15:02:50 | Samstag, 29. Oktober 2005
Kirchenverkauf
Erneuerung mit dem Preßlufthammer
Der Bischof von Cloyne in Irland und ehemalige Privatsekretär dreier Päpste will die Liturgiereform in einer seiner zwei Bischofskirchen mit der Planierraupe durchzusetzen.
(kreuz.net, Cloyne) Gegenwärtig gibt es im Kirchenvolk der Diözese Cloyne in Irland einen Aufstand.
Der Streit entzündete sich an Umbauplänen für die diözesane Kathedrale, die sich in der Stadt Cobh
befindet.
Das berichtete die englische Tageszeitung ‘Telegraph’ am 19. Oktober.
Die Diözese Cloyne
befindet sich im Süden von Irland.
Die Stadt Cobh liegt 10 Kilometer westlich von Cloyne unweit der
Atlantikküste.
Der Diözesanbischof von Cloyne mit Sitz in der Hafenstadt Cobh, Mons. John Magee (69),
will den Innenraum seiner neogotischen Kathedrale St. Colman völlig umbauen.
Mons. Magee war von 1975-1982
Privatsekretär der Päpste Paul VI., Johannes Paul I. und Johannes Paul II. Von 1982 bis Februar 1987
amtete er als päpstlicher Zeremonienmeister.
Gegenwärtig ist Mons. Magee in der irischen Bischofskonferenz
der Verantwortliche für liturgische Fragen.
Die Bauarbeiten in der Kathedrale von Cobh sehen den völligen
Umbau des Altarraums, die Zerstörung eines historischen Mosaikfußbodens und das Herausreißen einer
dreißig Meter langen Kommunionbank aus Marmor vor.
Die Maßnahmen sind Teil eines Planes, der vorsieht,
den Chor sowie das Längs- und Querschiff der Kirche umzubauen.
Bischof Magee glaubt, daß die Änderungen
notwendig sind, um das Gotteshaus mit den Erfordernissen der Neuen Messe in Übereinstimmung zu bringen.
Dazu sollen auch zwanzig Bankreihen herausgenommen und der Altarraum ins Kirchenschiff hineinverlängert
werden.
Gleichzeitig will der Bischof den Altarraum tiefer setzen und die drei Stufen entfernen, die
jetzt dorthin hinaufführen.
Der Bischofsthron und der Altar sollen näher zum Kirchenvolk herangerückt
werden.
Die Verlängerung des Altarraums würde zu einer Zerstörung des Mosaikbodens führen, der zwischen
1867 und 1919 von Ludwig Oppenheimer aus Manchester gelegt wurde.
Das sehr feingestaltige Kunstwerk stellt
religiöse Symbole und die Harfe dar, die das Symbol von St. Colman, dem Barden von Munster, ist.
Der
heilige Bischof Colman starb im Jahre 676.
Bischof Magee möchte auch die Seitenkapelle seiner Kathedrale
umbauen, die bisher für die Aufbahrung der Bischöfe diente.
Sie soll in eine konventionelle Totenkapelle
umfunktioniert werden.
Der Stadtrat von Cobh genehmigte den Umbau.
Doch der Widerstand gegen das Bauvorhaben
ist enorm. Das Denkmalamt hat sogar dagegen geklagt.
Die Vernichtung des Mosaikes widerspreche architektonischen
Richtlinien.
Die Zerstörung der Kommunionbank werde die Gläubigen jenes Ortes berauben, wo sie seit
mindestens 100 Jahren knieten, um die heilige Kommunion zu empfangen“, erklärt außerdem die Tageszeitung
‘The Telegraph’.
Zwei Laienorganisationen – die ‘Irish Georgian Society’ und die ‘Friends of St. Colman’s
Cathedral’ – sammelten gegen die Zerstörungspläne des Bischofs 24.124 Unterschriften.
Die Bischofskirche
von Cobh ist den großen mittelalterlichen Kathedralen Frankreichs nachempfunden.
Sie ist eine der schönsten
Werke des Architekten Edward Welby Pugin. Pugin baute in seinem Leben in Großbritannien und Irland über
100 katholische Kirchen.
Er ist ein sehr bekannter viktorianischer Architekt der neugotischen Epoche.
Ein Sprecher der Diözese Cloyne zeigte sich relativ uneinsichtig:
Man sei im bischöflichen Ordinariat
der Meinung, daß „die Struktur“ eines Gotteshauses zur Erfahrung der Gemeinschaft, die miteinander feiert,
beitragen soll, damit eine „volle Aktivität“ des Volkes in der Liturgie erleichtert werde.
„Gegenwärtig
gibt es in der Kathedrale von Cobh eine bedeutende räumliche Trennung zwischen Priester und Volk.“