Dienstag, 18. Oktober 2005 09:36
War die Hindu-Kultfeier in Fatima ein Mißverständnis?
Der Rektor der Wallfahrtskirche von Fatima bezeichnete die Zeremonie eines Hindu-Kultdieners am Altar der Erscheinungskapelle als Mißverständnis. Der Kirchenordner habe den Inder für einen katholischen Priester gehalten.
Ein Hindu-Priester rezitiert ein Friedensgebet am Altar der Erscheinungskapelle von Fatima.
Ein Hindu-Priester rezitiert ein Friedensgebet am Altar der Erscheinungskapelle von Fatima.
(kreuz.net, Fatima) In einem offenbar kürzlich verfaßten Privatbrief äußerte sich Mons. Luciano Guerra, der Rektor der Wallfahrtskirche von Fatima, zu einer Hindu-Kulthandlung, die am 19. April letzten Jahres in der Erscheinungskapelle des Marienwallfahrtsortes stattfand.

Der Anlaß wurde von einem Fernsehteam gefilmt.

Der portugiesisch abgefaßte Brief ist offenbar an einen Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. gerichtet.

Der als liberal bekannte Mons. Guerra äußerte sich zum Hindu-Kultdienst am Rande eines Schreibens über angebliche Störaktionen während der August-Wallfahrt der Lefèbvristen.

Der Hindu-Kultdiener habe im April zum Altar hintreten können, weil ihn die diensthabende Aufsichtsperson wegen seines Kleides für einen katholischen Priester gehalten habe.

Mitglieder des ähnlich gekleideten katholischen Klerus würden gewöhnlich in den Chor der Kirche eingelassen, schreibt Mons. Guerra.

Die Hindu-Gruppe wurde – nach Aussagen von Mons. Guerra – von einem Priester des Heiligtums begleitet.

Er selber sei nicht daran interessiert gewesen, die Gruppe zu begleiten, weil es sich um einen privaten Besuch gehandelt habe.

Der anwesende Priester sei nur wegen der Anwesenheit des Kamerateams zur privaten Gruppe gesandt worden.

Der Bischof von Laira Fatima empfängt den Hindu-Priester
Der Bischof von Laira Fatima empfängt den Hindu-Priester
Trotz des angeblich privaten Charakters des Besuches, wurden die Hinduisten nachher in privaten Räumlichkeiten des Heiligtums nicht nur vom Rektor der Kirche, sondern auch vom Diözesanbischof von Leiria-Fatima empfangen.

Es ist unklar, ob sich der Bischof zufällig im Wallfahrtsort aufhielt oder eigens für die Begegnung mit der privaten Hindu-Gruppe eintraf.

Der Bischof von Laira Fatima wird mit einem hinduistischen Kult-Umhang bekleidet
Der Bischof von Laira Fatima wird mit einem hinduistischen Kult-Umhang bekleidet
Bei dieser Gelegenheit kleidete der hinduistische Kultdiener sowohl den Kirchenrektor als auch den Diözesanbischof in offenbar vorbereitete breite hinduistische Kult-Umhänge.

„Ich verstand das als eine Geste der Freundschaft, die – wie alles andere – nicht geplant war“, erklärt Mons. Guerra dazu und fragt weiter:

„War es nötig, daraus ein sakrilegisches Drama zu machen?“

"Geste der Freundschaft"
„Geste der Freundschaft“
Zugleich stellt der Kirchenrektor fest, daß sich „die Umstände“ geändert hätten:

„Darum wird es nötig sein, bei solchen Dingen in Zukunft mehr aufzupassen.“

In seinem Schreiben gibt der Kirchenrektor zu, daß die private Hindugruppe vor dem Besuch des Heiligtums offizielle Kontakte mit der Wallfahrtsleitung aufnahm, „wenn auch nur in einer sehr vagen Weise“.

Die Hindus seien sehr höflich gewesen und hätten sich als Freunde benommen: „Wenn das der Fall ist, war ihr Gebet dann die Frucht des Hasses gegen unseren Gott?“ – schreibt Mons. Guerra.

Im Juni 2004 hatte der Kirchenrektor von Fatima eine, wie es scheint, abweichende Erklärung für die hinduistischen Rituale in der Erscheinungskapelle gegeben.

Das angebliche Mißverständnis einer Aufsichtsperson wurde im September auch vom Vatikan als Grund angegeben, warum der protestantische Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé bei der Beerdigungsmesse für Papst Johannes Paul II. die heilige Kommunion erhielt.
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