Donnerstag, 11. November 2004 07:45
Heute beginnt in der Nähe von Rom eine Konferenz zum vierzigsten Jahrestages des Ökumenismusdekretes des Zweiten Vatikanums. Ist der gegenwärtige Ökumenismus ein „Weg, der die Hoffnung auf seiner Seite hat“ oder eine kirchlich verordnete Sackgasse?

(kreuz.net, Rom) Am Dienstag stellte sich Walter Kardinal Kasper (71) mit zwei seiner engsten Mitarbeiter,
Bischof Brian Farrell L.C. und Mons. Eleuterio Fortino, der Presse. Bischof Farrell, der Stellvertreter
von Kardinal Kasper im Einheitsrat, ist einer der ersten Mitglieder der mexikanischen Ordensgemeinschaft
der Legionäre Christi, die zu den Ehren des Bischofsamtes aufgestiegen sind.
„Was waren Inhalt und Ziel
des Konzilsdokumentes zum Ökumenismus? Welche Auswirkungen hatte es? Wo ist der Ökumenismus heute angelangt?
Wie geht der Weg weiter?“ Das sind nach den Worten von Kardinal Kasper die Fragen, denen sich die Konferenz
zuwenden wird, die heute in Rocca di Papa (bei Rom) eröffnet wird und zu welcher der Päpstliche Rat
für die Einheit der Christen eingeladen hat. Die Zusammenkunft dauert bis zum 13. November.
Zur Konferenz
werden unter anderen über 100 Vertreter der weltweiten Bischofskonferenzen erwartet, 25 davon aus Europa.
Eine Einladung erging auch an die ehemaligen Präsidenten des Einheitsrates, den australischen Kardinal
Edward Idris Cassidy (80) und an den niederländischen Kardinal Johannes Willebrands (95), welcher der
Einladung aber wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht folgen kann.
Teilnehmen werden ferner 27 „brüderliche
Delegierte“ (Bischof Farrell) der orthodoxen, apostolischen und protestantischen Gemeinschaften, sowie
Vertreter internationaler christlicher Organisationen. Sie seien die Erben jener Protestanten, die während
des Zweiten Vatikanums an der Seite der Konzilsväter gestanden seien. Etwas kryptisch meinte Bischof
Farrell: „Heute wie damals sind sie mit uns, um am Weg teilzunehmen, welcher die Hoffnung auf seiner Seite
hat.“
Die Teilnahme der Nichtkatholiken ist nicht bloß dekorativ. Während der Konferenz werden der
Metropolit von Pergamon, Erzbischof Johannis Zizioulas, und Professor Geoffrey Wainwright, Repräsentant
des Methodistischen Weltrates sprechen.
Während der Pressekonferenz meinte Kardinal Kasper, daß der
Ökumenismus „irreversibel“ sei und heute eine „universale Brüderlichkeit unter Christen“ herrsche. Er
sprach auch von neuen Herausforderungen eines „aggressiven Fundamentalismus alter und neuer Sekten, mit
welchen es in der Mehrzahl der Fälle unmöglich sei, einen respektvollen Dialog aufzubauen.“
Am Rande
der Pressekonferenz wiesen Beobachter darauf hin, daß sich unter den vom Kardinal genannten „alten und
neuen Sekten“ jene schnell wachsenden evangelikalen Gruppen befinden, die heute mit Abstand den dynamischsten
Teilen der evangelischen Gemeinschaft ausmachten und denen die protestantische Zukunft gehöre. Durch
solche Gruppen würden weltweit – vor allem im ehemals geschlossen katholischen Lateinamerika – jährlich
Hunderttausende von Katholiken der Kirche entfremdet.
Dagegen – so die Beobachter – seien die offiziellen
ökumenischen Gesprächspartner nicht selten jenen oft vom Staat unterstützen protestantischen Gemeinschaften
zuzuzählen, die sich am weitesten vom Evangelium und Glaubensgut entfernt hätten. Diese Gemeinschaften
würden sich auch in Fragen der Abtreibung, Homosexualität, Euthanasie, Ehescheidung und Empfängnisverhütung
immer mehr von der katholischen Moral distanzieren. Außerdem litten sie unter allen protestantischen
Gruppen am stärksten unter Mitgliederschwund.