Samstag, 12. November 2005 10:43
In Bagdad boomen die Baptisten
Seit der Eroberung des Irak durch US-Truppen verlassen die Katholiken scharenweise das Land. Doch im Land wachsen die Freikirchen.
(kreuz.net, Bagdad) Im April 2003 besetzten die US-Invasionstruppen Bagdad. Seither wurden in der Stadt 15 neue freikirchliche Versammlungshallen eröffnet.

Das berichtete die kalifornische Nachrichtenagentur ‘Compass Direct’, die über die weltweite Christenverfolgung informiert.

Unter Saddam Hussein gab es in Bagdad nur zwei presbyterianische Kirchen, deren Gläubige aus Ägypten stammten. Mit den Invasionstruppen kamen die Baptisten, die Methodisten sowie die ‘Christliche und Missionarische Allianz’.

Die Freikirchen sind sehr aktiv. Sie besitzen Radiostationen, Schulen und Buchläden.

Im kurdischen Nordostteil des Landes profitieren sie von der Tatsache, daß die moslemische Lokalregierung, Konversionen von Moslems zum Christentum toleriert.

Die Kurden gehören zu den am wenigsten praktizierenden sunnitischen Moslems des Nahen Ostens.

Im Süden des Landes wachsen die Freikirchen ebenfalls schnell.

„Die Menschen sind offen wie nie zuvor“, erklärt ein Pastor der ‘Christlichen und Missionarischen Allianz’ in Bagdad:

„Das ist so, weil wir keinen Frieden haben. Daran knüpfen wir mit unserer Botschaft an: Ich predige über das Thema ‘Wie können wir Frieden bekommen?’ Alle hören zu, besonders wenn ich über den tieferen Frieden spreche, den Christus bringt.“

Die meisten Mitglieder der neuen Freikirchen sind ehemalige Presbyterianer. Es gibt auch Übertritte von der mit Rom unierten chaldäisch-katholischen Kirche und von den Syrisch-Orthodoxen.

Ein Hoffnungschimmer für die Kirche im Irak ist, daß viele der 40.000 Christen, die aus dem Land im August 2004 nach einer Anschlagsserie flüchteten, wieder zurückgekehrt sind.

Dennoch ist davon auszugehen, daß noch 10.000 in Flüchtlingslagern in Jordanien und Syrien leben.

Vor allem die Christen der Mittelklasse suchen immer noch, das Land zu verlassen, weil sie beliebte Ziele für Entführungen und Gelderpressungen sind.

Das Leben im Land ist immer noch äußerst schwierig.

Für Reisen benützt man gerne den frühen Morgen, um möglichen Problemen auf den Straßen aus dem Weg zu gehen. Nach 19.30 Uhr getraut sich wegen der Aufständischen und Plünderer niemand mehr auf die Straßen.

Das Verhältnis zur US-Armee ist gespannt: „Keine Bevölkerung wird eine Armee unterstützen, die sie nicht schützen kann – die letzten Sympathien sind weg“, erklärt ein evangelikaler Pastor.

Natürlich gibt es auch einen Konflikt zwischen den Freikirchen und den alten Kirchen des Landes. In Bagdad habe ein chaldäisch-katholischer Priester praktizierenden Verwandten von Abgefallenen angeblich mit der Verweigerung des Begräbnisses gedroht.

Ein baptistischer Pastor aus Bagdad vermutet, daß sich die negative Einstellung der Kirchen den Evangelikalen gegenüber noch verschärfen wird:

„Ich glaube, daß sie die schlimmsten Verfolger der Evangelikalen sein werden. Es ist so, wie es immer war. Gegenwärtig übersetze ich ein Buch mit dem Titel ‘Blutgericht’. Es berechnet, daß die institutionellen Kirchen vom Jahr 315 bis 1570 fünfzig Millionen Christen getötet haben.“
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