13:44:33 | Dienstag, 15. November 2005
Deutschland
Nicht pornographisch
Der Initiativkreis katholischer Priester und Laien der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat kürzlich dem zuständigen Diözesanbischof die Entweihung einer Pfarrkirche im Bistum gemeldet.
(kreuz.net, Nürtingen) Der Brief des Initiativkreises an Bischof Gebhart Fürst ist mit dem 25. Oktober
datiert.
Der Initiativkreis des Bistums Rottenburg-Stuttgart nennt sich Philipp-Jeningen-Kreis und setzt
sich überwiegend aus Akademikern zusammen. Er besitzt auch Mitglieder, die in Nürtingen – 20 Kilometer
südlich von Stuttgart – wohnen.
Gegenstand der Kritik ist die Ausstellung „Oh Maria“ in der Pfarrkirche
St. Johannes von Nürtingen. Dort wurden offenbar Bilder und Skulpturen von überwiegend nackten Frauen
gezeigt, „die sich darauf in erbärmlicher Weise prostituieren“, so der Initiativkreis.
Die umstrittenen
Darstellungen – die angeblich alle die Muttergottes verkörpern – wurden im Marienmonat Oktober in der
Kirche zur Schau gestellt.
Ein Gotteshaus für derartige Darstellungen zu mißbrauchen sei – so der Initiativkreis –
ein Skandal: „Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte sich jeder Geistliche, der so etwas unternommen
hätte, damit um Amt und Würden gebracht.“
Der Initiativkreis kritisierte auch das Rahmenprogramm der
Ausstellung. Dabei wurde eine Disko für Jugendliche unter dem Titel „Maria meets Techno“ veranstaltet.
„Maria meets Techno“ lasse auf einen völlig entkernten Glauben seiner Urheber schließen. Techno-Tanz
bedeute Trance-Ekstase, Drogenrausch und Exzesse.
Im Brief verweist der Initiativkreis auch auf eine
Ausstellung, die vor vier Jahren in derselben Kirche unter dem Titel ‘INRI’ stattfand.
Damals habe ein
brasilianischer Solotänzer seine Produktionen fast unbekleidet im Presbyterium und vor dem Tabernakel
zur Schau gestellt:
„In Sankt Johannes würde man so etwas Performance nennen und davon sprechen, daß
sich da ,Theologien des Fleisches und der Berührung’ ergeben“, vermutet der Initiativkreis.
Der Brief
bittet den Bischof dringend, solchem „Treiben“ ein Ende zu setzen.
Der verantwortliche Pfarrer bezeichnete
das Schreiben des Initiativkreises vor der Lokalpresse als „heftig“, „polemisch“ und „denunziatorisch“.
Die Frage, wie viel nackte Haut eine Kirche vertrage, erachtet der Seelsorger als bedeutungslos: „Als
ob es wirklich darauf ankäme.“
Der Pressesprecher des Bistums Rottenburg-Stuttgart erklärte vor der
Lokalpresse, daß sich der für Liturgiefragen verantwortliche Weihbischof Johannes Kreidler des Falles
angenommen habe.
Er sei bereits zum Schluß gekommen, daß die Johanneskirche durch die Fotos der umstrittenen
Ausstellung „nicht entweiht“ worden sei. Die Ausstellung sei auch vom Kirchengemeinderat mit acht zu einer
Stimmen befürwortet worden.
Ein vom Initiativkreis zitierter Kanon des Kirchenrechtes kann aus Sicht
des Weihbischofs nicht angewendet werden: „Dazu hätte wohl eine regelrechte Orgie in der Kirche gefeiert
werden müssen.“
Das Ordinariat teile auch nicht die Auffassung, daß bei der Ausstellung Pornographie
gezeigt wurde, obwohl noch nicht alle Bilder gesichtet worden seien:
„Aber für das, was wir bislang
gesehen haben, gilt, daß man an jedem Zeitungskiosk und in jeder Badeanstalt mehr sehen kann.“
Mit einer
kirchenrechtlichen Strafmaßnahme gegen den Ortspfarrer sei daher nicht zu rechnen. Es werde aber ein
Gespräch zwischen Bischof Gebhard Fürst und dem Priester geben.
Im Gästebuch der Pfarrei stieß die
angebliche Marienausstellung auf heftige Kritik.
„Wie bekloppt muß man sein, um so etwas zu dulden?“,
heißt es dort: „Heut kann man ja alles Kunst nennen.“
Ein anderes Kommentar bezeichnet die Kirche angesichts
der Ausstellung als „Mülldeponie“.