Dienstag, 2. August 2005 13:58
Der Erzbischof und die Fluggesellschaft
Letzte Woche wurde ein Erzbischof in Mazedonien als Haßprediger inhaftiert. Dem Bischof wurden – für einen orthodoxen Kleriker eine unvergleichliche Demütigung – sogar die Haupt- und Barthaare rasiert.
Links: Erzbischof Jovan
Links: Erzbischof Jovan
(kreuz.net) Erzbischof Jovan trat am 26. Juli in Skopje eine 18monatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung an.

Der Geistliche ist Exarch – Erzbischof – der Serbisch-Orthodoxen Gemeinschaft in Mazedonien. Er ist Diplomingenieur und trägt den weltlichen Namen Zoran Vraniskovski.

Mazedonien liegt im Zentrum der Balkan-Halbinsel und war das südlichste Teilgebiet des früheren Jugoslawien.

Vergangene Woche war Erzbischof Jovan von einem örtlichen Kreisgericht als angeblicher „Haßprediger“ verurteilt worden.

Der kirchliche Würdenträger wurde eingesperrt und – wie die Belgrader Tageszeitung ‘Kurir’ berichtete – seiner Symbole der „priesterlichen Würde“ beraubt. Sein langes Haar wurde abgeschnitten und sein Bart rasiert.

Dem inhaftierten Erzbischof wurde auch der Wunsch nach einer Bibel und nach seinen Gebetsbüchern verwehrt.

Jovan war Bischof der mazedonisch-orthodoxen Kirche, wurde aber von dieser im September 2002 in den Laienstand versetzt.

Grund waren nationale Streitigkeiten zwischen Serben und Mazedoniern.

Die Serben hatten den mazedonischen Klerus aufgefordert, sich der serbischen Kirche anzuschließen.

Jovan folgte dem Aufruf.

Daraufhin wurde er von der serbischen Kirche zum serbisch-orthodoxen Exarchen von Ohrid ernannt. Ohrid ist eine Stadt im Südwesten von Mazedonien.

Jetzt begann die mazedonisch-orthodoxe Gemeinschaft zu fürchten, daß sich auf ihrem Territorium eine weitere orthodoxe Kirche – die serbische – breitmachen würde.

Sie rief darum die anderen orthodoxen Kirchen der Welt auf, den Beschluß der serbisch-orthodoxen Kirche, sich in Mazedonien breit zu machen, nicht anzuerkennen.

Man schritt auch zu rechtlichen Mitteln.

Die mazedonische Kirche warf dem Erzbischof vor, Material religiösen Inhalts vertrieben zu haben, das die mazedonisch-orthodoxe Kirche verleumdet, sowie die religiösen Gefühle der Gläubigen verletzt zu haben.

Die Kläger bekamen Recht. Die Berufung des Bischofs wurde abgelehnt.

Mons. Jovan erklärte vor seinem Strafantritt: „Es ist nun auch für in Kirchenangelegenheiten nicht Bewanderte klar, wie sehr dieser Fall politisch gefärbt ist.“

Der Streit zwischen dem serbischen und dem mazedonischen Patriarchat sei inzwischen auch auf die Behörden übergegangen.

Tatsächlich hat der Fall politische Konsequenzen.

Der außenpolitische Berater des serbischen Premierministers Vojislav Kostunica forderte die sofortige Freilassung des Erzbischofs.

Der serbische Kommunikationsminister kündigte sogar an, ein Abkommen über die Abschreibung der Schulden der mazedonischen Fluggesellschaft platzen zu lassen, wenn der Bischof nicht begnadigt werde.

Einige serbische Boulevardblätter forderten am Wochenende: „Wach auf Serbien“ und „Befreit den Bischof“.

Dagegen hielt sich der serbische Außenminister Vuk Draskovic zurück. Er sehe keine Streitigkeiten mit Mazedonien:

„Ich glaube an Gott. Aber ich akzeptiere es nicht, daß sich die Kirche in staatliche Angelegenheiten einmischt oder der Staat in kirchliche.“

„Sollen sich die Popen zusammensetzen und ihre Probleme lösen, wenn sie es können, und wenn sie es nicht können, dann sind sie selber schuld.“
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