Donnerstag, 24. November 2005 09:52
Am Dienstag veröffentlichten Unbekannte das seit
zehn Jahren erwartete
vatikanische Homo-Dokument eine Woche vor der offiziellen Promulgation des Volltextes. Tags darauf erklärten Bischöfe verschiedener Länder, daß man alles beim alten belassen wolle.
Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann„Die deutschen
Bischöfe begrüßen die Instruktion. In der Regel wird in unseren Theologischen Konvikten und Priesterseminaren
schon seit längerer Zeit in diesem Sinne verfahren. Darum steht die Instruktion auch in einer grundsätzlichen
Übereinstimmung mit der zuerst im Jahr 1999 erarbeiteten, dann von 2003 bis 2005 überprüften Handreichung
‘Homosexualität und Priesterberuf’ (24 Seiten), die für den internen Gebrauch bestimmt war, inzwischen
aber auch öffentlich bekannt wurde. Wir empfinden die Instruktion deshalb auch als Bestätigung des eigenen
Weges, der einerseits eine klare grundsätzliche Orientierung und anderseits eine differenzierte Beratung
und Entscheidung im Einzelfall darstellt.“
Erklärung der Schweizer Bischöfe„Wir danken allen Priestern,
die ihre Berufung in großer Treue leben. Wir sind uns bewußt, daß in unserem Priesterkollegium und
in unseren Seminarien Mitbrüder leben, die sich als Menschen mit heterosexueller Orientierung und Mitbrüder,
die sich als Menschen mit homosexueller Orientierung erfahren. Jeder soll als Mensch und Mitbruder akzeptiert
und respektiert werden. Unabhängig von unserer sexuellen Orientierung haben wir uns entschieden zu einem
Leben in eheloser Keuschheit. Im Mittelpunkt unserer Abklärungen zur Zulassung zum Priesteramt steht
nicht die sexuelle Orientierung, sondern die Bereitschaft zur konsequenten Christusnachfolge. Die Stellungnahme,
die wir in einem Pastoralschreiben vom Oktober 2002 diesbezüglich veröffentlicht haben, deckt sich weitgehend
mit der Haltung der neuen Instruktion: »Es ist unsere Aufgabe als Bischöfe, in kluger Unterscheidung
zu prüfen, wem ein entsprechendes Charisma geschenkt ist und folglich zum kirchlichen Dienst zuzulassen
oder nicht. Eine homosexuelle, aber in geschlechtlicher Enthaltsamkeit gelebte Neigung schließt vom kirchlichen
Dienst nicht aus.«“
Los Angeles Times„Ein Sprecher der
Erzdiözese Los Angeles sagte, die Instruktion
werde kaum – wenn überhaupt – eine Auswirkung darauf haben, wie Priesterseminare in Los Angeles ihre
Kandidaten auswählen.“
Catholic News Service, Nachrichtendienst der US-Bischofskonferenz„Der neue
Text behandelt ausschließlich die Frage der Homosexualität. Das versetzte sogar innerhalb des Vatikan
einige Leute in Aufregung. »Man hätte ein allgemeineres Dokument über Selbstkontrolle oder Keuschheit
schreiben sollen«, erklärte ein Bischof, der den Vatikan zu Fragen der Glaubenslehre und zu anderen
Thema berät: »Diese Instruktion sagt sehr richtige Dinge, aber es gibt viele Versuchungen oder Instinkte,
die vor der Priesterweihe kontrolliert werden müssen«, so der Bischof: »Stattdessen wurde eine Instruktion
geschrieben, die Homosexuelle aussondert. Das kann zu Mißverständnissen führen.«“
Bischof Matthew
Clark von Rochester/New York, am 12. November in seiner Bistumszeitung zu Gerüchten um ein neues Homo-Dokument
„Die grundlegende Sorge der Heranbildung zu einem Leben in zölibatärer Keuschheit gilt der sexuellen
Reife, nicht der sexuellen Orientierung. Eine gute Seminarerziehung muß für eine Umgebung sorgen, in
der sich heterosexuelle und homosexuelle Kandidaten so entwickeln können, daß sie sich voll und ganz,
sogar freudig für den keuschen und treuen Zölibat verpflichten.“
Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle
und Kirche – HuK„Homosexuelle nicht zum Priesteramt zuzulassen, stellt eine ungerechte Verallgemeinerung
dar, mit der Schwule zu Sündenböcken gemacht werden. Das Priesteramt bedarf einer grundlegenden Reformierung.
Die Ausgrenzung einzelner sollte in einer lebendigen und christusgemäßen Kirche keinen Platz haben.
Die Weisung stellt homosexuell orientierte Priesteramtskandidaten in vielem schlechter als andere. Damit
verstößt die Weisung sogar gegen die eigene, offizielle Lehre der römischen Amtskirche. Im Weltkatechismus
heißt es unter anderem »Man hüte sich, sie [die Homosexuellen] in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen«.“