Mittwoch, 26. Oktober 2005 15:10
Die kirchlich gesegnete Zivilehe des österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser mit einer Tiroler Millionenerbin am vergangenen Samstag hat in der Alpenrepublik ein breites Echo ausgelöst.

Karl-Heinz Grasser und Fiona Swarowski
(kreuz.net, Weißenkirchen) Für Verwirrung sorgte in diesem Zusammenhang vor allem eine ungewöhnliche
Zeremonie, die im Anschluß an die standesamtliche Trauung in der gotischen Pfarrkirche von Weißenkirchen
in der Wachau stattfand.
Der idyllische Weinort Weißenkirchen liegt an der Donau etwa zehn Kilometer
von Krems entfernt. Er gehört kirchlich zur Diözese St. Pölten.
Zusammen mit der Nachbarpfarrei Wösendorf
wird Weißenkirchen seit 2003 seelsorglich von Pfarrer Franz Richter betreut.
Pfarrer Richter ist 47
Jahre alt und wurde 1985 zum Priester geweiht.
Er hat sich vor allem als Protagonist der diözesanen
Priester-Fußballmannschaft einen Namen gemacht und gehörte zu den schärfsten Kritikern des früheren
Bischofs Kurt Krenn.
Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer ist er Dechant-Stellvertreter des Dekanats Spitz
und Rektor des ‘Johanneums’ in Melk.
Das ‘Johanneum’ ist ein sogenanntes Kleines Seminar, das vor allem
der Förderung von Berufungen zum Priesteramt dient.
Melk ist ein berühmter Klosterort rund 20 km westlich
von St. Pölten.
Zum Rektor des ‘Johanneums’ wurde Pfarrer Richter erst vor wenigen Monaten von Diözesanbischof
Klaus Küng ernannt.
Medienberichten zufolge soll Richter für das Paar Grasser-Swarowski, das schon
seit längerer Zeit im Konkubinat lebt, eine Art von Andacht gehalten und die beiden gesegnet haben.
Sowohl Grasser als auch Frau Swarowski sind bereits kirchlich verheiratet und können deshalb keine neue
Ehe eingehen.
Augenzeugenberichten zufolge soll das Paar in der Kirche von Pfarrer Richter auf besonderen,
mit Blumen geschmückten Stühlen plaziert worden sein, wie es bei kirchlichen Eheschließungen ortsüblich
ist.
Über Wochen hinweg war es Pfarrer Richter gelungen, die bevorstehende Feier geheimzuhalten – angeblich
um keine Journalisten anzulocken.
Es sei ihm wichtig gewesen, daß „die Hochzeit“ keine Show werde, wird
Pfarrer Richter in den österreichischen Medien zitiert.
Die Feier sei „warmherzig und besinnlich“ gewesen.
Nach kirchlichem Recht ist die Vortäuschung einer Sakramentenspendung – Simulation genannt – mit Kirchenstrafen
bedroht.
Von Seiten der Diözese St. Pölten wurde zu dem Vorfall in der Pfarrei Weißenkirchen bislang
nicht offiziell Stellung genommen.
Die Pfarrei Weißenkirchen ist übrigens auf der Homepage www.wiederverheiratete.at
in eine
Liste von Pfarrämtern eingetragen, in der angeblich von den Ortspfarrern an sogenannte wiederverheiratete
Geschiedene eine „Segnung“ vollzogen und ihnen anstandslos die Heilige Kommunion gereicht wird.
Auf der
Homepage findet sich sogar ein frei erfundener Ritus einer solchen Segnung.