Heilige Schrift
Katholische Bischöfe warnen davor, die Bibel wörtlich zu nehmen
Am Mittwoch veröffentlichte die britische Tageszeitung ‘Times’ einen Bericht unter dem Titel: „Die Katholische Kirche schwört nicht mehr auf die Wahrheit der Bibel“.
(kreuz.net) Das Blatt bezieht sich auf ein jüngst erschienenes Dokument der Bischöfe von England, Wales und Schottland. Dieses 60seitige Schreiben trägt den Titel ‘Das Geschenk der Heiligen Schrift’.

Es wurde vor drei Wochen in Rom präsentiert.

Nach einem Bericht des britischen Nachrichtendienstes ‘Ekklesia’ soll es auch dem Papst selbst zur Ansicht vorgelegt worden sein.

Das Vorwort des Dokumentes stammt vom Erzbischof von Westminster, Cormac Kardinal Murphy-O’Connor, sowie vom Erzbischof von Edinburgh, Keith Kardinal O’Brien.

Im Schreiben selber erklären die britischen Bischöfe, daß einige Teile der Bibel nicht „wirklich wahr“ seien.

Die Oberhirten warnen ihre fünf Millionen Schäfchen – und jeden, der sich dem Studium der Heiligen Schrift widmet – davor, sich einzubilden, daß die Bibel absolut fehlerfrei sei:

„Wir sollten nicht erwarten, in der Heiligen Schrift wissenschaftliche Genauigkeit oder historische Präzision zu finden.“

Das Evangelium müsse – so die Bischöfe – gemäß der sich verändernden Zeiten interpretiert werden.

In Fragen der Erlösung des Menschengeschlechtes sei die Heilige Schrift wahr: Aber „wir dürfen uns keine Fehlerfreiheit der Bibel in anderen, weltlichen Belangen erwarten.“

Die Bischöfe erklären explizit, daß die ersten 11 Kapitel der Genesis – in denen die Erschaffung der Welt, die Ursünde, die Sintflut und der Turmbau zu Babel berichtet werden – keinesfalls historisch sind.

Die Genesis ist das erste Buch des Pentateuch – das erste der fünf Bücher des Moses.

Am Anfang des Pentateuchs könnten höchstens „historische Spuren“ enthalten sein, meinen die britischen Bischöfe. Der wörtliche Schriftsinn dürfe in den ersten drei Kapiteln keine Anwendung finden.

Die Bischöfe vergleichen den Schöpfungsbericht der Genesis mit altertümlichen Schöpfungsmythen aus anderen Kulturen.

Es sei klar, daß es im Text um eine religiöse Unterweisung gehe. Keinesfalls könnte der biblische Schöpfungsbericht aber als historische Schrift bezeichnet werden.

Die Tageszeitung ‘The Times’ kommentiert, daß das Dokument zeige, wie weit sich die katholische Kirche seit dem 17. Jahrhundert entwickelt habe. Die Zeitung verweist auch auf die berühmten Lehrentscheidungen von Papst Pius X. († 1914) am Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Hl. Pius X. bestätigte 1909 den historischen Charakter der ersten Kapitel der Genesis.

Der Papst erklärt, daß jene exegetischen und scheinwissenschaftlichen Arbeiten jeder Grundlage entbehrten, die man sich ausgedacht habe, um den wörtlichen, historischen Schriftsinn der ersten drei Kapitel der Genesis in Zweifel zu ziehen.

Pius X. erklärte weiter Ansichten für falsch, die behaupten, daß die ersten drei Kapitel der Genesis keine wirklich geschehenen Dinge berichteten, die der objektiven Realität und der historischen Wahrheit entsprechen.

Man darf – so der heilige Papst – nicht sagen, daß der Beginn der Genesis sagenhafter Natur sei und aus den Mythologien und Kosmogonien der alten Völker entnommen sei, um religiöse und philosophische Wahrheiten einzuschärfen.