Montag, 11. Juli 2005 13:42
Der neue Präfekt der Glaubenskongregation ist auch der Letztverantwortliche für die Behandlung von klerikalen Unzuchtsfällen mit Jugendlichen und Kindern. Wie stellte sich Erzbischof William Levada diesen Problemen als Diözesanbischof?

(kreuz.net) Mit dieser Frage beschäftige sich Philip Lawler vom US-amerikanischen konservativen katholischen
Nachrichtendienst „Catholic World News“ bereits im Mai.
Lawler beginnt seine Nachforschungen mit dem
Treffen der US-Bischöfe im Juni 2002. Damals stand vor allem ein Thema auf der Tagesordnung: die klerikale
Unzucht an Jugendlichen und Kindern.
Dazu erklärte der Erzbischof von San Francisco, Mons. William Levada,
vor versammeltem Haus:
„Wir leiden heute unter den Fehlern von Bischöfen und Administratoren, die den
Schutz der Kinder nicht über ihren Wunsch stellten, den Ruf und die Arbeit von Priestern zu schützen,
die sich ihren Pflichten gegenüber als untreu erwiesen haben.“
Doch wie ging Erzbischof Levada selber
mit klerikalen Mißbräuchen um, fragt sich Lawler und schreibt:
„Heute ist die Erzdiözese Portland,
die Mons. Levada von 1986 bis 1996 leitete, wegen der Schadenersatzforderungen, welche Mißbrauchsopfer
vor Gerichten erstritten haben, bankrott.“
In einigen der Prozesse gegen die Erzdiözese sei es auch
um fehlbare Priester gegangen, die Erzbischof Levada einsetzte, obwohl sie des Mißbrauchs angeklagt oder
nachdem sie von ihm vor einer Strafverfolgen geschützt worden waren.
Der Erzbischof von San Francisco
wurde auch beschuldigt, mit den Mißbrauchsopfern nicht zusammenzuarbeiten.
Das ist ein meist unbegründeter
Vorwurf und eine Taktik von Rechtsanwälten, um an oft vertrauliche diözesane Dokumente heranzukommen.
Doch Kritiken gegen den Erzbischof kamen – so Lawler – auch von neutraler Seite.
So trat James Jenkins –
ein Laie, der vom Erzbischof auserkoren wurde, eine unabhängige Untersuchungskommission zu leiten – unter
Protesten zurück. Er erklärte, daß Mons. Levada die Arbeit der Kommission „mit Täuschung, Manipulation
und Kontrolle“ behindert habe.
Aufschlußreich ist auch die Reaktion von Erzbischof Levada auf den riesigen
Skandal, der die Nachbardiözese Santa Rosa erschütterte.
Im Jahre 1999 mußte der dortige liberale
Bischof Patrick Ziemann zurücktreten, als sich herausstellte, daß er einen Priester erpreßt hatte,
um ihn als einen auf Abruf bereiten Homo-Partner zu benützen.
Erzbischof Levada wurde daraufhin vorübergehend
zum Apostolischen Administrator der Diözese Santa Rosa ernannt.
Dort mußte er sich nicht nur mit den
seichten Bettgeschichten des ehemaligen Bischofs beschäftigen. Auch dessen Verschwendungssucht, die in
der kleinen Diözese einen Schuldenberg von über 23 Millionen Euro hinterließ, gab viel zu reden.
In
dieser Situation bat Erzbischof Levada die Gläubigen, dem in Schande vertriebenen Bischof Ziemann „für
seine Kraft und seine Gaben“ zu danken, die er „in Nah und Fern“ mit den Menschen geteilt habe.
Erzbischof
Levada weigerte sich, diözesane Dokumente zu veröffentlichen, um Licht ins Dunkel der diözesanen Finanzen
zu bringen. Statt dessen erklärte er, daß der diözesane Schuldenberg auf „schlechte Investitionen“
zurückzuführen sei.
Im Februar 2000 – während einer Podiumsdiskussion in Santa Rosa – tadelte Erzbischof
Levada dagegen Gläubige, die eine Strafverfolgung von Bischof Ziemann verlangten.