Mittwoch, 2. November 2005 09:33
Wird es eine weltweite tridentinische Personalprälatur geben?
Bei einem Vortrag erklärte ein hoher Mitarbeiter der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, daß der Vatikan gerade an der Lösung liturgischer Fragen arbeite.
(kreuz.net, Rom) Sehr optimistisch, zeigte sich Mons. Camille Perl Anfang Oktober bezüglich einer weltweiten Freigabe der tridentinischen Messe.

Dies berichtete das in Rom erscheinende englischsprachige Monatsmagazin „Inside the Vatican“ am Freitag.

Der aus Luxemburg stammende Prälat arbeitet seit ihrer Einrichtung im Jahr 1988 für die Kommission ‘Ecclesia Dei’. Der Kommission ist die pastorale Sorge für Katholiken anvertraut, die sich der Alten Messe verbunden fühlen.

Mons. Perl hielt anläßlich einer römischen Konferenz der internationale Föderation ‘Una Voce’ einen Vortrag. Die Konferenz fand am 8. und 9. Oktober statt.

Die internationale Föderation ‘Una Voce’ bemüht sich seit den 60er Jahren um eine Rehabilitierung des überlieferten Ritus.

Bei seinem Vortrag am 9. Oktober überbrachte Mons. Perl die Grüße des Präsidenten der Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Cardinal Castrillon Hoyos, und erklärte, daß der Kardinal mehr für die Alte Liturgie getan habe als irgendeiner seiner drei Vorgänger.

Dann sagte Mons. Perl, daß die Kommission ‘Ecclesia Dei’ seit der Wahl des neuen Papstes aus ihrem Schattendasein hervorgetreten sei.

Seit er für die Kommission ‘Ecclesia Dei’ arbeite, sei er von vielen Leuten in Rom ignoriert worden. Das habe sich jetzt geändert: „In den letzten Monaten bleiben die Leute stehen und grüßen mich, wenn ich auf der Straße unterwegs bin.“

Mons. Perl – der selber kein Traditionalist ist – dürfte sich vor allem auf die Mitarbeiter der Römischen Kurie beziehen, die es meist recht gut verstehen, ihre persönlichen Überzeugungen der Großwetterlage anzupassen.

Dann offenbart Mons. Perl – nach ‘Inside the Vatican’ – seine „explosivsten Neuigkeiten“: Theologen, Kirchenrechtler und Liturgiker würden sich gegenwärtig im Auftrag des Vatikans intensiv mit liturgischen Fragen beschäftigen.

Es gehe dabei vor allem darum, wie die „Reform der Reform“ an die Hand genommen werden könne: „Man bereitet auf diesem Gebiet einige wichtige Dinge vor.“

‘Inside the Vatican’ vermutet Vorarbeiten für ein neues vatikanisches Dokument.

Mons. Perl erklärte, daß er sich die brasilianische Diözese Campos als Modell vorstellen könne, wie der Alte Ritus in der Kirche wieder ein Heimatrecht bekommen könnte.

Das Bistum Campos liegt im Nordosten Brasiliens. Es wurde von 1949 bis 1981 von Bischof Antonio de Castro Mayer († 1991) regiert. Dieser verweigerte nach dem Zweiten Vatikanum die Einführung der Neuen Liturgie in seiner Diözese.

Obwohl er bereits im Jahr 1981 als Bischof zurücktrat, blieb er weiterhin der Oberhirte der Traditionalisten seiner Diözese, die dort mit Abstand den größten Teil der Katholiken ausmachen.

Die Diözese verband sich schließlich mit der von Erzbischof Marcel Lefèbvre gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X.

Nach dem Tod von Bischof Castro Mayer im April 1991 übernahm sein Nachfolger Bischof Licinio Rangel die Leitung der Diözese.

Im Jahr 2002 verhandelte Bischof Rangel eine Einigung mit Rom.

Auf dem Boden des Bistums Campos wurde eine Personaldiözese gegründet, die den Namen ‘Apostolische Administratur des Heiligen Johannes Maria von Vianney’ trägt.

Nach dem Tod von Bischof Rangel im Dezember 2002 wurde Bischof Fernando Arêas Rifan (55) neuer Administrator.

Mons. Perl gab keine klare Antwort auf die Frage, wie die Diözese Campos für Rom als Modell dienen könnte. Zur Zeit scheint die Lösung in Campos eher eine Arbeitshypothese zu sein.

Dennoch sei nicht auszuschließen – so ‘Inside the Vatican’ – daß die Frage der weltweiten Zelebration der Alten Messe mit einer Personalprälatur gelöst werde.

Die einzige kirchliche Organisation, die bisher einen solchen Status verliehen bekam, ist das Opus Dei.
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