Orden
Die große Stille
Ein neuer Film steht an: Über 160 Minuten lang fast absolute Stille. Wie kann das im Kino funktionieren? Und was hat der Streifen mit dem heutigen Tag zu tun?
(kreuz.net) Vor vier Jahren erhielt der Filmemacher Philip Gröning (46) die Erlaubnis, in der Grand Chartreuse Aufnahmen zu machen. Er hatte das Bedürfnis, einen Film herzustellen, der die „fast archaischen Wurzeln unserer Kultur“ reflektiert.

Die Grand Chartreuse ist das Mutterkloster des Kartäuserordens. Sie befindet sich in den französischen Alpen in der Nähe von Grenoble. Die Kartäuser sind Eremiten und gelten als der strengste Orden der Katholischen Kirche.

Der Gründer der Kartäuser ist der heilige Bruno von Köln. Seinen Gedenktag feiert die Kirche heute.

Der von Gröning geschaffene Film versucht, für 150 Minuten im Kopf des Zuschauers das Innere des Klosters zu erschaffen.

Eine Reise in die Stille.

Gröning hatte die Möglichkeit, vier Monate lang innerhalb des Klosters zu drehen und lebte während dieser Zeit wie ein Mönch in einer der Zellen:

„Ich teilte den Alltag im Kloster und ging, wie die anderen Mönche auch, meiner Arbeit nach – in meinem Fall dem Filmemachen“, berichtet der Filmemacher auf der Homepage des Filmes.

Die Grande Chartreuse erteilte keine Auflagen, außer dieser: Kein künstliches Licht, keine zusätzliche Musik, keine Kommentare.

Kein zusätzliches Team, nur Gröning.

Die einzigen Elemente der Sprache im Film sind Texttafeln. Ansonsten sieht man nur kurze, untertitelte Momente, in denen die Mönche miteinander sprechen, zum Beispiel während ihres wöchentlichen Kapitels oder Spazierganges.

In der langen Kinofassung des Films sind insgesamt zwölf Texttafeln zu sehen.

Die Texte auf den Tafeln werden im Film wiederholt gezeigt: so wie im Leben eines Mönches identische Gebete und Psalme immer wiederkehren.

Sein ganzes Leben lang.

Die Wiederholung der Texttafeln ist eine Methode, um dem Leben im Kloster näher zu kommen: Kontemplation als der immer neue Blick auf das ewig Gleiche.

Die Bedeutung eines Gebetes ändert sich für die Mönche im Laufe des Lebens – sie wird tiefer, ebbt ab und wächst wieder.

Die Texttafeln werden beim Zuschauer ein ähnliches Gefühl auslösen:

Einsicht durch Wiederholung.

Die Kinopremiere des Films ist am 10. November.