Sonntag, 28. November 2004 22:37
Bischöfe, Politiker und Gläubige bevölkerten heute Nachmittag den St. Pöltner Dom anläßlich der feierlichen Amtsübergabe an den neuen Bischof von St. Pölten, Klaus Küng. Der Schatten im hell erleuchteten Dom: KK erhielt den Bischofsstab wider alle Tradition nicht von KK.

(kreuz.net, St. Pölten) Heute fand um 15 Uhr die Amtseinführung des neuen Bischofs von St. Pölten,
DDr. Klaus Küng, statt. Der Zeremonie wohnten neben rund 1000 Gläubigen die österreichischen Bischöfe
und der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Georg Zur, bei. In die Schar der Anwesenden reihte
sich auch der evangelische Superintendent Paul Weiland, Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) und der Landeshauptmann
(Regierungspräsident) des Landes Niederösterreich
Erwin Pröll (ÖVP).
Daß die Amtseinführung auf
den Ersten Adventsonntag, den Beginn des neuen Kirchenjahres, gefallen ist, will auch symbolisch gewertet
werden. Bischof Küng hat nach den Vorfällen um das diözesane Priesterseminar und nach dem Rücktritt
von Bischof Krenn einen Neuanfang in der Diözese angekündigt. In seiner Predigt wies er darauf hin,
daß „die Möglichkeit zu Umkehr, Bewährung und Neuanfang Wesensbestandteile einer christlichen Betrachtungsweise
des Lebens“ seien. In diesem Zusammenhang zitierte er die Worte des heiligen Paulus: „Legt als neues Gewand
den Herrn Jesus Christus an.“
„Soll jetzt alles anders werden?“, fragte Bischof Küng in bezug auf den
Neuanfang. „War also alles Bisherige falsch? So etwas zu sagen, sei mir fern. Mit großem Respekt betrachte
ich die Arbeit meiner Vorgänger“. Weit ausholend erwähnte er namentlich seine Vorgänger: den Koadjutorbischof
König, Bischof Zak, Weihbischof Stöger, Bischof Krenn und Weihbischof Fasching.
Kleines Detail. Der
emeritierte Weihbischof Heinrich Fasching, den Bischof Krenn noch in letzter Minute als Generalvikar gefeuert
hatte, empfing den neuen Bischof von St. Pölten vor dem Dom und übergab ihm als Dompropst Schlüssel,
Kreuz und Aspergill (Weihwasserkessel).
Die im Rahmen einer Amtseinführung übliche Stabübergabe zwischen
Alt- und Neubischof, in diesem Fall Bischof Krenn und Bischof Küng, fand nicht statt. Im Gegensatz zu
seinen Mitbrüdern im Bischofsamt war Bischof Krenn beim Aus- und Einzug nicht dabei, auch an der Konzelebration
nahm der zurückgetretene Altbischof nicht teil.
Unüblich war die Sitzaufteilung im hohen Dom. Ehemalige
Krenn-Vertraute, so Bischofsvikar Prälat Wansch, mußten im Gottesvolk Platz nehmen, während ein Jungkaplan
seinen Sitz direkt hinter dem Bischof zugewiesen bekam. Es ist kein Geheimnis, daß in der Diözese St.
Pölten zur Zeit das große Köpferollen im Gange ist.
Ganz unbeachtet kam Altbischof Kurt Krenn nicht
davon. Kardinal Christoph Schönborn erinnerte daran, daß sich Bischof Krenn nie gescheut habe, für
die Lehre der Kirche auch dann einzutreten, wenn sie nicht den Applaus der öffentlichen Meinung gefunden
habe. Der Kardinal erinnerte in diesem Zusammenhang an den Wahlspruch von Kardinal König „der Wahrheit
in Liebe dienen“ und mahnte, daß bei aller Verteidigung der Wahrheit die Liebe nicht vergessen werden
dürfe. In aller Liebe dürfe jedoch auch die Wahrheit nicht vergessen werden. Kardinal Schönborns Worte
fanden den Applaus aller Anwesenden.
Bischof Klaus Küng wurde am 7. Oktober durch Papst Johannes Paul
II. zum Nachfolger von Bischof Kurt Krenn ernannt. Der ehemalige Bischof von Feldkirch war nach dem Kinderpornoskandal
im St. Pöltner Priesterseminar als Apostolischer Visitator der Diözese tätig gewesen.