07:56:35 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Viele Kirchen + Patriotischer Bischof vom Vatikan anerkannt + Hoffnung zurückschrauben + Realitätsverlust + Schwer verständlich und spröde
Viele KirchenVatikan. Papst Benedikt XVI. will sich mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Alexeij
II. von Moskau treffen. Das bestätigte der Moskauer Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz (59) am Dienstag
am Rande der Weltbischofssynode. Bisher gebe es aber keine konkreten Vorbereitungen: „Beten wir darum,
daß sich eine solche Begegnung zwischen dem Papst und Alexeij II. bald ergeben kann.“ Dadurch könnte
eine neue Ära in den Beziehungen zwischen „unseren beiden Kirchen“ eingeleitet werden: „Unsere Kirchen
gehören zu den größten Kirchen der Welt und müssen sich neuen Herausforderungen stellen.“ Gemeinsam
werde diese Aufgabe einfacher sein.
Patriotischer Bischof vom Vatikan anerkanntChina. In der Volksrepublik
China wurde ein weiterer Bischof der ‘Patriotischen Vereinigung’ von Rom anerkannt. Dies berichtete der
italienische Nachrichtendienst ‘asia news’ gestern Donnerstag. Die ‘Patriotische Vereinigung’ ist eine
von der kommunistischen Partei gegründete und kontrollierte Staatskirche. Die Weihe von Paul He Zequing
als Weihbischof für das zentralchinesische Bistum Wanxian habe am Mittwoch stattgefunden. Der Vatikan
sei offenbar über diese Weihe informiert worden – es ist aber unklar von wem. Zuletzt hatte China die
Ausreise von vier Prälaten zur Weltbischofssynode in Rom verweigert.
Hoffnung zurückschraubenVatikan.
Der Innsbrucker Bischof, Mons. Manfred Scheuer (50), kann sich eine Änderung bei der Zulassung von Ehebrechern
zur Kommunion vorstellen. Mons. Scheuer nimmt gegenwärtig an der Weltbischofssynode teil. Der Bischof
schlägt vor, sich in dieser Frage an der Praxis der Ostkirchen – die von Rom angeblich nie verurteilt
worden sei – zu orientieren: Es gebe hier „durchaus auch andere Möglichkeiten“. Er hoffe, daß dieses
Thema „mit großem Gespür“ behandelt werde und daß „die Not und der Schmerz“ der betroffenen Menschen
aufgegriffen würde. Dennoch erwartet sich Bischof Scheuer von der Synode keine großen Reformen. Er rät
darum, „die Hoffnungen etwas zurückschrauben, weil die großen Erneuerungen oder auch die große Dynamik,
die von der Eucharistie ausgeht, vermutlich nicht von der Weltkirche vorgeschrieben werden kann“.
Realitätsverlust
USA.
„Die Synode ist besorgt, daß die Katholiken die Realpräsenz Christi mißverstehen“ Unter diesem
Titel sammelte die US-Nachrichtenagentur ‘CNS’ Aussagen der Synodenväter über die Gegenwart Christi
im Altarsakrament. Manche Bischöfe schlugen vor, den Begriff der Transubstantiation mit Transignifikation,
Transfinalisation oder sakramentale Gegenwart zu ersetzen. Ein Bischof forderte, den Gläubigen nicht
zuviel Philosophie und Theologie zuzumuten. Man solle die Eucharistie einfach als Ausdruck der Liebe Gottes
und absoluten Hingabe Christi beschreiben. Ein afrikanischer Bischof bat die Synode eine „Theologie der
Gegenwart“ zu entwickeln. Die Kirche müsse den Unterschied zwischen dem, was „real gegenwärtig ist“
und dem was nur eine „Darstellung der Realität ist“, aufzeigen. In einem katholischen Forum wurde ein
Alternativtitel für den CNS-Artikel vorgeschlagen:
„Katholiken sind besorgt, daß die Synode die Realpräsenz
Christi mißversteht.“Schwer verständlich und spröde„Natürlich gehöre das Zweite Vatikanum zum
»Basiswissen« der Theologiestudenten, erklärt die Vizedekanin der Wiener Theologischen Fakultät, die
Moraltheologin Christa Schnabl, im Gespräch mit Radio Stephansdom: Die Texte des Konzils fänden die
Studierenden aber schwer verständlich und spröde.“
Aus einem Bericht der Homepage der Erzdiözese Wien
vom 12. Oktober 2005 über den „Dies facultatis“ der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät.