Mittwoch, 19. Oktober 2005 17:29
Der Glaubensschwund unter Geistlichen und Gläubigen macht sich immer deutlicher in den Kirchenkassen bemerkbar. Darum führt man jetzt in Deutschland ein „Besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ ein.

(kreuz.net) Die katholische Kirche in Niedersachen und Bremen wird mit dem 1. Januar 2006 ein „Besonderes
Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ einführen.
Von der neuen Kirchensteuerregelung sind die norddeutschen
Diözesen Hildesheim, Osnabrück und Bremen betroffen.
In den drei Bistümern leben laut Kirchensteuerpapier
rund 1,5 Millionen Katholiken.
Es handelt sich bei der Neueinführung um eine besondere Art der Kirchensteuer.
Sie betrifft Ehen, in denen nur ein Partner katholisch ist.
Der Standardfall ist jener einer Hausfrau
oder Teilzeitarbeitskraft, die vor dem Steueramt katholisch bleibt, während ihr gut verdienender Ehegatte
aus der Kirche austritt.
Bisher tendieren die Kirchenabgaben in diesem Fall nach null.
Ab 2006 muß
der Ehemann – indirekt – zahlen.
Dabei wird nicht das gesamte Einkommen des konfessionslosen Partners
kirchensteuerpflichtig.
Die Kirche greift lediglich auf das Geld zu, das sich als Zuschuß zum Lebensunterhalt
für den weniger verdienenden Partner interpretieren läßt.
Es handele sich also nicht um eine „Kirchensteuer
für Ausgetretene“, so das Bistum Hildesheim auf seiner Homepage.
Verdienen beide Ehepartner gleich viel,
bleibt die Novelle wirkungslos.
Wer 30.000 Euro jährlich verdient – und damit seine Ehefrau miternährt –,
muß jährlich 96 Euro an die Kirche bezahlen. Ein 100.000 Euro Großverdiener zahlt 840 Euro pro Jahr.
Die neue Regelung helfe der Kirche, ihr „Engagement“ auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aufrecht
zu erhalten, heißt es in einer Pressemeldung des Bistums Hildesheim:
„Die katholische Kirche begleitet
Menschen auf ihrem Lebensweg, stützt sie in schwierigen Lebenslagen und übernimmt Aufgaben der Wohlfahrtspflege.“
Dafür brauche sie eine verläßliche Finanzierung.
Die Kirchensteuereinnahmen gingen immer mehr zurück,
erklärt eine Sprecherin des Bistums Hildesheim. Zugleich stiegen die Kosten: „Wir geraten in Bedrängnis.“
Die Bistümer hoffen auf 3 bis 4 Millionen Zusatzeuro pro Jahr.
Ob die neue Finanzstrategie gelingen
wird, ist noch unklar.
Bislang scheuten die Bistümer den Schritt. Sie fürchteten, daß konfessionslose
Besserverdiener ihre Ehepartner überreden, ebenfalls aus der Kirche auszutreten.
Um dies zu verhindern,
bemühen sich die Bistümer auf einer neu geschaffenen Kirchensteuer-Homepage die seelsorgerischen Leistungen
der Kirche hervorzukehren.
Die Webseite verweist auf die vielen regionalen Kindergärten, Jugendhilfe-
und Seniorenprogramme.
In den protestantisch dominierten Bistümern Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt,
Fulda, Görlitz, Limburg, Magdeburg, Mainz, Hamburg und Trier ist diese Form der Besteuerung bereits seit
einigen Jahren in Kraft.
Der niedersächsische Vorstoß läßt sich dennoch als Testlauf interpretieren.
Denn auch die großen katholischen Bistümer im benachbarten Nordrhein-Westfalen liebäugeln seit längerem
mit dem neuen Modell.