10:24:15 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
Heilige Schrift
Katholische Bischöfe warnen davor, die Bibel wörtlich zu nehmen
Am Mittwoch veröffentlichte die britische Tageszeitung ‘Times’ einen Bericht unter dem Titel: „Die Katholische Kirche schwört nicht mehr auf die Wahrheit der Bibel“.
(kreuz.net) Das Blatt bezieht sich auf ein jüngst erschienenes Dokument der Bischöfe von England, Wales
und Schottland. Dieses 60seitige Schreiben trägt den Titel ‘Das Geschenk der Heiligen Schrift’.
Es wurde
vor drei Wochen in Rom präsentiert.
Nach einem Bericht des britischen Nachrichtendienstes ‘Ekklesia’
soll es auch dem Papst selbst zur Ansicht vorgelegt worden sein.
Das Vorwort des Dokumentes stammt vom
Erzbischof von Westminster, Cormac Kardinal Murphy-O’Connor, sowie vom Erzbischof von Edinburgh, Keith
Kardinal O’Brien.
Im Schreiben selber erklären die britischen Bischöfe, daß einige Teile der Bibel
nicht „wirklich wahr“ seien.
Die Oberhirten warnen ihre fünf Millionen Schäfchen – und jeden, der sich
dem Studium der Heiligen Schrift widmet – davor, sich einzubilden, daß die Bibel absolut fehlerfrei sei:
„Wir sollten nicht erwarten, in der Heiligen Schrift wissenschaftliche Genauigkeit oder historische Präzision
zu finden.“
Das Evangelium müsse – so die Bischöfe – gemäß der sich verändernden Zeiten interpretiert
werden.
In Fragen der Erlösung des Menschengeschlechtes sei die Heilige Schrift wahr: Aber „wir dürfen
uns keine Fehlerfreiheit der Bibel in anderen, weltlichen Belangen erwarten.“
Die Bischöfe erklären
explizit, daß die ersten 11 Kapitel der Genesis – in denen die Erschaffung der Welt, die Ursünde, die
Sintflut und der Turmbau zu Babel berichtet werden – keinesfalls historisch sind.
Die Genesis ist das
erste Buch des Pentateuch – das erste der fünf Bücher des Moses.
Am Anfang des Pentateuchs könnten
höchstens „historische Spuren“ enthalten sein, meinen die britischen Bischöfe. Der wörtliche Schriftsinn
dürfe in den ersten drei Kapiteln keine Anwendung finden.
Die Bischöfe vergleichen den Schöpfungsbericht
der Genesis mit altertümlichen Schöpfungsmythen aus anderen Kulturen.
Es sei klar, daß es im Text
um eine religiöse Unterweisung gehe. Keinesfalls könnte der biblische Schöpfungsbericht aber als historische
Schrift bezeichnet werden.
Die Tageszeitung ‘The Times’ kommentiert, daß das Dokument zeige, wie weit
sich die katholische Kirche seit dem 17. Jahrhundert entwickelt habe. Die Zeitung verweist auch auf die
berühmten Lehrentscheidungen von Papst Pius X. († 1914) am Beginn des 20. Jahrhunderts.
Der Hl. Pius
X. bestätigte 1909 den historischen Charakter der ersten Kapitel der Genesis.
Der Papst erklärt, daß
jene exegetischen und scheinwissenschaftlichen Arbeiten jeder Grundlage entbehrten, die man sich ausgedacht
habe, um den wörtlichen, historischen Schriftsinn der ersten drei Kapitel der Genesis in Zweifel zu ziehen.
Pius X. erklärte weiter Ansichten für falsch, die behaupten, daß die ersten drei Kapitel der Genesis
keine wirklich geschehenen Dinge berichteten, die der objektiven Realität und der historischen Wahrheit
entsprechen.
Man darf – so der heilige Papst – nicht sagen, daß der Beginn der Genesis sagenhafter Natur
sei und aus den Mythologien und Kosmogonien der alten Völker entnommen sei, um religiöse und philosophische
Wahrheiten einzuschärfen.