Liebe Gläubige!
Am heutigen Sonntag wird in allen Gemeinden der Diözese, die bisher selbst nicht durch
Kriegsschäden gelitten haben, die von mir angeordnete Kollekte gehalten für die Bewohner der Stadt Münster.
Ich hoffe, daß es durch das Eingreifen der dafür zuständigen staatlichen und städtischen Stellen und
durch die brüderliche Hilfe der Katholiken unseres Bistums, deren Spenden die Caritasstellen verwalten
und verteilen werden, gelingen wird, vielerlei Not zu lindern.
Gott sei Dank: Seit mehreren Tagen haben
neue Angriffe der Kriegsgegner unsere Stadt nicht mehr erreicht. Aber leider muß ich es sagen: Die Angriffe
unserer Gegner im Innern des Landes, deren Beginn ich am vorigen Sonntag in St. Lamberti besprochen habe,
sind in der letzten Woche, unbekümmert um unsere Proteste, unbekümmert um das Herzeleid, das dadurch
den Betroffenen und ihren Angehörigen bereitet wird, fortgeführt worden.
Am vorigen Sonntag habe ich
es öffentlich beklagt, als himmelschreiendes Unrecht bezeichnet, daß die Geheime Staatspolizei die Ordensniederlassungen
der Immakulata-Schwestern in Wilkinghege und der Jesuiten in Münster aufgehoben, Häuser und Inventar
beschlagnahmt und die Bewohner auf die Straße gejagt, aus der Heimat vertrieben hatte.
Auch das Lourdeskloster
an der Frauenstraße in Münster wurde für die Gauleitung beschlagnahmt. Ich wußte damals noch nicht,
daß am gleichen Tage, am Sonntag, dem 13. Juli, die Geheime Staatspolizei das Kamilluskolleg in St. Mauritz-Sudmühle
und unsere Benediktinerabtei St. Josef in Gerleve bei Coesfeld besetzte, beschlagnahmte und die Patres
und Brüder dort vertrieb. Sie mußten am gleichen Tage Westfalen verlassen.
Am 15. Juli wurden auch
die Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung in Vinnenberg bei Warendorf ausgetrieben und über die Provinzgrenze
gejagt.
Am 17. Juli mußten die Kreuzschwestern in Haus Aspel bei Rees ihr Besitztum und den Kreis Rees
verlassen. Hätte nicht christliche Liebe sich all dieser Obdachlosen erbarmt, so wären diese Frauen
und Männer dem Hunger und den Unbilden der Witterung überlassen.
Vor wenigen Stunden bekam ich nun
auch noch die Trauernachricht, daß gestern, am 19. Juli, zum Abschluß dieser zweiten Schreckenswoche
für unser Münsterland, die Geheime Staatspolizei auch das deutsche Provinzialhaus der Missionare vom
heiligsten Herzen Jesu, das euch allen wohlbekannte große Missionskloster in Hiltrup, besetzt, beschlagnahmt
und enteignet hat. Die noch dort wohnenden Patres und Brüder mußten bis gestern abend 20 Uhr ihr Heim
und ihren Besitz verlassen. Auch sie sind aus Westfalen und wiederum auch aus der Rheinprovinz ausgewiesen.
Die dort noch wohnenden Patres und Brüder: Ich sage das mit besonderer Betonung: denn aus den Reihen
der Hiltruper Missionare stehen zur Zeit, wie ich kürzlich zuverlässig erfuhr, 161 Männer als deutsche
Soldaten im Felde, teilweise direkt vor dem Feinde, 53 Patres von Hiltrup sind als Sanitäter im Dienste
der verwundeten Soldaten tätig, 42 Theologen und 66 Brüder dienen als Soldaten mit der Waffe dem Vaterland,
sind teilweise schon mit dem Eisernen Kreuz, dem Sturmabzeichen und anderen Auszeichnungen geschmückt.
Ähnlich ist es bei den Patres Kamillianern von Sudmühle, bei den Jesuiten von Sentmaring und bei den
Benediktinern von St. Josef in Gerleve!
Während diese deutschen Männer, in treuer Kameradschaft mit
den anderen deutschen Brüdern, unter Einsatz ihres Lebens, gehorsam ihrer Pflicht, für die Heimat kämpfen,
wird ihnen im Vaterland rücksichtslos und ohne jeden Rechtsgrund die Heimat genommen, das klösterliche
Vaterhaus zerstört! Wenn sie, wie wir hoffen, siegreich wiederkommen, finden sie ihre Klosterfamilie
von Haus und Hof vertrieben, ihre Heimat von Fremden, von Feinden besetzt!
Was soll das? Wie soll das
enden? Es handelt sich nicht etwa darum, für obdachlose Bewohner von Münster eine vorübergehende Unterkunft
zu schaffen. Die Ordensleute waren bereit und entschlossen, ihre Wohnung für solche Zwecke aufs äußerste
einzuschränken, um gleich Anderen Obdachlose aufzunehmen und zu verpflegen. Nein, darum handelt es sich
nicht: Im Immakulatakloster in Wilkinghege richtet sich, wie ich höre, die Gaufilmstelle ein.
Man sagt
mir, in der Benediktinerabtei St. Josef werde ein Entbindungsheim für uneheliche Mütter eingerichtet.
Was in Sentmaring, in Sudmühle und Vinnenberg eingezogen ist, habe ich noch nicht erfahren. Ich bin ja
überhaupt ohne amtliche Benachrichtigung gelassen. Und keine Zeitung hat bisher von den gefahrlosen Siegen,
die in diesen Tagen die Beamten der Geheimen Staatspolizei über wehrlose deutsche Männer und schutzlose
deutschen Frauen errungen haben und von den Eroberungen, die die Gauleitung in der Heimat am Eigentum
deutscher Volksgenossen gemacht hat!
Ich bin am Montag, dem 14. Juli, persönlich beim Herrn Regierungspräsidenten
gewesen und habe ihn um Schutz für die Freiheit und das Eigentum schuldloser deutscher Menschen gebeten.
Er hat mir erklärt, daß die Geheime Staatspolizei eine völlig selbständige und von der Regierung unabhängige
Behörde sei, in deren Maßnahmen er nicht eingreifen könne. Er hat mir aber versprochen, meine Beschwerden
und Bitten sofort dem Herrn Oberpräsidenten und Gauleiter Dr. Meyer vorzutragen. Es hat nichts genützt!
Am gleichen Montag dem, 14. Juli, habe ich an die Reichskanzlei des Führers in Berlin ein Telegramm
gesandt mit folgendem Wortlaut: „Nachdem seit dem 6. Juli die Kriegsgegner die Stadt Münster in furchtbaren
Nachtangriffen zu zerstören suchen, hat die Geheime Staatspolizei am 12. Juli begonnen, die Klöster
und Ordenshäuser in Stadt und Umgebung zu beschlagnahmen und samt Inventar zu Gunsten der Gauleitung
zu enteignen. Die Bewohner, schuldlose deutsche Männer und Frauen, ehrenhafte Mitglieder deutscher Familien,
deren Angehörige zum Teil als Soldaten für Deutschland kämpfen, werden ihres Heimes beraubt, auf die
Straße gejagt, aus der Heimatprovinz verbannt. Ich bitte den Führer und Reichskanzler im Interesse der
Gerechtigkeit und der Geschlossenheit der inneren Front um Schutz für die Freiheit und das Eigentum dieser
ehrenwerten deutschen Menschen gegen die Willkürmaßnahmen der Geheimen Staatspolizei und gegen Beraubung
zu Gunsten der Gauleitung.“
Ähnliche Bitten habe ich telegraphisch dem Reichsstatthalter für Preußen,
Reichsmarschall Hermann Göring, dem Reichsinnenminister, dem Reichskirchenminister, und schließlich
auch noch dem Oberkommando der Wehrmacht unterbreitet.
Ich hatte gehofft, daß, wenn nicht Erwägungen
der Gerechtigkeit, so doch wenigstens die Erkenntnis der Folgen für die Geschlossenheit der inneren Front
jetzt im Kriege jene Stellen bewegen würden, dem Vorgehen der Geheimen Staatspolizei gegen unsere Brüder
und Schwestern Einhalt zu tun, und daß man schuldlosen deutschen Frauen ritterlichen Schutz nicht versagen
würde. Es war vergebens: das Vorgehen wurde fortgesetzt und jetzt ist bereits eingetreten, was ich schon
lange vorausgesehen und am vorigen Sonntag vorausgesagt habe: Wir stehen vor den Trümmern der inneren
Volksgemeinschaft, die in diesen Tagen rücksichtslos zerschlagen worden ist!
Ich habe den Regierungspräsidenten,
die Herren Minister, das Oberkommando der Wehrmacht eindringlich darauf hingewiesen, wie die Gewalttaten
gegen unbescholtene deutsche Männer, wie diese Rohheit gegenüber wehrlosen deutschen Frauen, die aller
Ritterlichkeit Hohn spricht und nur aus einem abgründigen Haß gegen die christliche Religion und gegen
die katholische Kirche entspringen kann, wie diese Machenschaften geradezu wie Sabotage und Sprengung
der Volksgemeinschaft wirken.
Volksgemeinschaft mit den Männern, die unsere Ordensleute, unsere Brüder
und Schwestern ohne Rechtsgrund, ohne Untersuchung, Verteidigungsmöglichkeit und Gerichtsurteil wie Freiwild
aus dem Lande hetzen?
Nein! Mit ihnen und allen dafür Verantwortlichen ist mir keine Gemeinschaft im
Denken und Fühlen mehr möglich! Ich werde sie nicht hassen, ich wünsche von Herzen, daß sie zur Einsicht
kommen und sich bekehren: – wie ich auch sofort ein fürbittendes Gebet zum Himmel gesandt habe für die
Seele des am 5. Juli plötzlich verstorbenen Ministerialdirigenten Roth. Er war katholischer Priester
der Erzdiözese München, war seit Jahren ohne Erlaubnis und gegen den Willen seines Bischofs Beamter
im Reichskirchenministerium und hat gar viele, die Rechte der Kirche verletzende, die Würde der Kirche
kränkende Schriftstücke für den Minister Kerrl verfaßt und unterzeichnet. Jetzt ist er bei einer Bootsfahrt
auf dem Inn verunglückt und im reißenden Strom ertrunken. Gott sei seiner armen Seele gnädig!
So wollen
wir nach dem Gebot des Heilands beten für alle, die uns verfolgen und verleumden! Aber, solange sie sich
nicht ändern, solange sie fortfahren, Unschuldige zu berauben, aus dem Lande zu treiben, einzukerkern,
solange lehne ich jede Gemeinschaft mit ihnen ab! Nein, die Gemeinsamkeit in Gesinnung und Streben in
unserem Volk ist gegen unseren Willen, ungeachtet unserer Warnungen unheilbar gestört. Ich kann mir nicht
vorstellen, daß unsere alteingesessenen Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter, daß unsere Frauen,
daß eure Väter, Brüder und Söhne, die jetzt an der Front ihr Leben für Deutschland einsetzen, mit
den Verfolgern und Vertreibern unserer Ordensleute irgendwie Gesinnungsgemeinschaft pflegen werden.
Wir
werden ihnen gehorchen, soweit sie als Vertreter der rechtmäßigen Obrigkeit uns Befehle zu erteilen
haben. Aber Gesinnungsgemeinschaft, ein Gefühl innerer Verbundenheit mit diesen Kirchenverfolgern, mit
diesen Klosterstürmern, die wehrlose Frauen und Mädchen, Kinder unserer besten Familien, unsere Schwestern
aus ihrer klösterlichen Heimat jagen, wo sie, teilweise seit Jahrzehnten, in Arbeit und Gebet unserem
Volke nur Gutes getan haben, das kann es für uns nicht geben!
Ich müßte mich schämen vor Gott und
vor euch, ich müßte mich schämen vor unseren edlen deutschen Vorfahren, vor meinem ritterlichen seligen
Vater, der meine Brüder und mich mit unerbittlichem Ernst zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem
Mädchen, zu ritterlichem Schutz aller unschuldig Bedrängten, besonders jener, die als Frauen Abbilder
unserer eigenen Mütter, ja der lieben Gottesmutter im Himmel sind, ermahnt, erzogen und angeleitet hat, –
wenn ich Gemeinschaft halten würde mit jenen, die schutzlose Frauen aus Heim und Heimat vertreiben, und
obdachlos und mittellos aus dem Lande jagen!
Dazu kommt, was ich schon am letzten Sonntag in der Lambertikirche
ausführlich bewiesen habe, was ich heute noch einmal mit großem Ernst aus Liebe zu Volk und Vaterland
warnend wiederhole: Dieses strafweise Vorgehen der Geheimen Staatspolizei gegen Schuldlose, ohne gerichtliches
Verfahren, ohne Verteidigungsmöglichkeit, die „verteidigungslose Verdammung von vornherein Verurteilter
und jeglicher Verteidigungsmittel Beraubter“, wie Reichsminister Dr. Frank es genannt hat, zerstört die
Rechtssicherheit, untergräbt das Rechtsbewußtsein und vernichtet das Vertrauen auf die Staatsführung.
Gewiß, wir Christen machen keine Revolution! Wir werden weiter treu unsere Pflicht tun im Gehorsam gegen
Gott, aus Liebe zu unserem deutschen Volk und Vaterland. Unsere Soldaten werden kämpfen und sterben für
Deutschland, aber nicht für jene Menschen, die durch ihr grausames Vorgehen gegen unsere Ordensleute,
gegen ihre Brüder und Schwestern, unsere Herzen verwunden und dem deutschen Namen vor Gott und den Mitmenschen
Schmach antun. Wir kämpfen tapfer weiter gegen den äußeren Feind. Gegen den Feind im Innern, der uns
peinigt und schlägt, können wir nicht mit Waffen kämpfen. Es bleibt uns nur ein Kampfmittel: starkes,
zähes, hartes Durchhalten!
Hart werden! Fest bleiben! Wir sehen und erfahren jetzt deutlich, was hinter
den neuen Lehren steht, die man uns seit einigen Jahren aufdrängt, denen zuliebe man die Religion aus
den Schulen verbannt hat, unsere Vereine unterdrückt hat, jetzt katholische Kindergärten zerstören
will: abgrundtiefer Haß gegen das Christentum, das man ausrotten möchte.
Wenn ich recht unterrichtet
bin, hat das ja auch der Schulungsleiter Schmidt vor 14 Tagen in der Stadthalle hier vor einem zwangsweise
geladenen Publikum, darunter Schüler und Schülerinnen, offen ausgesprochen, und Herr Kreisleiter Miering
hat begeistert Beifall gespendet und versprochen, für die Ausführung solcher Pläne sich einzusetzen.
Hart werden! Fest bleiben! Wir sind in diesem Augenblick nicht Hammer, sondern Amboß. Andere, meist
Fremde und Abtrünnige, hämmern auf uns, wollen mit Gewaltanwendung unser Volk, uns selbst, unsere Jugend
neu formen, aus der geraden Haltung zu Gott verbiegen. Wir sind Amboß und nicht Hammer! Aber seht einmal
zu in der Schmiede! Fragt den Schmiedemeister und laßt es euch von ihm sagen: Was auf dem Amboß geschmiedet
wird, erhält seine Form nicht nur vom Hammer, sondern auch vom Amboß.
Der Amboß kann nicht und braucht
auch nicht zurückzuschlagen, er muß nur fest, nur hart sein! Wenn er hinreichend zäh, fest, hart ist,
dann hält meistens der Amboß länger als der Hammer. Wie heftig der Hammer auch zuschlägt, der Amboß
steht in ruhiger Festigkeit da und wird noch lange dazu dienen, das zu formen, was neu geschmiedet wird. –
Was jetzt geschmiedet wird, das sind die zu Unrecht Eingekerkerten, die schuldlos Ausgewiesenen und Verbannten.
Gott wird ihnen beistehen, daß sie Form und Haltung christlicher Festigkeit nicht verlieren, wenn der
Hammer der Verfolgung sie bitter trifft und ihnen ungerechte Wunden schlägt.
Was in diesen Tagen geschmiedet
wird, sind unsere Ordensleute, Patres, Brüder und Schwestern. Ich habe vorgestern einen Teil der Vertriebenen
in ihren provisorischen Unterkünften besuchen können und mit ihnen gesprochen. Ich habe mich erbaut
und begeistert an der tapferen Haltung der braven Männer, der schwachen, wehrlosen Frauen, die man roh
und rücksichtslos aus ihrer Klosterheimat, aus der Kapelle und der Nähe des Tabernakels verjagte, die
erhobenen Hauptes, im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit, in die ungewisse Verbannung gehen, vertrauend
auf jenen, „der die Vögel des Himmels speist und die Lilien des Feldes kleidet“, ja freudig, in jener
Freude, die der Heiland seinen Jüngern anbefiehlt:
„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen verfolgen
und hassen um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!“
Wahrhaftig,
diese Männer und Frauen sind Meisterwerke der göttlichen Schmiedewerkstatt.
Was in dieser Zeit geschmiedet
wird zwischen Hammer und Amboß, ist unsere Jugend: die heranwachsende, die noch unfertige, die noch bildungsfähig
weiche Jugend! Wir können sie den Hammerschlägen des Unglaubens, der Christentumsfeindlichkeit, der
falschen Lehren und Sitten nicht entziehen.
Was wird ihnen vorgetragen und aufgedrängt in ihren Heimabenden
und den Dienststunden jener Jugendvereinigungen, denen sie, wie man sagt, unter Zustimmung ihrer Eltern
freiwillig beigetreten sind?
Was hören sie in den Schulen, in die heute alle Kinder ohne Rücksicht
auf den Willen der Eltern hineingezwungen werden?
Was lesen sie in den neuen Schulbüchern?
Laßt euch
doch, christliche Eltern, die Bücher zeigen, besonders die Geschichtsbücher der höheren Schulen! Ihr
werdet entsetzt sein, mit weicher Unbekümmertheit um die geschichtliche Wahrheit dort versucht wird,
die unerfahrenen Kinder mit Mißtrauen gegen Christentum und Kirche, ja mit Haß gegen den christlichen
Glauben zu erfüllen!
In den bevorzugten staatlichen Lehranstalten, den Hitlerschulen und den neuen Lehranstalten
für künftige Lehrer und Lehrerinnen, wird jeder christliche Einfluß, ja jede wirklich religiöse Betätigung
grundsätzlich ausgeschlossen.
Und was geschieht mit den im letzten Frühjahr unter Hinweis auf die Luftgefahr
in ferne Gegenden verschickten Kindern?
Wie steht es mit dem Religionsunterricht für sie und mit der
Übung der Religion?
Christliche Eltern, um all das müßt ihr euch kümmern, sonst versäumt ihr eure
heiligsten Pflichten, sonst könnt ihr nicht bestehen vor eurem Gewissen und vor jenem, der euch die Kinder
anvertraut, damit ihr sie auf den Weg zum Himmel führt!
Wir sind Amboß nicht Hammer! Ihr könnt eure
Kinder, das Edle, aber noch ungehärtete und ungestählte Rohmetall, leider den Hammerschlägen der Glaubensfeindlichkeit,
der Kirchenfeindlichkeit nicht entziehen. Aber auch der Amboß formt mit.
Laßt euer Elternhaus, laßt
eure Elternliebe und -treue, laßt euer vorbildliches Christenleben der starke, zähe, feste und unerschütterliche
Amboß sein, der die Wucht der feindlichen Schläge auffängt, der die noch schwache Kraft der jungen
Menschen immer wieder stärkt und befestigt in dem heiligen Willen, sich nicht verbiegen zu lassen aus
der Richtung zu Gott.
Was in dieser Zeit geschmiedet wird, sind fast ohne Ausnahme wir alle. Wie viele
sind abhängig durch Pensionen, Staatsrenten, Kinderbeihilfen und anderes!
Wer ist denn heute noch unabhängig
und freier Herr in seinem Besitz oder Geschäft?
Es mag sein, daß, zumal im Kriege, eine starke Überwachung
und Lenkung, ja auch die Zusammenfassung und Zwangssteuerung von Produktion und Wirtschaft, von Erzeugung
und Verbrauch notwendig ist, und wer wird das nicht aus Liebe zu Volk und Vaterland willig tragen!
Aber
damit ist auch eine Abhängigkeit jedes einzelnen von vielen Personen und Dienststellen gegeben, die nicht
nur die Freiheit des Handelns beschränken, sondern auch die freie Unabhängigkeit der Gesinnung in schwere
Gefahr und Versuchung bringen, wenn diese Personen und Dienststellen zugleich eine christentumsfeindliche
Weltanschauung vertreten und bei den von ihnen abhängigen Menschen durchzusetzen suchen.
– Erst recht
ist solche Abhängigkeit gegeben bei allen Beamten. Und weicher Mut, weicher Heldenmut mag für manche
Beamten dazu gehören, sich trotz allen Druckes noch immer als echte Christen, als treue Katholiken zu
erweisen und öffentlich zu bekennen!
Wir sind zur Zeit Amboß, nicht Hammer! Bleibt stark und fest und
unerschütterlich wie der Amboß bei allen Schlägen, die auf ihn niedersausen; in treuestem Dienst für
Volk und Vaterland, aber auch stets bereit, in äußerstem Opfermut nach dem Wort zu handeln: „Man muß
Gott mehr gehorchen als den Menschen!“
Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott zu jedem
von uns. Gehorcht stets unweigerlich der Stimme des Gewissens. –
Nehmt euch zum Beispiel und Vorbild
jenen preußischen Justizminister der alten Zeit – ich habe ihn früher schon einmal erwähnt – dem einst
sein König Friedrich der Große das Ansinnen stellte, er solle sein gesetzmäßig gefälltes Gerichtsurteil
nach dem Wunsche des Monarchen umstoßen und abändern. Da hat dieser echte Edelmann, ein Herr von Münchhausen,
seinem König die prachtvolle Antwort gegeben: „Mein Kopf steht eurer Majestät zur Verfügung, aber nicht
mein Gewissen!“
Er wollte damit sagen: Ich bin bereit, für meinen König zu sterben, ja ich würde im
Gehorsam sogar den Tod von Henkershand annehmen. Mein Leben gehört dem König, nicht mein Gewissen; das
gehört Gott!
Ist das Geschlecht solcher Edelleute, die so gesinnt sind und so handeln, sind die preußischen
Beamten dieser Art ausgestorben?
Gibt es nicht mehr Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter von gleicher
Gewissenhaftigkeit und gleichem Edelmut? –
Das kann, das will ich nicht glauben! Und darum noch einmal:
Werdet hart! Werdet fest! Bleibt standhaft, wie der Amboß unter den Hammerschlägen! Es kann sein, daß
der Gehorsam gegen Gott, die Treue gegen das Gewissen mir oder euch das Leben, die Freiheit, die Heimat
kostet. Aber: „Lieber sterben als sündigen!“ Möge Gottes Gnade, ohne die wir nichts vermögen, euch
und mir diese unerschütterliche Festigkeit geben und erhalten!
Meine lieben Katholiken von Münster!
Nachdem in der Nacht vom 7. zum 8. Juli das Seitenschiff des Domes von einer Sprengbombe durchschlagen
war, hat in der folgenden Nacht eine an der Außenwand herabkommende Bombe den Ludgerusbrunnen, das Denkmal
der Rückkehr des seligen Bischofs Johann Bernhard aus der Verbannung im Jahre 1884, zerstört. Die Statuen
der beiden Bischöfe Luitger und Erpho an beiden Seiten des Denkmals sind stark beschädigt.
Fast unzerstört
geblieben ist die Steinfigur des hl. Ludger, des Apostels unseres Münsterlandes und ersten Bischofs von
Münster. Segnend und zum Himmel weisend erhebt er die unbeschädigt gebliebene rechte Hand: gleich als
sollte uns durch die fast wunderbare Errettung dieses Bildes die Mahnung zugerufen werden:
„Was auch
kommen mag, haltet fest an dem von Gott geoffenbarten, von den Vorfahren ererbten katholischen Glauben:
In aller Zerstörung menschlicher Werke, in aller Not und Sorge, in aller Bedrängnis und Verfolgung.
Empor die Herzen!“
St. Ludger ermahnt euch, ich, sein 70. Nachfolger auf dem münsterischen Hirtenstuhl,
ermahne euch mit den Worten, die in der ersten Christenverfolgung der Apostel Petrus, der erste Papst,
den bedrängten Christen schrieb:
„Demütigt euch unter Gottes allmächtige Hand, dann wird er zur rechten
Stunde euch erhören. Werft alle Sorgen auf ihn, denn er nimmt sich eurer an. Seid nüchtern und wachsam,
denn euer Feind, der Teufel, geht umher wie ein nach Beute brüllender Löwe … Widersteht ihm standhaft
im Glauben …
Der Gott aller Gnaden, der euch durch Jesus Christus berufen hat, nach kurzer Leidenszeit
in seine Herrlichkeit einzugehen, er wird euch ausrüsten, stärken, festmachen! Ihm sei Ehre und Herrschaft
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (1 Petr 5).
Lasset uns beten für unsere verbannten Ordensleute, für
alle, die ungerecht leiden müssen, für alle Notleidenden, für unsere Soldaten, für Münster und seine
Bewohner, für unser Volk und Vaterland und seinen Führer.
