14:16:56 | Donnerstag, 5. November 2009
Haben sich die deutschen Bischöfe etwa für die Geistlichen entschuldigt, die während des Dritten Reiches vom NS-Regime schikaniert wurden? Von Hubert Hecker.

Die Kapelle im KZ Dachau, in das zahlreiche Priester deportiert wurden.
© IKLK-Archiv
(kreuz.net) Die Siegermacht USA ging im Frühjahr 1945 von der Kollektivschuld aller Deutschen für Nazismus
und Krieg aus.
Eine US-Regierungsdirektive vom April 1945 stellte fest: „Deutschland wird nicht besetzt
zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat.“ „Die Deutschen“ trügen für Krieg und
Chaos die Verantwortung.
Später kehrten die US-Besatzer bei den Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher
sowie den Entnazifizierungsverfahren zu den römischen Rechtsgrundsätzen zurück: Schuld ist immer individuell
und muß im einzelnen nachgewiesen werden.
Doch in den 80er Jahren versuchten linke Kreise, der deutschen
Öffentlichkeit erneut eine Kollektivschuldthese anzudichten, um daraus politisches Kapital zu schlagen.
Die rassistische Schuldigsprechung aller Deutschen wurde über die nationalsozialistischen Verbrechen
an den Juden gedreht:
Die Deutschen hätten bei den nationalsozialistischen Deportationen allesamt weggeschaut –
also wären sie mitverantwortlich für die ermordeten Juden.
Die Bischöfe springen auf den fahrenden
ZugDeutsche Bischöfe haben diesen linken Jargon von kollektiver Schuld und Verantwortung willig übernommen.
Kardinal Karl Lehmann von Mainz sprach vor einigen Jahren von der Mithaftung, Mitverantwortung und Mitschuld
aller Deutschen an den Verbrechen der Nationalsozialisten:
„Mitschuld haben auch diejenigen auf sich
geladen, die weggesehen haben … und die nicht den Mut zum Widerstand hatten“ – so der damalige Vorsitzende
der Deutschen Bischofskonferenz bei einer Rede 2007 in Israel.
Bemerkenswert bei dieser Beschuldigung
aller damaligen Deutschen ist die Tatsache, daß die Vordenker, Planer und Vollstrecker der nationalsozialistischen
Verbrechen in den Hintergrund geschoben und damit entlastet werden.
Dann kommt noch die CDUFür diese
Tendenz ist die Rede der deutschen Kanzlerin Angela Merkel am 1. September in Danzig zum Kriegsbeginn
vor siebzig Jahren ein Lehrbeispiel.
Frau Merkel ließ Adolf Hitler, den NS-Staat, die willfährigen
Wehrmachtsgenerale und SS-Kolonnen – also die Verantwortlichen für Krieg und Kriegsverbrechen – ebenfalls
ungenannt.
In rassistischer Leseart waren der Überfall auf Polen, die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs
und das brutale Besatzungsregime deutsche und Deutschland Schuld.
Sogar die Konzentrations- und Vernichtungslager
wurden von der Kanzlerin ausschließlich als „deutsch“ charakterisiert.
Wenn Frau Merkel die Schuldverschiebung
noch diplomatisch umschreibt, so spricht das Boulevard-Magazin ‘Der Spiegel’ die völkische Kollektivschuld-These
offen aus: Die Deutschen sind schuld.
Schon bei der medialen Hinrichtung des Fuldaer Abgeordneten Martin
Hohmann im Jahr 2003 hatte die Wochenzeitschrift die Parole ausgegeben: „Die Deutschen sind das wahre
Tätervolk!“
Ein überfallendes VolkIn der ‘Spiegel’-Ausgabe vom 24. August 2009 wird die rassistische
Tätervolk-These mit der Titelgeschichte ausgewalzt: „Der Krieg der Deutschen. 1939: Als ein Volk die
Welt überfiel“.
Wie dreht es ein Straßenmagazin hin, daß plötzlich nicht Adolf Hitler und Josef Stalin,
sondern deutsche Väter, Mütter, Kinder, Jugendliche, Behinderte, Erwachsene und Greise, Kranke und Gesunde
für den Überfall auf Polen und den gesamten Weltkrieg verantwortlich gewesen sein sollen?
Der ‘Spiegel’
manipuliert dazu die Aussage des US-Journalisten William Shirer. Dieser habe keinen Deutschen gefunden,
der gegen die Zerstörung Polens gewesen wäre.
Daraus folgert das Straßenmagazin die Zustimmung aller
Deutschen zum Polenkrieg.
Es ist typisch für diese Art von Desinformation, daß Shirers Tagebuch-Eintrag
vom 3. September 1939 nicht zitiert wird: „Keine Hurras, kein Frohlocken, kein Blumenwerfen, kein Kriegsfieber,
keine Kriegshysterie. Noch nicht einmal Haß auf Franzosen und Briten.“
Der ‘Spiegel’ läßt sich auch
nicht von dem Zeitzeugen Richard von Weizsäcker sagen, daß zum Kriegsbeginn „in der Bevölkerung weithin
Verstörung und Angst herrschte“, sondern behauptet das Gegenteil: Der Krieg gegen Polen wäre allgemein
populär gewesen.
Für wen bitten sie um Vergebung?Die Vorsitzenden der deutschen und polnischen Bischofskonferenzen
haben zum siebzigsten Jahrestag des Kriegsbeginns ebenfalls eine Erklärung publiziert.
Darin nennen
sie deutlich Roß und Reiter: „Hitlers Angriffskriege“, das „nationalsozialistische Deutschland“, die
Wehrmacht sowie die „rassenideologischen Gründe“ der Nationalsozialisten, die zu einer „Ausrottungspolitik“
in Polen und der Sowjetunion führte.
Der historische Rückblick auf Krieg und Vertreibung endet mit
dem scheinmoralischen Bekenntnis: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“
Seit dem großen Schuldbekenntnis
von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2000 ist es auch bei Bischöfen modern geworden, die Schuld früherer
Generationen zu bekennen und zu entschuldigen.
In diesem Fall ist Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg
zu fragen: Wem will er Vergebung spenden – den heutigen polnischen Bischöfen? den damaligen? den kommunistischen
Kommissaren, die Millionen Deutsche vertrieben haben?
Für wen bittet der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz
im kollektiven „Wir“ um Vergebung: für die deutschen Bischöfe während der nationalsozialistischen Diktatur?
Für die Geistlichen in Deutschland, die zu etwa einem Drittel von den NS-Behörden schikaniert wurden
oder gar für die deutschen Kriegsgeneräle?