Mittwoch, 19. Oktober 2005 14:04
Wie führt man die Euthanasie ein?
Die staatliche Legalisierung der Tötung lebensunwürdiger Menschen ist problemlos zu erreichen, wenn der Sozial- und Gesundheitspolitiker die folgenden fünf Anweisungen beachtet.
(kreuz.net) Die Zeit ist reif, um die von den Nationalsozialisten entwickelten Euthanasieprogramme in einer gereinigten und zeitgemäßen Form in die Tat umzusetzen.

Es ist schon lange erwiesen, daß geistig Weggetretene und Schwerstbehinderte nicht nur wirtschaftlich nutzlos sind, sondern eine schwere Last für unsere Sozialsysteme darstellen.

Außerdem leiden diese Leute natürlich furchtbar, was alleine schon ein Grund wäre, sie alle umzubringen.

Es ist ja so, daß die meisten dieser Menschen selber sterben wollen. Darum ist es unsere heilige Pflicht, ihnen ihren freudigen Wunsch nach Selbstmord zu erfüllen.

Natürlich sind viele, vor allem einfache Menschen aus dem Volk noch in alten christlichen Tabus gefangen.

Darum muß die Hilflosentötung mit Behutsamkeit eingeführt werden.

Es soll ja niemand unnötigerweise aus seinem demokratischen Schlaf geweckt werden.

Um eine reibungslose Legalisierung der Euthanasieprogramme zu garantieren, sind darum folgende fünf Schritte zu beachten:

1. Um das Thema erst einmal ins Gespräch zu bringen, ist zunächst ein Skandal zu produzieren.

Man kann dazu einen Euthanasie-Ideologen und Patientenmetzger aus einem Staat einfliegen, wo die Hilflosentötung legal ist.

Dieser Provokateur hat die Aufgabe, die Notwendigkeit der Hilflosentötung in einigen möglichst unqualifizierten und plakativen Interviews ins Land hinauszuposaunen.

Dadurch wird das Tabu der Krankentötung über Nacht zu einem aktuellen Thema, von dem alle reden.

2. Ziel dieser Schockbehandlung ist, eine öffentliche Empörung über die Hilflosentötung zu erzeugen.

Es gehört schließlich zum guten Ton, daß sich jedermann von einem so abscheulichen Vorschlag angewidert abwendet. Denn soviel natürliches gesellschaftliches Moralempfinden existiert trotz allem noch.

Die allgemeine Empörung besitzt einen reinigenden Effekt.

Sie gibt dem Bürger den Eindruck, seine Pflicht getan und den vorgeschlagenen Angriff auf die menschlichen Grundwerte angemessen abgewehrt zu haben.

Nach einigen, wenigen Tagen wird die Welle der Empörung wieder abschwellen.

3. Jetzt ist die Stunde gekommen nachzuhaken. Dazu soll ein Politiker – möglichst aus einem Lager, von dem man es am wenigsten erwarten würde – den Vorschlag zur Hilflosentötung noch einmal aufs Tapet bringen.

Natürlich mit vielen Wenn und Aber und mit mehr Nuancen als am Anfang.

Am besten ist, wenn der unverdächtigte Politiker den ursprünglichen Vorschlag angreift und sich von ihm distanziert, – aber in der Sache das gleiche fordert.

Eine zweite Empörungswelle wird es nicht mehr geben, denn das Publikum hat sich in der Zwischenzeit an das Thema gewöhnt und das dazugehörige Wort „Euthanasie“ – „guter Tod“ – gelernt.

Damit ist dem Thema der Empörungseffekt genommen, umso mehr als sich darüber von Amtes wegen eher das christlich-konservative Lager zu entsetzen hat.

Doch deren Vertreter sind dafür bekannt, einen kurzen Atem und ein kurzes Gedächtnis zu besitzen sowie keine tiefwurzelnden Überzeugungen zu vertreten.

4. Darum wird die Empörung nach dem zweiten Vorstoß sehr schnell in eine Diskussion überzugehen.

Damit ist die Schlacht um die Hilflosentötung bereits gewonnen und das Ziel erreicht.

Denn sobald die Diskussion zugelassen ist und man darüber nachdenkt, „wie es wäre wenn“, ist das oben erwähnte christliche Tabu gebrochen.

Die Dynamik der Diskussion wird jetzt dazu führen, daß zwei Gruppen entstehen.

Wie bei jeder öffentlichen Diskussion wird es Stimmen für und Stimmen gegen die Hilflosentötung geben.

Mit Hilfe weniger Medien wird es ein leichtes sein, die Gegner der Euthanasie als eine fundamentalistische, ewiggestrige, radikale, nationalsozialistische und gewaltbereite Randerscheinung hinzustellen.

Da die Gegner der Hilflosentötung keine öffentlichen Sprachrohre besitzen, werden sie dagegen machtlos sein.

Würden sie dagegen die öffentlichen Sprachrohre besitzen, täten sie dagegen nichts, weil sie feige und zu bequem sind, um für ihre Überzeugungen zu kämpfen.

5. Schon bald wird eine gut gesteuerte Diskussion allen klar gemacht haben, daß die nationalsozialistischen Euthanasieprogramme ein Gebot der Stunde und das Zeichen einer offenen Gesellschaft sind.

Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die nächste christdemokratische Regierung ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

Der extremistische Spinner, der die Diskussion auslöste, wird schließlich Gesundheitsminister werden oder den Nobelpreis für Medizin erhalten.

Diese Fünf-Punkte-Methode eignet sich im übrigen auch für die Einführung jedes anderen Gesetzes, das dem gesunden menschlichen Moralempfinden widerspricht.
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