Montag, 22. November 2004 08:23
Die jüngsten Bemühungen des Vatikan haben Dr. Dawin und den Urknall erreicht. Sind Urknall-Theorie und Darwins Vorstellungen von der Entstehung der Arten mit dem katholischen Glauben vereinbar?

(kreuz.net, Vatikan) Die Internationale Theologenkommission, deren Mitglieder vom Papst ernannt werden,
ist nach italienischen Presseberichten zum Schluß gekommen, daß die Urknall- und Evolutionstheorie dem
katholischen Glauben nicht widersprächen.
Diese Schlußfolgerung ist in einem Arbeitsdokument enthalten,
das die Zeitschrift ‘La Civiltà Cattolica’ in ihrer neuesten Ausgabe publizierte. ‘La Civiltà Cattolica’
erscheint in Rom unter der Federführung der Jesuiten. Die Zeitschrift steht im Ruf, ein inoffizielles
Publikationsorgan des Heiligen Stuhles zu sein. Angeblich werden ihre Druckfahnen vor der Veröffentlichung
im Staatssekretariat, dem vatikanischen „Büro des Ministerpräsidenten“, kontrolliert.
Das jüngste
Dokument der Theologenkommission trägt den Titel „Gemeinschaft und Dienst“. Es wurde vor der Veröffentlichung
vom Präsidenten der Theologenkommission, Joseph Kardinal Ratzinger, geprüft und für gut befunden.
Das Papier vertritt die Auffassung, daß die Urknall-Theorie nicht der Annahme widerspreche, daß die
Materie auch vor dem großen Knall als „Schöpfung Gottes“ existiert habe. Es sei wissenschaftlich nicht
unzulässig einen vor dem Urknall liegenden Uranfang anzunehmen.
Das Dokument geht nicht auf die Frage
ein, wie dieser „Anfang vor dem Anfang“ zu denken ist.
Der Urknall könne als instrumentale Wirkursache
verstanden werden, durch die Gott die Bedingungen verwirklicht habe, die für die Entstehung und den Bestand
lebensfähiger Organismen notwendig waren.
Auch die Evolutionstheorie scheint die Theologen nicht mehr
aufzuscheuchen. Die Entwicklung der Arten widerspreche der Existenz eines biblischen Schöpfers nicht.
Der Selektionsprozeß sei nur möglich, weil er von Gott begonnen wurde, meint der Text. Die Entstehung
des Menschen aus dem Tier setze einen ontologischen Sprung voraus, der letztlich wiederum auf Gott den
Schöpfer zurückgeführt werden müsse. Gott handle indirekt über Kausalketten, die seit Beginn der
Welt am Werk seien.
Im Dokument unterstreichen die Autoren ferner die katholische Ablehnung der Reagenzglasproduktion
von Menschen und der Zwillingsproduktion durch sogenanntes ‘Klonen’. Dagegen könne die Gen-Therapie im
Falle des Mongolismus eine echte Hilfe sein.