13:45:58 | Samstag, 12. November 2005
Die Hagia Sophia in Istanbul ist die Hauptkirche der orthodoxen Welt. Nach der türkischen Eroberung der Stadt wurde sie 1453 in eine Moschee umgewandelt. Gegenwärtig ist sie ein Museum.
(kreuz.net) Eine
europäische Initiative sammelt derzeit eine Million Unterschriften für eine Petition
an das EU-Parlament.
Die Petition fordert eine Rückgabe der orthodoxen Kirche ‘Hagia Sophia’ in Istanbul/Konstantinopel
an das Ökumenische Patriarchat der Stadt.
Die Rückgabe der Kirche an ihre ursprünglichen Besitzer
solle sogar zu einer Bedingung für einen EU-Beitritt der Türkei gemacht werden.
Initiatorin des Vorstoßes
ist eine gewisse Angeliki Papagika. Nach eigenen Angaben arbeitet sie gegenwärtig an der Universität
Zürich an einem Doktorat in Psychologie.
Frau Papagika handelt auf eigene Initiative und ohne Absprache
mit orthodoxen kirchlichen Verantwortungsträgern.
Die Mutterkirche der orthodoxen Welt fiel im Jahre
1453 in die Hand der türkischen Osmanen, die damals die Stadt Konstantinopel – auch Byzanz genannt –
eroberten und fortan Instanbul nannten.
Im gleichen Jahr ernannte der Eroberer-Sultan Mehmed Fatih die
Hagia Sophia zur osmanischen Reichsmoschee.
Frau Papagika sieht ihre Initiative nicht als antitürkische
Aktion. Sie betont vielmehr, daß sich die Türken auch um den Erhalt der Kirche gekümmert haben.
So
wurden die Mosaiken im Innenraum der Kirche auch nach der Umwandlung zur Moschee nicht zerstört.
Erst
Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Kuppeln neu ausgemalt und die Wände mit den Mosaiken mit einer
Putzschicht bedeckt.
Die Mosaiken außerhalb des eigentlichen Sakralraums blieben noch bis Anfang des
18. Jahrhunderts sichtbar.
Besonders erwähnt Frau Papagika die Rolle von Sultan Abdülmecid I. († 1861).
Dieser bemühte sich um eine gewisse Verwestlichung des Landes und führte auch eine große Restauration
der Hagia Sophia durch.
Im Jahr 1847 beauftragte der Sultan den Schweizer Architekten Gaspare Fossati
(† 1883) mit der Restaurierung der Hagia Sophia.
Fossati stand seit 1845 im Dienst des Sultans.
Er ließ
die Putzschichten abtragen und entdeckte die darunterliegenden Mosaike. Daraufhin bestürmte er den Sultan,
die islamischen Prinzipien zu mildern, welche die Zerstörung der Mosaiken verlangt hätten.
Abdülmecid
I. antwortete: „Die Mosaiken sind wunderschön. Verbergen Sie sie gut, weil unsere Religion sie verbietet.
Aber zerstören Sie nichts: Wer weiß, was einmal geschehen wird.“
Vor den Arbeiten schickte der Sultan
die Mitglieder des für die Moschee zuständigen islamischen Klerus auf Pilgerfahrt nach Mekka.
Erst
nach dem Ende des islamischen osmanischen Reiches und der Installierung des laizistischen Regimes von
Präsident Kemal Atatürk wurden die Mosaiken ab 1932 von amerikanischen Archäologen freigelegt.
1934
wurde die Hagia Sophia in ein Museum umfunktioniert.
Seither zähle nur mehr der künstlerische und historische
Wert der Kathedrale, nicht aber ihre religiöse Aufgabe, erklärt Frau Papagika.
Doch eine Kathedrale
könne nicht in eine kulturelle oder weltliche Einrichtung verwandelt werden.
Die Zeit sei gekommen,
daß die Hagia Sophia wieder ein Ort des christlichen Gottesdienstes werde.
Mit der Rückgabe der Hagia
Sophia an die Kirche würde der türkische Staat einen großartigen und noblen Schritt setzen und zugleich
seinen aufrichtigen Respekt vor den Christen Europas und der Welt unter Beweis stellen.
„Historische
Fehler können rückgängig gemacht und korrigiert werden“, erklärt Frau Papagika.