11:24:49 | Samstag, 6. März 2010
Die Juden haben kein Monopol auf das Leiden: Im 20. Jahrhundert wurden etwa 168 Millionen Menschen durch Völkermorde getötet.

Der Holocaust ist ein Massenmord unter vielen.
© -MRTN-, CC(kreuz.net) „Wo immer man in diesem Land hinschaut, stets ist man mit dem Holocaust konfrontiert.“
Das
erklärte der israelische Politiker Avraham Burg (54) in einem Interview mit der katholischen Zeitung
‘Tagespost’.
Letztes Jahr publizierte er das Holocaust-kritische Buch „Hitler besiegen“.
Burg gibt Beispiele:
„Schauen Sie etwa nach Jerusalem, wo derzeit Ultraorthodoxe gegen die Säkularisierung des Staates demonstrieren:
Sie bezeichnen die Polizisten als Nazis.“
Wenn der rechtsgerichtete israelische Ministerpräsident den
iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zum Thema macht, „dann spricht er nicht von der Gefahr der
A-Bombe, auch nicht vom Islam gegen die Demokratie, sondern bringt immer wieder den Vergleich mit 1939,
als der Zweite Weltkrieg ausbrach.“
Burg möchte mit seinem Buch eine „Strategie der Erinnerung“ anbieten.
Er will, daß Israel das NS-Trauma nicht in alle Ewigkeit weitergibt. Das Land soll sich von dem Trauma
der Vergangenheit verabschieden und zu einem neuen Vertrauen hinbewegen.
Die ‘Tagespost’ weist darauf
hin, daß im Jahr 1955 – zehn Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – der NS-Massenmorde viel weniger
gedacht wurde als heute.
Das hängt – so Burg – auch damit zusammen, daß die Shoah in Israel Teil einer
nationalen Strategie ist: „Und das ist ein Fehler.“
Der Politiker hat spricht auch von einer Angst vor
dem Frieden: „Fragen wir uns doch, was passiert, wenn wir im Nahen Osten einmal Frieden haben werden.“
Seine Antwort: „Wenn man uns mit Kriegen, Pogromen bedroht – dann wissen wir genau, was wir tun müssen.
Wenn aber der Frieden kommt – wir sind einfach verloren.“
Burg erinnert daran, daß im 20. Jahrhundert
etwa 168 Millionen Menschen durch Genozide getötet wurden.
Darum ist für ihn klar, daß die Juden „kein
Monopol auf das Leiden“ haben:
„Aber als ich diese These in meinem Buch vertrat, begann für mich in
Israel eine Zeit, die nicht sehr angenehm war – es ging beinahe bis zur körperlichen Unerträglichkeit.“
Was sich in der Einstellung Israels zur Shoah ändern soll?
„Die Tatsache, daß Israel daraus nicht
seine gesamte Sicherheitspolitik und seine Ängste ableitet.“