Freitag, 17. November 2006 01:11
Breze: Von Tau, Adventspredigt von Pater Eugen Mederlet
4. Advent 1982
Lukas 1, 39-47
Aufhüpfen
– Aufforderung zum himml. Hochzeitstanz Pater Eugen Mederlet OFM

‘Als Elisabeth den Gruß Mariens vernahm, hüpfte das Kind voll Freude in ihrem Schoß.“ (Luk 1.41)
Geliebte im Herrn!
In der früheren Einheitsübersetzung heißt es: „Als Elisabeth den Gruß Marias vernahm, regte sich das Kind in ihrem Schoß.“
Das ist ein Beispiel, wie Üebersetzungen den Sinn verflachen können. Ein Kind regt sich in jedem Schoß der Mutter. Von einem gewissen Monat an bewegt es sich. Hier geht es um etwas ganz Besonderes.
Im griechischen Text ist ein Wort gewählt, das es nur ganz selten gibt. Es bedeutet einen ‘Tanzschritt, ein Aufhüpfen im Tanze. Also ganz speziell ist hier ausgesagt, daß er einen Reigen begann, einen Hochzeitstanz. Also ist es mehr, als was jedes Kind im Schoß der Mutter tut.
Sonst hätte ja auch Elisabeth es nicht als das große Ereignis erlebt, daß der Gruß Marias das Kind erfüllte mit dem Heiligen Geist. Sie hätte nicht ausgerufen: „Siehe, als dein Gruß an mein Ohr klang, hüpfte das Kind in meinem Schoße auf“, wenn es nicht das ganz besondere Ereignis des Heiligen Geistes gewesen wäre.
Was bedeutet nun dieses Aufhüpfen im Reigentanz, Aufspringen des Kindes im Schoß Elisabeths? Wir haben hebräisch einen ganz ähnlichen Ausdruck im Alten Testament, und zwar im Zusammenhang, wo König David die Bundeslade vom Berg Silo herüberholte auf den Berg Zion und dort das Zelt aufschlug und er in hochfeierlicher Weise die Bundeslade abholen ließ und selbst ihr voranging. Da heißt es, daß er voraustanzte. Da ist das gleiche Wort hebräisch entsprechend gewählt: daß er aufhüpfte in dem Reigentanz vor der Bundeslade her, er, der König.
Wenn nun beide Male von Gott selbst das gleiche Wort gebraucht wird, wenn das seltene Wort gebraucht wird, um auszudrücken, was im Schoß Elisabeths geschah, so heißt es doch wohl» daß jetzt die Bundeslade erschienen ist und daß.in dieser Bundeslade nicht bloß ein Zeichen des Gesetzgebers, die steinernen Tafeln, nicht nur Zeichen des Hohenpriesters, der Stab Aarons und damit schon das Kreuz vorgebildet nicht nur das Manna, die irdische Speise in der Wüste, sondern das Brot des Lebens angezeigt ist, das jetzt in dieser Bundeslade er selbst, der Herr einzieht in diese Welt, und dass dieses Kind als Vorläufer des heiligsten Gottessohnes in Menschengestalt seine Botschaft, vor allem seine Freude, seine Verehrung schon im Mutterschoß beginnt, wie der heilige Erzengel Gabriel es voraus gesagt hat.

„Johannes, das Kind, wird schon im Mutterschoß vom Heiligen Geist geheiligt sein.“
Johannes hüpft im Reigentanz der Bundeslade voraus. Es ist der Hochzeitstanz, den er beginnt. Er sagt einmal’, daß er nicht der Bräutigam sei, er, Johannes, sondern Jesus. Er sei der Freund des Bräutigams.
Damit ist angedeutet und das Geheimnis wußte, daß die Hochzeit kommt. Darum hat auch die Verkündigung des Johannes: sich in Kana als den Bräutigam zeit gekommen.
leuchtet uns auf, daß Johannes um Jesus der Bräutigam ist, daß Er zur Jesus gleich im Anschluß an „Seht hier das Lamm Gottes!“ geoffenbart; Er ist zur Hoch-
Es ist der Hochzeitstanz, den Johannes der Täufer beginnt als die große Verkündigung der Weltfeier, der Feier der gesamten Schöpfung; denn die ganze Schöpfung geht seit dem ersten „Es werde“ auf Hochzeit hin. Und alle Mühen der ganzen Menschheitsgeschichte, alle Nöte, aller Hunger, aller Aufschrei der Herzen, ja sogar alle Sünde ist Zubereitung auf die Hochzeit. Ja, auch die Sünde, da sie im Bräutigam, in Jesus, gewandelt wird zur Herrlichkeit seiner Liebe.
Wir sind mitten in der Zubereitung zur Hochzeit. Da wir geboren wurden, sind wir in diese Brautschaft hineingeboren, die sich bereit hält und die einmal vollendet sein wird. Braut ist die gesamte verwandelte Schöpfung… Deshalb ist der Himmel noch nicht vollendet. Die Brautschaft des Himmels, die in der Fülle des Lebens besteht, ist noch nicht vollendet. Wir gehören noch dazu und wer nach uns kommt, gehört ebenfalls noch dazu, erst dann, hinzugefügt zum gesamten Himmel, ist die Braut zur Hochzeit bereit. Dann wird er kommen, der Brautschleier wird sich enthüllen, der jetzt noch auf allem liegt, er wird sich enthüllen und es wird Hochzeit sein mit der gesamten Schöpfung. Darauf hin sind wir in der Zubereitung. Der Bräutigam hat sich bereit gemacht, in dem er die Liebe in seinem Herzen vollendet, zum höchsten Brand, zur höchsten Glut, zur tiefsten Hingabe, zur vollendeten Armut gebracht hat.
Denn die Liebe muß arm sein.
Wer noch selbst etwas besitzt, hat es für die Liebe noch nicht hingegeben. Darum hat Gott alles hingegeben – seinen Sohn; und Jesus sein ganzes Leben, so daß er nichts mehr hat, nur noch geopfert ist. Er hat sich als den Bräutigam bereitet am Kreuz und hat das Hochzeitsmahl bereit gemacht in der Auferstehung.

Und nun muß die Braut sich bereit machen, indem sie ebenfalls lieben lernt, lieben lernt im Arm-Werden, von sich weggeben auf Jesus hin. Und Jesus sagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Das heißt, im täglichen, mühevollen Dienen, mühevoll lieben lernen. Das geht uns so schwer, lieben zu lernen, weil alles in uns sich selbst will, mich will. Selbst wenn ich es für andere tue, suche ich noch mich. Das ist Zubereitung zur Liebe, daß es so mühevoll geht. Das Kreuz ist notwendige Zubereitung der Braut, die ist ja noch häßlich, sie muß operiert werden, sie muß umgestaltet werden. Das geht langsam mit aller Mühe. Deshalb sind Menschen, denen es im Leben so leicht und gut geht, gar nicht am besten dran. Die sind nicht zubereitet, die können ja noch nicht lieben. Sie müssen es nach dem Tod im Fegfeuer schmerzvoll lernen und dann nicht mehr in der Freiwilligkeit des Entschlusses der Liebe, sondern nur noch in der Läuterung. Jetzt ist die Zeit, daß wir uns zubereiten lassen. „Bereitet den Weg des Herrn,“ bereitet den Weg des Bräutigams, aber den Weg des Bräutigams bereiten in mir, daß ich zum Bräutigam gelange, daß ich brautfähig werde, hochzeitsfähig. Jedes Kind, jeder kleine Junge, jedes Mädchen träumt schon davon, im Heranreifen Hochzeit zu halten. Und es ist der Traum der ganzen Schöpfung.
Die irdische Hochzeit ist es immer noch nicht, jedes Mal ist es doch noch nicht das.
Deshalb so viele Ehescheidungen: weil einer vom anderen die ganze Erfüllung erwartet, die es nicht gibt. Ehe kann nur bestehen, wenn eines im anderen zu Gott hinstrebt und ihn als Zeichen des Bräutigams Christus nimmt und deshalb im Zeichen ihm, dem Bräutigam schon dient. Alles schreit nach Hochzeit .
Diese ganze Versexualisierung heute ist nur die Perversion dieses Schreiens. Die Perversion, weil man die Brautschaft, die arme Magd nicht sein will; weil jeder selbst der Bräutigam sein und alles an sich reißen und selbst haben will. Dann wird alles pervers. Wenn man für sich selbst nur liebt, wenn heute die Frau und umgekehrt der Mann nur noch Gegenstand der Begierde ist, des Begehrens, und deshalb muß alles frei sein, dann ist der Schrei nach Hochzeit zur Perversität gelangt, die wir heute erleben, zur „Hure Babylon“, zur Unzucht. Aber gerade das, diese Unheimlichkeit, je fester die Unzucht, gerade das ist eine umgekehrte Offenbarung des Hochzeitschreies der ganzen Schöpfung.
Deshalb sind wir, die Kirche, die reine Magd, Maria die Rettung, das Zeichen, der Weg, der Weg zum Bräutigam, der Hochzeitsweg. Der Hochzeitsweg kann nur geschehen, wenn grausam der Egoismus in uns getötet wird. Und das tut Gott, zum Glück, ohne uns zu fragen. Daß Er es uns hart macht, daß es nicht von selbst geht, wie wir möchten, daß er allen Egoismus immer wieder zerstört , dort , wo er es wagt, immer tiefer. Aber wir müssen wollen, sonst wagt er es nicht, um uns nicht zu verderben in der Auflehnung. Je williger wir sind, umso mehr greift er zu, um uns zu wandeln, um den Egoismus zu zerschlagen. Das ist der Sinn des Kreuzes, daß es zur Liebe gewandelt wird im Schmerz, in diesem Schmerz, den es braucht, daß wir lieben lernen. Jedes Lernen ist Mühe. Wir müssen den Hochzeitstanz lernen, das Aufhüpfen des Johannes, Jesus entgegen gehen, bräutlich entgegen gehen. Und das ist der Weg des Kreuzes, der Weg der immer mehr triumphierenden Liebe, bis die Umarmung vollendet ist, wie sie in der Eucharistie schon geschieht, aber in uns nur so erbärmlich sich vollziehen kann, weil wir noch nicht wollen, weil wir zu dieser Brautschaft noch nicht bereit sind. Aber was ist die Eucharistie anderes als jetzt schon himmlisches Geschehen der Hochzeit, da er sich uns schenkt in einer Weise, wie kein Ehemann und keine Ehefrau sich gegenseitig schenken können, in seiner ganzen Inwendigkeit und wir ihm noch so erbärmlich offen sind, noch so erbärmlich nur ihm hingegeben. Wir sind noch nicht fähig zur bräutlichen Li ebe .
Und dazu ruft uns Johannes auf: „Bereitet den Weg des Herrn.“
Es ist Aufruf zur Hochzeit. Der Freund des Bräutigams, der schon Ihm voraus tanzt und den Reigentanz gleichsam anfängt und uns lehrt, wie wir tanzen sollen, wie wir ihm entgegengehen sollen, nämlich in der Buße, die er verkündet, im Umkehren von unserem Egoismus zur schmerzvoll sich bewährenden Liebe, zur Liebe des Bräutigams, der sich uns vereint am Kreuz, mit dem Opferleib uns nährt, mit seinem vergossenen Blut uns tränkt.
Das ist Weihnachtsfest. Weihnacht ist die Offenbarung des Bräutigams gleich schon in der Armut.
Deshalb ist Weihnachten für uns: Bräutlich ihm entgegengehen im Tanzschritt des Johannes des Täufers, im Tanzschritt des Kreuzes, in dem Weg, der zur Erfüllung führt, zur himmlischen Hochzeit, dem Weg des Bräutigams, des armen Kindes von Bethlehem, das seine Liebe vollendet mit dem Schrei: „Es ist vollbracht!“
Amen.
5 Lesermeinungen:
Freitag, 17. November 2006 01:46
tau †: @ Breze: Du
hast ja jetzt das Rezept.
Freitag, 17. November 2006 01:40
Breze: @ tau
…und beim Apfelweinkuchen…

Schlaf gut…
Freitag, 17. November 2006 01:33
tau †: @ Breze: dann
wären wir wieder beim Wetter …
Freitag, 17. November 2006 01:23
Breze: @ tau
Gerne geschehen…

Wir werden sehen, ob irgendjemand darauf reagiert…
Freitag, 17. November 2006 01:22
tau †: Danke Breze!
Geben wir diesen Text im Vertrauen auf IHN weiter …
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