Dienstag, 18. Oktober 2005 13:43
Ein Blick in die Regale durchschnittlicher Buchhandlungen ist oft sehr lehrreich: insbesondere die Schriften, die in den Bereichen Religion, Spiritualität/Mystik/Esoterik und Lebenshilfe angeboten werden. Von Pater Bernward Deneke FSSP.

(kreuz.net) Diese Schriften beleuchten nicht nur die vorherrschende Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit.
Sie verraten auch etwas über manche echten Bedürfnisse des vielbeschworenen „Menschen von heute“.
Immer
wieder stößt man auf Titel, in denen das reichlich archaisch anmutende Wort „Ritual“ vorkommt.
Aus
der Unterwelt der Hexen und Schamanen hat es längst seinen Siegeszug in die Regionen einer fernöstlich,
tiefenpsychologisch oder sonstwie angehauchten Spiritualität angetreten.
Deren Vertreter werden nicht
müde, uns „Rituale als Quellen der Kraft“, „Rituale des Alltags“, „Heilende Rituale“, „Rituale für die
Seele“, ja sogar „Rituale für kooperatives Lernen in der Grundschule“ anzupreisen.
Merkwürdig nur,
daß ausgerechnet dort, wo die kultische Handlung für uns Christen ihren ureigenen Ort hat – im Gottesdienst
der Kirche – das Verständnis für den Sinn heiliger Riten und ihre Symbole weithin geschwunden, wenn
nicht gar verschwunden ist.
Vielleicht existiert ein Zusammenhang zwischen der Entsakralisierung der
Heiligtümer und der Entritualisierung der Liturgie auf der einen – und der Pseudo-Ritualisierung im profanen
und privaten Bereich auf der anderen Seite?
Die Erkenntnis drängt sich förmlich auf und läßt sich
nur schwer abweisen.
Offensichtlich gehört das Kultische eben doch zu unserer religiösen Natur, und
wo dem Menschen die wahrhaft heiligen Riten fehlen, da schafft er sich seine eigene, künstliche Sakralität.
Diese aber bleibt immer ein Surrogat und vermag nicht wirklich zu nähren.
So besteht das dringende
Bedürfnis, den weithin entwurzelten Christen der Gegenwart jene Reichtümer zu erschließen, die sich
in einer 2000jährigen, ja noch weitaus älteren Kultur der Gottesverehrung angesammelt und verdichtet
haben.
Auch wer die Verbundenheit mit der großen liturgischen Tradition der Kirche nie verloren hat,
darf sich nicht als von der Aufgabe dispensiert betrachten, die Kenntnis und den inneren Mitvollzug des
christlichen Gottesdienstes immer wieder zu erneuern und zu vertiefen.
Solchen Zielen ist ein neues Buch
von Pater Martin Ramm verpflichtet, das eine beschreibende und erklärende Hinführung zur Heiligen Messe –
dem zentralen Ritus unseres Glaubens – bietet.
Pater Ramm ist gegenwärtig in Thalwil/Zürich.
Sein
Buch ist aus der täglichen Zelebration, dem Betrachten und Studieren der Liturgie, ungezählten Vorträgen
und einer Artikelserie, die im Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus veröffentlicht wurde,
hervorgewachsen.
Zwar lernt man im Katechismusunterricht, der diesen Namen verdient, durchaus noch, daß
in der Heiligen Messe das Erlösungsopfer Jesu Christi vergegenwärtigt und von der Kirche durch den geweihten
Priester Gott dargebracht wird, sowie daß der menschgewordene Gott unter den eucharistischen Gestalten
wirklich gegenwärtig ist und sich den kommunizierenden Gläubigen schenkt.
Welchen Inhalt und welche
Bedeutung aber die einzelnen Bestandteile des Meßritus, die Gebete und Handlungen, haben, darüber blieb
und bleibt der Religionsunterricht allzu oft die erhoffte Auskunft schuldig.
Die Folgen dieses Mangels
sind uns bestens bekannt:
Unverständnis führt zur Entfremdung, Entfremdung zur Gleichgültigkeit, und
genau hier setzt die Faszination für Rituale ganz anderer Herkunft an.
Pater Ramm beschränkt sich nicht
auf eine theologische und geistliche Erklärung des klassischen römischen Ritus vom Stufengebet bis zum
Schlußevangelium.
Er holt weiter aus, indem er zuerst die Frage nach dem Sinn heiliger Riten im allgemeinen
stellt und traditionelle Elemente der Liturgie – Ausrichtung nach Osten, lateinische Kultsprache, priesterliche
Gewänder – behandelt.
Der Leser wird solche grundsätzlichen Ausführungen zu schätzen wissen, weil
gerade in diesem Bereich weithin Unkenntnis und Unsicherheit herrschen.
Hervorzuheben ist die gelungene
Bebilderung des Buches.
Sie dient nicht nur einer gewissen Auflockerung, sondern mehr noch dem Verständnis
des Inhaltes.
Durch die gut ausgewählten Photographien kann auch denjenigen ein Eindruck von der Heiligen
Messe im traditionellen römischen Ritus vermittelt werden, die ihr bisher noch nie oder nur sehr selten
beigewohnt haben.
Die detaillierten Ausführungen über die Teile der Heiligen Messe werden durch eingerahmte
Übersichtstafeln, eine Literaturliste – die auch jüngste Veröffentlichungen einbezieht – sowie eine
kurze Darstellung der Priesterbruderschaft St. Petrus ergänzt.
Vielleicht kann die Verbreitung dieses
160seitigen Buches ‘Zum Altare Gottes will ich treten’ einem dringenden Bedürfnis unserer Tage entgegenkommen
und zu einer neuen Begeisterung für die Heilige Messe, zugleich zur Überwindung kultisch-ritualistischer
Irrwege der Gegenwart beitragen.
In den Regalen der durchschnittlichen Buchhandlungen wird man es wohl
leider nicht antreffen.
Aber es kann bestellt werden beim Priesterseminar St. Petrus, Kirchstr. 16, 88145
Opfenbach.
Nehmt und lest!
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