13:09:25 | Donnerstag, 27. Oktober 2005
Liturgie
Mission anders herum
Am jüngsten Weltmissionssonntag gab sich das Bistum Würzburg interreligiös. Vor dem Volksaltar des Kiliansdomes zeigten christliche Tänzerinnen bunte heidnische Rituale. Die Gesellschaftspolitik kam auch nicht zu kurz.
(kreuz.net, Würzburg) Am letzten Sonntag, an dem der Weltmissionen gedacht wurde, – zelebrierte der Bischof
von Würzburg, Mons. Friedhelm Hofmann, in Gegenwart des Erzbischofs von Hyderabad, Mons. Marampudi Joji,
im Würzburger Kiliansdom ein Pontifikalamt.
Würzburg liegt in Nordbayern. Hyderabad befindet sich im
Zentrum von Indien im Bundesstaat Andra Pradesch.
Die Würzburger Kathedrale war nach Angaben des Bistums
bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Messe bildete zugleich den Abschluß des in ganz Bayern gehaltenen
„Monats der Weltmission“.
Zu Beginn der Feier erinnerte Bischof Hofmann an die Diskriminierung von 240
Millionen Dalits in Indien.
Dalit ist die Bezeichnung der sogenannten Unberührbaren, die außerhalb
des indischen Kastensystems leben.
Zum Bußakt trugen zwei Damen in Beinkleidern ein Kreuz aus gebrochenen
Ästen zum Altar. Das Ästekreuz war bei einem sogenannten Frauengottesdienst im Vorfeld des Pontifikalamtes
entstanden.
Es sollte die unvorstellbare Lebenssituation der Dalitfrauen symbolisieren.
Jugendliche
legten eine Weltkarte voller Tonscherben vor den Altar. Auf die Scherben hatten sie bei einer Jugendvesper
zum Weltmissionsmonat Probleme der heutigen Menschheit niedergeschrieben.
Das Evangelium wurde in der
indischen Landessprache Telugu gelesen.
In einer Dialogpredigt mit Erzbischof Joji rief der Bischof von
Würzburg die Würzburger zur Solidarität mit den Kastenlosen in Indien auf.
Der Erzbischof von Hyderabad –
der als erster Dalit das Amt eines Erzbischofs innehat – wies ebenfalls auf die Diskriminierung der Kastenlosen
hin.
Die Kirche sei gut beraten, die indische Gesellschaft zu beeinflussen, um das Wohl aller Menschen
zu fördern.
Die Christen bildeten in Indien zwar eine Minderheit. Doch sei die Kirche sehr lebendig
und bringe den Menschen mit dem Evangelium große Hoffnung.
Jesus Christus schenke Freiheit und Gleichheit.
Aus diesem Glauben heraus gelte es – so Erzbischof Joji – die Gesellschaft zu gestalten.
Am Ende der
Messe setzte ein sogenannter Anbetungstanz der christlich- indischen Tanzgruppe ‘Kalai Kaviri’ einen „farbenprächtigen
Akzent“ aus der „indischen Liturgie“. Der Tanz im Altarraum beinhaltete nach Angaben der diözesanen Pressestelle
hinduistische Arati-Rituale.
Arati ist eine hinduistische Lichtzeremonie.
Ein englischsprachiges Onlinetagebuch
kommentierte den Würzburger Sonntag der Weltmission:
„Die Ironie besteht darin, daß den Verantwortlichen
des Weltmissionssonntags das eigentliche Ziel der Mission entging: Seelen zu retten.“