Lyon, den 5. Mai 2000

Lieber Jacques,

Am 13. Mai werden wir uns in Lyon wieder versammeln. Ich bin froh, daß du auf unsere Einladung eingegangen bist und zu dem Zeitpunkt, da wir gemeinsam mit unseren christlichen Mitbrüdern das Wort Gottes hören werden, dich uns anschließen wirst.

Ich dachte mir, daß diese bevorstehende Zusammenkunft eine Gelegenheit sein könnte, die Einheit zum Ausdruck zu bringen, die wir tagtäglich leben. Was sich vor etwas mehr als fünf Jahren zugetragen hat, bleibt eine Verletzung, in erster Linie für dich, aber auch für die Bischöfe Frankreichs, selbst wenn nicht alle die Vergangenheit unbedingt gleich bewerten.

In Übereinstimmung mit dem Ständigen Rat und im Licht der Kontakte, die mehrere Bischöfe und ich selber mit dir hatten, möchte ich dich in aller Aufrichtigkeit unserer Einheit im Glauben und im Dienst desselben Evangeliums versichern.

Wir bemühen uns, die einen wie die anderen, unseren Dienst zu leisten und den Armen zu dienen.

Du selber stellst täglich diesen Willen unter Beweis.

Du tust dies mit der selbstverständlichen Freiheit, die für dich charakteristisch ist, und auf eine Weise, die sich von der unsrigen unterscheidet.

Die Katholiken und die gesamte Öffentlichkeit sollten jedoch wissen, daß wir in wirklicher brüderlicher Einheit verbunden sind, selbst wenn sie auf unterschiedliche Art und Weise gelebt wird.

Ich wäre natürlich glücklich, wenn du deinerseits sagen könntest, daß wir in diesem Punkt übereinstimmen.

Jedes Mal, wenn uns dazu die Gelegenheit gegeben ist, konzelebrieren wir an ein und demselben Tisch der Eucharistie.

Jenseits der getroffenen Entscheidungen, jenseits der Spannungen einer Situation, die nach wie vor schwierig ist, bleibst du sehr wohl unser bischöflicher Mitbruder.

Mit brüderlichen Grüßen

Louis-Marie Billé, Erzbischof von Lyon

Louis-Maria Kardinal Billé ist im Jahr 2002 im Alter von 64 Jahren verstorben.