Papst Benedikt XVI. hat die Leiter der Vatikanbehörden für Donnerstag zu einer Sondersitzung eingeladen, bei dem es um die umstrittene Frage der Ehelosigkeit von Priestern geht. Weiteres Beratungsthema des „Ministerrats“ sei der Fall des exkommunizierten sambischen Erzbischofs Emmanuel Milingo, der verheiratete Priester zu Bischöfe geweiht hatte. Laut Medienberichten geht es auch um eine mögliche Aufwertung der lateinischen Messe.

Bei der Begegnung soll es um eine mögliche Zulassung verheirateter Männer mit erwiesenen menschlichen und moralischen Qualitäten, der so genannten „viri probati“, zum Priesteramt gehen. Wie der Vatikan mitteilte, wird bei dem Treffen auch über „Forderungen zur Befreiung von der Pflicht zur Ehelosigkeit“ (Zölibat) diskutiert. Zudem gehe es um den Wunsch zur Wiederzulassung zum Priesteramt für verheiratete Priester.

Dem Kirchenoberhaupt soll Medienberichten zufolge auch an einer Ausweitung der Zulassung der vorkonziliaren Messe in lateinischer Sprache gelegen sein. Diese Liturgie wurde auf dem Konzil von Trient (1545-1563) festgelegt und blieb über Jahrhunderte unverändert. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil wurde der so genannte tridentinische Ritus mit dem obligatorischen Latein zugunsten der Landessprachen in der Messe abgeschafft.

Für die lateinische Liturgie macht sich die Vereinigung „Piusbruderschaft Pius X.“ stark, in der die traditionalistischen Anhänger des inzwischen verstorbenen Bischofs Marcel Lefèbvre zusammengeschlossen sind. Prominente Bischöfe in Deutschland, Frankreich und Belgien haben sich skeptisch gegen eine Ausweitung des Gebrauchs der lateinischen Messe ausgesprochen.
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