Montag, 3. Oktober 2005 12:16
Eine fromme Einschätzung der deutschen ‘Linkspartei’ gab der Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach am Samstag vor den Bundestagswahlen. Er sparte auch nicht mit C-Kritik.

(kreuz.net) Pater Hengsbach sprach mit der linkslastigen ‘Tageszeitung’.
Er denke mit Schrecken daran,
daß die CDU die Bundestagswahlen gewinnen könnte, bejaht Pater Hengsbach die Frage, die ihm von der
interviewenden Journalistin in den Mund gelegt wird.
Pater Friedhelm Hengsbach (68) ist seit 1985 Professor
für Christliche Sozialwissenschaft/Wirtschafts- und Gesellschaftslehre an der Jesuitenuniversität St.
Georgen in Frankfurt.
Wenn man sich die Wahlprogramme und die handelnden Personen bei CDU und FDP anschaue,
müsse man sagen, daß sie sich weit von dem entfernt hätten, was die Kirchen 1997 als einen ganz zentralen
Maßstab für eine soziale Marktwirtschaft angesehen hätten: den sozialen Ausgleich.
Mit der Union erwarte
die Deutschen eine Verschärfung dessen, was schon unter Bundeskanzler Gerhard Schröder begonnen habe:
„die Deformation des Sozialstaats und die Entsolidarisierung“.
Aber das soziale Sicherungssystem, wendet
die ‘Tageszeitung’ ein, sei wegen der Arbeitslosigkeit und der mangelnden Kinder – die Journalisten spricht
verschleiernd von „demographischer Entwicklung“ – in einer Krise.
Das sei kein Wunder – entgegnet der
Jesuit – da die Sicherungssysteme an die Erwerbsarbeit gekoppelt seien.
Man müsse stattdessen die Wertschöpfung
zur Grundlage der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme machen. Das bedeute, daß alle Einkommen
zu berücksichtigen seien: „SPD und Grüne nennen das Bürgerversicherung.“
Das heißt, Rot-Grün ist
wieder auf dem richtigen Weg? – frägt die ‘Tageszeitung’ nach.
Die SPD habe im Wahlprogramm eine leichte
Korrektur angedeutet. Doch die Grünen betonten das noch stärker: „Man könnte fast glauben, sie sind
konvertiert.“
Ob er das wirklich glaube?
„Das kann ich nur zum Teil“, antwortet Pater Hengsbach: „Immerhin
haben die beiden Parteien sieben Jahre lang regiert. Aber was immer jetzt kommt, es gibt Grenzen einer
Demontage des Sozialstaats.“
Mit CDU und FPD würde es auf jeden Fall noch dicker kommen.
Der bisherige
Sozialabbau der SPD sei nur mit einem Parlament möglich gewesen, in dem das untere Drittel der Bevölkerung
nicht repräsentiert gewesen sei.
Doch Widerstandspotenziale würden nach den nächsten Wahlen wieder
im Parlament vertreten sein.
„Das heißt, Ihre Hoffnung ruht auf der Linkspartei“ – folgert die Journalistin.
„Ich halte die Linkspartei für einen Segen, weil sie Schröders Agenda-Politik an Grenzen stoßen läßt.“
Doch Kritiker würden die Sozialpolitik der Linkspartei für gestrig und realitätsfern halten, wendet
die ‘Tageszeitung’ ein.
„Die soziale Marktwirtschaft ist keine Sache von gestern“, antwortet Pater Hengsbach:
Bei der CDU habe er alle Hoffnung verloren. In ihrem Wahlprogramm gebe es nichts mehr, was der christlichen
Soziallehre entspreche.
„Die Personen, die in der Union für den sozialen Ausgleich standen, sind an
den Rand gedrängt: Seehofer, Blüm und Geißler. Natürlich sind sie auch vom Alter her überholt, aber
es ist eben auch nichts nachgewachsen.“
Für die Neuen sei Solidarität nachrangig. Sie setzten auf die
Eigeninitiative des bürgerlichen, finanziell abgesicherten Teils der Bevölkerung, aus dem sie selber
stammten.
Gegenüber Merkel, Kirchhof und Merz hätten sie kein Gewicht.
Das könne man im Wahlprogramm
sehen.