Freitag, 19. November 2004 10:44
‘Bensberger Kreis’: Altliberale von der Zeit eingeholt
Die Gruppe verstand sich als „Zusammenschluß kritischer Christinnen und Christen“ in Deutschlands Kirche und Gesellschaft und äußerte sich auch entsprechend.
(kreuz.net, Köln) Nach einem Bericht des in Österreich erscheinenden ökumenischen Magazins ‘Kirche in’ befindet sich der linkskatholische ‘Bensberger Kreis’ in Auflösung.

Der ‘Bensberger Kreis’ verstand sich als „Zusammenschluß kritischer Christinnen und Christen“ in der deutschen Kirche und Gesellschaft. Die erste Zusammenkunft erfolgte 1966 als „Freunde von Pax Christi“ in Bensberg bei Köln (daher der Name) aufgrund einer Initiative des Germanisten und Beraters von Hans Küng, Walter Dirks († 1991), sowie des linkskatholischen Publizisten Eugen Kogon († 1987).

Die Ziele des Kreises werden in der Satzung von 1968 wie folgt umrissen: „Der Bensberger Kreis setzt sich mit Fragen auseinander, die für Kirche und Gesellschaft von Belang sind. Er wendet sich mit Analysen und Stellungnahmen an die Öffentlichkeit. Schwerpunkt seiner Arbeit ist, Theorien und Pläne für eine Friedenspolitik, für eine Fortentwicklung der Demokratie und für eine Erneuerung der Strukturen der Kirche zu entwickeln. Der Kreis beansprucht nicht, für die katholische Bevölkerung oder die katholische Kirche Deutschlands zu sprechen. Er beabsichtigt vielmehr, in eigener Verantwortung Konsequenzen aus den Appellen des II. Vatikanischen Konzils zu ziehen.“

Anläßlich der Kampagne der Deutschen Bischofskonferenz zur Schwangerenberatung im Jahre 2000 rügte der Kreis das bischöfliche Werbemotiv, das eine nackte Frau in embryonaler Haltung zeigte, als „sexistisch, frauenfeindlich und voyeuristisch“ sowie „diskriminierend und entwürdigend“.

Der Bensberger Kreis hat sich wiederholt mit Memoranden an die deutsche Öffentlichkeit gewandt, unter anderem mit einer Erklärung zur Reform des Abtreibungs-Paragraphen 218 und im Jahre 1968 mit einem Papier zum deutsch-polnischen Verhältnis, das – nach eigenen Angaben – „den Weg für die spätere Ostpolitik und damit für die deutsche Einheit ebnete“.

Der Grund für das ‘Aus’ des Vereines besteht darin, daß der Kreis, der dem Gedankengut der 60er Jahre verpflichtet war, Mühe bekundete, jüngere Menschen für seine Ideen zu interessieren. Stereotype Forderungen des Bensberger Kreises waren die Interkommunion mit Protestanten, die Demokratisierung der Kirche und die Priesterinnenweihe.
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