11:31:57 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Was die Schweizer Landeskirchen als Toleranz gegenüber dem Islam ausgeben, sind allgemeine Zerfallserscheinungen: „Höchste Zeit, daß sie ihr Steuerprivileg verlieren und wieder kämpfen lernen.“

Anti-Minarett Plakate in der Schweiz
© rytc, CC(kreuz.net) Der Islam breitet sich in Europa „so erfolgreich“ aus, weil er auf ein religiöses Vakuum
trifft.
Das konstatierte Peter Keller am 9. Dezember in einem Artikel für die Online-Ausgabe der Schweizer
Wochenzeitung ‘Weltwoche’. Keller ist Historiker und Inland-Redaktor der Zeitung.
Er macht den Vorschlag,
die angebliche „schleichenden Islamisierung“ der Gesellschaft aus dem Blickpunkt der „schleichenden Entchristianisierung
Europas“ zu betrachten.
Keine Toleranz, sondern ZerfallKeller kommentiert auch den kirchlichen Widerstand
gegen das
Schweizer Minarettverbot. Dieser mag – so Keller – vielleicht „politisch opportun gewesen“ sei:
„Und doch: Keiner erwartet von Migros und Coop, daß sie dem Konkurrenten Aldi den roten Teppich auslegen.“
Kellers Analyse ist messerscharf: „Was die Landeskirchen als Toleranz gegenüber dem Islam ausgeben,
sind allgemeine Zerfallserscheinungen“.
Die Entfremdung der Menschen vom Christentum werde vor allem
von den kirchlichen Institutionen verursacht: „Diese haben den Glauben an sich selber verloren.“
Wer
Halt suche, halte sich nicht bei den Amtskirchen auf: „Darüber freuen sich Parallelkirchen wie die Evangelikalen
auf reformierter oder die Pius-Brüder auf katholischer Seite.“
Kirche ohne ReligionEine Kirche, die
ihren „religiösen Schwingungsraum“ verliere, unterscheide sich nicht von einer ‘Nichtregierungs-Organisation’:
„Der reformierte ‘Zürcher Kirchenbote’ liest sich jedenfalls wie ein rot-grüner Katechismus.“
Keller
hat die aktuelle Ausgabe studiert. Auf der Titelseite werde ausgiebig dem Klimagott gehuldigt: „Der Leitartikel
denunziert in geübter Selbstanprangerung kirchliche Gebäude als »regelrechte Energieschleudern«.“
Eine ‘Arbeitsstelle Kirche und Umwelt’ – Keller: „so was gibt es tatsächlich“ – regt an, auf das Durchheizen
der Gotteshäuser zu verzichten und die Raumtemperatur bei kirchlichen Veranstaltungen herabzusetzen:
„Man könne auch im Mantel einem Gottesdienst beiwohnen.“
„Noch klimafreundlicher wäre, die »Energieschleudern«
gleich ganz abzureißen“ – denkt Keller den Gedanken zu ende.
Kniebeugen vor dem ZeitgeistSymptomatisch
ist für den Journalisten auch, daß der designierte Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Mons.
Norbert Brunner von Sitten, vorschlug, den Zölibat abzuschaffen: „Die üblichen Kniebeugen vor dem Zeitgeist.“
Keller ist nicht beeindruckt: „Viel anstrengender wäre es für den Sittener Bischof gewesen, den Leuten
die historische Dimension der Ehelosigkeit aufzuzeigen“.
Der Journalist weist den Bischof darauf hin,
daß der Zölibat die Ausbildung klerikaler Dynastien verhindert hat und das Keuschheitsgelübde von jedem
Kandidaten „neu eine persönliche Berufung“ voraussetzt:
„Und nebenbei gefragt: Ist denn die sittenstrenge,
unter ständiger Aufsicht der Gemeinde stehende reformierte Pfarrersfamilie wirklich ein so prickelndes
Gegenmodell?“
Kirche ohne InhalteFür Keller besteht das kirchliche Grundproblem darin, daß das christliche
Fundament wegbröckelt:
„In den Schulen gibt es keinen konfessionellen Religionsunterricht mehr – dafür
ein diffuses Multi-Ethik-Blabla, wie es die herrschende Political Correctness mit Nachdruck einfordert.“
Es geht ihm nicht einfach darum, daß ein Jugendlicher „wenigstens das Vaterunser halbwegs stammeln“
könne, sondern um einen kulturellen Unterbau: „Um schlichtes Wissen.“
Denn: „Mittlerweile steht ein
junger Westeuropäer ebenso ratlos in der Sixtinischen Kapelle wie ein Festlandchinese auf seinem Vier-Tages-Trip
durch Europa.“
Die Bestandesaufnahme des Journalisten ist unerbitterlich: „Wären die Kirchen börsenkotierte
Unternehmen, müßten sie ihre Manager wortwörtlich zum Teufel schicken.“
Die Kirche muß lernen zu
kämpfenEin Problem sieht Keller beim Geld: „Der Apparat zehrt von einem urtümlichen Steuerprivileg,
das jede juristische Person, jede Firma, jeden kurdischen Kebab-Stand im Land verpflichtet, eine jährliche
Opfergabe zu leisten.“
Gleichzeitig würden die Kirchenfunktionäre mit erhobenem linkem Zeigefinger
Strafpredigten gegen die Gier der bösen Banker halten: „Gleichzeitig greifen sie mit der rechten tief
in den Steuertopf, den die UBS, CS und alle anderen Schweizer Privatbanken maßgeblich alimentieren.“
Darum ist es für Keller höchste Zeit, die Kirchen in ihrem Interesse von solchen Fesseln zu befreien.
Denn: „Ohne staatlich verordnete Finanzierung müßten die Kirchen wieder lernen zu kämpfen. Mit Rückgrat,
Intelligenz, Überzeugungskraft.“
Keller hofft, daß man sich dann vielleicht an eine Reliquie aus dem
13. Jahrhundert erinnern würde, die im Kloster der Unbeschuhten Karmeliter zu Florenz liegt und die Aufschrift
trägt: „Gladius, quo usus fuit Sanctus Dominicus“.
Auf Deutsch: Das ist das Schwert, das der Heilige
Dominikus gebraucht hat.