Donnerstag, 25. November 2004 19:43
Die Bischofskonferenz der USA hat den Bischof von Erie (Pennsylvania) zum neuen Präsidenten der Liturgiekommission gewählt. Für einige ist das eine Überraschung.

(kreuz.net, Washington) Die Wahl des Bischofs von Erie, Dr. Donald Trautman (68), zum Präsidenten der
Liturgiekommission der US-amerikanischen Bischofskonferenz wird von Beobachtern als Überraschung gewertet.
Bischof Trautman wurde in der Vergangenheit bekannt, als er die geschlechtsneutrale Sprache in liturgischen
Übersetzungen gegen die Widerstände der vatikanischen Stellen verteidigte. Das trug ihm in den USA auch
den Übernamen „Trautperson“ ein.
Das Hauptziel einer geschlechtsneutralen englischen Sprache besteht
darin, das englische Wort „man“, das „Mensch“ oder „Mann“ bedeuten kann, mit geschlechtsneutralen Begriffen
zu ersetzen.
Die Wahl von Bischof Trautman ist ein Zeichen dafür, daß die große Mehrheit der US-amerikanischen
Bischöfe nicht bereit ist, in entscheidenden Kirchenangelegenheiten der konservativen Minderheit zu folgen.
Bischof Trautman besiegte in der Wahl den Erzbischof von Philadelphia, Justin Kardinal Rigali (69). Kardinal
Rigali, der den größten Teil seiner kirchlichen Laufbahn in Rom verbracht hatte, wurde von der jetzt
unterlegenen Gruppe von Bischöfen unterstützt, die der Auffassung sind, daß der Sakralität der Kirchensprache
eine größere Bedeutung beigemessen werden müsse und daß die liturgischen Text möglichst wortgetreu
aus dem Lateinischen übersetzt werden sollen.
Der Sieg von Bischof Trautman gilt als klare Niederlage
der Vatikanischen Ritenkongregation. Kardinal Rigali ist ein führender Vertreter jener Gruppe von amerikanischen
Bischöfen, die auf einer wörtlichen Übersetzung des lateinischen Originaltextes der hl. Messe bestehen
und vor einigen Jahren die Unterstützung des Vatikans erfuhren.
Die Wahl von Bischof Trautman ist von
großer Bedeutung, weil gegenwärtig an einer Neuausgabe der englischsprachigen Liturgischen Bücher gearbeitet
wird. Bischof Trautman erklärte, daß er die Vatikanischen Dokumente, die Treue zum lateinischen Originaltext
fordern, befolgen müsse. Es gebe nichtsdestotrotz Raum für Interpretationen.