Schweiz
Zum Teufel mit den Bischöfen
Was die Schweizer Landeskirchen als Toleranz gegenüber dem Islam ausgeben, sind allgemeine Zerfallserscheinungen: „Höchste Zeit, daß sie ihr Steuerprivileg verlieren und wieder kämpfen lernen.“
Anti-Minarett Plakate in der Schweiz
Anti-Minarett Plakate in der Schweiz
© rytc, CC
(kreuz.net) Der Islam breitet sich in Europa „so erfolgreich“ aus, weil er auf ein religiöses Vakuum trifft.

Das konstatierte Peter Keller am 9. Dezember in einem Artikel für die Online-Ausgabe der Schweizer Wochenzeitung ‘Weltwoche’. Keller ist Historiker und Inland-Redaktor der Zeitung.

Er macht den Vorschlag, die angebliche „schleichenden Islamisierung“ der Gesellschaft aus dem Blickpunkt der „schleichenden Entchristianisierung Europas“ zu betrachten.

Keine Toleranz, sondern Zerfall

Keller kommentiert auch den kirchlichen Widerstand gegen das Schweizer Minarettverbot. Dieser mag – so Keller – vielleicht „politisch opportun gewesen“ sei:

„Und doch: Keiner erwartet von Migros und Coop, daß sie dem Konkurrenten Aldi den roten Teppich auslegen.“

Kellers Analyse ist messerscharf: „Was die Landeskirchen als Toleranz gegenüber dem Islam ausgeben, sind allgemeine Zerfallserscheinungen“.

Die Entfremdung der Menschen vom Christentum werde vor allem von den kirchlichen Institutionen verursacht: „Diese haben den Glauben an sich selber verloren.“

Wer Halt suche, halte sich nicht bei den Amtskirchen auf: „Darüber freuen sich Parallelkirchen wie die Evangelikalen auf reformierter oder die Pius-Brüder auf katholischer Seite.“

Kirche ohne Religion

Eine Kirche, die ihren „religiösen Schwingungsraum“ verliere, unterscheide sich nicht von einer ‘Nichtregierungs-Organisation’: „Der reformierte ‘Zürcher Kirchenbote’ liest sich jedenfalls wie ein rot-grüner Katechismus.“

Keller hat die aktuelle Ausgabe studiert. Auf der Titelseite werde ausgiebig dem Klimagott gehuldigt: „Der Leitartikel denunziert in geübter Selbstanprangerung kirchliche Gebäude als »regelrechte Energieschleudern«.“

Eine ‘Arbeitsstelle Kirche und Umwelt’ – Keller: „so was gibt es tatsächlich“ – regt an, auf das Durchheizen der Gotteshäuser zu verzichten und die Raumtemperatur bei kirchlichen Veranstaltungen herabzusetzen: „Man könne auch im Mantel einem Gottesdienst beiwohnen.“

„Noch klimafreundlicher wäre, die »Energieschleudern« gleich ganz abzureißen“ – denkt Keller den Gedanken zu ende.

Kniebeugen vor dem Zeitgeist

Symptomatisch ist für den Journalisten auch, daß der designierte Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Mons. Norbert Brunner von Sitten, vorschlug, den Zölibat abzuschaffen: „Die üblichen Kniebeugen vor dem Zeitgeist.“

Keller ist nicht beeindruckt: „Viel anstrengender wäre es für den Sittener Bischof gewesen, den Leuten die historische Dimension der Ehelosigkeit aufzuzeigen“.

Der Journalist weist den Bischof darauf hin, daß der Zölibat die Ausbildung klerikaler Dynastien verhindert hat und das Keuschheitsgelübde von jedem Kandidaten „neu eine persönliche Berufung“ voraussetzt:

„Und nebenbei gefragt: Ist denn die sittenstrenge, unter ständiger Aufsicht der Gemeinde stehende reformierte Pfarrersfamilie wirklich ein so prickelndes Gegenmodell?“

Kirche ohne Inhalte

Für Keller besteht das kirchliche Grundproblem darin, daß das christliche Fundament wegbröckelt:

„In den Schulen gibt es keinen konfessionellen Religionsunterricht mehr – dafür ein diffuses Multi-Ethik-Blabla, wie es die herrschende Political Correctness mit Nachdruck einfordert.“

Es geht ihm nicht einfach darum, daß ein Jugendlicher „wenigstens das Vaterunser halbwegs stammeln“ könne, sondern um einen kulturellen Unterbau: „Um schlichtes Wissen.“

Denn: „Mittlerweile steht ein junger Westeuropäer ebenso ratlos in der Sixtinischen Kapelle wie ein Festlandchinese auf seinem Vier-Tages-Trip durch Europa.“

Die Bestandesaufnahme des Journalisten ist unerbitterlich: „Wären die Kirchen börsenkotierte Unternehmen, müßten sie ihre Manager wortwörtlich zum Teufel schicken.“

Die Kirche muß lernen zu kämpfen

Ein Problem sieht Keller beim Geld: „Der Apparat zehrt von einem urtümlichen Steuerprivileg, das jede juristische Person, jede Firma, jeden kurdischen Kebab-Stand im Land verpflichtet, eine jährliche Opfergabe zu leisten.“

Gleichzeitig würden die Kirchenfunktionäre mit erhobenem linkem Zeigefinger Strafpredigten gegen die Gier der bösen Banker halten: „Gleichzeitig greifen sie mit der rechten tief in den Steuertopf, den die UBS, CS und alle anderen Schweizer Privatbanken maßgeblich alimentieren.“

Darum ist es für Keller höchste Zeit, die Kirchen in ihrem Interesse von solchen Fesseln zu befreien.

Denn: „Ohne staatlich verordnete Finanzierung müßten die Kirchen wieder lernen zu kämpfen. Mit Rückgrat, Intelligenz, Überzeugungskraft.“

Keller hofft, daß man sich dann vielleicht an eine Reliquie aus dem 13. Jahrhundert erinnern würde, die im Kloster der Unbeschuhten Karmeliter zu Florenz liegt und die Aufschrift trägt: „Gladius, quo usus fuit Sanctus Dominicus“.

Auf Deutsch: Das ist das Schwert, das der Heilige Dominikus gebraucht hat.