Dienstag, 9. November 2004 12:42
Ein 101-jähriger Priester in den Philippinen beklagt die Nachlässigkeit der Bischöfe, der Seminarleitungen und die Fallstricke der fleischlichen Versuchungen.

(kreuz.net, Manila) Don Quirino Glorioso, mit 101 Jahren der Nestor unter den philippinischen Priestern,
meinte, die größten Versuchungen, gegen welche Gottesmänner heute zu kämpfen hätten, seien die Versuchungen
gegen die Versprechen der Keuschheit, des Gehorsams und der Armut – mit anderen Worten: Sex und Geld.
Gegenüber der Zeitschrift der philippinischen Bischofskonferenz betonte der greise Priester, daß viele
dieser Versuchungen daher rührten, daß die Leitungen der Priesterseminare ihren Zöglingen die Werte
des Priestertums nicht mehr mit der notwendigen Konsequenz einschärften.
Jeder Mann, der Priester werden
möchte, meinte Don Glorioso, müsse lernen, in Keuschheit und Gehorsam zu leben. Der geistliche Stand
sei außerdem nichts für jemanden, der Geld machen wolle.
Der 101-jährige Diener Gottes wies darauf
hin, daß die Priesterseminarien nachlässig geworden seien und gegen schädliche Einflüsse der Außenwelt
nicht mehr mit der notwendigen Konsequenz vorgingen. Angehenden Priestern sei während den Wochenenden
alles erlaubt. „Wenn man mich fragen würde, würde ich von der Leitung der Priesterseminarien verlangen,
sich ein klares Bild über einen Seminaristen zu machen, aber die Seminarien sind leider sehr pflichtvergessen
geworden.“
Zu seiner Zeit hätten in der Priesterausbildung noch andere Sitten geherrscht. „Es wäre
besser gewesen, man hätte in der Priesterausbildung keine Änderungen vorgenommen. Heute fehlt es in
den Priesterseminarien an der Begleitung der Seminaristen, an der Förderung ihrer Berufung und an geistlicher
Formung.“
Glorioso machte die Bischöfe und die fehlenden moralischen Werte in der Gesellschaft dafür
verantwortlich, daß viele Priester den Versuchungen des Fleisches nicht standhalten könnten: „Die Bischöfe
sind nicht entschieden genug und Frauen sind heutzutage viel aggressiver als früher. Sie halten keinen
Abstand mehr zu Männern.“
Mindestens zwei philippinische Bischöfe waren letztes Jahr in Sexskandale
verwickelt. Einer von ihnen zeugte zwei Kinder und lebt jetzt in den USA.